Kalache, Karim Djaffar: Die Fetale intratracheale Lungenflüssigkeitsdynamik Eine Doppler-sonographische Studie der Atembewegungen beim menschlichen Fetus und im Tierexperiment

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Kapitel 6. Schlussfolgerungen

  1. Die perinatale Mortalität wird in den Industrieländern überwiegend durch Lungenerkrankungen belastet. Die Lungenhypoplasie als Folge eines vorzeitigen Blasensprungs oder kongenitaler Anomalien ist in den letzten Jahren in den Vordergrund gerückt. Bis zu 70 % der betroffenen Neugeborenen versterben unabhängig von der eingesetzten Behandlungsart in den ersten Lebenstagen. Eine nichtinvasive Methode zur antenatalen Einschätzung des Entwicklungsgrades der Lunge bei gefährdeten Feten ist daher dringend erforderlich.
  2. Die Katheterisierung der Trachea von Schafsfeten zeigte, daß während der FAB ein Flüssigkeitsvolumen pendelartig in den oberen Atemwegen bewegt wird. Unsere Arbeitsgruppe entwickelte als erste eine nichtinvasive Methode zur Qualifizierung dieses Phänomens beim menschlichen Feten.
  3. In dieser Arbeit werden die intratrachealen Doppler-Flußparameter während der FAB bei 47 gesunden Feten im zweiten und dritten Trimenon analysiert. Die Ableitung der Trachealflußgeschwindigkeiten gelang uns am frühesten bei einem Feten in der 20. SSW. Eine korrekte Ableitung vor der 23. SSW erwies sich als schwierig und konnte nur in 4 der 47 analysierten Fälle erzielt werden. Die Ableitung in den höheren Wochen war dagegen technisch leichter.
  4. Wir haben versucht, aufgrund der Variabilität der FAB reproduzierbare Atemperioden auszuwählen. Es wurde daher zur Doppler-Analyse ein Abschnitt mit mindestens fünf aufeinanderfolgenden regelmäßigen Atemzyklen berücksichtigt. Die Dauer der Inspiration, die Dauer der Exspiration sowie die Atemfrequenz unterlagen zwischen den einzelnen Gruppen nur geringen Veränderungen.
  5. Wir konnten zwischen der 24. und der 35. SSW einen signifikanten Anstieg des medianen intratrachealen Flußvolumens während der

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    regelmäßigen FAB mit zunehmendem Gestationsalter nachweisen. Das fetale Atemzugvolumen fiel dagegen nach der 36. SSW ab. Die Differenz zwischen dem inspiratorischen Flußvolumen und dem exspiratorischen zeigte einen interessanten Verlauf mit einer positiven Bilanz in den ersten vier Gruppen (20.-35. SSW) und eine negative Bilanz in der letzten Gruppe (36.-40. SSW). Dies könnte bedeuten, daß nach der 36. SSW während der ausgewählten Atemepisoden tendenziell mehr Flüssigkeit aus- als eingeatmet wurde.
  6. Unsere Untersuchungen zeigen, daß in den letzten Wochen vor der Geburt eine wichtige Umstellung der fetalen Ventilation stattfindet, die einen Abfall der Lungenflüssigkeit bewirkt. Dies könnte die vorteilhafte Wirkung der letzten vier Wochen vor der Geburt auf die postnatale Lungenfunktion erklären. Diese Beobachtung steht im Einklang mit den tierexperimentellen und epidemiologischen Studien, die ein Fortführen der Schwangerschaft bis zum errechneten Termin befürworten.
  7. Die Kalkulation des Atemzugvolumens ist durch unvermeidbare Fehlerquellen gekennzeichnet. Ziel unserer Untersuchungen war es jedoch, einen Trend des Atemzugvolumens im Verlauf der Schwangerschaft zu erkennen. Untersuchungen der Genauigkeit der Kalkulation des Atemzugvolumens sind im tierexperimentellen Teil dieser Arbeit analysiert worden.
  8. Die genaue Bedeutung des von uns kalkulierten fetalen Atemzugvolumens bleibt, solange Messungen nur beim menschlichen Feten durchgeführt werden, spekulativ. Wir konnten zeigen, daß die Trachea beim Schafsfeten sonographisch darstellbar ist. Es konnte ferner gezeigt werden, daß die mittels hochauflösender Sonographie durchgeführten Trachealmessungen mit den pathologischen Messungen übereinstimmten.
  9. Es konnte zum ersten mal das Atemzugvolumen bei einem Schafsfeten in Terminnähe nichtinvasiv ermittelt werden. Unsere Methode, die sogenannte "Pulmo-Doppler-Sonographie", kann infolgedessen in tierexperimentellen Untersuchungen an Schafsfeten vertieft und valutiert werden. Am Ende der Untersuchungen sollte ein Test zur Einschätzung der fetalen Lungenventilation stehen, der sowohl beim menschlichen Feten als auch im Tierexperiment eingesetzt werden kann. Dieser soll Aufschluß über Wachstum und Reifezustand der fetalen Lunge geben.

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Mon Sep 24 15:01:52 2001