Dörffel, Yvonne: Rolle peripherer Monozyten bei Patienten mit essentieller Hypertonie

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Kapitel 2. Zusammenfassung

Die initiierenden wie auch perpetuierenden Mechanismen, der essentiellen Hypertonie und in deren Folge die vorzeitige Arteriosklerose, sind im Detail nicht erschöpfend geklärt.

Ein erstes Ziel der Arbeit war es Methoden aufzubauen, die die funktionellen Eigenschaften von peripheren Monozyten ermitteln sollten, um die Rolle dieser Zellen bei der essentiellen Hypertonie zu erfassen. Es wurde versucht, die immunologischen Mechanismen der Entzündung oder Voraktivierung dieser Zellen zu charakterisieren. Dabei waren eine Reihe methodischer Schwierigkeiten zu bewältigen, die sich aus der Tatsache ergaben, dass die Isolierung zirkulierender Monozyten äußerst kompliziert und anfällig ist.

Es wurde der Aktivierungsgrad der peripheren Monozyten von Patienten mit essentieller Hypertonie im Vergleich zu Normalkontrollen anhand ihrer Zytokinsekretion untersucht. Mononukleäre Phagozyten stellen bekanntermaßen bei Entzündungen erhöhte Mengen spezifischer Mediatoren (pro-entzündliche Zytokine) wie auch unspezifische Effektormoleküle bereit. Die untersuchten Substanzen waren die pro-entzündlichen Zytokine Interleukin-1ß (IL-1ß), Interleukin-6 (IL-6) und Tumor Nekrose Faktor-alpha (TNF-alpha). Die durchgeführten Untersuchungen zeigten, dass die peripheren Monozyten von essentiellen Hypertonikern im Vergleich zu Alter- und Geschlecht gematchten, normotensiven Gesunden vermehrt IL-1ß und TNF-alpha nach Stimulation mit Lipopolysaccharide (LPS) sezernieren. Auch eine signifikant höhere Sekretion von IL-1ß nach Stimulation mit Angiotensin II in physiologisch relevanter Konzentration wurde nachgewiesen. Wurden die Monozyten mit einem AT1-Rezeptorantagonisten vorinkubiert, war nach Angiotensin II Stimulation kein signifikanter Unterschied zwischen Patienten und Kontrollen mehr nachweisbar.

Um nachzuweisen, ob die vermehrte Sekretion pro-entzündlicher Zytokine peripherer Monozyten von Hypertonikern durch eine transkriptionelle Hochregulation verursacht wird, wurde eine semiquantitative RT-PCR (Reverse Transkriptase Polymerasekettenreaktion) durchgeführt. Dabei konnte nach LPS Stimulation eine signifikante Erhöhung der Sekretion von pro-entzündlichen Zytokinen der Hypertoniker im Vergleich zu den Probanden bei den IL-1ß und TNF-alpha Amplifikatonsprodukten der


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totalen RNA gemessen werden. Nach Stimulation mit Angiotensin II wurde der Unterschied nur für die IL-1ß Amplifikationsprodukte der RNA gesehen.

Neben spezifischen Mediatoren sezernieren aktivierte Monozyten eine Reihe unspezifischer toxischer Effektormoleküle wie z.B. Sauerstoffsuperoxid. So wurde die Chemilumineszenzaktivität (CL) mittels Lucigenin als Maß der Superoxidproduktion peripherer Monozyten bestimmt. Die Gipfel der CL Aktivität der Monozyten von Hypertonikern waren nach PMA (Phorbol-Myristyl-Acetat) bzw. Angiotensin II signifikant höher im Vergleich zu den Kontrollen.

In Folgeuntersuchungen wurde der Aktivierungsgrad peripherer Monozyten von Hypertoniepatienten anhand ihrer Expression von Aktivierungsmarkern auf der Monozytenoberfläche mittels FACS (Fluorescence-Activated Cell Sorter) untersucht. Dabei konnte eine vermehrte Expression von CD54, CD11a und CD11b auf der Monozytenoberfläche von Patienten im Vergleich zu Kontrollen nachgewiesen werden.

Aufgrund dieser Ergebnisse wird die Hypothese generiert, dass den voraktivierten Monozyten von Hypertoniepatienten eine entscheidende Rolle bei der Initiierung von Gefäßwandläsionen zu kommen könnte, welche die frühen arteriosklerotischen Veränderungen bei diesen Patienten im Vergleich zur gesunden Normalbevölkerung mitbegründen.

Im zweiten Teil der Arbeit wurde daher die Adhäsion peripherer Monozyten von Hypertonikern an humane Umbilikalvenenendothelzellen (HUVEC) spontan bzw. nach Stimulation z.B. mit Angiotensin II im Vergleich zu Monozyten von normotensiven Gesunden überprüft. Umbilikalvenenendothelzellen wurden statt Patientenendothelzellen verwendet, da in vorhergehenden Untersuchungen erhöhte Spiegel der Adhäsionsmoleküle ICAM-1 und VCAM-1 bei den Hypertonikern im Vergleich zur Kontrollgruppe gemessen wurden und jegliche Voraktivierung der Endothelzellen ausgeschlossen werden sollte. Die spontane Adhäsion der Monozyten von Hypertonikern sowie die Adhäsion nach Stimulation mit Angiotensin II an humane Endothelzellmonolayer war signifikant erhöht. Interessanterweise führte die Vorinkubation mit einem AT1-Rezeptorantagonisten bei den Patientenmonozyten zu einer Reduzierung der Endothelzelladhäsion, so dass kein signifikanter Unterschied zwischen Patienten und Kontrollen mehr nachweisbar war. Vorausgesetzt, dass diese in vitro Befunde in vivo übertragbar sein sollten, würde dem Angiotensin II in der Genese früher


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artherosklerotischer Prozesse bei Hypertonikern eine entscheidende pathophysiologische Bedeutung zukommen und AT1-Rezeptorantagonisten wären in verschiedener Hinsicht therapeutisch interessante Substanzen.

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Tue Dec 30 10:20:32 2003