Eine extensive Angiogenese ist unabdingbar zur Bildung vaskulärer Strukturen sowohl innerhalb der fetalen Zotten als auch in der maternalen Dezidua (Cross et.al. 1994, Findlay 1986). Die plazentare Angiogenese beginnt bereits in der frühen Embryonalperiode und schreitet in Assoziation mit der rasanten Zunahme des uterinen und umbilikalen Blutflusses voran. Dies ergibt sich aus der Notwendigkeit der Sicherstellung des metabolischen Bedarfes des wachsenden Embryo, bzw. Fetus (Rosenfeld et.al. 1974, Ferrell 1989).
Die Entwicklung der menschlichen Plazenta beginnt etwa am 4. Tag nach der Befruchtung. Die befruchtete Eizelle befindet sich bereits im Morula-Stadium und hat das Cavum uteri erreicht. Es dringt Flüssigkeit aus dem Uteruslumen in die Morula ein. Es lassen sich prinzipiell zwei Zellarten voneinander abgrenzen: eine äußere Zellage (Trophoblast; spätere Plazenta) und eine innere Zellage (Embryoblast; späterer Embryo) (Scheuner 1971). Man unterscheidet ein lakunäres Stadium (noch ohne Zotten), ein Zottenstadium (Primärzotten) und ein Stadium der Zottenverzweigung (Sekundär- und Tertiärzotten). Im lakunären Stadium, etwa am 5.- 6. Tag post Konzeptionem, lagert sich die Blastozyste an das Uterusepithel an. Etwa am 7. Tag beginnt ihre Implantation in die Uterusschleimhaut. Sie ist dabei stets so polarisiert, daß der den Embryoblasten tragende Pol zuerst Kontakt mit dem Endometrium bekommt. Am Implantationsort beginnt der Blastozystentrophoblast zu proliferieren und lytische Aktivität zu entfalten. Es verschmelzen die dem mütterlichen Gewebe unmittelbar anliegenden Trophoblastzellen synzytial miteinander und bilden den primären Synzytiotrophoblasten (Scheuner 1971). Etwa zwischen dem 8. und 9. Tag post Konzeptionem treten im stark verdickten Synzytium des Implantationspols Einschmelzungsherde auf, die sich zu einem kommunizierenden System von Hohlräumen (Lakunen), dem späteren intervillösen Raum, vereinigen. Zwischen den Lakunen bleibt der Trophoblast in Form von Trabekeln erhalten. Bevor es zur Eröffnung mütterlicher Gefäße kommt, reagiert das Endometrium auf die Invasion des Trophoblasten mit einer Stauung, wodurch sich die Kapillaren zu Sinusoiden aufweiten (Scheuner 1971). Erst dann erfolgt die Arrosion der Endometriumgefäße, und die Lakunen füllen sich mit Blut und Sekret aus den arrodierten Uterusdrüsen. Mit der Durchströmung der Lakunen kommt der utero-plazentare Kreislauf in Gang. Nach der histiotrophen Phase der Plazentaentwicklung hat damit die hämotrophe Phase begonnen, die bis zur Geburt anhält. Etwa am 12. Tag post Konzeptionem [Seite 11↓]ist die Implantation abgeschlossen. Die Blastozyste ist in die oberflächennahe Schicht der Substantia compacta des Endometriums eingedrungen, und das Uterusepithel hat sich über dem Implantationsort wieder geschlossen. Die zuletzt implantierten Teile des Trophoblasten holen ihren Entwicklungsrückstand nie ganz auf (Scheuner 1971). Im Zottenstadium folgt das Einsetzen einer gesteigerten Proliferation und synzytialen Verschmelzung des Zytotrophoblasten. Dabei entstehen lokalisierte Zellansammlungen, die sich fingerförmig von den Trabekeln aus in die Lakunen vorschieben. Ihr Auftreten am 13. - 14.Tag post Konzeptionem markiert den Beginn des Primärzottenstadiums. Der Trophoblast ist zu dieser Zeit an allen Kontaktstellen zum mütterlichen Blut bzw. Gewebe synzytial. An der
Grenzfläche zur Blastozystenhöhle besteht eine fast vollständige Zytotrophoblastlage. Aus ihrem Verband wandern etwa ab dem 14. Entwicklungstag Zellen in die Fruchthöhle ein und differenzieren sich dort zu primitiven Bindegewebszellen (Scheuner 1971).
Das Primärzottenstadium geht um den 15. Tag post Konzeptionem fließend in das der Bildung der Sekundärzotten über. Diese sind durch eine verstärkte Bindegewebsproliferation aus Zellen des extraembryonalen Mesoblasten gekennzeichnet. Diese Bingewebseinsprossung bedingt eine Verdünnung des Zottenepithels, so daß der unter dem Synzytium gelegene mehrschichtige Zytotrophoblast zu einer geschlossenen Lage von Zellen umgewandelt wird. Dieser auch als Langhans-Zellen bezeichnete, überwiegend einreihige, Zytotrophoblast wird durch eine Basalmembran gegen das Zottenstroma abgegrenzt. Primitive Stammzotten werden umgeben von einem breiten Saum von Synzytiotrophoblastzellen (Knoth 1968). Das Zottenstroma läßt noch keine Zeichen der Gefäßbildung erkennen (Demir et.al. 1989, Boe 1953 und 1968, Heinrich et.al. 1988, Habashi et.al. 1983, Kaufmann et.al. 1977). Sogenannte Zwischenzotten werden ebenfalls umgeben von Synzytiotrophoblastzellen, hieran schließt sich eine teils durchgehende, teil inkomplette Zone von Trophoblastzellen an. Das Zottenstroma ist grobmaschig-embryonal, mit Nachweis weniger retikulärer Fasern und Makrophagen (Demir et.al. 1989, Kaufmann et.al. 1985, Kaufmann et.al. 1988, Castelluci et.al. 1990).
Innerhalb dieses anfänglich gefäßfreien bindegewebigen Zottenkerns entwickeln sich Blutgefäße (siehe unten). Die Zottengefäße anastomosieren mit den Gefäßen von Chorion und Haftstiel, und ab dem 21. Tag post Konzeptionem zirkuliert das Blut zwischen Plazenta und Keimling. Mit Beginn der Zirkulation reduziert sich der Diffusionsweg auf die Schichten - [Seite 12↓]Zottensynzytiotrophoblast - Zottenzytotrophoblast (Langhans -Zellen) - Zottenbindegewebe (einschließlich Basalmembran) - Kapillarwand (Dempsey 1972, Boc 1968, Hertig 1935) (Abb. 2).
| Abbildung 2: | ||
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| Links: Abschnitte des Zottenbaumes mit angedeuteter Verzweigung bis zur Terminalzotte. Rechts: Darstellung des Schemas einer Terminalzotte (Endzotte) mit Bildung einer synzytiokapillären Membran. (Abbildung modifiziert aus Benirschke und Kaufmann 1995). |
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