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3  Ergebnisse

3.1 Untersuchungen an Patienten mit akutem Koronarsyndrom

Myoglobin-Studie

Die mediane Zeit vom Symptombeginn bis zur ersten Therapie (“Delay”) und der ersten Blutabnahme lag bei 245min (0-2880min) in der gesamten Studienpopulation. Die Zeit bis zum Beginn der Reperfusionstherapie ist in Tabelle 2 (siehe oben) wiedergegeben. Die Tabelle 10 zeigt die Charakteristika der 67 Patienten, die innerhalb der ersten 4h nach Aufnahme Myoglobin-negativ waren. Die Daten belegen, daß eine Myoglobin-Messung nach 4 Stunden nützlich ist, um einen Q-wave-Infarkt auszuschließen. Patienten mit positiven Myoglobin-Werten innerhalb der ersten 4h nach Aufnahme entwickelten mit einer Häufigkeit von 73% einen AMI mit einer CK über 200U/L. Die 26 Myoglobin-positiven Patienten mit der Diagnose AMI und ohne Intervention hatten ebenfalls eine Wahrscheinlichkeit von 73%, CK-Werte über 200U/L zu entwickeln.


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Tabelle 10. Charakteristika der 67 Patienten mit Myoglobin-Werten unter 90µg/L innerhalb der ersten 4 Stunden nach Aufnahme.

Qualitative Variablen

Prozent (95%-CI)

AMI

13 (6-24)

Männer

76 (64-85)

Akut-PTCA

20 (11-31)

Thrombolyse

3 (0-11)

Q-Wellen-AMI

0 (5)+

Instabile AP im Follow up

49 (37-62)

AMI im Follow up

3 (0-11)

Tod im Follow up

0 (5)+

Jegliches Ereignis im Follow up

49 (37-62)

Quantitative Variablen

Median (Quartilen) [MIN-MAX]

CK-Aktivität nach 2ha [U/L]

34 (19/63) [8-177]

CK-Aktivität nach 24hb [U/L]

32 (20,5/51,5) [7-606]

Das mittlere Alter der Patienten lag bei 58,25 SD14,25 (29-90) Jahren. CI, Konfidenz-Intervall; MIN, Minimum; MAX, Maximum; AMI, akuter Myokardinfarkt; PTCA, perkutane transluminale koronare Angioplastie; AP, Angina pectoris; CK, Kreatinkinase; SD, Standardabweichung; + einseitiges 97,5%-Konfidenz-Intervall; a der höchste mediane Wert wurde zu dieser Zeit gefunden; b der höchste individuelle Wert wurde zu dieser Zeit gefunden. Zwei Patienten hatten CK-Werte über 100U/L nach 24h, einer 108U/L und der andere 606U/L. Letzterer Patient erhielt eine späte PTCA (1010min nach Symptombeginn) eines verschlossenen Gefäßes; innerhalb der ersten 4h wurde kein CK- oder Myoglobin-Anstieg festgestellt; Troponin I (Stratus®II) betrug 122µg/L nach 24h (7h nach PTCA).


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Die Sensitivität und Spezifität aller gemessenen biochemischen Marker sind in den Abbildungen 6 und 7 dargestellt.

Abbildung 6. Diagnostische Sensitivität der Marker

Abbildung modifiziert nach Möckel et al. [Möckel, 01]

Die Sensitivität von Myoglobin hinsichtlich der Diagnose AMI war 65% (95%-CI: 55%-73%) im Vergleich zu 46% (95%-CI: 37%-56%) der CK-MB-/CK-Aktivität. Die Werte nach 2h legen bei 90% (82%-95%) bzw. 74% (65%-82%). Die Sensitivität des Kombinationsalgorithmus ALGO (siehe Abbildung 4) bei Aufnahme war 68% (56%-78%) und die Sensitivität des alternativen Algorithmus (siehe Abschnitt Methodik 2.2.1) betrug 75% (64%-84%).


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Abbildung 7. Diagnostische Spezifität der Marker

Abbildung modifiziert nach Möckel et al. [Möckel, 01]

Die diagnostische Spezifität hinsichtlich eines AMI bei Aufnahme lag bei 77% (95%-CI: 66%-86%) für Myoglobin, 95% (87%-98%) für die CK-MB-/CK-Aktivität, 89% (78%-96%) für die CK-MB-Masse und 75% (61%-86%) für ALGO.

Der positiv-prädiktive Wert von Myoglobin lag bei 81% (71%-88%) zum Zeitpunkt der Aufnahme und 84% (76%-89%) nach 4 Stunden. Mit ALGO konnten 80% (65%-89%) bei Aufnahme und 93% (85%-98%) nach 4h erzielt werden.

Der höhere Troponin I-Cutoff von 3,1µg/L in Abbildung 6 und 7 wurde gewählt, da der niedrigere Wert von 1,5µg/L einen signifikanten Abfall der kumulativen Spezifität (46% versus 61% nach 24h) zur Folge hatte, ohne jedoch einen nennenswerten Gewinn an Sensitivität zu erbringen (97% versus 95% nach 24h).

Die Tabellen 11a und b zeigen den prognostischen Wert der verschiedenen Marker in Form des prozentualen Auftretens kardialer Ereignisse (siehe Tabelle 11a) sowie der Odds ratios mit CI (siehe Tabelle 11b). Das Auftreten von Ereignissen in der [Seite 51↓]Subgruppe (siehe Tabelle 6) nach Troponin und Behandlungsstrategie ist in der Tabelle 12 wiedergegeben.

Lediglich die CK-MB-Masse und Troponin I waren signifikante unabhängige Prädiktoren für den primären Endpunkt 6 Wochen nach Entlassung.

Tabelle 11a. Ereignisse im Follow up aller Patienten der Myoglobin-Studie (n = 200)

Variable

ITS

ITS-Entlassung

Entlassung-6 W

Kumulativ

Primärer EP

38 (31-45)

19 (13-27)

33 (26-41)

51 (44-58)

AMI

4 (1-7)

1 (0-4)

3 (1-6)

6 (3-11)

Instabile AP

34 (27-41)

17 (11-23)

32 (25-39)

46 (39-54)

Tod

6 (3-11)

3 (0-5)

0 (0-2)+

10 (6-15)

Angaben in Prozent und 95%-Konfidenz-Intervallen (CI); das Follow up war für 89,5% der Patienten nach 6 Wochen vollständig. ITS, Intensivtherapiestation; W, Wochen nach Entlassung; EP, Endpunkt; AMI, akuter Myokardinfarkt; AP, Angina pectoris (nach Braunwald-Kriterien definiert [Hamm, 00] ); + einseitiges 97,5%-CI.


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Tabelle 11b. Prognostischer Wert der kardialen Marker im 6 Wochen-Follow Up für den kombinierten primären Endpunkt (AMI, instabile AP oder Tod)

Variable

Odds ratio

95%-Konfidenz-Intervall

p-Wert

Myoglobin ≥ 90µg/L

1,88

0,74 - 4,75

0,181

 

CK-MB/CK ≥0,06

4,09

0,81 - 20,75

0,089

CK-MB-Masse ≥ 7µg/L

3,37

1,12 - 10,14

0,031

Troponin I ≥ 1,5µg/L

   
 

Aufnahme

0-4h

0-24h

0,82

1,08

2,00

0,40 - 2,18

0,43 - 2,73

0,69 - 5,79

0,655

0,873

0,202

Troponin I ≥ 3,1µg/L

   
 

Aufnahme

0-4h

0-24h

0,93

1,14

3,31

0,34 - 1,97

0,41 - 3,16

1,08 - 10,20

0,873

0,799

0,037

Ergebnisse der logistischen Regression; die Marker wurden als positiv angesehen, wenn mindestens ein Wert in dem angegebenen Zeitraum den Cutoff erreichte oder überschritt; Kontrollvariablen waren Alter, Geschlecht, Diagnose und Therapieform (Thrombolyse, PTCA, konservative Therapie). AMI, akuter Myokardinfarkt; AP, Angina pectoris; CK-MB, Kreatinkinase-Isoenzym MB; PTCA, perkutane transluminale koronare Angioplastie.


[Seite 53↓]

Tabelle 12. Auftreten kardialer Ereignissen in der Subgruppe (n=141) nach Diagnose, Troponin-Gruppen und Therapieform

 

Instabile AP

Akuter Myokardinfarkt

 

TnI (+)

TnI (-)

keine Interventiona

Interventiona

Kombinierter EP*

64

42

67

39

AMI

7

0

6

8

Instabile Angina#

61

42

67

27

Tod

7

0

6

16

Angaben in Prozent. Die Ereignisrate lag insgesamt - bezogen auf den primären kombinierten Endpunkt (EP) - bei 50%. AP, Angina pectoris; AMI, akuter Myokardinfarkt; TnI (+), Troponin I ≥ 1,5µg/L mindestens einmal während der 0-24h-Probenentnahme, TnI (-), TnI < 1,5µg/L. a akute perkutane transluminale koronare Angioplastie oder systemische Thrombolysetherapie mit rekombinatem tissue plasminogen activator oder Streptokinase; * p = 0,048; # p = 0,002, Chi-Quadrat-Test.

Troponin I-Studie

Die linearen Korrelationskoeffizienten zwischen TnI-S und TnI-O waren zu jedem Meßzeitpunkt signifikant (p < 0,001): r = 0,978 (Aufnahme), 0,869 (1h), 0,909 (2h), 0,915 (4h), 0,886 (8h), 0,795 (12h) und 0,710 (24h). Die Abbildungen 8a und b zeigen die lineare Regression bei Aufnahme (siehe Abbildung 8a) und nach 24h (siehe Abbildung 8b).


[Seite 54↓]

Abbildung 8a (oben) und b (unten). Lineare Regression von TnI-S und TnI-O.

TnI-S, Stratus®II-Troponin I; TnI-O, Opus®-Troponin I; Rsq, Bestimmtheitsmaß. Abbildungen modifiziert nach Möckel et al. [Möckel, 00] .


[Seite 55↓]

Die linearen Regressionsgleichungen zu Abbildung 8a und b lauten:

  1. - TnI-O = 1,632 * TnI-S - 1,865 bei Aufnahme und
  2. - TnI-O = 1,606 * TnI-S + 3,520 nach 24h

Zum Aufnahmezeitpunkt lag der mediane Myoglobinwert bei 106 (61/354) µg/L und die mediane CK bei 58 (32/143,5) U/L.

Die diagnostische Sensitivität, Spezifität und der positiv-prädiktive Wert sind in Tabelle 13 wiedergegeben. TnI-S hat eine etwas höhere Sensitivität und TnI-O eine etwas höhere Spezifität.

Tabelle 13. Diagnostische Sensitivität, Spezifität und positiv-prädiktiver Wert zu den verschiedenen Abnahmezeitpunkten für beide Troponin I-Testsysteme

 

0 - 2h

2 - 4h

4 - 8h

0 - 24h #

TnI-O

SE

SP

PPW

75

93

95

82

93

96

89

91

95

96

85

93

TnI-S

SE

SP

PPW

83

87

93

91

89

94

94

81

91

98

72

88

Angaben in Prozent. TnI-S, Stratus®II-Troponin I; TnI-O, Opus®-Troponin I; SE, Sensitivität; SP, Spezifität; PPW, positiv-prädiktiver Wert. Cutoffs waren 1,6µg/L für TnI-O und 1,5µg/L für TnI-S; # kumulative Werte.

Die Abbildungen 9a und b zeigen die ROC-Kurven von TnI-S und TnI-O bei Aufnahme (siehe Abbildung 16a) und 4 Stunden später (siehe Abbildung 16b).


[Seite 56↓]

Abbildung 9a (oben) und b (unten). ROC-Kurven der beiden Troponin I-Testsysteme bei Aufnahme und nach 4h

ROC, Receiver Operating Characteristics; TnI-O, Opus®-Troponin I; TnI-S, Stratus®II-Troponin I.

Die Flächen unter den Kurven (AUC) und 95%-CI waren bei Aufnahme 0,743 (0,669 - 0,809) für TnI-S und 0,665 (0,587 - 0,737) für TnI-O sowie nach 4h 0,908 (0,853 - 0,948) für TnI-S und 0,868 (0,806 - 0,916) für TnI-O. Die z-Statistik zum Vergleich von ROC-Kurven mit Korrektur für abhängige Stichproben ergab keinen signifikanten [Seite 57↓]Unterschied der Kurven bei Aufnahme (z = 1,62; p = 0,053); nach 4h war die AUC von TnI-S signifikant größer (z = 1,72; p = 0,043).

Die Tabelle 14 zeigt die kardialen Ereignisse nach TnI-S- und TnI-O-Basiswerten klassifiziert.

Die Odds ratios für den primären Endpunkt im Krankenhaus und nach 6 Monaten sind in Tabelle 15 wiedergegeben. Beide Troponine sagten das ereignisfreie Überleben signifikant voraus. Die Odds ratios und 95%-CI waren 5,21 (1,12 - 24,30) für TnI-S und 4,92 (1,31 - 18,56) für TnI-O. Lediglich kumulative TnI-O-Werte sagten den primären Endpunkt im Krankenhaus vorher (siehe Tabelle 15).

Kumulativ-positive TnI-O-Werte waren signifikante Prädiktoren für die Letalität nach 6 Monaten (p = 0,0356), Herzinsuffizienz im Krankenhaus (p = 0,0089) und nach 6 Monaten (p = 0,004) sowie die Notwendigkeit einer aortokoronaren Bypass-Chirurgie im Krankenhaus (p = 0,0414) und nach 6 Monaten (p = 0,0341). Die Entwicklung einer Herzinsuffizienz war zusätzlich signifikant vom Alter der Patienten abhängig. TnI-S sagte in ähnlicher Weise die Entwicklung einer Herzinsuffizienz nach 6 Monaten vorher (p = 0,0096). Lediglich die Aufnahmewerte von TnI-S (p = 0,0120) und TnI-O (p = 0,0362) sagten eine rezidivierende instabile Angina im Krankenhaus vorher.

Als Nebenaspekt war eine thrombolytische Therapie ein signifikanter Prädiktor für eine PTCA im Krankenhaus oder nach 6 Monaten (p < 0,05).


[Seite 58↓]

Tabelle 14. Kardiale Ereignisse, klassifiziert nach Basis-TnI-S und -TnI-O

 

n=162

TnI-S (+)

TnI-S (-)

TnI-O (+)

TnI-O (-)

Primärer Endpunkta

     
 

im Krankenhaus

nach 6 Monaten

12

18

19

25

9

15

25

33

10*

15*

Letalität

     
 

im Krankenhaus

nach 6 Monaten

9

15

14

19

7

13

17

25

8

14

AMI

     
 

im Krankenhaus

nach 6 Monaten

5

6

9

9

3

4

11

11

4

5

Instabile Angina pectoris

     
 

im Krankenhaus

nach 6 Monaten

19

45

32

51

13**

41

33

53

15*

43

Herzinsuffizienz

     
 

im Krankenhaus

nach 6 Monaten

18

20

32

33

11**

14**

33

36

12**

14**

PTCA

     
 

im Krankenhaus

nach 6 Monaten

20

25

21

26

18

25

11

14

21

28

Bypass-Operation

     
 

im Krankenhaus

nach 6 Monaten

13

17

14

21

11

14

25

33

9*

14**

Rehospitalisierung

29

35

26

31

29

Krankenhausbehandlung

     
 

ITS [d]

Krankenhaus [d]

3 (1/5)

10 (6/17)

4 (2/6)

13 (9/24)

3 (1/4)**

9 (4/14)**

3 (2/6)

12 (9/26)

3 (1/4)

10 (5/16)

Quantitative Variablen als Median und Quartilen; qualitative Variablen in Prozent; ader primäre Endpunkt war als Kombination aus Tod oder AMI definiert; TnI-S (+), Stratus®II-Troponin I ≥ 1,5µg/L, TnI-S (-), < 1,5µg/L; TnI-O (+), Opus®plus-Troponin I ≥ 1,6µg/L, TnI-O (-), < 1,6µg/L bei Aufnahme; AMI, akuter Myokardinfarkt; PTCA, perkutane transluminale koronare Angioplastie; ITS, Intensivtherapiestation; * p < 0,05, ** p < 0,01 versus jeweilige (+) Gruppe.


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Tabelle 15. Vorhersage kardialer Ereignisse durch Basis- und kumulative 24h-Troponin-Werte

 

Odds ratio (OR)

95%-CI

p-Wert

Primärer Endpunkt im KH a

   

TnI-S

Aufnahme (+)

0-24h (+)

Optimaler Cutoff (+)

2,19

6,03

10,13

0,79 - 6,06

0,73 - 49,46

1,24 - 82,79

0,1298

0,0943

0,0309

TnI-O

Aufnahme (+)

0-24h (+)

Optimaler Cutoff (+)

2,62

9,20

13,23

0,90 - 7,58

1,12 - 75,80

1,61 - 108,63

0,0760

0,0391

0,0162

Primärer Endpunkt bis 6 Monate a

   

TnI-S

Aufnahme (+)

0-24h (+)

Optimaler Cutoff (+)

1,65

5,21

9,14

0,70 - 3,89

1,12 - 24,30

1,95 - 42,76

0,2511

0,0356

0,0050

TnI-O

Aufnahme (+)

0-24h (+)

Optimaler Cutoff (+)

2,40

4,92

7,26

0,97 - 5,97

1,31 - 18,56

1,93 - 27,39

0,0586

0,0186

0,0034

a Der primäre Endpunkt war als Kombination aus Tod oder akutem Myokardinfarkt definiert. CI, Konfidenz-Intervall; KH, Krankenhaus; TnI-S (+), Stratus®II-Troponin I ≥ 1,5µg/L, TnI-S (-), < 1,5µg/L; TnI-O (+), Opus®plus-Troponin I ≥ 1,6µg/L, TnI-O (-), < 1,6µg/L bei Aufnahme oder mindestens einmal während der Zeit der Probengewinnung (0 - 24h). Optimale Cutoffs für 0-24h-Werte waren die mit der besten OR: 3,7µg/L für TnI-S und 4,4µg/L für TnI-O.


[Seite 60↓]

Die Abbildung 10 zeigt die kumulative Verteilung des ereignisfreien Überlebens in Bezug auf den primären Endpunkt.

Abbildung 10. Kaplan-Meier-Kurve aller 162 Patienten

Die Abbildungen 11a und b veranschaulichen die kardialen Ereignisse für TnI-S (+) bzw. (-) (siehe Abbildung 11a) und TnI-O (+) bzw. (-) Patienten (siehe Abbildung 11b). Die Cox-Regression ergab eine Hazard ratio von 4,02 (95%-CI: 0,91-17,73; p = 0,066) für TnI-S und 3,77 (95%-CI: 1,07-13,31; p = 0,039) für TnI-O.

Die logistische Regression mit der Zielvariable des primären Endpunkts im Krankenhaus und nach 6 Monaten wurde mit verschiedenen Cutoffs durchgeführt. Die höchsten Odds ratios wurden mit den folgenden Cutoffs erzielt: 3,7µg/L für TnI-S und 4,4µg/L für TnI-O (siehe auch Tabelle 15). Wurden diese optimalen Cutoffs in der Cox-Regression verwendet, ergaben sich folgende Hazards: 6,74 (95%-CI: 1,53-29,67, p = 0,012) für TnI-S und 5,57 (95%-CI: 1,59-19,56, p = 0,007) für TnI-O.


[Seite 61↓]

Abbildung 11a (oben) und b (unten).


[Seite 62↓]

Die Tabelle 16 zeigt die Ergebnisse der Laboruntersuchungen sowie die Wahrscheinlichkeit eines ungünstigen klinischen Ereignisses während der Krankenhausbehandlung. Troponin T-positive Patienten [TnT (+)] hatten ein signifikant erhöhtes Risiko für einen AMI (p < 0,001) oder jegliches Ereignis (kombinierter primärer Endpunkt, p = 0,013) als Troponin T-negative Patienten [TnT (-)]. TnT (+) Patienten erlitten einen AMI mit einer Häufigkeit von 64% (95%-CI: 31%-89%), ein Patient verstarb. Im Gegensatz dazu erlitten nur 7% (95%-CI: 3%-15%) der Patienten in der TnT (-) Gruppe einen AMI im Krankenhaus.

Die logistische Regression mit der Zielvariable AMI im Krankenhaus, kontrolliert für Alter, Geschlecht, anamnestisch bekannte koronare Herzerkrankung, ST-T-Veränderungen im EKG und TnT, ergaben einen unabhängigen Einfluß von TnT allein (Odds ra­tio 22,0; 95%-CI 4,2 - 115,7; p < 0,001). TnT war ebenfalls prädiktiv für die kumulative AMI-Inzidenz im Follow up nach drei Monaten (Odds ratio 14,4; 95%-CI 3,0 - 68,4; p = 0,001) oder 6 Monaten (Odds ratio 12,7; 95%-CI 2,7 - 59,1; p = 0,01). Kardiovaskuläre Ereignisse (kombinierter Endpunkt) im Krankenhaus wurden durch TnT vorausgesagt (Odds ratio 8,9; 95%-CI 1,6 - 48,8; p = 0,012). TnT war prädiktiv für die kumulative Inzidenz des primären Endpunkts im Follow up nach drei Monaten (Odds ratio 10,0; 95%-CI 1,1 - 89,6; p = 0,039) und nach 6 Monaten (Odds ratio 9,3; 95%-CI 1,03 - 84,4; p = 0,047). Die Abbildung 12 zeigt das ereignisfreie Überleben der Patienten.


[Seite 63↓]

Abbildung 12. Ereignisfreies Überleben der Troponin T (+)/(-)-Patienten


[Seite 64↓]

Tabelle 16. Ergebnisse während der Krankenhausbehandlung: Laborwerte bei Aufnahme (Ausnahme: TnT nach 4h), kardiovaskuläre Ereignisse und wesentliche diagnostische Ergebnisse der 106 Patienten

Variable

TnT (+) (n = 11)

TnT (-) (n = 95)

TnT [µg/L]

0,58 (0,02 - 1,69)a

0 (0 - 0,18)**

CK [U/L]

63 (22 - 146)

36,5 (7 - 161)

CK-MB [U/L]

b

7,5 (2 - 18)b

Myoglobin [µg/L]

55 (49 - 440)

49 (49 - 391)*

Kreatinin [mg/dl]

1,0 (0,8 - 1,2)

1,1 (0,6 - 2,8)

Leukozytenzahl [1/nl]

12,8 (7,9 - 19,0)

8,9 (4,9 - 14,4)**

Klinische Ereignisse

82 (48 - 98)

41 (31 - 52)*

 

AMI

64 (31 - 89)

7 (3 - 15)**

 

Arrhythmie

27 (6 - 61)

24 (16 - 35)

 

Herzinsuffizienz

9 (0 - 41)

2 (0 - 7)

 

Tod

9 (0 - 41)

--

Koronarangiographie

64 (31 - 89)

61 (51 - 71)

 

Keine KHK

--

15 (8 - 24)

 

Eingefäßerkrankung

27 (6 - 61)

16 (9 - 25)

 

Zweigefäßerkrankung

18 (2 - 52)

12 (6 - 20)

 

Dreigefäßerkrankung

18 (2 - 52)

19 (12 - 28)

Interventionen

18 (2 - 52)

25 (17 - 35)

 

ACVB

9 (0 - 41)

5 (2 - 12)

 

PTCA

9 (0 - 41)

20 (13 - 30)

AP vor Aufnahme [h]

8 (1 - 48)

5 (0,5 - 480)

KHK

100 (72 - 100)+

76 (66 - 84)

Quantitative Variablen als Median und Range; qualitative Variablen in Prozent und 95%-Konfidenz-Intervallen (CI); TnT, kardiales Troponin T; CK, Kreatinkinase; CK-MB, Kreatinkinase-Isoenzym MB; AMI, akuter Myokardinfarkt; KHK, koronare Herzerkrankung; ACVB, aortokoronare Venen-Bypass-Operation; PTCA, perkutane transluminale koronare Angioplastie; AP, Angina pectoris; a 7 Patienten hatten Werte > 0,2µg/L bei Aufnahme, ein Patient war lediglich bei Aufnahme TnT (+); b CK-MB wurde nicht gemessen, wenn die CK unter 100U/L lag; zwei TnT (+) Patienten hatten 15 bzw. 17U/L CK-MB-Aktivität; bei den TnT (-) wurde die CK-MB in insgesamt 14 Proben bestimmt; * p < 0,05; ** p < 0,001; + einseitiges 97,5%-CI.


[Seite 65↓]

Im 3-und 6-Monats-Follow up war die Ereignisrate lediglich im Hinblick auf die Wiederaufnahme ins Krankenhaus der TnT (+) Patienten nach drei Monaten signifikant (p = 0,042). Keiner der TnT (+) Patienten hatte einen weiteren AMI und kein Patient verstarb. Zwei Patienten der TnT (-) Gruppe erlitten einen AMI innerhalb der ersten drei Monate nach Entlassung, ein Patient verstarb am AMI, ein weiterer nach elektiver aortokoronarer Bypass-Operation. Ein weiterer TnT (-) Patient verstarb an einem AMI innerhalb der folgenden drei Monate (6-Monats-Follow up). Die Tabelle 17a zeigt die Ereignisse des Follow ups nach Entlassung aus dem Krankenhaus im einzelnen, die Tabelle 17b zeigt die kumulative Ereignisrate. Der negativ-prädiktive Wert der TnT-Messung hinsichtlich eines AMI lag bei 93% für die Zeit der Krankenhausbehandlung, bei 98% für die ersten drei Monate nach Entlassung und bei 99% bis einschließlich des 6. Monats nach Entlassung.

Tabellen 17 a und b.

Tabelle 17a. Kardiovaskuläre Ereignisse (KARD-E) während des Follow ups

 

3-Monats-Follow up

6-Monats-Follow up

 

TnT (+)

TnT (-)

TnT (+)

TnT (-)

KARD-E

44 (14 - 79)

27 (18 - 37)

13 (0 - 53)

17 (10- 27)

 

AMI

--

2 (0 - 8)

--

1 (0 - 7)

 

Tod

--

2 (0 - 8)

--

1 (0 - 7)

 

Instabile AP

11 (0 - 48)

21 (13 - 31)

13 (0 - 53)

12 (6 - 21)

 

RE-HOSP

44 (14 - 79)*

14 (8 - 23)

--

7 (3 - 15)

Angaben in Prozent und 95%-Konfidenz-Intervallen; TnT, kardiales Troponin T; AMI, akuter Myokardinfarkt; AP, Angina pectoris; RE-HOSP, Wiederaufnahme in ein Krankenhaus wegen kardialer Erkrankung nach Entlassung im Anschluß an das Indexereignis; * p = 0,042 aus der logistischen Regression für die Vorhersage durch TnT.


[Seite 66↓]

Tabelle 17b. Kumulative kardiovaskuläre Ereignisse (KARD-E-C)

 

Aufnahme bis 3-Monats-Follow up

Aufnahme bis 6-Monats-Follow up

 

TnT (+)

TnT (-)

TnT (+)

TnT (-)

KARD-E-C

91 (59 - 100)*

57 (46 - 67)

91 (59 - 100)*

61 (51- 72)

 

AMI

64 (31 - 89)*

10 (5 - 19)

64 (31 - 89)*

12 (6 - 21)

 

Tod

10 (0 - 44)

2 (0 - 7)

11 (0 - 48)

3 (1 - 9)

 

Instabile AP

11 (0 - 48)

21 (13 - 31)

13 (0 - 53)

21 (13 - 31)

 

RE-HOSP

44 (14 - 79)*

14 (8 - 23)

44 (14 - 79)

20 (11 - 29)

Angaben in Prozent und 95%-Konfidenz-Intervallen; TnT, kardiales Troponin T; AMI, akuter Myokardinfarkt; AP, Angina pectoris; RE-HOSP, Wiederaufnahme in ein Krankenhaus wegen kardialer Erkrankung nach Entlassung im Anschluß an das Indexereignis; * p < 0,05 aus der logistischen Regression für die Vorhersage durch TnT.

3.2 Untersuchungen an Gesunden

Die Abbildungen 13-16 zeigen den Verlauf der Marker über die Zeit. Zur Darstellung siehe Abschnitt 2.4. Insbesondere am Ende der Beobachtungsphase wurden Troponin-Werte über dem Cutoff eines MMD gemessen. Ausreißerwerte wurden mit Identifikationsnummern versehen, um individuelle Verläufe aufzuzeigen. Tabelle 18 zeigt die Probanden mit Troponin T-Erhöhungen (mindestens ein Wert ≥ 0,1µg/L) und deren weitere Laborbefunde. Es konnten keine Besonderheiten bei diesen Probanden ausgemacht werden. Die Troponin I-Messungen erfolgten mit dem Opus®plus-System.


[Seite 67↓]

Abbildung 13. Verlauf der Kreatinkinase bei 15 männlichen Probanden vor und nach einem Triathlon-Wettkampf (p < 0,001, Friedman Test)

Abbildung 14. Verlauf des Myoglobins bei 15 männlichen Probanden vor und nach einem Triathlon-Wettkampf (p < 0,001, Friedman Test)


[Seite 68↓]

Abbildung 15. Verlauf von Troponin T bei 15 männlichen Probanden vor und nach einem Triathlon-Wettkampf (p < 0,001, Friedman Test)

Abbildung 16. Verlauf von Troponin I bei 15 männlichen Probanden vor und nach einem Triathlon-Wettkampf (p = 0,082, Friedman Test)


[Seite 69↓]

Tabelle 18. Probanden mit mindestens einem Troponin T-Wert ≥ 0,1µg/L

ID

TnT

TnI

Altera

Leukosb

KREAc

HFd

1

0,18

1,52

39

6,30

0,99

68

5

0,10

3,69

25

---

1,02

60

10

0,13

1,27

25

5,35

0,87

52

11

0,10

1,55

23

4,90

0,70

52

13

0,12

2,54

25

4,93

0,91

60

14

0,13

2,16

28

7,67

0,95

76

15

0,12

4,04

22

6,60

0,95

52

ID, Probandennummer; TnT, maximaler Troponin T-Wert [µg/L]; TnI, maximaler TnI-Wert [µg/L]; a in Jahren; b Leukozytenzahl in Ruhe [1/nL]; c Basis-Kreatininwert [mg/dL]; d Ruhe-Herzfrequenz [1/min]. Die TnI-Werte über dem Cutoff von ≥ 1,6µg/L sind hervorgehoben.


[Seite 70↓]

3.3  Untersuchungen an Patienten mit Niereninsuffizienz

Die Konzentrationen der kardialen Marker sind in Tabelle 19 wiedergegeben.

Tabelle 19. Kardiale Marker bei Patienten mit chronischer präterminaler (n=20) und terminaler (n=20) Niereninsuffizienz

Variable

ESRD (n = 20)

Pre-ESRD
(n = 20)

vor HD

nach HD

Kreatinkinase [U/L]

13 (5 - 116)

13 (6 - 87)

25,5 (3 - 80)

CK-MB [U/L]

0 (0 - 6)

0 (0 - 0)

0 (0 - 0)

Myoglobin [µg/L]

148,5 (58 - 496)

148,5 (75 - 438)

94,5 (52 - 284)*

Troponin T [µg/L]

0,043 (0 - 1,6)

0,053 (0 - 1,85)

0,035 (0 - 0,273)

Troponin I (TnI-S) [µg/L]

0,1 (0 - 1,9)

0,15 (0 - 2)

0 (0 - 4,1)

Troponin I (TnI-O) [µg/L]

0 (0 - 8,78)

0 (0 - 12,6)

0 (0 - 4,64)

Angaben als Median und Range; ESRD, end stage renal disease; HD, Hämodialysetherapie; CK-MB, Kreatinkinase-Isoenzym MB; TnI-S, Stratus®II-Troponin I; TnI-O, Opus®plus-Troponin I; * p = 0,0498 versus ESRD.

Die verwendete Dialysemembran hatte keinen Einfluß auf die Konzentrationen der kardialen Marker. Die Werte vor und nach Dialyse waren nicht signifikant verschieden. Die Patienten mit ESRD unterschieden sich nur hinsichtlich der Myoglobinwerte signifikant von den Pre-ESRD-Patienten (siehe Tabelle 19).

Bei 11 Patienten kamen Low-Flux Dialyse-Membranen zum Einsatz (Cuprophan, n = 3; Polycarbonat, n = 2; Hemophan, n = 2; Polysulfon, n = 4) und bei den verbleibenden 9 Patienten High-Flux-Membranen (Polysulfon, n = 3; Polyamid, n = 6). Die Tabelle 20 zeigt die Häufigkeit von Troponin-Testergebnissen über den jeweiligen Cutoffs. In der Gruppe der Dialysepatienten bedeutet ein Troponin-[Seite 71↓]positives Testergebnis, daß mindestens ein Wert vor oder nach Dialysetherapie über dem jeweiligen Cutoff gefunden wurde.

Tabelle 20. Positive Troponin-Testergebnisse in Abhängigkeit von den verschiedenen vordefinierten Cutoffs

Variable

TnI-S

TnI-O

TnT

Cutoff [µg/L]

0,4

1,5

3,1

1,6

2,0

2,5

0,1

0,2

0,5

ESRD

55

10

0

15

15

10

30

15

15

Pre-ESRD

20*

5

5

10

5

5

20

20

20

Angaben in Prozent; TnI-S, Stratus®II-Troponin I; TnI-O, Opus®plus-Troponin I; TnT, Troponin T; ESRD, end stage renal disease; * p < 0,05 versus ESRD.

Die diagnostische Bedeutung der Troponin-Testergebnisse in Relation zueinander ist in den Abbildungen 17 und 18 dargestellt. Troponin T-Werte sind gegen TnI-S (siehe Abbildung 17) und gegen TnI-O (siehe Abbildung 18) aufgetragen.

Abbildung 17. Troponin T versus Stratus®II-Troponin I (TnI-S)


[Seite 72↓]

Abbildung 18. Troponin T versus Opus®plus-Troponin I (TnI-O)

ESRD, end stage renal disease. Die Schwellenwerte für minor myocardial damage sind durch gepunktete Linien, für den akuten Myokardinfarkt durch durchgehende Linien markiert.

In der Tabelle 21 sind die Einzelwerte von 7 Patienten (18%) aufgeführt, die in der Nachbeobachtungszeit einen AMI erlitten oder verstarben. 22 Patienten (55%) wurden erneut stationär aufgenommen; bei 5 (13%) dieser Patienten lagen kardiale Gründe vor (AMI, Lungenödem, Hypotension, Pleuraerguß).

Unter Verwendung der oben definierten verschiedenen Cutoff-Werte zeigte die logistische Regression keine signifikante Vorhersage des primären Endpunktes durch die verschiedenen Troponin-Werte. Kontrollvariablen waren: Alter, Geschlecht und Patientengruppe (ESRD oder pre-ESRD). Die Odds Ratios unter Verwendung der jeweils niedrigsten Cutoffs waren (95%-CI): 4,57 (0,4 - 52; p = 0,22) für TnI-O, 3,22 (0,6 - 17; p = 0,168) für TnI-S und 1,03 (0,18 - 5,9; p = 0,969) für TnT. Die [Seite 73↓]Analyse der drei Komponenten des primären Endpunktes allein oder die Kombination von jeweils zwei Ereignistypen zeigten ebenfalls keine signifikanten Ergebnisse.

Tabelle 21. Troponin-Einzelwerte der 7 Patienten mit AMI oder Tod

Patient

Gruppe

Tod

Todesursache

AMI

TnI-S [µg/L]

TnI-O [µg/L]

TnT [µg/L]

SK

HD

ja

AMI

Ja

<0,35/<0,35

2,31/<0,5

0,012/0,012

ZH

∅HD

nein

---

Ja

<0,35

<0,5

<0,01

AH

∅HD

ja

SD

Nein

<0,35

1,35

0,041

SI

∅HD

ja

Pneumonie

Nein

<0,35

<0,5

0,083

RI

∅HD

nein

---

Ja

0,6

<0,5

0,252

SG

∅HD

ja

ICB

Nein

<0,35

<0,5

<0,01

LH

∅HD

ja

ICB

Nein

4,1

4,64

0,273

AMI, gesicherter akuter Myokardinfarkt (WHO-Kriterien); TnI-S, Stratus®II-Troponin I; TnI-O, Opus®plus-Troponin I; TnT, Troponin T; HD, Hämodialyse (Werte vor/nach); ∅HD, keine HD; SD, plötzlicher Herztod; ICB, intrakranielle Blutung; Werte über dem Cutoff eines minor myocardial damage sind hervorgehoben.

Die Kreatinin-Clearance korrelierte lediglich mit TnI-S (r = 0,5; p = 0,023). Weniger als 50% der TnI-S Werte lagen dabei oberhalb der analytischen Nachweisgrenze. Die Signifikanz des Korrelationskoeffizienten beruht auf einem Extremwert mit hoher Kreatinin-Clearance und hohem TnI. Daher wurde diese positive Korrelation als nicht relevant eingeordnet.


[Seite 74↓]

3.4  Tierexperimentelle Ergebnisse

Hämodynamik und Verlauf der Experimente

Die Tabellen 22 a bis ezeigen den Ablauf der Experimente bei 5 Versuchstieren in Hinblick auf die Herzfrequenz, den arteriellen Blutdruck, das Herzzeitvolumen, die gemischtvenöse Sauerstoffsättigung, den zentralen Venendruck und die laufende Volumensubstitution. Das erste Versuchstier mußte, wie oben (siehe Abschnitt Methodik) beschrieben, vorzeitig getötet werden, da eine Stabilisierung nach Myokardischämie nicht möglich war. Die Tiere Nummer 3 und 5 wurden erfolgreich bei Kammerflimmern in der Reperfusionsphase reanimiert.

Tabellen 22a bis e. Verlauf der Hämodynamik bei den 5 Versuchstieren

Tabelle 22a, Tier 1

      

BE

Zeit

HF

RR

HZV

SvO2

ZVD

Volumen

1

16:20

110

105/75

5,3

n.v.

17

16,6

2

16:50

120

100/80

6,1

n.v.

16

14,2

3

18:00

125

110/65

4,6

88

17

27,7

4

18:30

100

70/40

n.v.

83

21

33,4

        

Tabelle 22b, Tier 2

      

BE

Zeit

HF

RR

HZV

SvO2

ZVD

Volumen

1

14:10

130

75/50

5,5

98

17

11,1

2

14:50

130

95/55

5,1

99

16

11,1

3

15:30

120

60/40

3,8

98

16

6,1

4

16:00

120

100/60

5,2

98

17

4,7

5

16:30

125

100/60

6,8

99

15

8,9

6

17:00

135

100/60

6,5

99

11

11

7

17:30

99

100/55

n.v.

96

23

17,9

8

18:00

120

100/60

n.v.

95

19

14,7

9

18:30

110

95/50

n.v.

94

18

14,7

10

19:00

110

85/45

n.v.

92

18

14,7

11

19:30

110

80/40

n.v.

91

13

14,7

Legende siehe unten.


[Seite 75↓]

Tabelle 22c, Tier 3

      

BE

Zeit

HF

RR

HZV

SvO2

ZVD

Volumen

1

13:40

130

100/70

6,6

100

6

67

2

16:00

125

90/70

5,4

100

5

10

3

16:40

130

55/30

3,6

97

1

10

4

17:00

130

<50

n.v.

97

1

6,6

5

17:15

135

<50

n.v.

96

1

14,2

6

17:45

150

95/65

5,9

100

1

14,2

7

18:15

125

70/50

4

98

6

14,2

8

18:45

135

90/45

8,2

100

4

20

9

19:15

130

90/45

6,5

98

4

20

10

19:45

135

90/50

6,8

98

5

20

11

20:15

130

85/45

6,3

97

3

16,6

        

Tabelle 22d, Tier 4

      

BE

Zeit

HF

RR

HZV

SvO2

ZVD

Volumen

1

14:30

125

105/70

n.v.

n.v.

8

11,1

2

15:16

115

95/65

n.v.

n.v.

7

8,8

3

15:50

105

95/65

n.v.

n.v.

7

7,6

4

16:22

110

90/65

n.v.

n.v.

7

6,6

5

16:52

105

90/60

n.v.

n.v.

6

6,6

6

17:22

105

90/60

n.v.

n.v.

5

4,6

7

17:52

95

80/50

3,8

n.v.

6

16,6

8

18:22

110

120/80

4,6

n.v.

8

16,6

9

18:52

130

110/70

4,6

n.v.

8

16,6

10

19:22

135

115/75

5

n.v.

9

12,5

11

19:52

100

70/40

5,8

n.v.

13

12,5

        


[Seite 76↓]

Tabelle 22e, Tier 5

      

BE

Zeit

HF

RR

HZV

SvO2

ZVD

Volumen

1

13:34

90

105/55

5,2

99

7

9,6

2

14:30

85

105/60

4,3

99

9

16,6

3

15:15

160

100/50

5,2

98

10

42,8

4

15:47

125

75/40

7,2

96

9

31,1

5

16:17

140

120/60

6,9

96

10

31,1

6

16:47

115

90/45

7,2

98

9

11,1

7

17:17

110

85/45

6,8

98

10

11,1

8

17:47

100

95/50

4,7

98

7

11,1

9

18:17

90

90/50

4,4

99

7

11,1

10

18:47

85

100/55

4,3

96

8

11,1

11

19:17

85

90/55

4

96

7

11,1

BE, Blutentnahme; Zeit, Originalzeitregistrierung (Echtzeit); HF, Herzfrequenz [1/min]; RR, arterieller Blutdruck [mmHg]; HZV, Herzzeitvolumen [L/min]; SvO2, gemischtvenöse Sauerstoffsättigung [%]; ZVD, zentraler Venendruck [mmHg]; Volumen, zugeführtes Volumen [mL/min]; n.v., nicht verfügbar.

[Seite 77↓]Laborbefunde

Die Abbildungen 19 a und b zeigen die Werte von Troponin T (a) und I (b) der 5 Versuchstiere.

Abbildung 19a. Verlauf der Troponin T-Werte bei den 5 Versuchstieren

Abbildung 19b. Verlauf der Troponin I-Werte bei den 5 Versuchstieren.

LAD, left anterior descending artery.

[Seite 78↓]Morphologische Analyse

Die Abbildungen 20 a bis e zeigen repräsentative Ausschnitte der histologischen Präparate der 5 Versuchstiere (jeweils 200fache Vergrößerung; links HE, rechts van Gieson-Färbung).

Abbildung 20a (1). Myokardprobe aus dem ischämischen Bezirk des Versuchstiers 1.

Kurzbefund: Nicht hypertrophiertes Myokard mit interstitieller Fibrose und Narben. Keine sicheren Ischämiezeichen.

Abbildung 20a (2). Myokardprobe aus dem nicht ischämischen Bezirk des Versuchstiers 1.

Kurzbefund: Kein wesentlicher pathologischer Befund.


[Seite 79↓]

Abbildung 20b (1). Myokardprobe aus dem ischämischen Bezirk des Versuchstiers 2.

Kurzbefund: Interstitielles Ödem als mögliches frühes Zeichen von Ischämie (siehe Pfeilmarkierung).

Abbildung 20b (2). Myokardprobe aus dem nicht ischämischen Bezirk des Versuchstiers 2.

Kurzbefund: Überwiegend Normalbefund mit einzelner fokaler Ischämiezone (siehe Pfeilmarkierung).


[Seite 80↓]

Abbildung 20c (1). Myokardprobe aus dem ischämischen Bezirk des Versuchstiers 3.

Kurzbefund: Interstitielles Ödem als mögliches frühes Zeichen von Ischämie (siehe Pfeilmarkierung).

Abbildung 20c (2). Myokardprobe aus dem nicht ischämischen Bereich des Versuchstiers 3

Kurzbefund: Kein wesentlicher pathologischer Befund.


[Seite 81↓]

Abbildung 20d (1). Myokardprobe aus dem ischämischen Bezirk des Versuchstiers 4.

Kurzbefund: Interstitielles Ödem als mögliches frühes Zeichen von Ischämie (siehe Pfeilmarkierung).

Abbildung 20d (2). Myokardprobe aus dem nicht ischämischen Bezirk des Versuchstiers 4.

Kurzbefund: Kein Ödem, kein sicher pathologischer Befund.


[Seite 82↓]

Abbildung 20e (1). Myokardprobe aus dem ischämischen Bezirk des Versuchstiers 5.

Kurzbefund: Myozytolysen, aus dem Verband herausgelöste Herzmuskelzellen, zum Teil nur noch in Trümmern vorliegend, Hyperzellularität zwischen den Herzmuskelzellen: Zeichen frischer Ischämie.

Abbildung 20e (2). Myokardprobe aus dem nicht ischämischen Bezirk des Versuchstiers 5.

Kurzbefund: Deutliche Zeichen von Zelluntergängen, jedoch weniger ausgeprägt als in Abbildung 20e.

[Seite 83↓]Gewebekonzentration von Troponin T

Die Tabellen 23a und b zeigen die zytosolische (siehe Tabelle 23a) und myofibrilläre, strukturell gebundene (siehe Tabelle 23b) Konzentration von Troponin T als Ergebnis des Tissue Homogenization Assays in Relation zum Gesamtprotein der Gewebeproben. Zur besseren Übersicht wurde das Ergebnis der morphologischen Analyse in Kurzform ergänzt. Hierbei steht "0" für fehlende und "1" für vorhandene Ischämie.

Tabelle 23a. Zytosolische Troponin T-Konzentrationen der 10 Gewebeproben

Probe a

Protein [mg/mL]

Gesamt-
Protein [mg]

TnT [µg/L]

Gesamt-
Troponin [ng]

TnT [ng]/
Protein [µg]

HISTO

1, N

28,5

381

52,3

701

1,84

0

1, I

25,2

320

47,7

606

1,89

0

2, N

23,5

298

57,8

734

2,46

0

2, I

26,3

339

60,6

781

2,3

1

3, N

26

338

47,3

615

1,82

0

3, I

22,5

284

18,5

233

0,82

1

4, N

23,6

316

62,9

843

2,67

0

4, I

20,9

280

44,4

595

2,13

1

5, N

26,8

348

55,9

727

2,09

1

5, I

22,8

282

62

769

2,73

1

TnT, Troponin T; a Nummer des Versuchstiers (siehe oben) und Angabe zur Art der Gewebeprobe: I, ischämisch; N, nicht ischämisch; HISTO, histologische Einschätzung der Ischämie: 0, keine sichere Ischämie; 1, Zeichen der Ischämie.


[Seite 84↓]

Tabelle 23b. Myofibrilläre Troponin T-Konzentration der 10 Gewebeproben

Probe a

Protein [mg/mL]

Gesamt-
Protein [mg]

Troponin T
[µg/L]

Gesamt-
Troponin [ng]

TnT [ng]/
Protein [µg]

HISTO

1, N

34,3

411

413

4956

12

0

1, I

31,9

383

426

5112

13,3

0

2, N

43,8

526

540

6480

12,3

0

2, I

52,2

626

477

5724

9,14

1

3, N

31,8

382

376

4512

11,8

0

3, I

27,5

330

391

4692

14,2

1

4, N

28,8

346

314

3768

10,9

0

4, I

22,9

275

377

4524

16,5

1

5, N

49,3

592

709

8508

14,4

1

5, I

51,1

613

414

4968

8,1

1

TnT, Troponin T; a Nummer des Versuchstiers (siehe oben) und Angabe zur Art der Gewebeprobe: I, ischämisch; N, nicht ischämisch; HISTO, histologische Einschätzung der Ischämie: 0, keine sichere Ischämie; 1, Zeichen der Ischämie.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß die zytosolische Troponin T-Konzentration in den ischämischen Proben niedriger war als in den korrespondierenden nicht ischämischen Proben. Strukturell gebundenes Troponin T war nicht eindeutig unterschiedlich zwischen den korrespondierenden Proben.

[Seite 85↓]mRNA-Expression von Troponin I

Die mRNA-Expression von Troponin I in den untersuchten Gewebeproben ist in Tabelle 24 zusammengefaßt.

Tabelle 24a. mRNA-Expression von Troponin I in den 10 Gewebeproben

Probe a

CTx

18sRNA, CTr

Δ ct

Δ Δ ct

mRNA-Expression

mRNA - I/N

HISTO

1, N

23,1

13,678

9,422

0

1

1,8868765

0

2, N

20,648

12,836

7,812

1,61

3,052518418

39,1244889

0

3, N

28,964

20,23

8,734

0,688

1,611048582

23,1670108

0

4, N

23,558

18,67

4,888

4,534

23,16701076

0,23132611

0

5, N

22,478

18,55

3,928

5,494

45,06701526

0,10209612

1

1, I

23,138

14,632

8,506

0,916

1,886876502

---

0

2, I

22,972

20,45

2,522

6,9

119,4282229

---

1

3, I

25,662

21,462

4,2

5,222

37,32317983

---

1

4, I

21,9375

14,9375

7

2,422

5,35913441

---

1

5, I

26,2975

19,0775

7,22

2,202

4,601167573

---

1

a Nummer des Versuchstiers (siehe oben) und Angabe zur Art der Gewebeprobe: I, ischämisch, N, nicht ischämisch; CTx, threshold cycle des Zielgens (Mittelwerte aus 4-5 Durchläufen); 18sRNA, CTr, threshold cycle des Kontrollgens (Mittelwerte aus 4-5 Durchläufen); Δ ct, Differenz zwischen CTx und CTr; ΔΔ ct, Differenz zwischen Δ ct und dem Δ ct der Probe 1, N; I/N, mRNA-Expression der ischämischen Probe bezogen auf die jeweilige nicht ischämische Probe; HISTO, histologische Einschätzung der Ischämie: 0, keine sichere Ischämie; 1, Zeichen der Ischämie.


[Seite 86↓]

Bei den Versuchstieren 1 bis 3 zeigt sich eine deutlich erhöhte mRNA-Expression des Troponin I-Gens. Bei den Tieren 4 und 5 ist die mRNA-Expression vermindert.

Tabelle 24b. Zusammenfassung der Ergebnisse der Tierversuche

Tier a

pTnT

[µg/L]

PTnI

[µg/L]

mRNA-TnI

HISTO

ZTnT

[ng/µg]

mTnT

[ng/µg]

1, N

< MB

0,033

1b

0

1,84

12

1, I

< MB

0,033

1,887

0

1,89

13,3

2, N

0,014

0,238

3,053

0

2,46

12,3

2, I

0,014

0,238

119,428

1

2,3

9,14

3, N

0,567

20,80

1,611

0

1,82

11,8

3, I

0,567

20,80

37,323

1

0,82

14,2

4, N

0,019

0,721

23,167

0

2,67

10,9

4, I

0,019

0,721

5,359

1

2,13

16,5

5, N

0,024

3,230

45,067

1

2,09

14,4

5, I

0,024

3,230

4,601

1

2,73

8,1

a Nummer des Versuchstiers (siehe oben) und Angabe zur Art der Gewebeprobe: I, ischämisch, N, nicht ischämisch; pTnT, maximales Plasma-Troponin T; pTnI, maximales Plasma-Troponin I; mRNA-TnI, relative mRNA-Expression von Troponin I; HISTO, histologische Einschätzung der Ischämie: 0, keine sichere Ischämie; 1, Zeichen der Ischämie.; zTnT, zytosolischer Troponin T-Gehalt; mTnT, myofibrillärer Troponin T-Gehalt; MB, Meßbereich; b Bezugspunkt für die relative mRNA-Expression (siehe Tabelle 24a).


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HTML-Version erstellt am:
18.01.2005