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Obwohl immer wieder postuliert, fehlt bis dato der Nachweis, daß der arterielle Blutdruck unter physiologischen Bedingungen allein oder wenigstens zum allergrößten Teil die treibende Kraft für die renale Ausscheidung von Flüssigkeiten ist. Zweifellos konnte in verschiedenen Untersuchungen gezeigt werden, daß eine deutliche Erhöhung oder Absenkung des RPP mit einer mindestens vorübergehenden Änderung der Ausscheidung einhergeht [6,84,90,254-256]. Aber ob eine solche Abhängigkeit auch dann Gültigkeit besitzt, wenn der Blutdruck am wachen Tier spontan um seinen Ruhewert schwankt, ist bisher ungeklärt. Da viele der lokalen Faktoren, welche sowohl auf die Funktion des TGF als auch auf den basalen Gefäßtonus modulierend einwirken können, schubspannungsabhängig sind (vergl. Abschnitte 1.4.1 und 1.4.2 ), liegt die Vermutung nahe, daß eine Änderung in der Durchblutung (zusätzlich zum Blutdruck oder sogar allein) Einfluß auf das Harnzeitvolumen ausübt. In der nachfolgenden Arbeit wurde daher, über eine Zeitdauer von 4 Stunden, untersucht ob am wachen, ruhenden Hund neben spontanen Fluktuationen des Blutdruckes auch die natürliche Variabilität der Nierendurchblutung mit kurzfristigen Schwankungen im Harnzeitvolumen korrelieren. Dies erfordert eine hochauflösende Messung des Harnzeitvolumens wie sie mit bekannten Urinsammelsystemen nicht erreichbar ist. Deshalb wurde der Ureterkatheter über einen Tropfenzähler mit einer Plexiglaskammer verbunden, in der ein Fraktionssammler untergebracht war. Anschließend wurde in der Plexiglaskammer ein geregelter Unterdruck von ‑30cm H2 O aufgebaut. Die Wahl des Unterdruckes resultierte aus Vorversuchen, in deren Verlauf die Abhängigkeit des Harnzeitvolumens von der Höhe des Unterdruckes untersucht wurde. Dabei zeigte sich, daß das Harnzeitvolumen unabhängig vom Druck wurde, wenn dieser ‑20cm H2 O erreichte. Während der Messung wurde der Tropfenzähler, zusammen mit einem Frequenzzähler der im Reziprokverfahren arbeitete, zur Ermittlung der Zeitabstände zwischen den einzelnen Urintropfen benutzt. Zusätzlich wurden die Röhrchen des Fraktionssammlers dazu benutzt, um das mittlere Volumen eines Urintropfens zu ermitteln. Der Meßfehler dieser Anordnung ist unabhängig vom Totraumvolumen des Meßsystems, da während der Messung alle zuführenden Leitungen uringefüllt sind und der Urin und die Zuleitungen durch den angelegten Unterdruck keine meßbare Volumenänderung erfahren. Die Auflösung wird limitiert durch das Volumen der Urintropfen und die Zeit, die zwischen der Detektion zweier Tropfen vergeht. Bei den vorliegenden Untersuchungen lagen die [Seite 31↓] niedrigsten Harnzeitvolumina bei ca. 300µl/min, woraus sich ein systembedingter Meßfehler von <2% ergibt.
Unter Ruhebedingungen schwankte bei diesen Experimenten der mittlere Blutdruck (60sec- Mittelwerte) in der Nierenarterie um ca. ±15mmHg (N=13 Hündinnen). Im gleichen Zeitraum wurden spontane Fluktuationen der Nierendurchblutung um ca. ±50ml/min registriert. Dabei wurde eine enge Korrelation zwischen Durchblutungswerten und Harnzeitvolumen (r=0,94; P<0,001) beobachtet. Im Gegensatz dazu konnte im untersuchten Zeitraum keine Abhängigkeit zwischen den Blutdruckmittelwerten und den Harnzeitvolumina nachgewiesen werden (r=0,09). Wie in Abschnitt 1.4 beschrieben, stammen die Vorstellungen zur Autoregulation der renalen Durchblutung, im wesentlichen, aus Experimenten mit stufenweiser Senkung des renalen Perfusiondruckes. Dynamische Aspekte, wie beispielsweise die Frage in welchem Umfang langsame Blutdruckschwankungen Einfluß auf das Harnzeitvolumen haben, konnten in diesen Untersuchungen nicht beantwortet werden. Im zweiten Teil der Arbeit wurde daher der RPP auf 80mmHg gesenkt. Auf diesen Mittelwert wurden dann Blutdruckschwankungen mit einer Frequenz von 0,9mHz aufmoduliert. Diese (im Vergleich zu den in Abschnitt 4 beschriebenen Versuchen) niedrigere Frequenz wurde gewählt, da sie einerseits (noch) hoch genug war um zu einer Phasenverschiebung von näherungsweise 180° zwischen renalarteriellem Blutdruck und Nierendurchblutung zu führen und andererseits (schon) niedrig genug um eine hinreichend genaue zeitliche Auflösung des Harnzeitvolumens zu erhalten. Blutdrucksenkungen fielen damit zeitlich weitgehend mit Durchblutungsanstiegen zusammen. Aus dem zeitlichen Verlauf der Oszillationen im Harnzeitvolumen, konnte in diesen Experimenten eine gute Kopplung zum renalarteriellen Blutdruck ermittelt werden (r=0,95; P<0,001). Der unter Ruhebedingungen beobachtete Zusammenhang zur Nierendurchblutung war dagegen, unter diesen Bedingungen eines verminderten renalarteriellen Blutdruckes, nicht mehr nachweisbar.
Nafz B, Ehmke H, Wagner CD, Kirchheim HR, Persson PB: Blood pressure variability and urine flow in the conscious dog. Am J Physiol 1998;274:F680-F686
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