Kalache, Karim Djaffar: Die Fetale intratracheale Lungenflüssigkeitsdynamik Eine Doppler-sonographische Studie der Atembewegungen beim menschlichen Fetus und im Tierexperiment

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Kapitel 2. Überlegungen und Ziele

Die FAB unterliegen einer erheblichen Variabilität. Untersuchungen, die sich mit der Analyse fetaler Atemmuster befaßten, deuten sowohl im Tierexperiment (Stark u. Mitarb. 1993) als auch beim menschlichen Fetus (Genser und Hathorn 1989) auf eine zentrale Steuerung der FAB hin. Diese Steuermechanismen sollen über eine längere Zeitspanne, die sich weit hinaus über einen einzelnen Atemzyklus erstreckt, wirken. So wird vermutet, daß die Charakteristik eines Atemzuges von dem vorherigen beeinflußt wird und den Typ des folgenden Atemzuges beeinflußt. Dieser wichtige Aspekt wurde in vergangenen Untersuchungen der FAB leider nicht beachtet. Wir haben daher versucht, eine langanhaltende kontinuierliche Ableitung der Trachealflußgeschwindigkeiten durchzuführen. Es wurden nur Phasen mit regelmäßigen symmetrischen Doppler-Spektren berücksichtigt. Ziel unserer Arbeit war es, mittels Farb- und Spektral-Doppler-Sonographie die intratrachealen FAB-abhängigen Strömungsveränderungen während dieser reproduzierbaren regelmäßigen Periode zu analysieren. Anhand der erhaltenen Spektren sollte die Veränderung von bestimmten Parametern der FAB in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft untersucht werden. Es wurden Messungen bezüglich der Dauer der Inspiration und der Exspiration sowie der Volumenflußrate während der Inspiration und der Exspiration durchgeführt.

Unsere Untersuchungen wurden zum Teil in der kanalikulären Phase (16.-26. SSW), aber hauptsächlich in der sacculären Phase (25. SSW-Geburt) durchgeführt. Die letzte Phase ist durch ein zum Gestationsalter proportionales Wachstum der Lunge charakterisiert (Alfonso u. Mitarb. 1993). Wir postulierten, daß das FAB-bedingte intratracheale Flußvolumen mit dem Gestationsalter und damit mit dem intrauterinen Wachstumsverhalten der fetalen Lunge korreliert. In dieser Phase findet außerdem eine Ausreifung des Surfactantsystems als Vorbereitung für die


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postnatale Periode statt. Mit vollendeter 36. SSW ist daher die fetale Lungenreife zum Großteil vollendet (Harding 1994). Eine weitere Hypothese war, daß während dieser Phase der Lungenentwicklung eine charakteristische Veränderung der fetalen Ventilation zu erkennen ist, die nicht nur Informationen über das Wachstum der Lunge, sondern auch Aufschluß über den Reifezustand der Lunge gibt.

Eine der Haupteinschränkungen bei Volumenberechnungen mittels Doppler-Sonographie bleibt nach wie vor die Zuverlässigkeit der Messung der Querschnittsfläche des untersuchten Gefäßes (Eik-Nes u. Mitarb. 1984; Kiserud und Rasmussen 1998). Die Berechnung von Flußvolumina in kleinen Gefäßen sollen besonders ungenau sein. Der Durchmesser der menschlichen fetalen Trachea variiert zwischen 2,14 mm ± 0,4 mm in der 20. SSW und 4,9 mm ±1,13 mm in der 39. SSW (Kalache u. Mitarb. 1999b). Unsere Untersuchungen zur Veränderung der fetalen Ventilation bleiben daher spekulativ ohne Validierung im Tierexperiment. Ein weiteres Ziel dieser Arbeit war es daher, im Rahmen einer tierexperimentellen Studie die Möglichkeit der Durchführung von nichtinvasiven Messungen der Trachealflußgeschwindigkeiten mittels Doppler-Sonographie beim Schafs-Feten zu untersuchen. Es sollte dabei geprüft werden, ob die oberen Atemwege (Trachea, Larynx und Pharynx) beim Schafsfeten darstellbar sind und ob sich genau wie beim menschlichen Fetus geeignete Schnittebenen definieren lassen, um diese mittels hochauflösender Real-Time-Sonographie auszumessen. Die sonographisch gemessenen TD sollten mit dem durch postmortale stereomikroskopische Messungen ermittelten Durchmesser verglichen werden. Dadurch sollte eine Aussage über die Genauigkeit der sonographisch ermittelten TD geprüft werden. Wir postulierten, daß die sonographisch gemessenen Durchmesser eng mit den postmortalen Messungen korrelieren.

Das ultimative Ziel unserer Untersuchungen ist es, eine reproduzierbare nichtinvasive Methode zu finden, um die fetale Lungenentwicklung zu untersuchen. Es soll eine mit den postnatalen Techniken vergleichbare Methode zur Untersuchung der Atemfunktion beim Neugeborenen erstellt werden.


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Mon Sep 24 15:01:52 2001