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III.  Zusammenfassung und Schlußfolgerungen

In der vorliegenden Arbeit werden die Ergebnisse des multimodalen zerebralen Monitorings von Hirngewebe-PO2 in der weißen Substanz (PtiO2) und der online intrakraniellen Compliance (cICC) bei Patienten mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma dargestellt.

Folgende PtiO2-Resultate konnten erzielt werden:

  1. Die PtiO2-Hypoxiegrenze kann mit 8,5 mmHg (Spannweite 3-12 mmHg), für den klinischen Gebrauch mit 10 mmHg, angegeben werden.
  2. Bei intakter zerebraler Autoregulation ist ab einem CPP > 60 mmHg die zerebrale Oxygenierung suffizient.
  3. Eine forcierte bzw. moderate Hyperventilation induziert, trotz adäquatem CPP, eine Reduktion des PtiO2, die im individuellen Fall zur Unterschreitung des hypoxischen Grenzwert führt.
  4. In der Umgebung von Kontusionen ist der PtiO2, als Ausdruck des perikontusionell reduzierten zerebralen Blutfluß, signifikant erniedrigt.

Zusammenfassend ist das PtiO2-Verfahren „die Methode der Wahl“ für ein Langzeitmonitoring der zerebralen Oxygenierung nach schwerem SHT. Es wird sich, v.a. aufgrund seiner Praktikabilität und der mittlerweile beachtlichen wissenschaftlichen Evidenz, in der klinischen Anwendung, neben ICP und CPP, weiter etablieren können.
In der praktischen Anwendung muß aber beachtet werden, daß es sich dabei um ein regionales Meßverfahren handelt, das nur unter der Voraussetzung der Katheterimplantation in nicht-verletztes Parenchym repräsentativ für die globale zerebrale Oxygenierung ist.


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Für die cICC lassen sich folgende Ergebnisse festhalten:

  1. Die Datenqualität der cICC ist für eine routinemäßige Anwendung ungenügend.
  2. Der pathologische cICC-Grenzwert ist bei Patienten mit schwerem SHT vorläufig mit 0,5 ml/mmHg anzugeben.
  3. Eine direkte Korrelation von cICC und ICP läßt sich nur im Einzelfall nachweisen.
  4. Ein Trend zu einer umgekehrt proportionalen Beziehung von cICC und Lebensalter bei höheren ICP-Werten (ICP = 20, 30 mmHg) zeichnet sich ab.

Um die cICC auf ein mit anderen Meßwerten vergleichbares qualitatives Niveau zu heben, sind umfangreiche Systemänderungen nötig. Ob die cICC dann in der Lage sein wird, eine frühe Risikoabschätzung bzgl. eines drohenden ICP-Anstiegs zu ermöglichen, muß abgewartet werden.

Neue Monitoringparameter bedürfen einer gründlichen Evaluation ihres Nutzens-Risikos in der klinischen Anwendung. Für den PtiO2 fällt diese Bilanz positiv aus, für die cICC bisher negativ. Der im Evaluationsprozeß bereits fortgeschrittenere Parameter der kontinuierlichen intraparenchymalen CBF-Messung [33, 102, 103] erscheint für die klinische Anwendung eher brauchbar als die cICC.

In wieweit sich weitere Monitoringmethoden, wie z.B. die zerebrale Mikrodialyse [31, 104, 105], die ein online-Monitoring des zerebralen Metabolismus ermöglicht, in der Praxis bewähren, bleibt abzuwarten.

Vor dem Hintergrund der derzeitigen Ressourcenverknappung wird der Erfolg neuer zerebraler Monitoringverfahren von multizentrischen Studien abhängen, die deren Relevanz und Effektivität nachweisen müssen. Dieser Aufgabe hat sich die internationale Gruppe „Brain-IT“ angenommen [106].


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22.09.2004