Borges, Adrian Constantin: „Die Echokardiographie in der Diagnostik der Herzinsuffizienz - Ischämie, Vitalität und Hämodynamik“

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Kapitel 1. Einleitung

Die Ultraschalldiagnostik des Herzens ist eine der wichtigsten nichtinvasiven Diagnostikmethoden in der Kardiologie und zeichnet sich durch ein hohes zeitliches (bis zu maximal 70-90 Bilder pro sec im B-Bild und bis zu 1800 Bilder pro sec im M-Mode) und örtliches Auflösungsvermögen (axiale Auflösung von 1-2 mm), schnelle und breite praktische Verfügbarkeit und Mobilität, bei gleichzeitiger großer diagnostischer Genauigkeit aus. Die Bedeutung der Echokardiographie leitet sich aus den Möglichkeiten der gemeinsamen Untersuchung und Charakterisierung von Morphologie und Funktion ab (6). Die zuverlässige Bestimmung von Dimensionen, von Hypertrophie, der links- und rechtsventrikulären Funktion, von Parametern der diastolischen Funktion und die Kennzeichnung von Klappenmorphologie und -funktion bilden die Grundlage für die Diagnostik fast aller Entitäten in der Kardiologie und erleichtern eine klinische Einschätzung des Patienten und seiner Prognose .

Seitdem Dr. Inge Edler und Dr. Carl Hellmuth Hertz 1949 erstmals mittels M-Mode Technik das Bild einer menschlichen Mitralklappe ableiteten, nahm die Echokardiographie eine sprunghafte Entwicklung (131). Mit Einführung der Stress-Echokardiographie unter ergometrischer oder pharmakologischer Belastung und der Kontrast-Echokardiographie ist es möglich geworden, durch den Nachweis von Kontraktionsstörungen und die Darstellung einer regionaler kontraktilen Reserve sowie mit der direkten Darstellung der myokardialen Mikroperfusion eine zuverlässige Ischämie- und Vitalitätsdiagnostik durchzuführen. Neben der Magnetresonanztomographie ist die Kontrast-Echokardiographie die einzige Methode, die die transmurale Ausdehnung einer Myokardnarbe bestimmen kann (61).

Das große diagnostische Spektrum der transthorakalen Echokardiographie wird nur durch die Magnetresonanztomographie erreicht, die besonders auf dem wissenschaftlichen Gebiet ein konkurrierendes Verfahren in der Kardiologie darstellt. Die Magnetresonanztomographie ermöglicht die nichtinvasive Darstellung von Koronargefäßen und Gefäßwandstrukturen (21) zusammen mit der Darstellung von anderen kardialen Strukturen und der Quantifizierung der Myokardperfusion. Sie wird allerdings aufgrund der wesentlich höheren Kosten,


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des größeren apparativen Aufwandes, der eingeschränkten Verfügbarkeit, der Ortsgebundenheit und der eingeschränkten Anwendbarkeit bei Patienten mit Herzschrittmachern und automatischen implantierbaren Kardiodefibrillatoren limitiert. Deshalb ist es besonders wichtig, alternativ die Möglichkeiten der Echokardiographie als breit einsetzbare diagnostische Methode weiterzuentwickeln und die Möglichkeiten besonders der Quantifizierung, Objektivierung und Reproduzierbarkeit zu erhöhen. Zusätzlich bietet die Echokardiographie auch zunehmend therapeutische Optionen: Durch die Entwicklung der Gentherapie ist eine gezielte Freisetzung von Vektoren im Myokard durch die Kontrast-Echokardiographie möglich geworden.

Die intravasale Ultraschalldiagnostik und intravasalen Doppler-Flußmessungen erlauben die genaue morphologische Untersuchung des Gefäßes und die Bestimmung der myokardialen und koronaren Flussreserve, eine zunehmend wichtige Entscheidungshilfe in der Herzkatheterdiagnostik und -therapie. Ein neues Indikationsgebiet stellt der Pulmonalkreislauf dar. Hier können Veränderungen von Gefäßarchitektur bei pulmonaler Hypertonie und intravasale Thromben diagnostiziert werden. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit der invasiven Testung der Gefäßreagibilität unter vasodilatatorisch wirksamen Pharmaka. Es existieren aber derzeit nur sehr eingeschränkte Erfahrungen auf diesem Gebiet. Die Invasivität dieses Verfahrens und die hohen Kosten limitieren auch in der Zukunft den Einsatz der intravasalen Echokardiographie.

Die Entscheidung für einzelne therapeutische Optionen (konservative vs. kardiochirugurgische Therapie, Vorbereitung zur Herztransplantation und /oder zur Herz-Assist Implantation) verlangt eine individuelle Charakterisierung der Situation und Prognose des Patienten. Dabei leistet die Echokardiographie einen umfassenden Beitrag. Die vorliegende Habilitationsschrift beinhaltet Untersuchungen auf dem Gebiet der Echokardiographie bei Patienten mit verschiedenen Herzerkrankungen. Sie legt den Schwerpunkt auf die Problematik der Herzinsuffizienz mit der Diagnostik von Ischämie, myokardialer Vitalität und hämodynamischen Parametern. Es werden die Möglichkeiten der Diagnostik von Morphologie und Funktion als eine komplexe Einheit untersucht. Dabei werden auch auf neue Techniken der Kontrast-Echokardiographie und des Gewebe-


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Dopplers eingegangen und die Bedeutung in der zukünftigen Diagnostik bei Patienten mit Herzinsuffizienz diskutiert.

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Mon Dec 2 12:51:14 2002