Dörffel, Yvonne: Rolle peripherer Monozyten bei Patienten mit essentieller Hypertonie

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Kapitel 7. Ergebnisse

7.1 Immunologische Aktivierung von isolierten peripheren Monozyten bei Patienten mit essentieller Hypertonie

7.1.1 Sekretion pro-entzündlicher Zytokine

Von großer Wichtigkeit ist die funktionelle Charakterisierung der peripheren Monozyten von Hypertonikern hinsichtlich der freigesetzten pro-entzündlichen Zytokine. Diese stehen am Anfang des immunologischen Ablaufes einer Entzündungsreaktion und könnten damit von größerer Bedeutung sein als die Aktivierung von Monozyten im späteren Verlauf einer solchen Reaktion.

Zu den durch Monozyten freigesetzten pro-entzündlichen Zytokinen gehören Interleukin-1ß, Tumor Nekrose Faktor-alpha und Interleukin-6. Als Kontrolle wurden Zellen von gesunden Probanden gewonnen und getrennt kultiviert.

In Vorversuchen wurden mit Monozyten gesunder Kontrollen für jedes pro-entzündliche Zytokin Konzentrations- und Zeitkinetiken durchgeführt, mit deren Hilfe die optimalen Stimulationsbedingungen ermittelt werden konnten.

7.1.1.1 Interleukin-1ß

Angiotensin II wurde beispielsweise in Konzentrationen von 10-6 bis 10-10 mol/l zur Bestimmung der optimalen Stimulationskonzentration peripherer Monozyten eingesetzt.

Dabei zeigte sich eine erste Stimulation der IL-1ß Sekretion ab Angiotensin II Konzentrationen von 10-10 mol/l (Abb. 6), wobei die IL-1ß Sekretion bei Konzentrationen von 10-9 bis 10-6 mol/l nahezu gleich blieb. Daher setzten wir Angiotensin II in einer Konzentration von 10-8 mol/l zur Stimulation der Zellen ein.


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Abb. 6: Konzentrationskinetik für Angiotensin II. Sekretion von IL-1ß durch periphere Monozyten in Abhängigkeit von der Angiotensin II Konzentration. (n = 7, SD < 10 %)

LPS stimulierte die IL-1ß Sekretion peripherer Monozyten in wesentlich stärkerem Ausmaß als Angiotensin II (Abb. 7). Aufgrund der Toxizität der Substanz sowie der bereits erheblichen Stimulation bei niedriger Konzentration verwendeten wir in den folgenden Versuchen 10 ng/ml LPS.


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Abb. 7: Konzentrationskinetik für LPS. Sekretion von IL-1ß durch periphere Monozyten in Abhängigkeit von der LPS Konzentration (n = 5, SD < 10 %).

LPS führte zu einer messbaren Stimulation der IL-1ß Sekretion nach 4-6 Stunden

(Abb. 8). Nach 20-24 Stunden erreichte die IL-1ß Sekretion in den Zellüberstand ein Plateau. Aufgrund der Zeitkinetiken für LPS wurde eine Stimulationszeit von ca. 20 Stunden eingesetzt.

In weiteren Vorversuchen wurden neben der Zeitkinetik für Angiotensin II auch Konzentrations- und Zeitkinetiken wie oben dargestellt für TNF-alpha und IL-6 durchgeführt, die ähnliche Ergebnisse ergaben und so die Stimulationsbedingungen nicht veränderten.


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Abb. 8: Zeitkinetik für LPS. Sekretion von IL-1ß peripherer Monozyten in Abhängigkeit von der Dauer der Stimulation mit 10 ng/ml LPS. (n = 3, SD < 10 %)

Es war eine deutliche IL-1ß Spontansekretion durch isolierte Monozyten von Hypertonikern in vitro zu beobachten. Die IL-1ß Sekretion von Patienten mit essentieller Hypertonie wies im Vergleich zu der Sekretion gesunder Probanden allerdings keinen signifikanten Unterschied auf (Abb. 9).

Da die Monozyten nur eine geringe Spontansekretion von IL-1ß zeigten, wurde mit Angiotensin II und LPS stimuliert. Nach Stimulation mit Angiotensin II (10-8 mol/l ) bzw. LPS (10 ng/ml) für 20 Stunden fand sich bei Patienten mit essentieller Hypertonie eine gegenüber den Kontrollen ohne Krankheitsbefund signifikant höhere Sekretion von IL-1ß (P < 0,05)(Abb. 10).


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Abb. 9: Spontansekretion von IL-1ß der Monozyten von Patienten (n = 22) und Kontrollen (n = 24) nach 20 Stunden Zellkultur im Überstand.

Abb. 10: 10 IL-1ß Sekretion peripherer Monozyten von Patienten (n = 31) und Kontrollen (n = 35) im Vergleich nach Stimulation mit Angiotensin II (?) oder LPS (¯).
(T = P < 0,05)


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Interessanterweise war nach Vorinkubation der Monozyten mit dem AT1-Rezeptorantagonisten Losartan (10-8 mol/l) vor Angiotensin II Stimulation kein signifikanter Unterschied der IL-1ß Sekretion von Patienten und Kontrollen mehr nachweisbar (Abb. 11).

Abb. 11: IL-1ß Sekretion der Monozyten von Patienten (n = 31) und Kontrollen (n = 35) im Vergleich nach Stimulation mit Angiotensin II (?) und 30 minütiger Vorinkubation mit Losartan (¯). (T = P < 0,05; n.s. = nicht signifikant)

7.1.1.2 Tumor Nekrose Faktor-alpha

Ähnliche Resultate wie für IL-1ß fanden sich bei der Bestimmung der TNF-alpha Spontansekretion durch Monozyten, eine Sekretion des Zytokins war in nicht


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nennenswertem Umfang zu beobachten. Vor allem war kein Unterschied zwischen Patienten (113 ± 16 pg/ml, n = 22) und Kontrollen (104 ± 12 pg/ml, n = 24) nachweisbar.

Die TNF-alpha Sekretion der Monozyten ließ sich mit Angiotensin II stimulieren. Es fand sich eine tendenziell höhere Sekretion der Patientenmonozyten, die nicht signifikant war (Abb. 12). Nach Stimulation mit LPS (das für isolierte Monozyten wirksamste Stimulans) fand sich bei Patienten mit essentieller Hypertonie eine gegenüber den Kontrollen ohne Krankheitsbefund signifikant erhöhte Sekretion von TNF-alpha (Abb. 12).

Abb. 12: TNF-alpha Sekretion der Monozyten von Patienten (n = 31) und Kontrollen (n = 32) im Vergleich nach Stimulation mit Angiotensin II (?) oder LPS (¯). (T = P < 0,02; n.s. = nicht signifikant)


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7.1.1.3 Interleukin-6

Interleukin 6 wird ebenso zur Gruppe der pro-entzündlichen Zytokine gerechnet, obwohl seine biologischen Wirkungen sich von denen des TNF-alpha und IL-1ß unterscheiden. Monozyten tragen zur Sekretion von IL-6 in erheblichem Maße bei. Periphere Monozyten von Patienten und Kontrollen folgten in ihrem Spontansekretionsverhalten für IL-6 dem TNF-alpha: es ließ sich einerseits nur eine geringe Spontansekretion nachweisen. Andererseits bestand kein Unterschied zwischen Patienten (68 ± 8 pg/ml, n = 22) und Kontrollen (63 ± 11 pg/ml, n = 24).

Abb. 13: Sekretion von IL-6 der Monozyten von Patienten (n = 31) und Kontrollen
(n = 35) im Vergleich nach Stimulation mit Angiotensin II (?) oder LPS (¯).
(n.s. = nicht signifikant)


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Bei Patienten mit essentieller Hypertonie sowie den Normalkontrollen war eine deutlich erhöhte Angiotensin II- sowie LPS-induzierte Sekretion der Monozyten zu verzeichnen. Es bestanden allerdings keine signifikanten Unterschiede zwischen Patienten und Kontrollen (Abb. 13).

Zusammenfassend fand sich im Vergleich mit den Normalkontrollen eine vermehrte in vitro Sekretion pro-entzündlicher Zytokine (mit Ausnahme des IL-6) durch Monozyten aus dem peripheren Blut von Hypertoniepatienten nach Stimulation. Diese Befunde weisen daraufhin, dass scheinbar eine vermehrte Sekretion pro-entzündlicher Zytokine (z.B. bei erhöhten Angiotensin II Spiegeln) einer eigentlichen entzündlichen Reaktion beispielsweise der Gefäßwand vorausgeht und damit möglicherweise ein pathophysiologisch bedeutsames Ereignis darstellt.

Die in den Experimenten verwendeten Monozyten-Präparationen wurden fortlaufend durch Flusszytometrie hinsichtlich ihrer Zusammensetzung kontrolliert (s. 6.2.2.).

7.1.2 Bestimmung der mRNA pro-entzündlicher Zytokine

Die Regulation der pro-entzündlichen Zytokine ist außerordentlich komplex, sie findet sowohl prä- als auch post-transkriptional statt. In den nachfolgenden Untersuchungen stand daher die Frage im Mittelpunkt, ob der vermehrten Produktion von IL-1ß und TNF-alpha durch die Monozyten essentieller Hypertoniker ursächlich eine transkriptionale Hochregulation zugrunde liegt. Eine semiquantitative Polymerasekettenreaktion zum Nachweis von TNF-alpha und IL-1ß wurde zu diesem Zweck aufgebaut. Diese PCR benutzte als internen Standard ein RNA Konstrukt, das die Upstream- und Downstream-Primer- Bindungsstellen für IL-1ß bzw. TNF-alpha enthielt und das parallel zum Wild-Typ IL-1ß/TNF-alpha amplifiziert wurde. Das Amplifikationsprodukt des Konstrukts war vom PCR


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Produkt der Zytokin mRNA durch sein unterschiedliches Molekulargewicht differenzierbar. Der Nachweis des synthetisierten PCR Produkts erfolgte mit einem DNA Sequenzierautomaten (Applied Biosystems), der das an das 5`-Ende des Primers gekoppelte Fluoresceinmolekül über einen Argon Laser anregte. Die gescannten Rohdaten wurden mit dem Programm “gene scan“® (Applied Biosystems) analysiert. Die Abschätzung der enthaltenen authentischen RNA Konzentration erfolgte in der Probe, in der Konzentrationen der PCR Produkte von synthetischem Standard und authentischer RNA am ehesten äquimolar waren.

7.1.2.1 IL-1ß mRNA Konzentration

Isolierte Monozyten von Normalkontrollen und Hypertoniepatienten wurden für 4 Stunden mit Angiotensin II (10-8 mol/l) oder LPS (10 ng/ml) stimuliert. Die RNA wurde extrahiert und eine semiquantitative RT-PCR zur Bestimmung der IL-1ß mRNA Konzentrationen eingesetzt (Abb. 14). Die IL-1ß mRNA der Patienten war nach Stimulation mit Angiotensin II (10-8 mol/l) oder LPS (10 ng/ml) gegenüber der der Kontrollen signifikant erhöht (Abb. 15).

Abb. 14: PCR Produkte für eine Amplifikation mit spezifischen IL-1ß Primern. MWM = Marker verschiedenen Molekulargewichts, 1 = Positivkontrolle, 2 = Negativkontrolle, Kontrollen = PCR Produkte nach Verwendung von Monozyten zweier Normalkontrollen nach Stimulation mit Angiotensin II, Patienten = PCR Produkte nach Verwendung von Monozyten zweier Patienten nach Stimulation mit Angiotensin II, die Banden zeigen die PCR Produkte der in den Proben enthaltenen Wild-Typ mRNA


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Abb. 15: IL-1ß mRNA peripherer Monozyten von Kontrollen (n = 14) und Patienten (n = 12) im Vergleich nach Stimulation mit Angiotensin II (?) oder LPS (¯). (TT = P < 0,02; T = P < 0,05)

7.1.2.2 TNF-alpha mRNA Konzentration

Nach LPS Stimulation fand sich eine signifikant höhere TNF-alpha mRNA bei den Patientenmonozyten im Vergleich zu den Kontrollen. Parallel zu den Ergebnissen auf Proteinebene ließ sich auch auf mRNA-Ebene nach Angiotensin II Stimulation kein


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Unterschied der TNF-alpha Amplifikationsprodukte zwischen Patienten und Kontrollen nachweisen (Abb. 16).

Abb. 16: TNF-alpha mRNA peripherer Monozyten von Kontrollen (n = 14) und Patienten
(n = 12) im Vergleich nach Stimulation mit Angiotensin II (?) oder LPS (¯). (n.s. = nicht signifikant; T = P < 0,05)

Anhand der vorliegenden Untersuchungen bestätigte sich, dass auch auf mRNA Ebene eine dem Sekretionsverhalten der Monozyten vergleichbare Voraktivierung zu finden ist.

Die Frage schien uns wichtig, ob es sich hier um ein Phänomen handelt, das lediglich die Sekretion und Transkription pro-entzündlicher Zytokine durch Monozyten von Hypertoniepatienten betrifft, oder ob weitere, anders regulierte Funktionen dieser Zellen betroffen sind. Es wurde daher die Kapazität peripherer Monozyten zur Sekretion von Sauerstoffsuperoxid mittels Chemilumineszenz untersucht.


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7.1.3 Superoxidproduktion

Es ist bereits aus früheren Untersuchungen bekannt, dass bei Patienten mit entzündlichen Erkrankungen die aktivierten Leukozyten vermehrt Superoxidanionen freisetzen (Kitahora T., 1988; Vachier I., 1992; Bruce I., 1997). In den durchgeführten Experimenten unterschied sich allerdings die Chemilumineszenzaktivität der unstimulierten Monozyten nicht signifikant zwischen Hochdruckpatienten (20,0 ± 29,7 mV/105 Zellen) und gesunden Probanden (15,4 ± 6,3 mV/105 Zellen, P = 0,94; Abb. 17).

Abb. 17: Maximale Chemilumineszenzaktivität der Monozyten von Hochdruckpatienten und Kontrollen im Vergleich. Unstimuliert (?) fand sich kein signifikanter Unterschied n.s.). Nach Stimulation mit Angiotensin II (¯) fand sich ein signifikanter Unterschied
(T = P < 0,002, n = 20).


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Die Monozyten hypertensiver Patienten wiesen signifikant höhere Chemilumineszenz-aktivitäten nach Stimulation mit Angiotensin II auf als die Kontrollgruppe (Patienten: 172 ± 189, Kontrollen: 73,8 ± 67,5 mV/105 Zellen, P = 0,002, Abb. 17).

Nach Stimulation mit PMA war die maximale Chemilumineszenzaktivität (peak values) der Monozyten hypertensiver Patienten (702,5 ± 845,6 mV/105 Zellen) signifikant erhöht im Vergleich zu den Kontrollen (228,4 ± 504 mV/105 Zellen, Abb. 18). Wurden die peripheren Monozyten mit PMA und LPS inkubiert, ließ sich kein signifikanter Unterschied der Chemilumineszenzaktivität von Patienten und Normalkontrollen nachweisen (Abb. 18).

Abb. 18: Maximale Chemilumineszenzaktivität der Monozyten von Hochdruckpatienten und Kontrollen im Vergleich nach Stimulation mit PMA (8 x 10-5 M, ?) oder PMA und LPS (10 ng/ml, ¯). (n.s. = nicht signifikant; T = P < 0,005, n = 20)


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Diese Befunde sind als deutliche Hinweise auf eine Störung der Monozytenfunktion bei Hypertonikern zu werten, da neben der Transkription und Sekretion pro-entzündlicher Zytokine auch ein anders reguliertes System wie die Freisetzung reaktiver Sauerstoff-metaboliten betroffen ist.

Die Chemilumineszenzaktivität postkonfluenter HUVEC betrug dagegen lediglich 6,2 ± 3,2 mV/105 Zellen und stieg nach Stimulation mit Angiotensin II nicht signifikant auf 10,7 ± 2,2 mV/105 Zellen an.

7.1.4 Adhäsionsmoleküle

7.1.4.1 Serumkonzentration zirkulierender Adhäsionsmoleküle

Die Serumspiegel von sICAM-1 (Patienten: 223,2 ± 87,6; Kontrollen: 192,1 ± 47,8 ng/ml, P = 0,04) und sVCAM-1 (Patienten: 669,4 ± 331,6; Kontrollen: 572,5 ± 194,4 ng/ml, P = 0,01) waren bei Hochdruckpatienten im Vergleich zu Normalkontrollen signifikant erhöht. Die Konzentrationen von sE-Selektin für Patienten (54,1 ± 27,4 ng/ml) und Kontrollen (49,8 ± 25,6 ng/ml, P = 0,3) wiesen keinen signifikanten Unterschied auf.

7.1.4.2 Aktivierungsabhängige Oberflächenmoleküle auf den Monozyten

Um den Aktivitätszustand peripherer Monozyen besser zu definieren, wurden isolierte mononukleäre Zellen mit Mehrfachmarkierung (Drei-Farben Immunfluoreszenz) am Durchflusszytometer charakterisiert. Dabei wurden sowohl während der Aktivierung typischerweise exprimierte Antigene wie CD54 oder CD11b untersucht, als auch die Expression von Molekülen, die die Identifikation (CD14) erlaubte. So wurden die


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Monozyten nach typischem Fluoreszenzmuster durch forward- und sideward-scatter Parameter (R1) erkannt und ausgewertet (Abb. 19). Zusätzlich wurden nur CD14 positive Ereignisse (R2) in dem APC-Fluoreszenzhistogramm als Monozyten gewertet. Es wurden jeweils mindestens 10.000 Ereignisse gemessen. Im RPE- und FITC-Fluoreszenzhistogramm wurden die Monozyten (R1 und R2 = G3) als positiv gewertet, die eine Fluoreszenzintensität deutlich oberhalb der eines Isotyp-Kontrollantikörpers (RPE-konjugierter monoklonaler Maus IgG1, _; FITC-konjugierter monoklonaler Maus IgG2, BD) hatten (M1).

Abb. 19: FACS peripherer Monozyten (R1) nach typischem Fluoreszenzmuster im forward- (FSC, Maßstab für die Zellgröße) und sideward-height-scatter (SSC, Maßstab für die Granularität). Die Abbildung zeigt die FACS-Ergebnisse von Monozyten eines repräsentativen Hypertoniepatienten. Es wurden jeweils 100 000 Zellen ausgewertet.


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Abb. 20: FACS Analyse peripherer Monozyten des repräsentativen Hypertoniepatienten (Abb. 18). Jeweils 10 000 Ereignisse wurden gemessen (Counts = Ereignisse). 20a: Färbung mit einem APC-markierten CD14 Antikörper. Nur CD14 positive Ereignisse wurden als Monozyten gewertet (R2). 20b: Färbungen mit einem FITC-markierten Isotyp-Antikörper gegen IgG. Im Fluoreszenzhistogramm wurden nur die Monozyten als positiv gewertet, die eine Fluoreszenzintensität oberhalb des Isotyp-Kontrollantikörpers hatten (M1). 20c: Nachweis von CD11a mittels FITC konjugiertem Antikörper, einem bei aktivierten Monzyten typischerweise exprimiertem Antigen.


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Für die Monozyten von Hochdruckpatienten fanden sich in der Regel höhere Fluoreszenzintensitäten (counts) der Kanäle aktivierungsabhängiger Oberflächenmoleküle im Vergleich zu den Normalkontrollen. Eine signifikant erhöhte Expression der aktivierungsabhängigen Oberflächenmoleküle fand sich auf den Patientenmonozyten für sämtliche mit ICAM-1 in Beziehung stehenden Oberflächenmarker (CD54, CD11a - Liganden u.a. ICAM-1, ICAM-2; CD11b - Ligand u.a. ICAM-1, LPS, Abb. 21). Eine Ausnahme bildete lediglich CD29 (Patienten: 78,1 ± 35,6; Kontrollen: 116,6 ± 73,0 counts, P = 0,27). Die mittlere Fluoreszenzintensität eines Kanals ist ein Maß für die Antikörperbindung und somit für die Antigen-Oberflächenexpression.

Abb. 21: Expression aktivierungsabhängiger Oberflächenmarker CD54 (?), CD11a (?) und CD11b (¯) auf Patienten- und Kontrollmonozyten im Vergleich. (T = P = 0,025; TT = P = 0,004; n = 40)


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Es bestand kein signifikanter Unterschied zwischen Patienten und Kontrollen für CD31 (Patienten: 117,9 ± 91,8; Kontrollen: 91,7 ± 81,5 counts, P = 0,51), CD 44 (Patienten: 306,2 ± 288,0; Kontrollen: 286,0 ± 151,0 counts, P = 0,68) und CD49 (Patienten: 164,0 ± 171,5; Kontrollen: 108 ± 113,9 counts, P = 0,14).

7.2 Adhäsionsassays

7.2.1 Unstimulierte Adhäsion

Um eine mögliche pathophysiologische Bedeutung der Monozytenfunktionsstörung von Hypertoniepatienten zu ermitteln, führten wir Adhäsionsversuche an humane Umbilikalvenenendothelzellen durch. Dabei wurde die Aktivierung peripherer Monozyten durch Messung der Adhäsion an HUVEC als Prozentsatz der initial eingesetzten Zellen ermittelt.

Bereits die spontane Adhäsion von Monozyten hypertensiver Patienten an HUVEC Monolayer war im Vergleich zu der Adhäsion der Monozyten von Normalkontrollen signifikant erhöht (Patienten: 41,7 ± 9,7; Kontrollen: 22,3 ± 7,5 %, P = 0,017, Abb. 22).

7.2.2 Adhäsion nach Stimulation

7.2.2.1 LPS

Da LPS als Monozytenstimulans etabliert ist, interessierte uns besonders der in vitro Einfluss dieser Substanz auf die Adhäsion isolierter Monozyten von Hochdruckpatienten und gesunden Probanden. Diese experimentelle Serie (Patienten = 37, Kontrollen = 41) zeigte, dass LPS ein sehr potentes Adhäsionsstimulans für normale als auch Patientenmonozyten ist, so dass aufgrund der massiven Monozytenaktivierung kein signifikanter Unterschied hinsichtlich der Adhäsion mehr nachweisbar war (Abb. 22).


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Die Adhäsion nach LPS Stimulation war dementsprechend bei Normalkontrollen und Patientenmonozyten im Vergleich zur Spontanadhäsion derselben (s.o.) signifikant erhöht (Patienten: 76,8 ± 28,5 %, P = 0,005; Kontrollen: 72,9 ± 8,1 %, P < 0,0005).

Abb. 22: Adhäsion von Patientenmonozyten (n = 37) und Kontrollen (n = 41) an humane Umbilikalvenenendothelzellen im Vergleich in Prozent der eingesetzten Monozyten: spontan (?) sowie nach Stimulation mit LPS (10 ng/ml, ¯). (T = P = 0,017; n.s. = nicht signifikant).

7.2.2.2 Angiotensin II

Um den Einfluss eines physiologisch vorkommenden Stimulans auf die in vitro Adhäsion peripherer Monozyten an HUVEC zu untersuchen, setzten wir Angiotensin II ein. In Vorversuchen hatten wir die optimale Konzentration des Mediators zur Monozyten-


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stimulation mit 10-8 mol/l ermittelt. Angiotensin II führte zum Anstieg der Adhäsion bei Patienten- (48,7 ± 15,2 %, P = 0,1) und Kontrollmonozyten (30,6 ± 14,0 %, P = 0,06), welcher allerdings im Vergleich mit der jeweiligen Spontanadhäsion nicht signifikant war.

Auch nach Angiotensin II Stimulation war der Unterschied der Adhäsion zwischen Patienten- und Probandenmonozyten an HUVEC hochsignifikant (P = 0,01, Abb. 23). Diese Experimente wiesen daraufhin, dass den bei einem Teil der Hypertoniker erhöhten Angiotensin II Serumspiegeln möglicherweise eine negative Bedeutung beikommt.

7.2.2.3 Eprosartan

Mit dem in vitro Einsatz des AT1-Rezeptorantagonisten Eprosartan, untersuchten wir, ob die Angiotensin II Wirkung auf die Monozytenadhäsion blockierbar ist. Dazu erfolgte die Inkubation der Monozyten mit Eprosartan (10-6 mol/l) für 30 min vor Stimulation mit Angiotensin II.

Eprosartan führte zur Reduzierung der Monozytenadhäsion an HUVEC bei Patienten (42,0 ± 12,8 %) und Kontrollen (25,6 ± 11,2 %) auf Werte, welche annähernd der Spontanadhäsion entsprachen (Abb. 23). Dabei fiel die Reduktion der Adhäsion der Patientenmonozyten an HUVEC vergleichsweise deutlicher aus.

Diese Befunde passen zu der auf Zytokinebene nachgewiesenen, Losartan-induzierten Reduktion der Angiotensin II stimulierten Sekretion pro-entzündlicher Zytokine.


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Abb. 23: Adhäsion von Patientenmonozyten (n = 37) und Kontrollen (n = 41) an humane Umbilikalvenenendothelzellen im Vergleich in Prozent der eingesetzten Monozyten: nach Angiotensin II Stimulation (?) sowie nach zusätzlicher Vorinkubation mit Eprosartan
(¯). (TT = P = 0,01; T = P < 0,05).

7.3 Korrelationen

Um den Einfluss von Blutdruck, Alter und Geschlecht auf die erhaltenen Zytokin-konzentrationen sowie Adhäsionswerte zu evaluieren, wurden Korrelationsanalysen durchgeführt. Dabei korrelierte in keinem Fall das Geschlecht der Patienten und Probanden mit den ermittelten Werten.


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7.3.1 Zytokinkonzentration und Blutdruck

Korrelationsanalysen wurden für IL-1ß, TNF-alpha und IL-6 nach Stimulation mit Angiotensin II bzw. LPS und systolischem sowie diastolischem Blutdruck durchgeführt. Es ließen sich keine signifikanten Korrelationen von IL-1ß und TNF-alpha nach LPS Stimulation der Monozyten mit dem Blutdruck der Patienten bzw. Probanden nachweisen. Für IL-6 ließ sich weder nach Angiotensin II noch nach LPS Stimulation eine signifikante Korrelation mit dem Blutdruck nachweisen.

Nach Angiotensin II Stimulation der Patientenmonozyten ließ sich für IL-1ß nach Spearman eine leicht positive Korrelation lediglich mit dem systolischen Blutdruck nachweisen (Spearman: r = 0,37, P = 0,04; Pearson R: r = 0,20, P = 0,27, Abb. 24).

Abb. 24: Korrelation nach Spearman von IL-1ß nach Angiotensin II Stimulation der Patientenmonozyten mit dem systolischen Blutdruck (n = 31).


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Ähnliche Ergebnisse wie für IL-1ß fanden sich für TNF-alpha (TNF-alpha - systolischer RR: Spearman: r = 0,34, P = 0,06; Pearson R: r = 0,37, P = 0,04).

Mit dem diastolischen Blutdruck der Patienten (Spearman: r = 0,06, P = 0,75; Pearson R: r = - 0,32, P = 0,86) sowie den Monozyten der Normalkontrollen (IL-1ß - systolischer RR: Spearman: r = 0,23, P = 0,18; Pearson R: r = 0,22, P = 0,20) ließen sich keine statistisch nachweisbaren Zusammenhänge ermitteln.

7.3.2 Zytokinkonzentration und Alter

Die Konzentrationen der pro-entzündlichen Zytokine nach LPS und Angiotensin II Stimulation der Monozyten wurden mit dem Alter der Probanden (Mittelwert: 49 ± 13 Jahre) korreliert. Dabei konnte unabhängig von dem Stimulans kein signifikanter Zusammenhang nachgewiesen werden.

So betrug beispielsweise der Korrelationskoeffizient r nach Spearman 0,10 (P = 0,44) für die Korrelation des Probandenalters mit IL-1ß nach Angiotensin II Stimulation (n = 66; Pearson R: r = 0,06, P = 0,60, Abb. 25).


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Abb. 25: Korrelation nach Spearman des Alters der Hochdruckpatienten (O, n = 31) und der Normalkontrollen (O, n = 35) mit IL-1ß nach Angiotensin II Stimulation der peripheren Monozyten in vitro.

7.3.3 Adhäsion und Blutdruck

Interessanterweise ergaben sich bei der Korrelation des systolischen wie des diastolischen Blutdruckes der Patienten (n = 37) mit der Spontanadhäsion der Monozyten an humane Umbilikalvenenendothelzellen in vitro keine statistisch signifikanten Zusammenhänge. Die Korrelationskoeffizienten nach Spearman (r = 0,10, P = 0,57) waren für den systolischen (Abb. 26) sowie den diastolischen Blutdruck identisch (systolischer RR - Spontanadhäsion: Pearson R: r = 0,24, P = 0,16; diastolischer RR - Spontanadhäsion: Pearson R: r = 0,27, P = 0,11).


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Abb. 26: Korrelation nach Spearman des systolischen Blutdruckes der Patienten (n = 37) mit der Spontanadhäsion der Monozyten an humane Umbilikalvenenendothelzellen.

7.3.4 Adhäsion und Alter

Analysen des Zusammenhanges der Spontanadhäsion peripherer Monozyten an HUVEC mit dem Alter der Probanden (n = 78) ergaben eine leicht positive Korrelation nach Pearson R (r = 0,23, P = 0,04; Spearman: r = 0,21, P = 0,07, Abb. 27). Der Mittelwert für das Alter der Probanden betrug 46,4 ± 10,7 Jahre.

Wurden lediglich das Alter der Kontrollen (n = 37) mit der Spontanadhäsion ihrer Monozyten an HUVEC korreliert, ergab sich ein hohes Signifikanzniveau (Pearson R: r = 0,60, P < 0,0001; Spearman: r = 0,44, P = 0,004). Interessanterweise ließ sich für die Adhäsion der Patientenmonozyten (n = 41) keine positive Korrelation mit dem Alter nachweisen (Pearson R: r = - 0,10, P = 0,56; Spearman: r = - 0,24, P = 0,16). Hier spielen scheinbar andere Mechanismen eine wichtigere Rolle als das Alter der Patienten.


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Abb. 27: Korrelation nach Pearson R des Alters der Probanden [Hypertoniker (O), Normalkontrollen (O)] mit der Spontanadhäsion der Monozyten an humane Umbilikalvenenendothelzellen.


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