5 Fazit

Dies ist die erste Studie mit Patienten mit koronarer Herzerkrankung, bei der nicht nur aus der Vorderwand der linken Herzkammer, sondern auch aus der lateralen, inferioren und posterioren Wand eine Myokardbiopsie gewonnen wurde. Außer dieser Studie gibt es weltweit noch sechs Studien bei denen jeweils nur aus der Vorderwand der linken Herzkammer eine Myokardprobe entnommen wurde (46, 79, 80, 81, 82, 160). Damit ist es in dieser Studie erstmalig gelungen, die Bedeutung der Lokalisation des Myokardareals mit „Hibernation“ für eine mögliche globale funktionelle Erholung der linken Herzkammer nach Koronarrevaskularisation zu demonstrieren. Außerdem ist es gelungen Genexpressionen aus „Hibernating Myocardium“ zu messen und Gene zu isolieren, die für den „Erhalt“ der Herzmuskelzelle verantwortlich sind, d.h. es konnten molekularbiologischen Grundlagen der „Triggerung“ für „Hibernating Myocardium“ dargestellt werden.


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Ferner können erstmalig aus den Untersuchungen der myokardialen Vitalitätsdiagnostik Kriterien vorgestellt werden (s. nachfolgende Tabelle), welche es präoperativ erlauben, eine Prognose zu stellen, welcher Patient mit einer LVEF ≤ 30% von einer operativen Koronarrevaskularisation mit einer globalen Funktionsverbesserung der linken Herzkammer postoperativ profitieren wird.

Die Beachtung der morphologischen und molekularbiologischen Kriterien ist natürlich nur durch die präoperative Gewinnung von „Hibernating Myocardium“ durch eine Biopsie via Herzkatheter möglich. Die Durchführbarkeit einer solchen invasiven Diagnostik steht nach dieser Arbeit zur Diskussion.

Tabelle 75: Präoperativ erfassbare Kriterien zur Prognosestellung einer Verbesserung der LVEF nach koronarer Revaskularisation bei Patienten mit einer LVEF ≤ 30 %.

Anstieg der LVEF ≥ 5%
postoperativ

Kein Anstieg der LVEF ≥ 5% postoperativ

„Area of Interest“ im Versorgungsgebiet des R.interventricularis anterior

„Area of Interest“ nicht im Versorgungsgebiet des R.interventricularis anterior

A.mammaria Anastomose auf den R.interventricularis anterior

A.mammaria Anastomose nicht auf den R.interventricularis anterior

Kaliber der Koronarien > 2,0 mm und keine diffuse Sklerose und gute Darstellung der peripheren Gefäßabschnitte der stenosierten Gefäße über Kollaterale (Kleikamp I)

Kaliber der Koronarien ≤ 2,0 mm, diffuse Sklerose, wenig Kollaterale (Kleikamp II + III)

Wandbewegungszunahme in der Stressechokardiographie in der „Area of Interest“

Keine Wandbewegungszunahme in der Stressechokardiographie in der „Area of Interest“

Diastolisch/systolische Wanddickenzunahme > 15 % in der „Area of Interest“ während der Stressechokardiographie

Diastolisch/systolische Wanddickenzunahme ≤ 15% in der „Area of Interest“ während der Stressechokardiographie

Anteil des „Late-Enhancement“ an der Gesamtfläche des linken Ventrikels gemessen in der Magnetresonanztomographie < 20%

Anteil des „Late-Enhancement“ an der Gesamtfläche des linken Ventrikels gemessen in der Magnetresonanztomographie ≥ 20%

Starke Zellhypertrophie im “Hibernating Myocardium” von > 19µm

Geringere Zellhypertrophie im „Hibernating Myocardium“ von ≤ 17µm

Kaliberunregelmäßigkeiten der Myokardzellen eher gering

Kaliberunregelmäßigkeiten der Myokardzellen eher hoch

Anti-apoptotisches Gen BCL-XL niedrig expremiert (vergleichbar mit normalem Myokard)

Anti-apoptotisches Gen BCL-XL hochgradig expremiert


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30.09.2004