Kern, Florian: Periphere T-Zellen bei Patienten nach Organtransplantation: Die Transplantatschädigung und die Kontrolle der Zytomegalievirusinfektion

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Kapitel 3. Der Einsatz von Peptidpools (Peptidbibliotheken) zur Charakterisierung der T-Zellantwort gegen komplette virale Proteine

Um die CD8-T-Zell Antwort gegen das humane CMV zu untersuchen lag immer noch kein den Möglichkeiten bei den CD4-T-Zellen vergleichbares System vor, da dort ganze Proteine oder Gemische daraus als Antigen eingesetzt werden konnten, bei den CD8-T-Zellen aber nur einzelne Peptide. Erst die Zusammenstellung und Testung komplexer Peptidgemische, welche in ihrer Gesamtheit die komplette Aminosäuresequenz eines ganzen Proteins repräsentierten, änderte diese Situation ein wenig . Dabei stellten wir komplexe Mischungen für das pp65-Protein (138 Peptide von 15 Aminosäuren Länge) und das IE-1-Protein (120 Peptide von 15 Aminosäuren Länge) her. Die Überlappung zwischen den benachbarten Peptiden betrug bei den ersten Mischungen mindestens 9 Aminosäuren, bei späteren Mischungen wenigstens 11 Aminosäuren. Die Länge der Überlappungen war entscheidend dafür, daß keine möglichen Epitope unberücksichtigt blieben. Dazu musste die Überlappung mindestens der Epitoplänge abzüglich einer Aminosäure entsprechen . Da aber bei CD4-T-Zellen die Epitope etwas länger sein können als bei CD8-T-Zellen, ist eine Überlappung von 11 Aminosäuren zu bevorzugen. Der Einsatz dieser komplexen Gemische eignete sich zur Messung von CD8-Zell-Antworten gegen ganze Proteine, wobei die Summe der Frequenzen gegen einzelne Peptide gerichteter CD8-T-Zellen praktisch gleich der Frequenz der gegen die Mischung als ganzes gerichteten CD8-T-Zellen war . Aufgrund der Beschaffenheit der verwendeten Peptide (Länge und Überlappung) galt das Gleiche für CD4-T-Zellen entsprechend (Manuskript eingereicht). Weiterhin brauchte man den HLA-Typ der untersuchten Patienten/Probanden nicht zu kennen bzw. zu berücksichtigen, um die Antwort quantitativ und phänotypisch analysieren zu können. Damit hatten wir ein ideales Mittel gefunden, um beispielsweise bei Patienten nach Organtransplantation die CD8- und CD4-T-Zell-Antwort gegen CMV auf der Ebene zweier kompletter CMV-Proteine und im Verlauf über mehrere Monate zu untersuchen (Manuskript in Vorbereitung). Eine Korrelation dieser Daten mit der CMV-Viruslast soll Aufschluß geben, ob sich


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CMV-induzierte Komplikationen über ein solches Monitoring vorhersagen lassen. Diese Möglichkeit wird unter anderem in den Übersichtsarbeiten weiter diskutiert .

Schließlich wurde dieses neue Testsystem auch auf das Humane-Immundefizienz-Virus (HIV) übertragen . Dazu wurden 95 bekannte CD8-T-Zell-Epitope aus verschiedenen HIV-Proteinen ausgewählt und die entsprechenden Peptide wurden synthetisiert. Dabei bestätigte sich die zuvor bereits gewonnene Erkenntnis , dass eine Person, die einen bestimmten HLA-Typ besitzt, nicht notwendigerweise eine erkennbare T-Zell-Antwort gegen ein bekanntes, auf diesem HLA-Molekül präsentiertes, Peptid besitzen muss. Zum Beispiel wird das aus dem HIV-Gag-Protein stammende Peptid SLYNTVATL auf HLA-A*0201 präsentiert. Nicht alle HLA-A*0201- und HIV-positiven Patienten besitzen indes eine T-Zell-Reaktivität dagegen . Das gleiche war für das aus dem CMV-pp65-Protein stammende und ebenfalls auf HLA-A*0201 präsentierte Peptid NLVPMVATV zu beobachten. Bei einigen HLA-A*0201-positiven Probanden existierte eine dominante CD8-T-Zell-Antwort dagegen, bei anderen war sie kaum erkennbar und es gab eine viel stärkere Antwort gegen ein anderes Epitop . Eine wichtige Erkenntnis war, dass die Reaktivität gegen ein bestimmtes Epitop zwar aus dem HLA-Typ mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit abgeleitet, aber im Einzelfall nicht sicher vorhergesagt werden kann . An einem Beispiel erklärt heißt das, dass die meisten CMV-positiven HLA-A*0201-positiven Probanden eine deutliche T-Zell-Antwort gegen HLA-A*0201 besitzen werden, dass aber einzelne ohne eine solche Antwort darunter sein können. Mit anderen Worten, die Messung der Reaktivität gegen ein einzelnes Epitop ist kein brauchbares Surrogat für die Messung der Reaktivität gegen ein ganzes Virus. Dies unterstreicht einerseits die Bedeutung der Verwendung komplexer Peptidmischungen zur Stimulation, um alle in einem Protein vorhandenen Epitope zu testen, andererseits die Wichtigkeit der Einbeziehung nicht nur eines Proteins in derartige Untersuchungen.


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Mon Sep 16 13:54:24 2002