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4  Erkenntnisgewinn aus klinischen Datenbanken

4.1 Hintergrund: Klinische Datenbanken

Klinische Datenbanken sind ein Abbild der Realität der Krankenversorgung. Im Gegensatz zu administrativen Datenbanken (Krankenhausverwaltung, Kostenträger) ist die Wahrscheinlichkeit, dass medizinische Daten systematisch falsch erfasst werden (z. B. Upcoding von Diagnosen), bei klinischen Datenbanken geringer [17]. Parallel zu den administrativen Datenbanken bauen daher Kliniker in vielen Bereichen eigene medizinische Datenbanken zur Sammlung qualitativ hochwertiger Informationen über ihre Patienten auf.

Die technologische Entwicklung ist so weit fortgeschritten, dass die technische Realisierung von klinischen Datenbanken kaum noch ein Gegenstand wissenschaftlicher Überlegungen ist. Hingegen rücken Überlegungen zur Qualität der erfassten Daten und zu Verbesserungsmöglichkeiten auf diesem Gebiet in den Vordergrund. Vollständigkeit und Verlässlichkeit der Daten sind von entscheidender Bedeutung für alle Nutzungen der Datenbasis [18]. Die notwendigen Maßnahmen zur Sicherung der Datenqualität unterscheiden sich entsprechend des organisatorischen Rahmens:


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Die Nutzungsmöglichkeiten sind vielfältig: Datenbanken können in der Patientenversorgung zur raschen Bereitstellung von Patienten-bezogenen Informationen genutzt werden, sie ermöglichen eine interne und/oder externe Qualitätssicherung und sie bilden die Basis für Beobachtungsstudien, in denen prognostische Faktoren, diagnostische und therapeutische Verfahren untersucht werden können [22].

4.2 Vorarbeiten: Implementierung einer klinischen Datenbank für Nierentransplantatempfänger

Mit dem Ziel, eine möglichst umfassende Sammlung aller Informationen zu den betreuten Nierentransplantatempfängern zu ermöglichen, wurde eine klinische Datenbank im Transplantationszentrum Charité errichtet. Um den Aufwand vertretbar und die Datenqualität möglichst hoch zu halten, sollte die Datenbank gleichzeitig für die Patientenversorgung genutzt werden (=Elektronische Patientenakte). Die Nutzung in der Patientenversorgung führt zu höheren technischen Anforderungen (klinikumsweite Zugriffsmöglichkeiten, differenzierte Nutzerverwaltung, Hochverfügbarkeit durch ausreichende Systemstabilität und Vorhaltung von Fallback-Lösungen). Dem erhöhten technischen Aufwand stehen aber eine Verringerung des Aufwandes für die Datenerfassung (Daten werden im Rahmen der Patientenversorgung ohnehin erfasst und z. B. für die Arztbrieferstellung oder Medikationspläne genutzt) und eine Verbesserung der Datenqualität gegenüber (Eingabefehler fallen im Rahmen der wiederholten Nutzung der Daten in der Patientenversorgung eher auf), so dass diese Lösung in der Summe attraktiver als eine isolierte Datenbank für Forschungszwecke ist.

Ausgehend von einer Vorgängerversion wurde in den Jahren 1996 und 1997 eine Datenbank mit web-basierter Nutzeroberfläche konzipiert [23]. Damit stehen die Daten über das Intranet auf jedem Rechner mit einem Web-Browser für jeden berechtigten Nutzer zur Verfügung [24]. Soweit Informationen in elektronischer Form zur Verfügung stehen (Labordaten, Radiologie, Pathologie, Nuklearmedizin, Verwaltung etc.) werden diese direkt online und damit übertragungsfehlerfrei in die Datenbank übernommen. Das Transplantationsprogramm des Virchow-Klinikums übernahm später dieses System, so dass für Auswertungen jeweils die anonymisierten Daten fragestellungsbezogen gepoolt werden können. Die so geschaffene Datenbasis umfasste Ende 2003

Die technischen Einzelheiten der Realisation werden im Folgenden detaillierter dargestellt:


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01.09.2004