Bunikowski, Rita: Die Bedeutung von S. aureus als Pathogenitätsfaktor bei der atopischen Dermatitis (AD)

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Kapitel 4. Ergebnisse

4.1 Einfluss von S. aureus-Besiedlung und S. aureus-Exotoxine

In unserer durchgeführten Querschnittsstudie waren bei 81% der Kinder mit AD (60/74) S. aureus-Kolonisierungen der Haut nachgewiesen worden, während 25% der gesunden Kontrollkinder (5/25) eine isolierte nasale Besiedlung mit S. aureus aufwiesen ( 258 ). In der Studie korrelierte bei den Patienten der Schweregrad (SCORAD-Index) der AD mit der S. aureus-Besiedlungsdichte der Haut. Abbildung 4 stellt die Besiedlungsdichte mit S. aureus bei Kindern mit atopischer Dermatitis dar.

Abb. 4: Grad der S. aureus-Kolonisierungen bei Patienten mit leichter und mittlerer Dermatitis (SCORAD-Score < 50 Punkte) gegenüber Patienten mit schwerer Dermatits (SCORAD-Score ge 50 Punkte).

(c.f.u = colony forming units, *** Chi-Quadrat Test, p<0,001)

Es waren von 74 Kindern mit AD 60 (81%) mit S. aureus kolonisiert. S. aureus-Exotoxin-sezernierende Stämme wurden bei 40 Patienten (53%) von der Haut isoliert, während nur eine Kontrollperson eine Besiedlung mit diesen Stämmen aufwies (p<0,001). Am häufigsten wurden SEA- und SEC-sezernierende Stämme nachgewiesen, gefolgt von SEB, TSST-1 und SED. Neun Patienten


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(23%) waren mit Stämmen besiedelt, die mehr als zwei verschiedene Toxine sezernierten. Bei negativem mikrobiologischem Testergebnis wurden die Überstände des S. aureus-Kulturfiltrates noch zusätzlich auf eine undefinierte mitogene Aktivität von S. aureus getestet, die bei 7 Patienten nachgewiesen werden konnte, jedoch bei keiner Kontrollperson (vgl. Abb. 5 A).

Abb. 5A: Überblick über die Prävalenz von S. aureus-Besiedlung mit Exotoxin-sezernierenden Stämmen bei Kindern mit atopischer Dermatitis und gesunden nicht-atopischen Kontrollkindern.

* Anzahl der identifizierten S. aureus-Isolate, in denen Exotoxine nachgewiesen wurden; 9 Patienten zeigten mehr als 2 Toxine.
** Patienten, die mit S. aureus besiedelt waren, bei denen eine undefinierte mitogene Aktivität (UDMA) beobachtet wurde.


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Abb. 5B: Grad der S. aureus-Kolonisierungen bei Patienten mit non-toxigenic- und für Patienten mit toxigenic S. aureus-Nachweis auf der ekzematösen Haut.

(** Chi-Quadrat Test, p<0,01)

Eine schwere Dermatitis wurde häufiger bei den Kindern beobachtet, die mit Exotoxin-sezernierenden S. aureus (toxigenic) kolonisiert waren. In dieser Gruppe präsentierten sich 58% (n=23) der Kinder mit einem SCORAD-Score > 50 Punkten gegenüber 35% (n=7) der Kinder mit S. aureus-Kolonisierung ohne Exotoxinnachweis (non-toxigenic). In der Patientengruppe, die nicht mit S. aureus besiedelt war, wurde nur bei einem Patienten eine schwere Dermatitis diagnostiziert (Chi-Quadrat Test, p<0,01). Die Verlaufsform der Dermatitis im Vergleich zwischen den Gruppen mit S. aureus-Kolonisierung sowie der Gruppe mit Nachweis von Exotoxin-sezernierendem S. aureus auf der Haut ist in Abbildung 6 dargestellt. Zwischen den Gruppen gab es keinen unterschiedlichen Verbrauch bei der lokalen Steroidanwendung.


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Abb. 6: Darstellung des Schweregrades der atopischen Dermatitis bei drei Patientengruppen, der mittels SCORAD-Score festgelegt wurde. Die Linien präsentieren jeweils den medianen SCORAD-Score für Patienten ohne S. aureus-Kolonisierung, für Patienten mit non-toxigenic S. aureus und für Patienten mit toxigenic S. aureus-Kolonisierung.

(* Wilcoxon 2-sample Test, p<0,05)

Der Einfluß der S. aureus-Exotoxine auf den SCORAD-Score wurde mittels linearer Regression überprüft. Es wurde eine Varianzaufklärung von 30% (R2 = 0,3) für die Exotoxine, für die S. aureus-Kolonisierung eine Varianzaufklärung von 50% (R2 = 0,5) errechnet. Bemerkenswert ist, daß allein die drei Exotoxine SED, SEB und SEC zusammen eine Varianzaufklärung von 23% (R2 = 0,23) auf den SCORAD-Score haben.

Die höchsten Serum-IgE-Spiegel waren bei der Patientengruppe nachzuweisen, die mit Exotoxin-sezernierendem S. aureus kolonisiert war.


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Abb. 7: Darstellung des Serum-Gesamt-IgE bei drei Patientengruppen. Die Linien präsentieren jeweils den medianen Wert für Patienten ohne S. aureus-Nachweis auf der Haut, für Patienten mit non-toxigenic S. aureus und für Patienten mit toxigenic S. aureus-Kolonisierung.

(** Wilcoxon 2-sample Test, p<0,01)

4.2 T-zellvermittelte Hautreaktionen auf S. aureus-Exotoxine

In einer Subgruppe von Patienten haben wir den Einfluß von S. aureus-Exotoxinen auf T-zellvermittelte Hautreaktionen untersucht. Bei nativen Patienten-PBMCs wurde das individuell ermittelte TZR-Vß-Repertoir bestimmt und dabei das gesamte derzeit kommerziell erhältliche anti-TZR-Vß-Pannel eingesetzt. In der Abbildung sind die Frequenz der Vß-Expression für die Superantigen-reaktiven und nicht-reaktiven TZR-Vß-Elemente für Vß3.1-, Vß5.1-, Vß12.1-, Vß16-, Vß17- und Vß18-Elemente dargestellt.

Zeitgleich wurde eine Hautbiopsie aus dem chronisch entzündlichen Areal bei randomisierten Patienten gewonnen, bei denen definitionsgemäß eine schwere AD vorlag. Das Hautareal, das biopsiert werden sollte, wurde vor der Biopsie über einen Zeitraum von drei Wochen nicht mit lokalen Steroiden behandelt.

Das Bioptat wurde immunhistologisch mit gegen TZR-Vß-Strukturen gerichteten Antikörpern gefärbt (Vß3.1, Vß5.1, Vß12.1, Vß16, Vß17, Vß18). Die Analyse


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des TZR-Vß-Repertoires wurde dann in Beziehung gesetzt zu den vorher durchgeführten In-vitro-Untersuchungen. Diese Untersuchungen ließen einen Rückschluß auf die superantigene Reaktivität und Verteilung der in die Haut einwandernden T-Zellen zu. Insgesamt exprimierten zwischen 25% und 65% der intradermalen T-Zellen das zugehörige Superantigen-reaktive Vß-T-Zell-Repertoire gegenüber 5% bis 17% der T-Zellen im Blut. Im Gegensatz hierzu war weder in der Haut noch im Blut eine Akkumulation von nicht-superantigen-reaktiven T-Zell-Subpopulationen nachzuweisen. Als zusätzliche Kontrolle fand sich keine selektive Akkumulation von Vß-T-Zell-Subpopulationen bei Kindern, die mit non-toxigenic S. aureus besiedelt waren.

Abb. 8: Gegenüberstellung der Frequenz des T-Zell-Rezeptor-Vß-Repertoires in den nativen CD3+-PBMCs zur Frequenz des T-Zell-Rezeptor-Vß-Repertoires der intradermalen T-Zellen von läsionaler Haut.

(SCORAD Index > 50 Punkte über drei Jahre, Wilcoxon 2-sample Test, * p<0,05, ** p<0,01)


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Immunhistologische Ergebnisse von zwei typischen Patienten werden in Abb. 9 und Abb. 10 dargestellt. In chronisch affektierter Haut wird der totale Anteil der T-Zellen in (A), TCR-Vß3.1+ (B), TCR-Vß12.1+ (C), und TCR-Vß17+ CD3+ T Zellen (D) präsentiert.

Abb. 9: Kolonisierung mit SEB-sezernierendem S. aureus (> 100 cfu/cm2 Haut) bei schwerer chronischer atopischer Dermatitis. (SCORAD-Score 87 Punkte)

Abb. 10: Kolonisierung mit non-toxigenic S. aureus (> 100 cfu/cm2 Haut) bei schwerer chronischer atopischer Dermatitis. (SCORAD-Score 76 Punkte)


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Die Studienergebnisse belegen, dass bei Kindern mit AD und positivem S. aureus-Exotoxinnachweis auf ekzematöser Haut ein Großteil der dermal akkumulierten T-Zellen auf diese Exotoxine reagieren können. Die Daten deuten darauf, dass über eine kontinuierliche Exotoxin/Superantigen-Exposition die Akkumulation der T-Zellen (Einwanderung und/oder lokale Proliferation) getriggert wird.

4.3 Spezifische Immunantwort gegen S. aureus-Exotoxine (SEA/SEB)

Im Rahmen der Querschnittsuntersuchung wurde bei 58 Kindern mit AD die Prävalenz und Rolle von Serum-IgE-Antikörpern gegen die S. aureus-Exotoxine SEA und SEB untersucht ( 259 ). In der Kontrollgruppe lag der mediane Wert vom spezifischen IgE für SEA bei 0,57 KU/L (range: 0,03 bis 0,6 KU/L) und für SEB bei 0,59 KU/L (range: 0,07 bis 0,61 KU/L). Bei 34% der Kinder mit AD (20/58) konnten wir spezifische IgE-Antikörper gegen SEA und/oder SEB nachweisen (45% zu SEB, 10% zu SEA und 45% zu SEA und SEB). 11 Kinder waren sensibilisiert gegen SEA und hatten einen medianen spezifischen IgE-Titer von 1,3 KU/L; 18 Kinder waren gegen SEB sensibilisiert und zeigten einen medianen spezifischen IgE-Titer von 3,0 KU/L. Als Sensibilisierung wurde definiert, wenn eine spezifische IgE Konzentration von über 0,7 KU/L vorlag (vgl. Abb. 11 ).


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Abb. 11: Messung der spezifischen IgE-Antikörper gegen S. aureus-Exotoxine SEA und SEB bei 22 gesunden nicht-atopischen Kontrollkindern und 58 Kindern mit AD.

Alle gegen SEA und SEB sensibilisierten Kindern waren bei stationärer Aufnahme mit S. aureus kolonisiert gegenüber 71% (27/38) der nicht-sensibilisierten Kinder (Pearson Test, p<0,01) und 18% der gesunden nicht-atopischen Kontrollkinder. Der Einfluß der S. aureus-Kolonisierung auf den Nachweis von spezifischen SEA/SEB-IgE-Antikörpern wurde mittels linearer Regression überprüft. Es wurde eine Varianzaufklärung von 23% (R2 = 0,23; p<0,05) für die S. aureus Kolonisierung errechnet.


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Der Grad der S. aureus-Besiedlung war in der sensibilisierten Gruppe deutlich höher (vgl. Abb. 12 ).

Abb. 12: S. aureus-Kolonisierungsdichte auf ekzematöser läsionaler Haut bei SEA/SEB-sensibilisierten und nicht-sensibilisierten Kindern. Die Balken präsentieren den medianen Besiedlungsgrad der untersuchten Kinder bezogen auf cm2 getesteter Haut.

(c.f.u./cm2 = colony forming units, ** Pearson Test, p<0,01)

Die Prävalenz von SEB-sezernierendem S. aureus auf der Haut war in der sensibilisierten Gruppe (5/25) gegenüber den nicht-sensibilisierten Kindern (0/38; Fisher‘s exact Test, p<0,01) höher. Eine auffällig hohe Prävalenz von S. aureus-Hautinfektionen wurde in der sensibilisierten Gruppe nachgewiesen, die eine systemische staphylokokkenwirksame antibiotische Therapie bei den betroffenen Kindern erforderte (vgl. Tabelle 7 ). Bei den Kindern mit invasiver S. aureus-Infektion lag zeitgleich auch eine S. aureus-Hautinfektion vor.


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Tabelle 7: Prävalenz von S. aureus-Hautinfektionen und invasiven S. aureus-Infektionen.

S. aureus
Komplikationen

SEA/SEB IgE negativ
(n=38)

SEA/SEB IgE positiv
(n=20)

invasive Infektion1
Hautabzesse, n (%)
Osteomyelitis, n (%)
Septikämie, n (%)


0
1 (3)
0


6 (30)
0
2 (10)

Hautinfektion2, n (%)

8 (21)

16 (80)

1+2 Pearson Test, p-value < 0,001

Der Einfluß der S. aureus-Hautinfektionen auf den Nachweis von spezifischen SEA/SEB-IgE-Antikörpern wurde mittels linearer Regression errechnet und eine Varianzaufklärung von 37% (R2 = 0,37, p<0,0001) für die S. aureus-Hautinfektionen nachgewiesen.

Ziel der Studie war zu prüfen, ob eine Sensibilisierung gegen S. aureus-Exotoxine mit einer höheren Krankheitsaktivität der AD verbunden ist. Die SEA/SEB-sensibilisierte Gruppe zeigte einen deutlich höheren Schweregrad (vgl. Abb. 13 ).


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Abb. 13: Evaluierung des Schweregrades der atopischen Dermatitis mittels SCORAD-Score. Die Linien präsentieren jeweils den medianen Wert für die einzelnen Gruppen.

(* Wilcoxon 2-sample Test, p<0,05)

Um die Kinder besser zu charakterisieren, wurde die Höhe des Serum-Gesamt-IgE und des spezifischen IgE gegen Nahrungsmittel- und Inhalationsallergene bestimmt. Das Ergebnis war eine deutliche Erhöhung des Gesamt-IgE (vgl. Abb. 14 ) und des spezifischen IgE gegen Nahrungsmittel (vgl. Abb. 15 ) und Inhalationsallergene (vgl. Abb. 16 ) in der SEA/SEB-sensibilisierten Gruppe.


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Abb. 14: Gegenüberstellung des Serum-Gesamt-IgE der nicht-sensibilisierten zur SEA/SEB-sensibilisierten Gruppe. Die Linien präsentieren jeweils den medianen Wert für die einzelnen Gruppen.

(*** Wilcoxon 2-sample Test, p<0,001)

Abb. 15: Gegenüberstellung des spezifischen IgE gegen Nahrungsmittelallergene der nicht-sensibilisierten zur SEA/SEB-sensibilisierten Gruppe. Die Linien präsentieren jeweils den medianen Wert für die einzelnen Gruppen.

(Wilcoxon 2-sample Test, * p<0,05, ** p<0,01)


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Abb. 16: Gegenüberstellung des spezifischen IgE gegen Inhalationsallergene der nicht-sensibilisierten zur SEA/SEB-sensibilisierten Gruppe. Die Linien präsentieren jeweils den medianen Wert für die einzelnen Gruppen.

(*** Wilcoxon 2-sample Test, p<0,001)

Mittels linearer Regression konnten wir nachweisen, dass der Einfluß der spezifischen SEA/SEB-IgE-Antikörper auf den Schweregrad der Dermatitis deutlich höher war als das Serum-Gesamt-IgE. Es wurde eine Varianzaufklärung von 17% (R2 = 0,17, p<0,001) für die spezifischen SEA/SEB-IgE-Antikörper errechnet und für das Serum-Gesamt-IgE eine Varianzaufklärung von 9% (R2 = 0,09, p<0,05). In diesem Patientenkollektiv konnten wir mit der linearen Regression für die Nahrungsmittel- und Inhalationsallergene keinen signifikanten Zusammenhang nachweisen.


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4.4 Effekt von Cyclosporin A-Therapie auf die S. aureus Besiedlung

Die gute Wirksamkeit von oralem CyA bei der Behandlung des atopischen Ekzems ist bei erwachsenen AD-Patienten seit mehreren Jahren bekannt ( 160 ). Auch bei Kindern liegen einige Studien vor, die zeigen, dass CyA das schwere Krankheitsbild positiv beeinflusst, wobei die Therapieeffekte mit einer Anfangsdosierung von 5 mg/kg/KG erreicht wurden ( 161 , 162 ).

Nebenwirkungen von CyA sind häufig dosisabhängig, so dass wir in der vorliegenden Studie den therapeutischen Effekt von niedrigdosiertem CyA bei schwerer AD untersuchten. Wir konnten zeigen, dass bei acht Patienten eine niedrige Dosis mit 2,5 mg/kg/KG oder 3,5 mg/kg/KG CyA ausreichten, um adäquat das atopische Ekzem therapeutisch zu beeinflussen (SCORAD-Reduktion > 35%). Drei Kinder benötigten eine Dosis von 5 mg/kg/KG; darunter befand sich ein Patient, der nicht ausreichend auf die CyA-Therapie (SCORAD-Reduktion < 35%, non-responder) ansprach. Unter der CyA Therapie, die über einen Zeitraum von 8 Wochen erfolgte, war bei allen Patienten eine deutliche Reduktion der Hautentzündung nachzuweisen (mean SCORAD-Index 74 versus 29, p<0,001). Erste therapeutische Ergebnisse zeigten sich nach 14 Tagen Therapie; die besten Erfolge waren nach 8 Wochen Therapie zu beobachten. Die klinischen Verlaufsdaten sind in den Abbildungen 19 bis 21 dargestellt.

Im Rahmen von Sicherheitsparametern haben wir den Einfluss von CyA auf die S. aureus Besiedlung und auf den Schweregrad der AD untersucht. Vor Studienbeginn lagen bei 6/11 der AD-Patienten oberflächliche Hautinfektionen mit S. aureus vor, die antibiotisch behandelt wurden. Bei zwei Kindern wurde wegen der Schwere der Erkrankung die antibiotische Therapie während der Behandlung mit CyA weitergeführt. 5/11 Kindern zeigten eine massive S. aureus-Besiedlung bei Beginn der Behandlung mit CyA.

Wegen möglicher Einflüsse der antibiotischen Therapie auf die S. aureus-Besiedlung der Haut wurden die Patienten in zwei Gruppen stratifiziert: a) S. aureus-kolonisierte Patienten (keine antibiotische Therapie) versus b) S. aureus-infizierte Patienten (antibiotische Therapie). Die CyA-Dosierung


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unterschied sich nicht zwischen der S. aureus-infizierten Gruppe (mean CyA 3,5 mg/tgl./kg/KG) und der S. aureus-kolonisierten Gruppe (mean CyA 3,4 mg/tgl./kg/KG). Der Verlauf des Schweregrades der AD für die beiden Patientengruppen ist in Abb. 17 dargestellt. Der Ausgangs-SCORAD-Index unterschied sich nicht zwischen der S. aureus-infizierten Gruppe und der S. aureus-kolonisierten Gruppe. Der Schweregrad war nach der achtwöchigen CyA-Therapie in der S. aureus-infizierten Gruppe noch deutlich höher als in der S. aureus-kolonisierten Gruppe. (Woche 8: mittlerer SCORAD-Score 39 versus 18; Wilcoxon 2-sample Test, p<0,001). Diese Differenz war auch noch vier Wochen nach Beendigung der CyA-Therapie nachzuweisen (Woche 12: mittlerer SCORAD-Score 58 versus 28; Wilcoxon 2-sample Test, p<0,05).

Abb. 17: Darstellung des Schweregrades der atopischen Dermatitis bei zwei Patientengruppen, der mittels SCORAD-Score festgelegt wurde. Diese Patienten wurden über einen Zeitraum von acht Wochen mit Cyclosporin-A therapiert (Woche 0 bis 8). Es erfolgte dann eine vierwöchige Nachbeobachtung ohne Therapie mit Cyclosporin A (Woche 8 bis 12). Die Linien präsentieren jeweils den mittleren SCORAD-Score für Patienten mit S. aureus-Kolonisation (keine antibiotische Therapie) und für Patienten mit S. aureus Hautinfektion (antibiotische Therapie).

(Wilcoxon 2-sample Test, * p<0,05, ** p<0,01)


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Die Entwicklung der S. aureus-Besiedlung unter der CyA-Therapie ist für die beiden Gruppen in den Abbildungen Abb. 18 A und Abb. 18 B dargestellt.

Abb. 18A: Grad der S. aureus-Kolonisierung für die Ellenbeuge bei Patienten ohne antibiotische Therapie und bei Patienten mit antibiotischer Therapie unter der achtwöchigen Cyclosporin-A-Therapie (Woche 0: vor CyA-, Woche 8: nach CyA-Therapie).

(c.f.u = colony forming units, * Wilcoxon 2-sample Test, p<0,05)


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Abb. 18B: Grad der S. aureus-Kolonisierung für ekzematöse-erosive Haut bei Patienten ohne antibiotische Therapie und bei Patienten mit antibiotischer Therapie unter der achtwöchigen Cyclosporin-A-Therapie (Woche 0: vor CyA-, Woche 8: nach CyA-Therapie).

(c.f.u = colony forming units, ** Wilcoxon 2-sample Test, p<0,01)


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4.5 Lebensqualität von Müttern mit Kindern schwerer AD

Ziel der Untersuchung war es zu prüfen, ob eine Beeinflussung des Schweregrades der kindlichen AD durch Behandlung mit CyA sich auch auf die Lebensqualität der Mütter auswirkt. Es konnte die Lebensqualtität bei zehn Müttern direkt vor Beginn der Behandlung ihrer Kinder mit CyA, nach den ersten zwei Wochen Therapie und nach einem achtwöchigen Therapieintervall, gemessen werden.

Der Verlauf der Erkrankung im Studienzeitraum unter der CyA-Therapie wird in den nachfolgenden Abbildungen dargestellt. Abb. 19 zeigt die Entwicklung des objektiven SCORAD-Scores, Abb. 20 die des Juckreizes und Abb. 21 die der Schlafstörungen unter der CyA-Therapie. Nach zwei Wochen CyA-Therapie waren schon deutliche therapeutische Effekte auf das Ausmass der allergischen Hautentzündung (objektiver SCORAD-Score), den Juckreiz und die Schlafstörungen (subjektiver SCORAD-Score) nachzuweisen; nach achtwöchiger Therapie ließen sich die besten klinischen Ergebnisse beobachten. Nach dem Absetzen von CyA kam es wieder zu einer Verstärkung der klinischen Symptomatik, wobei das Ausgangsniveau jedoch nicht erreicht wurde.


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Abb. 19: Entwicklung des objektiven SCORAD-Scores bei Kindern mit schwerem atopischem Ekzem (SCORAD-Score > 50 Punkte) unter der Cyclosporin-A-Therapie, bezogen auf den Therapiezeitraum.

(Wilcoxon 2-sample Test, ** p<0,01, *** p<0,001)

Abb. 20: Entwicklung des Juckreizes bei Kindern mit schwerem atopischem Ekzem (SCORAD-Score > 50 Punkte) unter der Cyclosporin-A-Therapie, bezogen auf den Therapiezeitraum.

(Wilcoxon 2-sample Test, ** p<0,01, *** p<0,001)


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Abb. 21: Entwicklung der Schlafstörung bei Kindern mit schwerem atopischem Ekzem (SCORAD-Score > 50 Punkte) unter der Cyclosporin-A-Therapie, bezogen auf den Therapiezeitraum.

(** Wilcoxon 2-sample Test, p<0,01)

Die Entwicklung der Lebensqualität bei Müttern mit Kindern, die an einer schweren AD erkrankt sind, ist während der kindlichen Therapie mit CyA über den Behandlungszeitraum dargestellt. Es werden die mittleren Scores der mütterlichen Lebensqualität für die fünf Subgruppen in Tabelle 8 präsentiert. Wurde der subjektive und der objektive SCORAD-Score mit den fünf evaluierten Subgruppen korreliert, so war der subjektive SCORAD-Score „Schlafstörung“ negativ mit der Lebensqualitäts-Skala „Psychosomatisches Wohlbefinden“ mit -0,71 (p<0,05) in der zweiten und mit -0,81 (p<0,01) in der achten Woche korreliert.


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Tabelle 8: Entwicklung der mütterlichen Lebensqualität in Assoziation zur Behandlung ihrer erkrankten Kinder mit Cyclosporin A

Lebensqualität

A: Woche 0
mean (SD)

B: Woche 2
mean (SD)

C: Woche 8
mean (SD)

Psychosomatisches
Wohlbefinden

3,15 (1,00)1

3,41 (0,95)1

3,49 (1,04)

Auswirkung auf das
Sozialleben

3,13 (1,36)

3,31(1,24)

3,40 (1,25)

Zufriedenheit mit der
medizinischen Versorgung

3,94 (0,85)

4,01 (0,87)

3,92 (1,08)

Emotionaler Umgang mit der Erkrankung

3,13 (0,58)2,3

3,56 (0,69)2

3,58 (0,81)3

Akzeptanz der Erkrankung

3,70 (0,67)

3,65 (0,75)

3,65 (0,63)

Wilcoxon 2-sample test, 1 A vs. B, p<0,05, 2 A vs. B, p<0,05, 3 A vs. C, p<0,05

Eine Therapie mit CyA, die eine deutliche Reduktion des Schweregrades der Erkrankung mit daraus resultierendem Rückgang des Juckreizes und der Schlafstörungen der schwer kranken Kinder verursachte, hat modifizierende Effekte auf die Lebensqualität der betroffenen Mütter. Bei den erkrankten Kinder waren nach zwei Wochen Therapie mit CyA die ersten positiven therapeutischen Wirkungen zu beobachten. Parallel dazu waren bei den Müttern positive Effekte in den Bereichen „psychosomatisches Wohlbefinden“ und im Bereich „des emotionalen Umgangs mit der Erkrankung der Kinder“ nachzuweisen. Im Bereich der Subgruppe „psychosomatisches Wohlbefinden“ waren diese Einflüsse über den gesamten Studienzeitraum stabil. In der achten Woche, kurz vor Beendigung der kindlichen CyA-Therapie, zeigten sich in der Subgruppe „emotionaler Umgang mit der Erkrankung“ bei einigen Müttern noch geringgradige Änderungen. Die Beobachtung, dass die kindlichen Schlafstörungen negativ mit dem „psychosomatischen Wohlbefinden“ der Mütter in der zweiten und auch noch in der achten Woche korrelierten, geben Anhalt für die ausgeprägte familiäre Belastungssituation durch das an schwerer AD erkrankte Kind.


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Wie in Abb. 17 dargestellt ist, war der therapeutische Effekt von CyA in der S. aureus-infizierten Gruppe viel geringer als in der Gruppe, die mit S. aureus kolonisiert war. Die Mütter dieser Gruppe waren in der Subgruppe „Auswirkungen auf das Sozialleben“ deutlich mehr beeinträchtigt als die Mütter der S. aureus- kolonisierten Gruppe (mean Score 4,5 versus 2,7; Wilcoxon 2-sample Test, p<0,05). In der zweiten Woche war auch die „Akzeptanz der Erkrankung“ bei den Müttern in der S. aureus-infizierten Gruppe etwas niedriger (mean Score 3,5 versus 3,3; Wilcoxon 2-sample Test, p<0,05).


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