König, Frank : Minimal-invasive Diagnostik des UrothelKarzinoms mit dem Schwerpunkt Anwendung neuer bildgebender Techniken in der Endoskopie

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Kapitel 6. Schlussfolgerung

Die Verbesserung der Früherkennung des Urothelkarzinoms ist derzeit der einzige Weg zur Senkung der Mortalität dieser Tumorentität. Bisher fehlen Screeeningparameter für das Blasenkarzinom vergleichbar dem Prostata-spezifischen Antigen (PSA) zur Diagnostik des Prostatakarzinoms. Jedoch scheint auf Grund vielversprechender diagnostischer Ansätze und einer Vielzahl potentieller Urin- und Serummarker die Entwicklung eines Screeningverfahrens in der Zukunft möglich.

Zur Bestätigung eines Tumorverdachts (z.B. bei schmerzloser Makrohämaturie) erscheint die ALS- Fluoreszenzzystoskopie trotz der aktuellen Diskussionen derzeit als die einzige diagnostische Alternative zur Standardweißlichtzystoskopie. Der klinische Wert eines zukünftigen ausschließlich auf der LIF basierenden bildgebenden Verfahrens ist derzeit unklar. Vorstellbar wäre auch eine Kombination aus LIF- und ALS- Fluoreszenzzystoskopie mit Erhöhung der Spezifität der Fluoreszenzmethode.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Ergebnisse der in dieser Habilitation vorgestellten Untersuchungen belegen, dass eine nicht- bzw. minimal-invasive Diagnostik des Blasenkarzinoms möglich ist. Es konnte auch gezeigt werden, dass nur die Kombination der verschiedenen diagnostischen Verfahren eine den klinischen Erfordernissen entsprechende Charakterisierung des Tumors erlaubt.

Als Vision für die Zukunft wäre die Möglichkeit einer „optischen Biopsie“, d.h. die in vivo Diagnostik ohne die Notwendigkeit der Gewebeentnahme, ein neuer Ansatz und hätte mehrere entscheidende Vorteile [Artikel E11]:

  1. Es findet keine Zerstörung des Urothels bzw. des Karzinoms statt. Bei gleichzeitigem Einsatz schonender Therapieverfahren (z.B. Lasertherapie) bestünde kaum die Gefahr einer Tumorzellstreuung.
  2. Es könnte eine unbegrenzte Anzahl von „Biopsien“ durchgeführt werden mit möglicher Verbesserung der diagnostischen Sensitivität.

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  3. Im Gegensatz zur herkömmlichen Endoskopie und Mikroskopie erlaubt der kombinierte Einsatz der oben beschriebenen bildgebenden Verfahren erstmals eine dreidimensionale Begutachtung des Gewebes.
  4. Die Diagnostik erfolgt in vivo ohne Biopsie-, Fixierungs- oder Färbungs-bedingte Artefakte.
  5. Der diagnostische und auch der finanzielle Aufwand (Fixierung, H/E- Färbung, Personal etc.) wären geringer.
  6. Die Diagnosestellung erfolgt intraoperativ. Dies hat z.B. den Vorteil, dass bei der Diagnose eines muskelinvasiven Tumors und entsprechender Indikation für die radikale Zystektomie auf eine vorherige TURB verzichtet werden könnte.
  7. Durch Automatisierung könnte der diagnostische Prozess objektiviert und beschleunigt werden. Die Ergebnisse wären erstmals vergleichbar und reproduzierbar.

Nach Meinung des Autors ist die „optische Biopsie“ zur Diagnostik maligner Epithelveränderungen in der Zukunft möglich. Sinnvoll erscheint die Kombination aus einem sensitiven orientierenden Verfahren (z.B. ALA/LIF), einer Staging- Methode mit ausreichender Eindringtiefe (z.B. Sonographie oder OCT) und einer Grading- Methode mit mikroskopischer Bildauflösung (z.B. CLSM). Am Ende der Entwicklung sollte ein Multisensorendoskop stehen, welches die verschiedenen bildgebenden Verfahren in sich vereint. Der Einsatzbereich eines solchen Gerätekonzepts geht weit über den Bereich der Urologie hinaus und wird die Diagnostik und Therapie von Neoplasien in der Zukunft maßgeblich beeinflussen.


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Tue Sep 17 13:34:30 2002