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1.  Einleitung

Der Plötzliche Herztod ist eine der häufigsten Todesursachen in den westlichen Industrieländern und verantwortlich für jeden fünften Todesfall [1-3]. In verschiedenen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass tachykarde Herzrhythmusstörungen - ventrikuläre Tachykardien und Kammerflimmern - als primäre Ursache auftreten [4,5]. Häufig liegt eine akute Ischämie und/oder eine strukturelle Myokardschädigung vor, wie z.B. eine Myokardnarbe nach Herzinfarkt.

Kammerflimmern wird als „chaotische, zufällige, asynchrone elektrische Aktivität der Herzkammern aufgrund sich wiederholender kreisender Erregung (reentry) und/oder schneller fokaler Entladung“ beschrieben. Die einzige Therapie des Kammerflimmerns ist die elektrische Defibrillation [6,7]. Neben der externen transthorakalen Defibrillation [8,9] eröffnete die Entwicklung automatischer implantierbarer Kardioverter/Defibrillatoren (ICD) [10] neue Möglichkeiten in der Therapie von Patienten mit lebensbedrohlichen Arrhythmien.

Insbesondere nach den ersten Effektivitäts-Studien [11-14] nahm die Anzahl der Patienten mit einem ICD deutlich zu und belief sich 1999 auf rund 70000 Patienten weltweit [15]. Mittlerweile ist der implantierbare Defibrillator eine etablierte Behandlungsform maligner Tachykardien, wobei neuere Untersuchungen zeigen, dass durch die prophylaktische Implantation eines Defibrillators die Sterblichkeit durch den Plötzlichen Herztod gesenkt werden kann [16].

Trotz des breiten klinischen Einsatzes externer und implantierbarer Defibrillatoren bestehen unbeantwortete Fragen hinsichtlich der elektrophysiologischen Vorgänge während der kardialen Defibrillation, des Substrates und der Triggermechanismen, die dem Entstehen und Aufrechterhalten von Kammerflimmern zugrunde liegen. In experimentellen und klinischen Arbeiten wurde gezeigt, dass Kammerflimmern entsteht bzw. induziert werden kann durch: 1) Wechselstrom, 2) ischämiebedingten unidirektionalen Block, 3) niedrig-energetische Energiestimuli in der vulnerablen Phase des Herzzyklus, 4) während der Reperfusionsphase nach kardialer Ischämie und 5) durch Defibrillationsschocks mit sehr hoher Energie.

Elektrophysiologische Untersuchungen haben nachgewiesen, dass die Vorgänge – nach Induktion von Kammerflimmern – unabhängig von der Induktionsart sehr ähnlich sind. Aufgrund der bisherigen Arbeiten wird angenommen, dass Kammerflimmern aus multiplen, ungeordneten Aktivierungsfronten besteht, die ihre Richtung ständig ändern [17]. Wenige Daten liegen allerdings zum Entstehen und zur Frühphase des Kammerflimmerns vor. In diesen Arbeiten wird davon ausgegangen, dass nur wenige Erregungsfronten existieren und die Anzahl dieser Fronten mit der Dauer des Kammerflimmerns zunimmt [18].


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Die grundlegenden Mechanismen der Induktion und Defibrillation von Kammerflimmern sind Gegenstand intensiver Forschung. Die vorliegende Habilitationsschrift beschäftigt sich mit der Pathogenese und Therapie von Herzrhythmusstörungen. In der Habilitationsschrift werden 11 Tierversuchsreihen und 2 Übersichtsarbeiten diskutiert. Ausgehend von den tierexperimentellen Arbeiten zur Therapie erfolgte die wissenschaftliche Ausrichtung auf die Pathogenese des Kammerflimmerns. Die Habilitationsschrift spiegelt diese Entwicklung wider.


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11.02.2004