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V  Zusammenfassung

Mit der vorliegenden Arbeit habe ich den Versuch unternommen, die beiden Themenkomplexe meiner bisherigen wissenschaftlichen Tätigkeit als Beispiele für die Rolle von Modellen in der klinischen Forschung zu verwenden. Den Anstoß dazu gaben Diskrepanzen, die mir in der Auseinandersetzung mit eigenen Ergebnissen und Beobachtungen im Umfeld dieser Themenkomplexe aufgefallen sind: der Rolle kontaminierender Tumorzellen in der Hochdosistherapie maligner Tumoren einerseits und dem Enzym Dipeptidylpeptidase IV (DPP IV) andererseits.

Modelle sind statische Konstrukte in einem immer dynamischeren Umfeld und müssen sich stets aufs Neue gegenüber anderen Modellen bewähren. Zahlreiche Faktoren, die nur zum Teil bewußt sind, bewegen Wissenschaftler dazu, ein bestimmtes Modell zu bevorzugen. Wissenschaftliche Reputation, persönliche Motive und finanzielle Interessen können zu diesen Faktoren zählen und werden aus der individuellen Lebenswelt des Einzelnen heraus besser erklärbar. Vor diesem Hintergrund wird zugleich deutlich, daß wissenschaftliche Entscheidungen nicht rational sind, sondern durch unterschiedliche Interessen der Beteiligten beeinflußt werden.

In Anlehnung an Habermas läßt sich der Prozess wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns durch formale Gliederung in eine objektive, eine soziale und eine subjektive Ebene deuten. Wissenschaftliche Entscheidungen beziehen sich immer auf alle drei Ebenen, auch wenn meist nur eine der Ebenen im Diskurs genannt wird. Wenn, wie zu Beginn der vorliegenden Arbeit formuliert, klinische Forschung patientengerichtet ist, so müssen im Interesse des Patienten die Kenntnis einer großen Zahl verfügbarer Modelle, die Entscheidung über die Akzeptanz eines Modells im Konsens der Beteiligten und die Vergegenwärtigung individuellen Leids zu der Entwicklung neuer therapeutischer Modelle beitragen.


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14.10.2004