Kulig, Michael: Natürlicher Verlauf, Risikofaktoren und Prädiktion von allergischen Erkrankungen im Kindesalter

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6.1 ABKÜRZUNGEN

 

 

BCG:

Bacille Calmette-Guérin

IgE:

Immunglobulin E

ISAAC:

International Study of Asthma and Allergy in Childhood

MAS:

Multizentrische Allergiestudie

NPW:

negativ prädiktiver Wert

OR:

odds ratio

PPW:

positiv prädiktiver Wert

RAST:

Radioallergosorbent Test

SAR:

saisonale allergische Rhinitis

sIgE:

spezifisches IgE gegen ein spezifisches Allergen

 

 


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6.2 TERMINOLOGIE

Dosis-Wirkungsbeziehung: Beobachtung, dass die Häufigkeit oder der Schweregrad einer Erkrankung mit der Höhe der Exposition zunimmt. Eine solche Beziehung wird als Hinweis auf einen Kausalzusammenhang zwischen Exposition und Zielgröße betrachtet ( Rothman 1998 ).

Fall-Kontroll-Studie (case-control study): Studiendesign einer epidemiologischen Beobachtungsstudie, das die Aufnahme von bereits an der Zielgröße Erkrankten (Fälle) und noch nicht daran Erkrankte (Kontrollen) vorsieht. Für beide Gruppen werden retrospektiv die jeweiligen Expositionen erfasst und anhand des Verhältnisses der Exponierten zu den Nicht-exponierten in beiden Gruppen das Ausmaß (Odds ratio) für eine Assoziation zwischen Exposition und Zielgröße berechnet ( Kramer 1988 ).

Interventionsstudie: Studiendesign, in dem Probanden oder Patienten einer präventiven, therapeutischen oder diagnostischen Intervention unterzogen werden. Die Evaluation dieser Intervention erfolgt meist anhand einer Vergleichsgruppe in derselben Studie, bei der diese Intervention nicht angewandt wird. Werden in epidemiologischen Beobachtungsstudien signifikante Assoziationen zwischen Exposition und Zielgröße beobachtet, so dient eine anschließende Interventionsstudie im Sinne einer Präventionsstudie der Überprüfung auf einen Kausalzusammenhang zwischen Exposition und Zielgröße. Wird in dieser Präventions-/Interventionsstudie durch die Vermeidung des vermutlich krankheitsfördernden Faktors eine Vermeidung oder Verringerung der Krankheitshäufigkeit oder -ausprägung erreicht, wird dies als Indiz auf einen Kausalzusammenhang zwischen Exposition und Zielgröße betrachtet ( Rothman 1998 ).

Kohortenstudie (cohort study): Studiendesign einer epidemiologischen Beobachtungsstudie, das die Rekrutierung von noch nicht an der Zielgröße Erkrankten vorsieht. Zum einen werden nicht bzw. weniger stark exponierte und zum anderen exponierte bzw. stärker exponierte Probanden in die Studie aufgenommen. Beide Expositionsgruppen werden prospektiv über einen bestimmten Zeitraum hinweg beobachtet (siehe auch Longitudinal- oder prospektive Studie). Während dieses Zeitraums wird die Exposition und das Auftreten der Zielgröße erfasst und anhand des Verhältnisses des Auftretens der Zielgröße in beiden Gruppen das Ausmaß (Relatives Risiko oder Odds ratio) für eine Assoziation zwischen Exposition und Zielgröße berechnet ( Kramer 1988 ).

Longitudinal- oder prospektive Studie: Eine Kohorte wird über einen längeren Zeitraum prospektiv verfolgt und mehrfach hinsichtlich von Einflussfaktoren und Auftreten einer Krank


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heit untersucht (siehe auch Kohortenstudie). Hierbei können Zusammenhänge hinsichtlich ihrer Konsistenz und Reproduzierbarkeit betrachtet werden. Bei gut durchgeführten Studien ist die Aussagekraft höher als bei Fall-Kontroll-Studien oder Querschnittsstudien ( Kramer 1988 ).

Multivariat: Kennzeichnet statistische Analyseverfahren, die die Stärke des Zusammenhangs von einzelnen Einflussfaktoren mit der Zielgröße berechnen unter gleichzeitiger Berücksichtigung weiterer in das statistische Modell eingeschlossener Einflussgrößen. In der Epidemiologie häufig angewandte Verfahren sind die multiple logistische und multiple lineare Regressionsanalyse ( Rothman 1998 ).

Querschnittsstudie: Studiendesign einer epidemiologischen Beobachtungsstudie, das die Erfassung von Expositions- und/oder Zielgrößen zu einem einzelnen Zeitpunkt vorsieht ohne weitere retro- oder prospektive Erfassung. Dieses Studiendesign unterliegt besonders häufig dem Problem des Auftretens zufälliger Schein-Assoziationen ( Kramer 1988 ).

Störgröße (Confounder): Faktoren, die die Erfassung der Assoziationen zwischen Exposition und Zielgröße stören bzw. verzerren können, da sie sowohl mit der Expositions- als auch mit der Zielgröße assoziiert sind, aber nicht auf dem kausalen Pfad liegen (z.B. Sozialstatus, Rauchen etc). Für solche Störgrößen kann in einer multivariaten Analyse adjustiert werden, solange sie im Studienverlauf erfasst wurden. Sie sind ein Sonderfall einer Verzerrung (siehe dort).

Verzerrung (Bias): Der Begriff umfasst alle Einflüsse, die zu einer Verzerrung der Erfassung des Zusammenhangs zwischen Exposition und Zielgröße führen können. Diese Einflüsse können von einem Ungleichgewicht bei der Probandenauswahl über systematische Messfehler bis zu ungleichen Erfassungsmethoden in den untersuchten Studiengruppen reichen ( Kramer 1988 ).


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Fri Feb 7 16:00:47 2003