| Lein, Michael Torsten : Neue Serummarker bei urologischen Malignomen mit dem Schwerpunkt Prostatakarzinom und Anwendung von Proteinase-Inhibitoren in der Therapie des Prostatakarzinoms |
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Adhäsionsmoleküle wirken sowohl als positive als auch negative Modulatoren bei der Tumorinvasion und Metastasierung. 47 , 48 Zur Gruppe der Adhäsionsmoleküle, die auch von Tumorzellen freigesetzt werden, gehören die CD44-Proteine. CD44-Proteine sind Transmembranglykoproteine, die als Zelloberflächenrezeptoren auf mesenchymalen und epithelialen Zellen exprimiert werden. Sie haben große Bedeutung für Kontakte zwischen Zellen und extrazellulärer Matrix. 49 CD44-Proteine gehören zu einer sehr heterogenen Proteinfamilie, die durch ein Gen mit 19 Exons kodiert wird. 50 , 51 Im gesunden Gewebe ist der Spleißmechanismus streng reguliert.
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Prinzipiell werden zwei CD44-Gruppen unterschieden. 52 Die CD44-Standardform (CD44std) ist ein Protein mit einem Molekulargewicht von 80 bis 90 kDa. Es wird durch die ersten und letzten fünf Exons kodiert und auf der Oberfläche von hämatopoetischen, glandulären und fibroblastoiden Zellen nachgewiesen. Die zweite Gruppe besteht aus den größeren CD44-Varianten (CD44var) mit einem Molekulargewicht von mehr als 110 kDa. Diese Varianten sind bedingt durch posttranslationale Modifizierung und alternative Spleißmechanismen der insgesamt neun varianten Exons. Sie bestehen aus den gleichen N-terminalen Sequenzen sowie transmembranösen und zytoplasmatischen Anteilen wie die Standardform, weisen aber zusätzliche Aminosäuresequenzen auf. 52 In normalen Zellen werden diese Varianten nur in geringem Umfang exprimiert. Im Gegensatz dazu wurde in Tumorzellen eine Überproduktion dieser großen CD44var-Proteine durch verstärkte Transkription von alternativen Spleißvarianten mRNA nachgewiesen. 53 Die Tumorprogression und Metastasierung scheint mit der Expression dieser Varianten zu korrelieren. Dieses Verhalten wurde bei verschiedenen menschlichen Malignomen, wie z.B. bei Zervix-, Mamma- oder Kolonkarzinomen beobachtet. 54 - 57Einige Arbeitsgruppen berichten, daß sich diese Veränderungen an den Zelloberflächen bei Patienten mit Magen- und Kolonkarzinomen im Serum widerspiegeln. 58 Erhöhte Konzentrationen korrelieren mit dem Progreß der Tumorerkrankung. Die Bestimmung dieser Komponenten im Serum könnte als ein einfaches, nichtinvasives Instrument der Tumordiagnostik und Therapieüberwachung genutzt werden. Die Firma Bender MedSystems (Wien, Österreich) bietet inzwischen ELISA-Testsysteme für CD44std, CD44var5 und CD44var6 an, die eine einfache und zuverlässige Bestimmung ermöglichen.
Informationen über veränderte Expressionen dieser Proteine bei urologischen Tumoren liegen nur in sehr beschränktem Umfang vor. In PCa- und Urothelkarzinom-Zellkulturen wurden veränderte Expressionsmuster beobachtet. 59 , 60 Für das Nierenzellkarzinom und das Blasenkarzinom sind zuverlässige Tumormarker weder für die Früherkennung noch für die Therapiekontrolle bekannt. 61 , 62 Es besteht daher ein enormes Interesse an der Entwicklung solcher nichtinvasiver Parameter.
Im Rahmen der Evaluierung neuer Marker bei urologischen Tumoren wurde in unserer Arbeitsgruppe das diagnostische Potential der Bestimmung dieser Parameter eingeschätzt.
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Zielstellung der Untersuchungen war die Erfassung der CD44-Expressionsmuster im Serum von Patienten mit urologischen Karzinomen. Die potentiellen Eigenschaften der CD44-Proteine als Tumormarker wurden eingeschätzt.
In einer ersten Untersuchung sollten Unterschiede zwischen metastasierten und nichtmetastasierten Patienten mit PCa und BPH-Patienten bzw. Gesunden ermittelt werden. K8 Diese Evaluierung wurde dann auf weitere urologische Malignome ausgedehnt. Im Serum von etwa 200 Patienten wurden die Standardform (CD44std) und die Spleißvarianten CD44var5 und CD44var6 bestimmt (Artikel Nr. E9). K9 Die Analysen erfolgten bei Patienten mit Nierenzellkarzinom, Blasenkarzinom, PCa bzw. BPH und wurden den Werten von gesunden Männern und Frauen gegenübergestellt. Erhöhte Konzentrationen der CD44-Varianten und der Standardform im Serum der Patienten im Vergleich zu der Kontrollgruppe wurden nicht beobachtet. Auch bei Patienten mit metastasiertem PCa wurden keine erhöhten Konzentrationen gemessen.
Im Gegensatz zu anderen Karzinomen ließen sich bei urologischen Tumoren (Prostata, Niere, Blase) keine Konzentrationsänderungen im Serum nachweisen. Als Ursache dafür könnte die ausbleibende Expression dieser Proteine an der Oberfläche von urologischen Tumorzellen verantwortlich sein. Über die Expressionsmuster von CD44-Proteinen liegen bisher keine weiteren Daten vor. Zusammenfassend muß festgestellt werden, daß die vorliegenden Ergebnisse gegen eine Anwendung dieser Proteingruppe in der Diagnostik von urologischen Malignomen sprechen.
Artikel (Erstautorenschaft): E9
Weitere Artikel mit Koautorenschaft: K8 , K9
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