[Seite 12↓]

3  Datenauswertung

Je nach Messmethodik und Korrekturverfahren erlauben nuklearmedizinische Verfahren eine qualitative, eine semi-quantitative oder, bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen, eine quantitative Datenauswertung.

Unter qualitativer Datenauswertung versteht man eine rein visuelle Interpretation des Szintigramms bzw. eines rekonstruierten Bildes. Dabei geht es um den Nachweis von Läsionen und deren Lokalisation bzw. um die Ermittlung der Aktivitätsverteilung im Körper oder in einzelnen Organen (Abb. 8).

Die semi-quantitative Auswertung basiert auf einem Vergleich, z.B. zu Standards, Kontrollgruppen, Normwerten oder intraindividuellen Vergleichen, d.h. Vergleich von Daten aus der Untersuchung desselben Patienten bei gleich bleibenden Abbildungsbedingungen (z.B. links/rechts-Vergleich bei symmetrischen Objektgeometrien, Ruhe- und Belastungsuntersuchungen bei der Myokardszintigraphie, Verlaufskontrollen oder Vergleich funktionaler Bilder), Abb. 9.

Abbildung 8: F-18-FDG-PET-Aufnahmen eines Patienten mit Bronchialkarzinom im Unter-lappen der linken Lunge. Der Primärtumor und multiple Knochenmetastasen in Wirbelsäule und rechtem Femur sind als deutliche fokale Mehrspeicherungen dargestellt. Zusätzlich sind physiologische Anreicherungen, z.B. im linksventrikulären Myokard, in Leber, Milz, beiden Nieren und in der Harnblase, zu erkennen.

Abbildung 9a: Hirn-PET-Untersuchung mit F-18-FDG: Transversale Schicht durch das Hirn eines Patienten mit einem Lokalrezidiv eines Glioblastoms; deutliche Aktivitätsmehranreicherung rechts frontal bei sonst physiologischer Aktivitätsverteilung.


[Seite 13↓]

Bei der quantitativen Auswertung ist neben dem Nachweis der richtigen Läsionsgröße die Ermittlung der Aktivitätskonzentration von Interesse. Eine Erweiterung der quantitativen Auswertung ist die Erstellung parametrischer Bilder, wie z.B. Blutfluss oder Glukosestoffwechsel, skaliert in physiologischen Einheiten (Abb. 10).

Bei der Umwandlung der gemessenen Daten in absolute Stoffwechselparameter wird der Stoffwechsel der Tracersubstanz durch physiologische Modelle beschrieben. Eine dabei häufig eingesetzte Modellklasse sind die Kompartment-Modelle. In den Kompartment-Modellen werden relevante Transport- und Umwandlungsvorgänge mathematisch modelliert und eine Vorschrift hergeleitet, welche die erwartete Gewebekonzentration bei einer gemessenen Blutkonzentration vorhersagt (z.B. Bestimmung der Glukoseaufnahme in eine Tumorläsion, in den Skelettmuskeln etc., um an Hand der quantitativen Messwerte verlässliche, kurzfristige Therapiekontrollen durchführen zu können). Ziel ist es, die Modellparameter so zu bestimmen, dass sie die Gewebekonzentration möglichst genau vorhersagen. Komplexe physiologische Vorgänge sollten mit vereinfachten Modellen beschrieben werden, um die Gefahr von mehrdeutigen Lösungen zu vermeiden.

Abbildung 9b: Ganzkörper-PET-Untersuchung mit F-18-FDG: Dargestellt sind jeweils eine transversale, sagittale und koronale Schnittebene bei einem Patienten mit medullärem Schilddrüsenkarzinom:
links: deutliche Aktivitätsmehranreicherung in der Schilddrüsenloge (Lokalrezidiv nach Therapie);
rechts: Verlaufskontrolle ein Jahr nach OP; zu sehen sind zwei neu aufgetretene mediastinale Lymphknotenmetastasten und multiple Lebermetastasen.

Abbildung 10:
Transversale Schnittbilder des Hirns
links: Blutfluss, gemessen mit O-15-Wasser; rechts: Glukosestoffwechsel, ermittelt mit F-18


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
DiML DTD Version 3.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
30.09.2004