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6  Einfluss der Allergenprovokation auf die IL-10 Expression in peripheren Blutmonozyten bei Asthma bronchiale

Die Allergenprovokation wurde als Modell zur Untersuchung des Effektes potentieller Allergene auf das Ausmaß der Atemwegsentzündung etabliert. Bereits in den 50er Jahren erfolgte die Erstbeschreibung der Allergenprovokation als Asthma-Modell. Dabei wird zwischen einer allergischen Früh- und Spätreaktion unterschieden. Die asthmatische Frühreaktion ist pathogenetisch durch die IgE vermittelte Mastzellaktivierung und Freisetzung von proinflammatorischen Mediatoren bedingt und imponiert klinisch als akute Bronchialobstruktion. Die Spätreaktion wird durch die Aktivierung von migrierten Eosinophilen und die Freisetzung einer erneuten Welle proinflammatorisch- bronchokonstriktorischer Mediatoren verursacht (15, 46).

In einer Studie an 7 Patienten mit allergischer Frühreaktion und 9 Patienten mit dualer Früh- und Spätreaktion nach inhalativer Allergenexposition wurde die Kinetik der Expression von IL-10 und MIP-1α in peripheren Blutmonozyten untersucht. Vor und 24h nach Allergenprovokation wurden Monozyten aus dem peripheren Blut separiert. Die Kultur erfolgte für 24h nativ und unter Stimulation mit LPS und IL-1β.

Die Gruppe mit dualer Reaktion nach Allergenprovokation zeigte nach 24h einen signifikanten Anstieg der IL-10 Proteinfreisetzung sowohl nativ als auch nach Stimulation mit LPS und IL-1β. Die Patienten mit ausschließlicher Frühreaktion zeigten keine Veränderungen in der IL-10 Proteinfreisetzung aus Monozyten.

Die Expression der IL-10 mRNA war nach 24h in nativen peripheren Blutmonozyten und nach Stimulation mit LPS und IL-1β signifikant erhöht bei Patienten mit asthmatischer Früh- [Seite 21↓]und Spätreaktion. Die Gruppe mit singulärer Frühreaktion zeigte hingegen keinen Anstieg der IL-10 mRNA Expression.

Die Freisetzung des proinflammatorischen MIP-1α Proteins war in der Gruppe mit dualer Reaktion nach 24h erhöht. Dieses wurde an nativen und stimulierten (LPS, IL-1β) Monozyten beobachtet. Patienten mit Frühreaktion wiesen keine Erhöhung der MIP-1α Freisetzung auf.

Monozyten sind als Vorläuferzellen der Alveolarmakrophagen im Rahmen der asthmatischen Entzündungsreaktion eine wichtige Quelle von Zytokinen. In vitro Versuche zeigten, dass Monozyten in der Lage sind, nach Stimulation verschiedene Zytokine wie IL-1β, TNF-α, MIP-1α und IL-10 zu produzieren (11). Bei Patienten mit asthmatischer Spätreaktion weisen zirkulierende Monozyten einen erhöhten Aktivitätsgrad auf, der ihre Kapazität zur Expression und Freisetzung von pro- und antiinflammatorischen Zytokinen steigert. Bisher ist wenig bekannt über die Allergen induzierte Aktivierung von zirkulierenden Monozyten (47). Beschrieben wurde lediglich eine vermehrte Expression des C3b Komplementrezeptors auf Monozyten 60 min nach Allergenprovokation (48).

Die Daten belegen den höheren Aktivierungsgrad der Monozyten von Patienten mit dualer asthmatischer Reaktion. Die Ursache könnten Mediatoren sein, die nur während der asthmatischen Spätreaktion sezerniert werden und stimulierend auf Monozyten wirken. Ein ähnliches Phänomen wurde für Eosinophile beschrieben (35).


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05.01.2005