| Gollasch, Maik: Untersuchungen zu Kalzium- und Kaliumkanälen in humanen arteriellen Gefäßmuskelzellen |
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Erst kürzlich wurden spannungsabhängige Kalziumkanäle direkt mit Hilfe der Patch-Clamp-Technik in humanen arteriellen Gefäßmuskelzellen untersucht. In unserem Arbeitskreis wurden spannungsabhängige Kalziumkanäle in frisch-isolierten Gefäßmuskelzellen humaner Koronararterien studiert. Dabei ließen sich Dihydropyridin-sensitive Kalziumkanalströme vom L-Typ nachweisen. Die Daten wurden in der Dissertationsschrift von Herrn Dr. rer. nat. Christian Ried veröffentlicht (1997) und decken sich mit zeitgleich publizierten Befunden einer französischen Arbeitsgruppe um Prof. Dr. S. Richard (1997). Es ist festzustellen, dass die Dichte der Kanäle erheblich vom Arterientyp und von der Spezies abhängt. Beispielsweise ist die Dichte von L-Typ-Kanälen (~4 Kanäle pro µm2) in frisch-isolierten Gefäßmuskelzellen von Hirnarterien der Ratte 40fach höher als in koronararteriellen Gefäßmuskelzellen des Menschen (~1 Kanal pro 10 µm2) (zur Übersicht mit Literaturangaben siehe 3.1.5.). Aufgrund der geringen L-Typ-Kanal-Dichte erscheinen humane koronararterielle Zellen als wenig geeignet, um die Permeation von Ca2+ durch singuläre L-Typ-Kalziumkanäle der C-Klasse zu studieren.
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1C-UntereinheitenL-Typ-Kanäle der C-Klasse bestehen aus der Pore-formierenden
1C-Kanaluntereinheit und akzessorischen Hilfsuntereinheiten. Die Permeationsrate von Ca2+ durch singuläre Kalziumkanäle wurde bislang nicht unter physiologischen Bedingungen gemessen. In bisherigen konventionellen Einzelkanalregistrierungen wurden hohe Konzentrationen von divalenten Ladungsträgern (meist isomolares Ba2+) verwendet. In den vorliegenden Arbeiten wurden erstmals Ströme durch singuläre arterielle und neuroendokrine L-Typ-Kalziumkanäle der C-Klasse in Lösungen mit physiologischen divalenten Ladungsträgerkonzentrationen und bei physiologischen Membranpotenzialen gemessen. In den Messungen zeigte sich, dass arterielle und neuroendokrine L-Typ-Kanäle einheitliche Einzelkanalleitfähigkeiten in hohen und niedrigen Ba2+-Lösungen besitzen (ca. 25 pS mit 110 mM Ba2+ und ca. 10 pS mit 2 mM Ba2+). Der Einzelkanalstrom des arteriellen L-Typ-Kanals betrug 0,1 bis 0,3 pA in physiologischen Ca2+-Lösungen (2 mM) und bei physiologischen Membranpotenzialen (-60 mV bis -40 mV); die zugehörige Einzelkanalleitfähigkeit wurde mit 5,5 pS bestimmt. Gleichartige Befunde ergaben sich für
1C-Untereinheiten, die in CHOC9-Zellen stabil transfiziert und exprimiert wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass L-Typ-Kanäle mit einer relativ hohen Rate von Ca2+ (ca. 1 Mill. Ca2+/s bei -40 mV und 36°C) permeiert werden. Die hohe Permeationsrate wird durch die
1-Kanaluntereinheit bestimmt. Die vorliegenden Messergebnisse erlauben theoretische Betrachtungen über den Ca2+-Einstrom durch L-Typ-Kanäle im arteriellen Gefäßmuskel unter physiologischen Membranpotenzialen und Ionenbedingungen.
1 subunit. Am. J. Physiol. 263: C948-C952 (1996).
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In diesem Teilthema wurden intrazelluläre Signalwege untersucht, die L-Typ-Kalziumkanäle der C-Klasse regulieren. Durch Einsatz von Antisense-Oligonukleotiden in Patch-Clamp-Versuchen wurde gezeigt, dass die hormonelle Aktivierung von Gi2-Proteinen zur Stimulation von L-Typ-Kalziumkanälen der C-Klasse in kultivierten GH3-Zellen führen kann. Dieser Signalweg erfordert die gleichzeitige hormonelle Aktivierung von Proteinkinase C (vermutlich über Gq/11-Proteine). Die Befunde bildeten die Voraussetzung für den Nachweis gleichartiger Signalwege zur Stimulation von L-Typ-Kalziumkanälen in Gefäßmuskelzellen durch andere Arbeitsgruppen. Diese Befunde und Zusammenhänge werden unter 3.1.5 diskutiert.
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Eine Vielzahl von Untersuchungen hat sich mit der Differenzierung von Gefäßmuskelzellen beschäftigt. Allerdings wurde bislang die differentielle Expression von Ionenkanälen in Gefäßmuskelzellen nicht ausreichend untersucht. In der folgenden Arbeit konnte für kultivierte Gefäßmuskelzellen gezeigt werden, dass die Anzahl von L-Typ-Kanälen (insbesondere die Anzahl der
1- und ß2-Untereinheiten) direkt mit der Expression von glattmuskulärem
-Actin und schweren glattmuskulären Myosinketten korreliert. Retinolsäure bewirkte eine Redifferenzierung der Zellen und gleichzeitige Induktion von L-Typ-Kalziumkanälen. Die Ergebnisse zeigen, dass L-Typ-Kanäle als neuer Marker für den Differenzierungsgrad von Gefäßmuskelzellen fungieren könnten. Die differentielle Expression von Ionenkanälen könnte von physiologischer Bedeutung für Gefäßmuskelzellen sein und sich auf das Verhalten der Zellen unter pathophysiologischen Bedingungen auswirken.
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Eine Übersicht über die Bedeutung der eigenen Untersuchungsergebnisse und den internationalen Kenntnisstand ist in der folgenden Publikation gegeben (Anlage zu 2.1.5.):
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Die Diversität von Kaliumkanälen in animalischen Gefäßmuskelzellen ist groß. Allerdings existieren nur sehr wenige Untersuchungen zur Identifizierung von Kaliumkanälen in humanen Gefäßmuskelzellen. Im vorliegenden Teilthema wurden Kaliumkanalströme in frisch-isolierten Gefäßmuskelzellen humaner Koronararterien mit Hilfe der Patch-Clamp-Technik identifiziert und charakterisiert. Es wurden vier diverse Kaliumkanalströme detektiert: (1) ein verzögerter auswärtsgerichteter K(dr)-Strom (IK(dr)), (2) ein Ca2+-aktivierter KCa-Strom (IK(Ca)), (3) ein ATP-abhängiger KATP-Strom (IK(ATP)) und (4) spontane transiente Auswärtsströme (STOCs, spontaneous transient outward currents). Die Kaliumströme waren nicht uniform in den Zellen verteilt. Diese Befunde lassen vermuten, dass es unterschiedliche Populationen von Gefäßmuskelzellen in der Gefäßwand humaner Koronararterien gibt. Die identifizierten Kaliumkanalströme unterschieden sich in einigen Parametern von Kaliumströmen in nicht koronaren humanen Gefäßmuskelzellen. Diese Befunde sind von Bedeutung für die Entwicklung gefäß- und speziesselektiver Pharmaka und das Verständnis der Regulation des Gefäßtonus durch endogene Wirkstoffe (z.B. PACAP 27) sowie pathophysiologischer Vorgänge im arteriellen Gefäßmuskel, wie beispielweise ischämische Prekonditionierung.
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ATP-abhängige Kaliumkanäle (KATP-Kanäle) sind Zielstruktur für eine neue Klasse von gefäßaktiven Pharmaka, den s.g. Kaliumkanalöffnern (KCO). Die Wirkung dieser Pharmaka auf humane KATP-Kanäle ist nicht ausreichend untersucht. In den folgenden Arbeiten wurden Interaktionen von Pinacidil mit KATP-Kanälen in humanen Koronararterien untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass (1) Pinacidil KATP-Kanäle geringer Leitfähigkeit in Gefäßmuskelzellen humaner Koronararterien öffnet, (2) KATP-Kanäle in relativ geringer Dichte in humanen koronararteriellen Gefäßmuskelzellen vorkommen und (3) die Öffnung von KATP-Kanälen zur Relaxation von humanen Koronararterien führt. In den Untersuchungen zeigte sich, dass Pinacidil ebenfalls Ca2+-aktiverte (KCa) Kaliumkanäle öffnet und somit ein nichtselektiver KCO in humanen Koronararterien ist. In weiteren Untersuchungen wurde gezeigt, dass die Öffnung von KCa-Kanälen zur Relaxation von humanen Koronararterien durch Nitrate beiträgt.
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Ca2+-Sparks sind intrazellulär lokalisierte Ca2+-Transienten, die durch Öffnung von Ryanodin-sensitiven Ca2+-Freisetzungskanälen (Ryanodinrezeptoren) des sarkoplasmatischen Retikulums entstehen. Diese Ca2+-Signale öffnen kolokalisierte Ca2+-aktivierte (KCa) Kaliumkanäle in der Plasmamembran und induzieren dadurch s.g. STOCs (spontaneous transient outward currents) in verschiedenen animalischen glattmuskulären Zellen. In diesem Teilthema wurden Ca2+-Sparks und STOCs in Gefäßmuskelzellen humaner Koronararterien untersucht. Es wurde gezeigt, dass Ca2+-Sparks/STOCs in humanen koronararteriellen Zellen vorkommen. Humane Ca2+-Sparks/STOCs unterscheiden sich in einigen Eigenschaften und insbesondere in ihrer Regulation von animalischen Zellen erheblich. Indirekt wurde der Nachweis geführt, dass Ca2+-Sparks/STOCs in humanen koronararteriellen Zellen durch den plasmalemmalen Na+/Ca2+-Austauscher reguliert werden. Die Ergebnisse lassen die Existenz einer funktionellen Membranmikrodomäne vermuten, die aus einem L-Typ-Kanal, multiplen KCa-Kanälen, multiplen Ryanodinrezeptoren und einem/mehreren Na+/Ca2+-Austauscher/n besteht.
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Andere Arbeitsgruppen haben vermutet, dass Ca2+-Sparks/STOCs gefäßrelaxierend wirken. Allerdings ist dieser Mechanismus nicht ausreichend belegt. In einem postnatalen Entwicklungsmodell wurde die Bedeutung von Ca2+-Sparks und STOCs für die Regulation des myogenen Tonus von geringlumigen Hirnarterien untersucht. Es wurde gezeigt, dass L-Typ-Kanäle, Ca2+-Spark-generierende Ryanodinrezeptoren und KCa-Kanäle als funktionelle Einheit operieren, die die Feineinstellung des myogenen Tonus bewerkstelligt. Während der Anstieg der globalen intrazellulären Ca2+-Konzentration ([Ca2+]) zur Vasokonstriktion führt, bewirken lokale Ca2+-Sparks eine Vasodilatation durch Öffnung von KCa-Kanälen. In Hirnarterien der Ratte bewirken die globale intrazelluläre [Ca2+]-Konzentration per se und eine Ca2+-Spark-Frequenz von <10-2 Hz keine ausreichende KCa-Kanalaktivität, um den myogenen Tonus zu regulieren.
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Eine Übersicht über die Bedeutung der eigenen Untersuchungsergebnisse und den internationalen Kenntnisstand ist in den folgenden Publikationen gegeben:
Beide Arbeiten finden sich auf den Seiten 18 bis 35 und in der Anlage zu 2.2.5.
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