Matthias, Christoph: Molekularbiologische Untersuchungen zum Einfluß genetischer Wirtsfaktoren auf das Erkrankungsrisiko und den Krankheitsverlauf von Patienten mit Plattenepithelkarzinomen im Kopf-Hals-Bereich

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Kapitel 7. Schlußfolgerung

Aus den Ergebnissen der vorliegenden Studie können folgende Schlußfolgerungen gezogen werden.:

  1. Polymorphismen an den Genorten der Glutathion S-Transferasen sowie Genvariationen an TNF-Genorten beeinflussen das Risiko, an einem Kopf-Hals-Karzinom zu erkranken.
    Die genetischen Risikofaktoren unterscheiden sich zwischen Tumoren der unterschiedlichen anatomischen Regionen.
  2. Subpopulationen von Patienten, die frühzeitig an einem Kopf-Hals-Karzinom erkranken oder nicht die exogenen Risikofaktoren teilen, weisen eine Häufung von Risiko-vermittelnden Allelen an Genorten der Glutathion S-Transferasen, Cytochrome P450 und im Tumor-Nekrose-Faktor (TNF) auf.
  3. Die untersuchten Genvariationen im Entgiftungsstoffwechsel und in den TNF-Genen beeinflussen nicht nur das Erkrankungsrisiko von Kopf-Hals-Karzinomen, sondern sind auch für den weiteren Krankheitsverlauf von Bedeutung.
  4. Die Beeinflussung des Tumorverhaltens (Lymphknoten-Metastasierung, histologischer Differenzierungsgrad, Tumorrezidive, Mehrfachtumoren) durch diese genetisch determinierten Wirtsfaktoren ist bei vielen einzelnen Genotypen und Genotyp-Kombinationen ausgeprägter als ihre Risiko-Vermittlung in der Fall-Kontroll-Studie.
  5. Die Mechanismen, welche der Beeinflussung des Tumorverhaltens durch die Genvariationen im Wirtsorganismus zugrunde liegen, bleiben nach den bisherigen Forschungsergebnissen dieser und anderer Studien spekulativ. Der 2-phasige Entgiftungsstoffwechsel reicht als alleinige Erklärung für den nachgewiesenen Einfluß der Cytochrom P450- und Glutathion S-Transferase-Polymorphismen auf die Beeinflussung des Tumorverhaltens nicht aus.
  6. Patienten mit Mehrfachtumoren zeigten die ausgeprägteste Anhäufung von Risiko-Genotypen. Vier Genotypen konnten identifiziert werden, mit denen sich aus einem Patientenkollektiv von Kopf-Hals-Tumor-Patienten etwa 1/3 der Patienten identifizieren ließe, die ca. 2/3 aller Zweittumoren entwickeln werden.

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  7. Eine Weiterführung des hier vorgenommenen Studienansatzes scheint deshalb erfolgversprechend, um mit fortschreitender Identifizierung genetischer Risikofaktoren im Wirtsgenom Genotyp-Kombinationen zu konstruieren, die es ermöglichen, Hochrisiko-Patienten, beispielsweise für die Entwicklung von Tumorrezidiven oder Zweittumoren, frühzeitig zu identifizieren. Die bisher nachgewiesenen Einflüsse reichen aber für eine breite Anwendung in der Klinikroutine noch nicht aus.


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Mon Sep 30 17:18:40 2002