AE1 ist verantwortlich für den elektroneutralen Austausch von Bikarbonationen (HCO3-)gegen Chloridionen (Cl-) in Erythrozyten. Erythrozyten sind hoch spezialisiert für den O2 -Transport und den Gasaustausch in der Lunge und peripheren Geweben. In der Lunge führt die Bindung von O2 an Hämoglobin zur Abdissoziation von H+-Ionen. Der H+-Anstieg treibt die Carboanhydrasereaktion in Richtung CO2 (H+ + HCO3-∏ CO2 + H2O). Für jedes abgegebene CO2 wird ein HCO3- -Ion im Austausch gegen ein Cl--Ion in den Erythrozyten aufgenommen. In der Peripherie wird in den Erythrozyten die Umsetzung von CO2 und H2O in H+-Ionen und HCO3--Ionen katalysiert. HCO3- wird im Austausch gegen Cl- in das Blutplasma abgegeben und wird so aus dem Reaktionsgleichgewicht entfernt. Das in der Zelle verbleibende H+-Ion bindet an [Seite 26↓]Hämoglobin und beschleunigt dadurch die O2-Abgabe (Rechtsverschiebung der O2-Dissoziationskurve, Bohr´scher Effekt).
Mitglieder der AE-Genfamilie, von denen mittlerweile neben AE1 auch AE2 und AE3 identifiziert worden sind, konnten in den letzten Jahren in fast allen Geweben beschrieben werden (siehe Tabelle 3 S. 26). Der Prototyp der AE-Familie kommt allerdings nur in Erythrozyten und im Gehirn vor (Havenga et al., 1994). In den Typ-A-Schaltzellen der Niere wird das AE1-Gen alternativ gespleißt, so daß eine N-terminal trunkierte AE1isoform (RenAE1) entsteht (Wagner et al., 1987; Drenckhahn et al., 1989; Kudrycki und Shull, 1989; Kollert-Jöns et al., 1993). RenAE1 ist funktionell an die Aktivität der apikalen Protonenpumpe gekoppelt. Für jedes apikal in den Urin abgegebene H+-Ion verbleibt ein HCO3--Ion als Alkaliäquivalent in der Zelle, das basolateral (Blutseite der Zellen) im Austausch gegen Cl- abgegeben wird (die A-Schaltzellen sind wie die Erythrozyten reich an Carboanhydrase). Defekte dieser Sammelrohrfunktion (unter anderem durch Mutationen von RenAE1 bedingt) führen zum Krankheitsbild der distalen renalen Azidose (Bruce et al., 1997; Rysava et al., 1997; Tanner, 1997).
Zwei der bisher klonierten AE2-Familienmitglieder (AE2a und AE2b) zeigen zumindest in der Northernblot-Analyse ein ubiquitäreres Expressionsmuster (Wang et al., 1996). Das Genprodukt von AE2c wird hingegen nur im Magengewebe gefunden (Alper et al., 1994; Wang et al., 1996; Alper et al., 1997). Im Magen kommt AE2c ausschließlich in Parietalzellen vor und ist hier basolateral lokalisiert (Publikation 1; Stuart Tilley et al., 1994).
AE1 erfüllt zwei Funktionen:
Die Verankerung erfolgt über die Adaptormoleküle Ankyrin und Protein 4.1 (siehe Abb. 2 S. 10).
Interessanterweise scheint AE1 für den strukturellen Aufbau des submembranären zytoskelettalen Netzwerkes der Erythrozyten nur von untergeordneter Bedeutung zu [Seite 27↓]sein. Das erythrozytäre Membranzytoskeletts von Mäusen mit einer Nullmutation für das AE1-Gen weist so gut wie keine Unterschiede zu normalen Erythrozyten auf. Spectrin, Actin und Protein4.1 waren in normaler Konzentration vorhanden; Ankyrin war um 50% reduziert; Protein4.2. konnte nicht nachgewiesen werden. Die Tiere hatten zwar eine schwere hämolytische Anämie (Sphärozytose), waren aber zum Teil sogar fortpflanzungsfähig (Peters et al., 1996). Ob möglicherweise die Bindung über Adducin an Stomatin oder von Protein4.1 über Glycophorin C das Fehlen von AE1 ersetzen kann oder ob die Fixierung des Membranzytoskeletts an integrale Membranproteine überhaupt für die regelgerechte Anordnung und Zusammensetzung des Membranzytoskeletts notwendig ist, kann noch nicht abschließend beantwortet werden.
Die Na+,K+-ATPase ist unter anderem für die Ausbildung des Membranpotentials und damit als Motor für Natrium-Kotransportsysteme notwendig. Sie kommt praktisch in sämtlichen Zellen vor und ist in Epithelzellen bis auf wenige Ausnahmen (Epithel des Plexus choroideus und Pigmentepithel der Retina) in der basolateralen Zellmembran lokalisiert.
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Im Unterschied zu dem ubiquitären Vorkommen der Na+,K+-ATPase sind H+,K+-ATPasen auf wenige Zelltypen des Organismus beschränkt. Im Magen kommt die H+,K+-ATPase nur in den Parietalzellen der Magendrüsen vor, die für die Ansäuerung des Mageninhaltes verantwortlich sind. Die H+,K+-ATPase kommt in einer streng polarisierten Verteilung in den Parietalzellen vor. Dort ist sie im Gegensatz zur basolateral lokalisierten Na+,K+-ATPase ausschließlich auf die apikale Plasmamembran beschränkt und fehlt basolateral (siehe S. 36).
Beide ATPasen gehören zur Familie der P-Typ-ATPasen und bestehen aus einer α- und einer β-Untereinheit, die sich in einer 1:1 Stöchiometrie zu stabilen Heterodimeren zusammen lagern (Koenderink et al., 1999). Die Bezeichnung P-Typ weist auf einen hochkonservierten Asparaginsäurerest im aktiven Zentrum der ATPasen hin, der während des Ionentransportes transient phosphoryliert wird. Die katalytischen α-Untereinheiten der Na+,K+-ATPase und der H+,K+-ATPase weisen mit 63% einen hohen Grad an Sequenzidentität auf (Koenderink et al., 1999). Die stark glykosylierten β-Untereinheiten beider ATPasen sind einander strukturell ebenfalls sehr ähnlich, besitzen jedoch nur eine Sequenzidentität von 30%. Die Bildung von Chimären zwischen den verschiedenen Untereinheiten der Na+,K+-ATPase und der H+,K+-ATPase ist experimentell möglich. Die ATPase-Aktivität dieser Chimärenmoleküle liegt jedoch nur bei ca. 10% des jeweiligen Wildtyps, außerdem zeigen die entsprechenden β-Untereinheiten eine klare Präferenz zur eigenen α-Untereinheit (Koenderink et al., 1999). Obwohl die katalytischen Funktionen der Enzyme eindeutig auf der α-Untereinheit lokalisiert sind, ist für ihre Aktivität die Komplexbildung mit der β-Untereinheit zwingend notwendig. Der bereits im endoplasmatischen Retikulum erfolgte Zusammenbau des Heterodimers ist die Voraussetztung für den gerichteten Transport zur basolateralen (Na+,K+-ATPase) bzw. zur apikalen (H+,K+-ATPase) Zelldomäne (Caplan, 1997b). Die Signalsequenzen für den gerichteten Transport nach apikal oder nach basolateral sind auf der α-Untereinheit der ATPasen lokalisiert (Dunbar et al., 1998; Muth et al., 1998).
Die Na+,K+-ATPase und die H+,K+-ATPase weisen, wie im vorangegangenen Abschnitt beschrieben, hinsichtlich ihrer kompartimentspezifischen Positionierung deutli[Seite 29↓]che Unterschiede auf. Die sehr unterschiedliche Dynamik und die komplementäre Lokalisation der beiden ATPasen deuten differenzielle, spezifische Verankerungsmechanismen mit zytoskelettalen Strukturen an.
Überexpression von Spectrinfragmenten in Epithelzellen führt zur Disorganisation des Membranzytoskelets, zu einer randomisierten Verteilung der Na+,K+-ATPase und damit zur Zerstörung der normalen epithelialen Polarität (Hu et al., 1995). Die Na+,K+-ATPase verfügt mit der Aminosäuresequenz „ALLK“ über ein Bindungsmotiv für Ankyrin und kann so über ihre zytoplasmatische Domäne an dieses Verknüpfungmolekül binden (Koob et al., 1988; Jordan et al., 1995).
Im Unterschied zur statischen Verankerung der Na+,K+-ATPase sollte eine mögliche Wechselwirkung der H+,K+-ATPase mit Komponenten des Zytoskeletts dynamischer sein. Die tubulären Vesikel und damit auch die H+,K+-ATPase haben keinen erkennbaren Kontakt mit zytoskelettalen Proteinen (Hanzel et al., 1989). Erst während der stimulationsabhängigen Fusion dieser Vesikel mit der apikalen Membran kommt es zur zytoskelettalen Interaktion, die, im Sinne einer Oberflächenvergrößerung, in der Ausbildung unregelmäßig geformter mikrovillusähnlicher Strukturen resultiert (siehe S. 38).
Die Interaktion von Membranproteinen mit dem Membranzytoskelett stabilisiert die entsprechenden Membrandomänen und gewährleistet so eine gleichbleibende Funktionstüchtigkeit der Zellen.
Dieser Funktionszustand kann durch Aktivierung oder durch Deaktivierung der Zellen verändert werden. Die Verbindungen zu den zytoskelettalen Strukturen können gelöst oder neu geknüpft werden, und es kann zu umfassenden Umbauvorgänge innerhalb der Zellen kommen. Beispielhaft sind derartige zelluläre Veränderungen an den Parietalzellen untersucht worden. In diesen Zellen kommt es nach Aktivierung der Zellen durch Fusionsereignisse zu einer Oberflächenvergrößerung der apikalen Membrandomäne und daran gekoppelt zu einer Steigerung der HCl-Sekretion. Der dieser Fusion zugrundeliegende Mechanismus war bisher nicht bekannt und konnte im Rahmen der vorliegenden Arbeiten in wesentlichen Teilen aufgeklärt werden. In [Seite 30↓]den nachfolgenden Kapitel der Einleitung werden kurz der intrazelluläre Transport von Vesikeln und ausführlicher Mechanismen der Membranfusion beschrieben.
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