David , Matthias: „Aspekte der gynäkologischen Betreuung und Versorgung von türkischen Migrantinnen in Deutschland“

213

Kapitel 7. Schlußfolgerungen

Aus unseren Untersuchungsergebnissen und unter Einbeziehung der in den letzten zwei Jahrzehnten insbesondere in der Bundesrepublik Deutschland veröffentlichten Arbeiten zum Thema ‚Migration und Gesundheit’ kann man folgende Schlußfolgerungen ziehen:

  1. Die Bundesrepublik Deutschland weist derzeit einen Ausländeranteil von ca. 9% auf. Die Anzahl der Zuwanderer an der Gesamtbevölkerung wird perspektivisch weiter zunehmen. Die Krankenhäuser und Praxen müssen sich strukturell an diese Situation anpassen. Provisorische ad hoc-Lösungen, wie z. B. beim Dolmetscher-Problem, müssen überwunden werden.
  2. Bei der medizinischen Betreuung und Behandlung von Migrantinnen sollten die zumeist schlechtere sozio-ökonomischen Lage (niedrigeres Einkommen, schlechtere Wohnverhältnisse, ungünstigere Bildungsvoraussetzungen), die besondere Situation von Migranten im allgemeinen, die spezifischen Probleme im Akkulturationsprozeß und die schlechtere psychische Befindlichkeit beachtet werden.
  3. Bei vielen Migrantinnen ist von relativ schlechten Basiskenntnissen über den eigenen Körper, dessen Funktionen u. ä. auszugehen. In Kombination mit z. T. schlechten sprachlichen Voraussetzungen sind bei der Aufklärung, Information und Beratung im medizinischen Betreuungs- und Behandlungsprozeß spezielle Maßnahmen notwendig, um dem Ziel einer größeren Patientenautonomie näherzukommen. Nur eine informierte Patientin wird in der Lage sein, im Dialog mit Arzt oder Schwester ein adäquater Partner zu sein. Daraus ergeben sich Aufgaben für zentrale Behörden wie das Bundesministerium für Gesundheit und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

    214

  4. Die Durchsicht der vorliegenden Literatur zeigt, daß systematische Studien z. B. zur Analyse des Gesundheitszustandes der Migranten in der Bundesrepublik Deutschland fehlen. Auch Längsschnittuntersuchungen über die Auswirkungen des Akkulturationsprozesses auf die Gesundheit der Einwanderer stehen trotz einer bereits seit mindestens 40 Jahren bestehenden Zuwanderung größeren Ausmaßes nach Deutschland noch immer aus.
  5. Es wird angeregt, in die Ausbildung des Pflegepersonals und der Hebammen, aber auch der Studenten der Medizin ethnisch-kulturelle Aspekte der Betreuung und Versorgung von Patienten ausländischer Herkunft verstärkt einzubeziehen.

© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.

DiML DTD Version 2.0
Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML - Version erstellt am:
Thu Aug 15 12:31:53 2002