[Seite 3↓]

1.  Einleitung

Aufgrund der begrenzten Aussagekraft der zur Verfügung stehenden Verfahren zur Diagnostik der koronaren Herzerkrankung die auf unterschiedliche Darstellung der Myokardischämie oder deren Auswirkungen abzielen wird in der klinischen Routine eine Stufendiagnostik (Anamnese, Ruhe-EKG, Belastungs-EKG, Belastungs-Echokardiographie oder nuklearmedizinische Untersuchung, invasive Diagnostik) angewendet. Hierbei wird außer Acht gelassen, dass bei einer Kombination verschiedener Verfahren mit eingeschränkter Sensitivität und Spezifität die Irrtumswahrscheinlichkeit unter Umständen sogar steigen kann[1]. Daneben hat die Stufendiagnostik zusätzliche Nachteile. So werden die Tests zu verschiedenen Zeitpunkten und damit nicht identischen Randbedingungen durchgeführt. Verschiedene Techniken nutzen verschiedene Schnittebenen, verschiedene Untersucher interpretieren die Ergebnisse unterschiedlich und die Wichtung der Einzelergebnisse ist erfahrungsabhängig und bleibt dem überweisenden Arzt überlassen, der wiederum nur Teilinformationen über die jeweilige Untersuchung hat. Dies resultiert in unsichere Ergebnissen, die in der klinischen Routine in bis zu 60% von Herzkatheteruntersuchungen führen, ohne in einer möglichen spezifischen Therapie (PTCA oder Bypass-Operation) zu enden [2]. Eine Reduktion der Anzahl der Untersuchungsschritte in der Stufendiagnostik und der Einsatz von Techniken mit höherer Sensitivität und Spezifität könnte zu einer Verringerung dieses Anteils negativer Katheteruntersuchungen und möglicherweise auch zu einer Verringerung der nichtinvasiven Diagnostik führen. Hier spielt z.B. eine Reduktion von Doppeluntersuchungen durch Verbesserung der Sicherheit von Arzt oder Patient durch Reduktion unklarer Befunde eine große Rolle.

Die Magnetresonanztomographie erreicht im Vergleich mit herkömmlichen Verfahren wie Dobutamin Stress-Echokardiographie [3], SPECT oder PET [4]) höhere diagnostische Genauigkeit und hat das Potential mehrere Anteile der bisherigen Diagnostik in einem Untersuchungsschritt durchzuführen (z.B. durch die Kombination von Wandbewegungsanalyse unter Stress mit einer Perfusionsuntersuchung [5, 6]. Dabei benötigt die Technik keine ionisierende Strahlung, erlaubt die Erstellung frei angulierbarer dreidimensionaler Volumina unabhängig von Schallfenstern und kann verschiedenste Kontraste anhand der verschiedenen Magnetisierungseigenschaften der Körpergewebe erzeugen.

Allerdings mussten die Methoden für die spezifischen kardiologischen Fragestellungen zunächst optimiert oder entwickelt werden, um die jeweils geeignete Kombination von Signal-zu-Rausch Verhältnis (SNR), räumlicher Auflösung und Messzeit zu finden. Dabei bestehen sowohl bei der Funktionsdarstellung, als auch bei der hochaufgelösten anatomischen Darstellung des Herzens gegenüber anderen Organen Nachteile, da hier zwei verschiedene, voneinander unabhängige Bewegungen (Herzschlag und Atmung) kompensiert werden müssen. Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden deshalb für jede Fragestellung zunächst die erforderlichen Bedingungen aus medizinischer und technischer Sicht analysiert, mögliche Fehler simuliert, die Messsequenzen optimiert und anschließend in klinischen Studien überprüft. Aufgrund verschiedener Prozessgeschwindigkeiten und interaktiven Verläufen kam es teilweise zu zeitlichen Überschneidungen oder Veränderungen dieses Ablaufs, die jedoch zum besseren Verständnis in einer logischen Reihenfolge dargestellt werden.


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
DiML DTD Version 4.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
08.06.2005