6 Ausblick

Der Wissensfortschritt der letzten Jahre hat erste tiefgreifende Einblicke in die komplexen Regelwerke geliefert, die Zellvermehrung, Zellüberleben und genetische Stabilität regulieren. Diese Erkenntnisse haben vor allem eines gelehrt: die Zusammenhänge sind ungeheuer komplex und werden durch eine Vielzahl, in ihrer Funktion bislang erst ansatzweise erkannter Faktoren reguliert. Durch die Sequenzierung des humanen Genoms wird die Komplexität durch die Identifikation weiterer Regulatoren in der nächsten Zukunft erst einmal weiter erhöht.

Für die Entwicklung neuer, selektiver Therapiestrategien von Tumoren ist das genaue Verständnis dieser regulatorischen Zusammenhänge zwischen Zellzyklus, Apoptose und DNA-Reparatur Grundvoraussetzung. Durch die Entschlüsselung des humanen Genoms und die Übertragung von Forschungsergebnissen aus anderen Organismen, wie beispielsweise den Hefen, werden sich eine Vielzahl neuer Zusammenhänge ergeben, die auf einen rascheren Fortschritt nicht nur im Verständnis der funktionellen Zusammenhänge, sondern auch neuer, innovativer Therapien hoffen lassen.

Dennoch besteht Grund zum Optimismus: erste wichtige Regelwerke sind in ihren Grundzügen erkannt. Durch die Sequenzierung weiterer kompletter Genome von z.B. C. elegans, Hefen, und anderen Organismen und deren funktionelle Analyse in diesen Modellorganismen werden bereits bekannte und auch neue Zusammenhänge und Mechanismen auf den Menschen leichter zu übertragen sein. Gerade die Erkenntnisse aus der [Seite 49↓]Hefegenetik haben wesentlich zum besseren Verständnis der Zellzyklusregulation und DNA-Reparatur humaner Zellen und deren Störung in Tumoren beigetragen.

Dies ist die Basis für einen völlig neuen Forschungszweig: der vergleichenden und der funktionellen Genomik, welche die nun geschätzten ca. 30000 bis 40000 Gene des humanen Genoms in das funktionelle Regelwerk der genannten und auch neuer Signalwege bringen wird. Hierdurch wird in den nächsten Jahren ein dramatischer Erkenntnisgewinn einsetzen. Dieser Fortschritt wird uns mit geeigneteren Behandlungsmethoden und Therapiestrategien ausstatten, um gezielt die Signal-defekte in malignen Tumoren bezüglich der Zellzyklus- und Apoptose-Regulation zur Therapie dieser Erkrankungen zu nutzen.


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28.09.2004