| Ivančević, Dr. (Univ.Zagreb) Velimir: Immunszintigraphie mit dem monoklonalen NCA-95-Antigranulozyten-Antikörper und dem NCA-90-Antigranulozyten-Antikörper-Fab’-Fragment zur Entzündungsdiagnostik bei Problemindikationen und zur Knochenmarkszintigraphie |
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Die nuklearmedizinische Knochenmarkdiagnostik dient zur Evaluierung einer fokalen oder generalisierten Knochenmarkbeteiligung bei malignen und hämatologischen Erkrankungen. Wissenschaftlich untersucht wird ihre Bedeutung für die funktionelle Beurteilung der Knochenmarkskapazität bzw. -reserve.
Die Rolle nuklearmedizinischer Verfahren in der Knochenmarkdiagnostik, ihre methodologischen Grundlagen sowie Stand und Perspektiven der betreffenden vorklinischen und klinischen Forschung wurden in einer Übersichtsarbeit dargelegt (Publikation 9). Der Auftrag zu dieser Übersichtsarbeit wurde mir vom Veranstalter der Symposiumsreihe International Forum Nuclear Medicine Charité Berlin aufgrund der Forschungsergebnisse unserer Arbeitsgruppe erteilt.
Publikation 9:
Ivančević V. Bone marrow. In Munz, DL, Hrsg.: Molecular nuclear medicine with antibodies, peptides and nucleotides. International Forum Nuclear Medicine Charité, Zuckschwerdt-Verlag, München Bern Wien New York 2000, pp.82-95
Beim Menschen wird das rote, hämopoetisch aktive Knochenmark mit zunehmendem Alter schlechter durchblutet und immer mehr zu gelbem Fettmark umgewandelt ( 126 , 127 ). In den
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wenigen, bisher durchgeführten Studien, in denen der Knochenmark-Uptake des NCA-95-Antigranulozyten-Antikörpers in kleinen Kontrollgruppen, untereinander nicht standardisiert, bestimmt wurde ( 128 , 129 ), war der Einfluß des Alters der Probanden nicht untersucht worden. Hinzu kommt, daß in einer dieser beiden Arbeiten ( 129 ) ein anderer Antigranulozyten-Antikörper verwendet wurde.
Die Methodologie zur semiquantitativen Bestimmung des Knochenmark-Uptake bei der Knochenmarkszintigraphie wurde 1984 von Munz eingeführt (
95
,
130
,
131
). Das zu dieser Zeit verwendete Radiopharmakon war Technetium-99m-markiertes Nanokolloid. Heute stellt der Technetium-99m-markierte NCA-95-Antigranulozyten-Antikörper das Radiopharmakon der Wahl für die Knochenmarkszintigraphie dar (
132
,
133
,
134
,
135
). Da sich Biodistribution und Biokinetik der beiden Radiopharmaka unterscheiden, gelten die aus der Knochenmarkszintigraphie mit Nanokolloid bekannten Uptake-Werte nicht für die Immunszintigraphie des Knochenmarks.
Unsere Arbeitsgruppe bestimmte daher anhand eines größeren Normalkollektiv erstmals den
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Normbereich des Knochenmark-Uptake für den NCA-95-Antigranulozyten-Antikörper (Publikation 11). Dabei fiel eine inverse Korrelation des Knochenmark-Uptake mit dem Alter der Probanden auf, wie im Abschnitt 2.2.1 bereits dargelegt. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, daß das Vorliegen von Entzündungszeichen im Blut und/oder entzündlicher Herde den Knochenmark-Uptake nicht signifikant beeinflußt. Auch maligne Tumore, Lymphome und Plasmozytome ohne eine Knochenmarkaffektion größeren Ausmaßes verändern den Knochenmark-Uptake nicht. Bei einigen dieser Patienten lag eine mäßige Expansion des hämopoetisch aktiven Knochenmarks in die Peripherie vor, die ebenfalls ohne Auswirkungen auf den Knochenmark-Uptake blieb.
Diese prospektive klinische Studie war motiviert durch das im vorangegangenen Abschnitt
2.2.2
dargelegte Vorhaben, in dem die Immunszintigraphie des Knochenmarks und insbesondere der Knochenmark-Uptake überwiegend bei Patienten mit normaler Hämopoese untersucht worden waren.
In der aktuellen Studie sollte die klinische Wertigkeit der Knochenmarkszintigraphie mit dem NCA-95-Antigranulozyten-Antikörper bei Patienten mit Knochenmarkdepression untersucht
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werden (Publikation 12). Vorrangiges Ziel war dabei die Evaluierung der Trennschärfe des Knochenmark-Uptake hinsichtlich einer vorhandenen Knochenmarkdepression im Vergleich zum altersentsprechenden Normalbereich. Die Rechtfertigung für den Einsatz eines Verfahrens, das ein Maß für die Granulopoese darstellt, war die weithin akzeptierte Erkenntnis, daß die Granulopoese in den meisten Fällen als repräsentativ für die Hämopoese allgemein angesehen werden kann ( 136 ).26
NCA-90 wird als Differenzierungsantigen der monozytär/makrophagealen und der granulozytären Zellinie angesehen (
137
). Das NCA-90-Antigranulozyten-Antikörper-Fab'-Fragment und seine üblichen Indikationsgebiete wurden bereits im Abschnitt
1.3.2.2
beschrieben.
Die immunologische und biokinetische Ähnlichkeit dieses Fab'-Fragments mit dem NCA-95 Antigranulozyten-Antikörper, das Fehlen einer Immunantwort des Empfängers in Form einer HAMA-Bildung und die gute Verfügbarkeit des NCA-90-Antigranulozyten-Antikörper-Fab'-Fragments schienen es zu einer Alternative zum NCA-95-Antigranulozyten-Antikörper in der Knochenmarkzsintigraphie zu machen.
Aufbauend auf diesen Voraussetzungen untersuchte unsere Arbeitsgruppe erstmals die Wertigkeit des Technetium-99m-markierten NCA-90 Antigranulozyten-Antikörper-Fab'-Fragments in der Knochenmarkszintigraphie (Publikation 13). Um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse mit dem NCA-95-Antigranulozyten-Antikörper zu gewährleisten, wurde in diesem Vorhaben die Methodologie aus den entsprechenden Studien mit dem kompletten NCA-95-Antikörper übernommen ( s. Abschnitt
2.2
). Die Ergebnisse der qualitativen und quantitativen Auswertung wurden mit den entsprechenden Ergebnissen der Knochenmarkszintigraphie mit dem kompletten Antikörper aus den Abschnitten
2.2.1
und
2.2.2
verglichen.
Das normale Verteilungsmuster des Fab'-Fragments im hämopoetisch aktiven Knochenmark unterschied sich nicht von dem des kompletten NCA-95-Antigranulozyten-Antikörpers. Auch bei Patienten mit Knochenmarkexpansion in die Peripherie oder Knochenmarkdepression schienen analoge Verteilungsmuster vorzuliegen.
Die Intensität der Anreicherung des Fab'-Fragments im Knochenmark wies einen großen Streubereich auf und fiel sowohl qualitativ als auch quantitativ deutlich geringer aus als die des kompletten Antikörpers. Die Beurteilbarkeit bestimmter Knochenmarkareale war infolgedessen erschwert oder gänzlich unmöglich. Anders als beim kompletten Antikörper nahm die Knochenmarkanreicherung des Fab'-Fragments mit der Zeit nicht zu, und es konnte keine Abhängigkeit des Knochenmark-Uptake vom Alter der Patienten nachgewiesen werden. In intraindividuellen Verlaufsuntersuchungen wies der Knochenmark-Uptake des NCA-90-
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Antigranulozyten-Antikörper-Fab'-Fragments eine hohe, biologisch nicht begründbare Streuung auf.© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
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