Borges, Adrian Constantin: „Die Echokardiographie in der Diagnostik der Herzinsuffizienz - Ischämie, Vitalität und Hämodynamik“

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Kapitel 7. Intravaskulärer Ultraschall (IVUS) der Pulmonalarterien

7.1 Wandaufbau und Pulsatilität und Vasodilation bei Gesunden

Erste in vitro-Untersuchungen anhand tierexperimenteller Präparate von Pulmonalarterien zeigten eine hohe diagnostische Genauigkeit in der Bestimmung von Diameter, Querschnittsfläche, Form und Wanddicke. Es konnten ähnliche Erfahrungen bei Normalpersonen in vivo erworben werden, wobei insbesondere Gefäßform und Pulsatilität beurteilt wurden. Auf Grund des hohen Anteils von elastischen Fasern in der Arterienwand erscheint diese mittels IVUS sehr echoreich und eine Differenzierung in Intima, Media und Adventitia ist im Gegensatz zu den Koronararterien, als Arterienwand des muskulären Gefäßtyps, nicht möglich. Auch bei den eigenen Untersuchungen war der Normalbefund der Pulmonalarterien gekennzeichnet durch einen rundlich-ovalären Querschnitt mit einer einzelnen, homogenen echogenen Wand. Die relative Wanddicke war signifikant geringer als bei Patienten mit pulmonaler Hypertonie. Die Pulsatilität der normalen Pulmonalarterie kann in einer systolisch-diastolischen Änderung der Querschnittsfläche von 10-20% bestimmt werden. Diese Veränderung ist Ausdruck der normalen Compliance der Gefäßwand.

Borges AC, Witt C. Intravaskulärer Ultraschall der Pulmonalarterien. Atemw.-Lungenkrh. 2000; 26: 326-332.


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7.2 Wandstruktur und gestörte Vasodilatation bei pulmonaler Hypertonie

Histologische Untersuchungen dokumentierten die Veränderungen von Lumen und Gefäßwandstruktur der Pulmonalarterien bei primärer und sekundärer pulmonaler Hypertonie. Diese Untersuchungen wurden entweder anhand postmortaler pathologischer Präparate oder aus Proben von Lungenbioptaten durchgeführt. In vivo Studien beschränkten sich weitgehend auf funktionelle oder indirekte morphologische Beschreibungen. Dabei kamen verschiedene Techniken zur Anwendung, die diese Veränderungen beschreiben konnten: z.B. hämodynamische Analysen, die Angiographie und die Angioskopie, denen allen gemeinsam ist, daß sie die Gefäßwandarchitektur nur indirekt und unzureichend beschreiben können. Die morphologischen Veränderungen der Pulmonalarterien und der Zusammenhang mit funktionellen hämodynamischen Werten besitzen wichtige klinisch relevante Bedeutung für die weitere Therapie des betroffenen Patienten.

IVUS der Pulmonalarterien besitzt die prinzipiellen Möglichkeiten zur Beschreibung des Ausmaßes der morphologischen und funktionellen Wandveränderungen auf direktem Weg. Bisherige Untersuchungen der proximalen und distalen Pulmonalarterien in Tierversuchen und anhand normaler Probanden konnten erste Erfahrungen zu den morphologischen Erscheinungsbildern sammeln. IVUS der Pulmonalarterien kann Aussagen zu Lumendurchmesser und -fläche, zur Pulsatilität und zu charakteristischen Wandveränderungen vor und nach pharmakologischen und anderen Interventionen treffen. Erste Erfahrungen mit IVUS bei Erkrankungen der Pulmonalisstrombahn beschrieben typische Veränderungen bei thrombembolischen Erkrankungen, bei Pulmonalstenose, bei primärer pulmonaler Hypertonie und bei chronischer Herzinsuffizienz.

Borges AC, Wensel R, Opitz C, Bauer U, Baumann G, Kleber FX. Relationship between hemodynamics and morphology in pulmonary hypertension - a quantitative intravascular ultrasound study. Eur Heart J 1997; 18: 1988-1994

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