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10  Zusammenfassung

Infektionen im Bereich der Aorta stellen auch heute noch eine der gravierendsten Komplikationen der rekonstruktiven Gefäßchirurgie dar. Mit dem Ziel die Effektivität von kryokonservierten Aortenallografts bei der in situ-Behandlung von Infektionen im Bereich der Aorta zu elvaluieren, wurden diese tierexperimentell eingesetzt. Insbesondere sollte die Rolle der zur Dekontamination verwendeten Antibiotika analysiert werden. Zu diesem Zwecke erfolgte im in vitro-Experiment die Untersuchung der Antibiotikakonzentration im Gewebe sowie die der Freisetzungskinetik.

Bei 23 Mischlingshunden erfolgte der infrarenale Bauchaortenersatz mit einer gelatinebeschichteten Gefäßprothese, die zuvor mit Staphylococcus epidermidis RP-62 kontaminiert wurde. Nach einer Woche erfolgte die Reoperation und Randomisierung in drei Versuchsgruppen. Entsprechend der Randomisierung erfolgte bei den Versuchstieren der Versuchsgruppe I (Kontrollgruppe) die Implantation einer sterilen Polyesterprothese, bei den Versuchtieren der Versuchsgruppe II die Implantation eines ohne Antibiotikazusatz kryokonservierten Aortenallografts und in Versuchsgruppe III die Implantation eines mit Antibiotika behandelten Aortenallograft. Nach weiteren drei Wochen wurden die Prothese der Kontrollgruppe und Allografts explaniert und einer quantitativen bakteriologischen Analyse zugeführt. Die Ergebnisse wurden als koloniebildende Einheiten pro cm2 Graftmaterial angegeben. Darüber hinaus erfolgten histologische Untersuchungen des Perigraftgewebes und qualitative bakteriologische Analysen des Perigraftgewebes und der Perigraftflüssigkeit, sowie der Blutkulturen.

Alle initial implantierten Prothesen und alle Kontrollprothesen waren bei der Explantation infiziert. In der Gruppe II waren drei von sechs der unbehandelten Allografts komplett inkorporiert, während alle mit Antibiotika behandelten Allografts komplett inkorporiert waren und eine signifikant verminderte inflammatorische Reaktion aufwiesen. Alle mit Antibiotika behandelten Allografts waren steril, während bei drei von sechs der unbehandelten Allografts positive Keimnachweise gefunden wurden.

In diesem Modell konnte gezeigt werden, daß Aortenallografts eine intrinsische Infektionsresistenz besitzen. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, daß die zur Dekontamination eingesetzte Antibiotikabehandlung der Allografts einen wesentlichen Bestandteil der Infektionsresistenz darstellt.


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Im Rahmen der in vitro-Untersuchungen wurden die Vancomycinspiegel in der Kryokonservierungslösung, in den Waschlösungen, in den Aortenallografts und den Inkubationsmedien mittels HPLC oder FPIA ermittelt.

Die mittlere Vancomycinkonzentration in den Kryokonservierungslösungen betrug 33.4 mg/l (+/-5.3mg/l). Bezogen auf die Gesamtwiederfindung von Vancomycin in den Aortenallografts, den Konservierungs-, Wasch- und Humanalbuminlösungen entspricht dies einem aus den Allografts freigesetzten Anteil von 39.5%.

Nach der Kryokonservierung, Auftauen und Waschen verblieben im Mittel 51.4 % des Vancomycins in den Aortenallografts. Die mittlere Vancomycin Konzentration betrug 186.5 mg/ml.

In Protokoll 1 wurde nach 24 Stunden ca. die Hälfte der Vancomycingehaltes der Allografts in eine konstante Humanalbuminlösung freigesetzt. Bei einer mittleren Vancomycin-Konzentration von 13.7 mg/l (+/-0.68) in der Humanalbuminlösung zeigte sich eine Sättigungskinetik. Die mittlere Vancomycin-Konzentration in den Allograftfragmenten betrug 84.4 mg/kg( +/- 19.9 mg/kg), ohne signifikanten Abfall über die Zeit (p=NS).

In Protokoll 2 kam es unter regelmäßigem Wechsel der Inkubationslösung zu einem exponentialen Abfall der Vancomycinkonzentration in den Aortenallografts. Nach mehr als 72 Stunden, entsprechend einem dreimaligem Wechsel der Inkubationslösung, kam es zu keiner weiteren Freisetzung von Vancomycin. Nach 96 Stunden ließ sich in der Humanalbuminlösung kein Vancomycin nachweisen. Zu diesem Zeitpunkt betrug die mittlere Vancomycinkonzentration in den Allograftfragmenten 21.4 mg/kg .

Schließlich wurden die klinischen Erfahrungen am Deutschen Herzzentrum Berlin analysiert.

Diese bestätigten die im Tierexperiment ermittelten Ergebnisse. An Hand der eigenen, wie auch der in der Literatur publizierten Daten, wurde deutlich, daß der in situ-Ersatz unter Verwendung von kryokonservierte Aortenallografts heute das Therapiekonzept der Wahl für Infektionen im Bereich der Aorta darstellt.


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07.10.2004