Kopka, Lars : Spiral-CT zur Diagnostik fokaler Leberläsionen -Methodische Entwicklungen, klinische Ergebnisse und Perspektiven

8

Kapitel 1. Einleitung

Die häufigste Indikation zum Einsatz bildgebender Verfahren in der Leberdiagnostik ist die Frage nach fokalen Läsionen. Bei positiven Befunden soll das Untersuchungsverfahren Hinweise zur Artdiagnose liefern. Im Rahmen des Stagings und der Nachsorge diverser Tumorerkrankungen handelt es sich hierbei mehrheitlich um sekundäre Lebertumoren. Von sämtlichen malignen Lebertumoren beträgt der Anteil der Metastasen ca. 90 % (Schwickert et al. (1993), Winkeltau und Kraas (1994)). Etwa ein Drittel aller Malignome metastasiert in die Leber. Häufig sind dies kolorektale Karzinome, aber auch Mamma-, Bronchial-, Nieren-, Magen- und Pankreaskarzinome sowie endokrine Tumoren, Keimzelltumoren und Melanome. Darunter weisen insbesondere die Metastasen kolorektaler Karzinome einen besonderen Status auf. Speziell bei diesen spielen Anzahl, Größe und Topographie in Relation zu den Lebersegmenten eine wichtige Rolle für eine evtl. Operationsindikation, das potentielle chirurgische Vorgehen und die Prognose (Sugarbaker (1990)). Durch die Resektion kolorektaler Lebermetastasen mit kurativer Zielsetzung leben ein Jahr nach der Operation 75 % gegenüber nur 28 % der Patienten ohne Metastasenresektion (Rougier et al. (1995)). Dabei werden 5-Jahresüberlebensraten von 31 - 47 % bei sorgfältiger Indikationsstellung erreicht (Scheele et al. (1990), Sugihara et al. (1993), Isenberg et al. (1996)). Neu erkannte Filiae entstehen meist auf dem Boden von primär nicht detektierten Metastasen und seltener durch eine unzureichende Resektion (Harnet et al. (1994)). Somit besitzt die bildgebende Diagnostik einen hohen Stellenwert für die adäquate Therapieplanung und es werden große Anforderungen an diese Methoden gestellt.

Die Sonographie gilt bei der Frage nach intrahepatischen Raumforderungen unverändert als Screeningverfahren der Wahl, während die Computertomographie (CT) bei zweifelhaften sonographischen Befunden wegen ihrer höheren Sensitivität und Spezifität eingesetzt wird (Nelson et al (1991), Leen et al (1995)). Außerdem wird die CT häufig in der prä- und postoperativen Diagnostik benutzt, auch um gleichzeitig andere sonographisch schwierig zu beurteilende extrahepatische Regionen zu untersuchen. Dabei erhöht die intravenöse Gabe von Röntgenkontrastmitteln (RKM) die Detektion und Charakterisierung intrahepatischer Läsionen gegenüber der Nativdiagnostik beträchtlich (Foley (1989), Nelson et al. 1991)). Die CT nach direkter


9

Applikation des RKM in die A. hepatica (CTA) oder die A. lienalis bzw. A. mesenterica superior (CTAP) erreicht hohe Sensitivitäten hinsichtlich der Detektion fokaler Leberläsionen bei allerdings niedrigen Spezifitäten (Heiken et al (1989), Baron (1994)). Dieses invasive Verfahren wird daher relativ selten und dann hauptsächlich in der präoperativen Diagnostik, additiv zur CT nach intravenöser Kontrastmittel (KM)-Gabe eingesetzt. Die Bedeutung dieser Methode scheint in den letzten Jahren aufgrund der genannten Nachteile und der rasanten Weiterentwicklung der Magnetresonanztomographie (MRT) abzunehmen. Die MRT genießt neben der nicht vorhandenen oder minimalen Invasivität den Vorteil eines hohen methodeninhärenten Weichteilkontrastes. Die Entwicklung neuer hepatotroper Kontrastmittel trägt ebenfalls zur Fortentwicklung dieses Verfahrens bei. Nuklearmedizinische Methoden spielen zur Zeit für die Detektion fokaler Leberläsionen keine entscheidene Rolle. Sie werden aber in ausgewählten Einzelfällen zur Präzisierung der Artdiagnose bekannter Tumoren herangezogen.

In den letzten zehn Jahren hat die CT trotz der zunehmenden Bedeutung der MRT nicht wesentlich an Bedeutung für die Leberdiagnostik verloren. Dieses ist hauptsächlich auf die breite Verfügbarkeit der Methode und grundlegende Weiterentwicklungen im technischen Bereich zurückzuführen. Hierbei ist vor allem an die Einführung der Spiral-Technik im Jahre 1989 zu denken, die sich aufgrund ihrer schnellen und lückenlosen Erfassung eines Datenvolumens als vorteilhaft erweist. Hier muß insbesondere auf die dadurch bedingte verbesserte diagnostische Ausnutzung des applizierten KM-Bolus hingewiesen werden. Es bestehen aber noch große Unsicherheiten hinsichtlich der einzusetzenden Scanparameter und der bolusförmigen KM-Applikation für eine CT-Untersuchung der Leber. Hieraus resultieren zunehmende Bemühungen im Hinblick auf eine verbesserte Harmonisierung zwischen der Spiral-CT und dem KM-Bolus. Eine Fortentwicklung und Standardisierung der CT-Scanprotokolle nach intravenöser KM-Applikation erscheint daher unerläßlich, um eine Verbesserung der Diagnostik fokaler Leberläsionen zu erzielen.


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.

DiML DTD Version 2.0
Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML - Version erstellt am:
Thu Sep 26 15:58:42 2002