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9  Ausblick und Gesamtauswertung

In der vorliegenden Arbeit konnte im Tierexperiment gezeigt werden, daß eine Protheseninfektion der Aorta durch einen in situ-Ersatz mit einem kryokonservierten Aortenallograft zur kompletten Ausheilung gebracht werden kann.

Die Mechanismen der Infektionsresistenz von kryokonservierten Allografts sind dabei bisher unklar. Die auf der Grundlage existierender Untersuchungen denkbaren Faktoren, wie z.B. die Präsenz von MHC (major histocompatibility complex)–Antigenen der Klasse I und II, mit subsequenter T-Zellaktivierung, der Expression von Adhäsionsmolekülen, wie ELAM-1 (endothelial leukocyte adhesion molecule), VCAM-1 (vascular cellular adhesion molecule) und ICAM-1 (intercellular adhesion molecule), die nach Kryokonservierung induziert werden können, bedürfen weiterer Untersuchungen. Insbesondere sind Untersuchungen notwendig, die sich mit den direkten Wechselwirkungen zwischen Aortenallograft und Bakterium befassen. Auch der Einfluß der Kryokonservierungstechnik und der in ihrem Rahmen eingesetzten kryoprotektiven Substanzen ist bislang nicht geklärt.

Als wesentlicher Bestandteil der Infektionsresistenz konnte in der vorliegenden Arbeit die während der Kryokonservierung ursprünglich zur Dekontamination angewandte Antibiotikabehandlung nachgewiesen werden. Daraus schlußfolgernd sollten die eingesetzten Antibiotikalösungen sich nicht nur an dem Keimspektrum orientieren, das für die Dekontamination von Relevanz ist, sondern auch nach dem der zu behandelnden Gefäß- oder Protheseninfektion.

Wie die klinischen Ergebnisse zeigen, stellt der Einsatz von kryokonservierten Aortenallografts bei der Behandlung von Infektionen im Bereich der Aorta einen wesentlichen Fortschritt dar. Im Vergleich mit extraanatomischen und anderen in situ-Verfahren sind sie heute als das Therapieverfahren der Wahl anzusehen.

Zum jetzigen Zeitpunkt liegen keine statistisch verwertbaren Daten über die Langzeitergebnisse vor. Ableitend von den vergleichenden Langzeituntersuchungen von „frischen“ und kryokonservierten Aortenklappen, in denen eine Überlegenheit der kryokonservierten Klappen nachgewiesen wurde, sowie auf Grund von experimentellen Untersuchungen, ist zu erwarten, daß die Degenerations- und damit einhergehend die Komplikationsrate durch die Kryokonservierung deutlich verringert werden kann. Weitere [Seite 116↓]Modifikationen in der Präparations- und Kyrokonservierungstechnik mit dem Ziel der Verminderung der Antigenität der Allografts mögen zu einer Verbesserung der Langzeitergebnisse beitragen.

Zur abschließenden Beurteilung ihrer Wertigkeit im Langzeitverlauf sind sowohl längere Nachuntersuchungsintervalle, als auch experimentelle Untersuchungen zum Einfluß der Konservierungstechnik auf die immunologischen Eigenschaften der kryokonservierten Aortenallografts notwendig.


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07.10.2004