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3  Übersicht über das Schrifttum

3.1 „Bewegliche“ Augenprothesen

Bei Verlust des Auges, wenn die Lider erhalten sind, gibt es in der Literatur mehrere Beschreibungen, mit denen versucht wird, Blickbewegungen des Auges mit der Augenprothese zu imitieren. Routinemäßig und mit gutem kosmetischen Erfolg werden Hydroxylapatitimplantate nach Enukleation in die Orbita eingesetzt, um Augenprothesen „beweglich“ zu gestalten (SHIELDS et al., 1992, 1993; COWPER, 1995; ASHWORTH et al., 1998; NORDA et MEYER—RUSENBERG, 2000).

Bei erhaltenen Augenlidern beschreibt BERG et BERG (1990) eine spezielle „bewegliche“ Augenprothese. Blickbewegungen können durch ein mit der Augenmuskulatur verbundendes Augapfelimplantat mit integriertem Permanentmagneten erreicht werden. Die magnetische, irisähnliche Scheibe ist zwischen zwei Schalen beweglich gehalten und folgt der Bewegung des Magneten im Bulbusimplantat (Abb. 36).

Abb. 36: „Bewegliche“ Augenprothese zur Imitation von Blickbewegungen

1) Magnet, 2) Augapfelprothese, 3,4) Augenmuskeln, 5) Augenansichtsprothese, 6) Augenhöhlengewebe, 7) Augenbindegewebe, 8,9) Schalen (aus Patentschrift BERG et BERG, 1990)

BORISJUK und LIPUNOWA berichten 1971 über eine „bewegliche“ Augenprothese, bestehend aus einer Nachbildung des Augapfels und der Regenbogenhaut mit Pupille sowie einem Bewegungsmechanismus, der durch noch vorhandene Augenmuskelstümpfe gesteuert wird. Das Augapfelimplantat mit integrierten Elektromagneten erzeugt die Bewegung der ferromagnetischen Irisscheibe in einer Schalenkammer. Impulse für das Bestromen der Elektromagnete erhält die Steuerung über Elektroden an der Bulbusimplantataußenseite, die die Biopotentiale der Muskelstümpfe detektieren (Abb. 37).


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Abb. 37: „Bewegliche“ Augenprothese mit Iris- und Pupillenbewegungsmechanismus

1) Augapfel, 2) Kammer, 3) Iris als ferromagnetische Scheibe, 4) Elektromagnete, 5) Steuerelement, 6) Vorverstärker, 7) Elektroden (aus Patentschrift BORISJUK und LIPUNOWA, 1971)

Die beiden letztgenannnten, patentrechtlich geschützten Erfindungen sowie die Hydroxylapatitkugeln, die in die Orbita implantiert werden, bewegen allerdings nur Augenprothesen. Bei Defekten an den Lidern und operativ ausgeräumter Orbitahöhle können sie nicht angewendet werden.

3.2  „Bewegliche“ Orbitaepithesen

Bei Start des Projektes 1994 war in der Literatur nur von ALEXANDRIDIS et al. 1976 und 1978 über eine Orbitaepithese mit synchron beweglichem, elektronisch gesteuertem Augenlid berichtet worden, die sich im routinemäßigem Einsatz nicht durchsetzen konnte.

Sie war kein kompaktes Gerät. Sie bestand aus drei Teilen: erstens, einem Obturator, der die Orbitahöhle füllte und zur Befestigung der Epithese sowie zum Einbau der notwendigen Elektromechanik für die Lidbewegung diente; zweitens, der eigentlichen Epithese mit künstlichem Oberlid, welches aus einer Hartschale bestand, die den Defekt abdeckte; und drittens, einem Brillengestell, das die notwendige Elektronik und die Lichtschranke enthielt. Impulse für die elektromagnetische Bewegung des Oberlides erhielt die im Brillenbügel befindliche Elektronik von einer miniaturisierten Lichtschranke, die am Brillengestell angebracht und vor das intakte Auge gebaut worden war. Als Lichtquelle diente eine Leuchtdiode, als Empfänger ein Fototransistor. Bei geöffnetem Auge traf der Lichtstrahl ungehindert auf den Fototransistor, bei geschlossenem Auge wurde er durch Lid und Wimpern unterbrochen. Dieses Signal wurde von der Steuerschaltung verarbeitet und an den Elektromagneten weitergeleitet.

Eine myoelektrisch, d.h. durch Abgreifen von Biosignalen gesteuerte, implantatfixierte und zugleich kosmetisch befriedigende Orbitapithese mit beweglichem Lid gab es nicht.

Nach Veröffentlichung dieser Entwicklung - KLEIN et al., 1999 a und b - berichten HONDA et al. 1999 ebenfalls von einer beweglichen Lid-Epithese. Diese mit unterschiedlicher Technik gebaute [Seite 22↓]Orbitaepithese wird im Diskussionsteil beschrieben und mit der hier dargestellten Erfindung verglichen (Kap. 7.3.2).


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16.12.2004