Kalache, Karim Djaffar: Die Fetale intratracheale Lungenflüssigkeitsdynamik Eine Doppler-sonographische Studie der Atembewegungen beim menschlichen Fetus und im Tierexperiment

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Kapitel 7. Zukunftsaspekte

Unsere Studie mit der Möglichkeit der farb- und spektral-Doppler-sonographischen Darstellung des Intratrachealflusses hat neue Fragen hinsichtlich der pränatalen Untersuchung der FAB aufkommen lassen. Langfristig könnte diese Methode etabliert werden, ähnlich der fetalen Gefäß-Doppler-Sonographie (Eik-Nes u. Mitarb. 1984; Rasmussen 1987). Dafür sind Untersuchungen im Tierexperiment notwendig, um die Methode zu validieren. Hier können die nichtinvasiv erhobenen Doppler-Werte durch invasive Kathetertechniken überprüft werden. Erste Ansätze zur Praktikabilität dieser Untersuchung wurden im tierexperimentellen Abschnitt dieser Arbeit untersucht.

Wir haben Parameter bestimmt, wie die Dauer der Inspiration und der Exspiration, die Atemfrequenz und das Atemzugvolumen. Diese Parameter werden als solche auch in der postnatalen Atemfunktionsanalyse bestimmt. Denkbar wäre daher ein Vergleich der Ventilationsparameter vor und nach der Geburt. Ventilationsmessungen werden nach der Geburt mittels Flußsensoren durchgeführt und es wird von einem Atemzugvolumen von ca. 5-8 ml/min ausgegangen (Schmalisch und Wauer 1995). Es werden in der Trachea prä- und postnatal zwei unterschiedliche Medien bewegt. Trotzdem denken wir, daß der Vergleich prä- und postnatal ermittelter Ventilationsparameter anstrebenswert ist.

Die verbesserte Ultraschalltechnik hat zu einem gesteigerten Interesse der Darstellung der fetalen Trachea beim menschlichen Fetus geführt. Unsere Studie zeigt, daß dieselbe Methode beim Schafsfeten eingesetzt werden kann. Dieser nichtinvasive Ansatz öffnet neue Grenzgebiete zur experimentellen Untersuchung über die Physiologie und Pathophysiologie der fetalen Atmung.

Die fetale Trachea wird zunehmend als ein Zielorgan für experimentelle therapeutische Eingriffe angegangen. Der Verschluß der


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Trachea führt durch eine Stauung der Lungenflüssigkeit in den zukünftigen Atemwegen zu einer Dehnung und zum Wachstum der Lunge (Alcorn u. Mitarb. 1977). Diese Prozedur, sog. PLUG-Technique, wurde bei Feten eingesetzt, die mit einer Lungenhypoplasie gefährdet sind (Wilson u. Mitarb. 1993; Hedrick u. Mitarb 1994; Nardo u. Mitarb. 1995). Ein anderer therapeutischer Ansatz, der beim Schafsfeten untersucht wird, ist die Behandlung von Erberkrankungen durch die lokale Anwendung von Genen. Diese werden mittels einem Vector (meistens ein rekombiniertes Adenovirus) in utero an das fetale Zielorgan gebracht (Themis u. Mitarb. 1999). Neueste Untersuchungen auf diesem Gebiet haben gezeigt, daß eine rechtzeitige Behandlung zu einer Heilung der Mukoviscidose führen kann, bevor irreversible Organschäden eingetreten sind (McCray u. Mitarb. 1995; Holzinger u. Mitarb. 1995). Gentherapeutische Eingriffe sind bereits beim Schafsfeten durchgeführt worden. Die Viren wurden mittels Endoskopie in die fetale Trachea gebracht und diese nach dem Eingriff mittels Ballonkatheter verschlossen (Sylvester u. Mitarb. 1997).

Bevor diese therapeutischen Verfahren ohne Gefahr beim menschlichen Fetus angewandt werden, müssen unter anderem zwei technische Probleme behoben werden:

  1. Die Einführung von endoskopischen Geräten in die Amnionhöhle kann zum vorzeitigen Blasensprung mit Chorioamnionitis oder zu einer schweren Blutung von der Uteruswand im Bereich des Einstichkanals führen (Deprest u. Mitarb. 1997). Diese Komplikationen können durch eine ultraschallgestützte Punktion der Trachea umgangen werden. Wir konnten eindeutig zeigen, daß beim Schafsfeten die Trachea genau eingestellt werden kann, was für die Praktikabilität von minimalinvasiven Eingriffen spricht.
  2. Der Verschluß der Trachea beim Fetus ist meistens mit irreversiblen lokalen Gewebeveränderungen, wie die Trachealmalacie assoziiert. Das hängt damit zusammen, daß die Breite des Verschlußinstruments meist nicht bekannt ist und zu einer Kompression der Trachea an der Verschlußstelle führt (Hedrick u. Mitarb. 1994; Hashim u. Mitarb. 1996; Luks u. Mitarb. 1996). Unsere Daten sind sehr wichtig in dieser Hinsicht, da sie eine klare Übereinstimmung zwischen den Ultraschallmessungen des TD und dem tatsächlichen TD zeigen. Die Auswahl des angemessen dimensionierten Verschlußinstruments könnte in Zukunft sonographisch bestimmt werden.

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Mon Sep 24 15:01:52 2001