Obrig, Hellmuth : Nahinfrarotspektroskopie des Gehirns
Nahinfrarotspektroskopie des Gehirns

Habilitationsschrift
zur Erlangung der Lehrbefähigung für das Fach Neurologie.

vorgelegt dem Fakultätsrat der Medizinischen Fakultät
Charité
der Humboldt-Universität zu Berlin

von
Herrn Dr. med. Hellmuth Obrig
* 29.11.1964 in Essen

Präsident: Prof. Dr. rer. nat. J. Mlynek

Prof. Dr. Joachim W. Dudenhausen

Gutachter:
1.Prof. Dr. med. C. Hock
2. Prof. Dr. med. O. W. Witte

Datum des öffentlich-wissenschaftlichen Vortrages: 03.12.2002


Band II

(enthält eine Auswahl von Originalarbeiten die im vorliegenden Text gekennzeichnet und zum Teil zusammengefasst sind)


Nahinfrarotspektroskopie des Gehirns.

Band I/II

Hellmuth Obrig

Der Band II enthält eine Auswahl von Originalarbeiten, die im vorliegenden Band mit * markiert sind.


Seiten: [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10] [11] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [18] [19] [20] [21] [22] [23] [24] [25] [26] [27] [28] [29] [30] [31] [32] [33] [34] [35] [36] [37] [38] [39] [40] [41] [42] [43] [44] [45] [46] [47] [48] [49] [50] [51] [52] [53] [54] [55] [56] [57] [58] [59] [60] [61] [62] [63] [64] [65] [66] [67] [68] [69] [70] [71] [72] [73] [74] [75] [76] [77] [78] [79] [80] [81] [82] [83] [84] [85] [86] [87] [88] [89] [90] [91] [92] [93] [94] [95] [96] [97] [98] [99] [100] [101] [102] [103]

Inhaltsverzeichnis

TitelseiteNahinfrarotspektroskopie des Gehirns
Widmung
1 Nahinfrarotspektroskopie des Gehirns
Einleitung
2 Teil A
Methodik und Validierung der Meßparameter
Methodische Grundlagen
Exkurs 1:
Prinzipien und Methodik der NIRS
Modifikation des Lambert-Beer‘schen Gesetzes
Quantifizierung der Meßparameter
Spektroskopische Differenzierung oxygenierungsabhängiger Chromophore
Zeitaufgelöste Messungen: TCSPC (time correlated single photon counting) und intensitätsmodulierter Ansatz (frequency domain).
Grundsätze der Meßanordnung
Zusammenfassung der methodischen Ansätze
A.1. Validierung der Cytochrom-oxidase
A.1.1. Bestimmung der individuellen Wellenlängenabhängigkeit des DPF aus pulskorrelierten Attenuationsänderungen
A.1.2. Cross-talk im Schichtmodell (Monte Carlo Simulationen)
A.1.3. Änderungen des Cytochrom-Oxidase Redoxzustandes bei visueller Stimulation des Erwachsenen.
A.1.4. Differentielle Aktivierung der ‚blob-/interblob’ Areale im visuellen Cortex des Erwachsenen.
A.2. Fast Optical Signals
A.2.1. Abschätzung der Effektgröße
A.2.2. Parameter-Selektion: Intensität versus Phase
A.2.3. Pulsschlagartefakte / Bewegungsartefakte
Zusammenfassung
A.3. Tiefenauflösung
A.3.1. Bestimmung der Absorptionsänderungen in einem Schichtmodell des Kopfes
A.3.2. Differenzierung des extra- und intracerebralen Blutflusses anhand eines Farbstoff- Bolus.
A.4. Bildgebung
3 Methodik: Zusammenfassung und Ausblick
4 Teil B
Physiologie: Untersuchungen zur neuro-vaskulären Kopplung
Exkurs 2:
Neuro-vaskuläre Kopplung
Phänomen: Hyperoxygenierung
Substrat-Hypothese
Diffusibilitäts-Hypothese
Maß des neuronalen Inputs
Exzitation, Inhibition und Deaktivierung
Zeitgang der vaskulären Antwort
Zusammenfassung
B.1. Beschreibung der ‚typischen’ NIRS Antwort über einem aktivierten cortikalen Areal
B.1.1. Oxygenierungsänderungen bei motorischer Stimulation
B.1.2. Oxygenierungsänderungen bei visueller Stimulation
B.1.3. Weitere Stimulationsparadigmata
B.2. Korrelation mit vaskulär-basierten funktionellen Methoden
B.2.1. Simultane NIRS und BOLD-Kontrast fMRT Messungen
B.2.2. Simultane NIRS und H2O-PET
B.2.3. Simultane NIRS und TCD
B.3. Oxygenierungsänderungen in Ruhe und bei ‚Deaktivierung’
B.3.1. Spontane langsame Oszillationen der Hämodynamik und des Metabolismus über dem visuellen Cortex.
B.3.2. Fokale Hypoxygenierung bei sakkadischer Suppression des visuellen Cortex
B.4. Aspekte der Linearität
B.4.1. Modellierung der NIRS-Antwort als Impuls-Response Funktion
B.4.2. Antwortverhalten bei prolongierter funktioneller Stimulation
B.4.3. Habituationsverhalten der neuronalen und elektrophysiolo-gischen Antwort
5 Physiologie: Zusammenfassung und Ausblick
6 Teil C
Perspektive: Klinische Anwendung
Akute cerebrale Ischämien
Epilepsie
Weitere Krankheitsbilder
Zusammenfassung der klinischen Perspektiven
7 Zusammenfassung
Bibliographie Literaturangaben
Danksagung
Selbständigkeitserklärung

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Die linke Abbildung zeigt die Darstellung der ocular dominance columns (ODC) im Menschen, dargestellt mit der funktionellen Kernspintomographie. Die Zuordnung der Dominanz-Kolumnen erfolgt durch den differentiellen BOLD-Kontrast Anstieg bei Stimulation des rechten (blaue pixel) und linken (gelbe pixel) Auges (aus ). Damit wird die Analyse der funktionellen Anatomie in vivo möglich, die zuvor nur der post-mortem Analyse zugänglich war, wie es in den rechten beiden Abbildungen dargestellt ist (amblyoper Patient, Cytochrom-oxidase Färbung aus ).
Abb. 2: Absorption und Streuung im Küvettenmodell. Gemessen wird die Abschwächung der Lichtintensität zwischen Quelle (I0) und Detektor (Ix). Es resultiert die optische Dichte (OD) des Mediums, das durch µa und µs charakterisiert ist. Im obersten Szenario ist µs=0, d.h. Photonen, die nicht den Detektor erreichen, sind absorbiert worden (Photon 4). Erhöht sich die Konzentration des gelösten Stoffes, so erreichen weniger Photonen den Detektor, die Konzentration des Absorbers läßt sich also aus der Lichtabschwächung bestimmen. Eine Voraussetzung des Lambert-Beer‘schen Gesetzes ist ebenfalls skizziert: die Lösung muß unendlich verdünnt sein. Anderenfalls kann es sein, daß ein Absorber im ‚Schatten’ eines anderen liegt (gestrichelter, grauer Partikel) und so die Konzentration des Stoffes zu niedrig bestimmt wird. Im zweiten Szenario ist µa=0. Verluste können so ganz der Konzentration des streuenden, gelösten Stoffes zugeordnet werden. Die Voraussetzung der Verdünnung gilt hier genau wie oben. Im dritten Szenario sind im Medium streuende und absorbierende Stoffe gelöst. Am Detektor kann nicht differenziert werden, ob ein Photon nicht detektiert wird, weil es absorbiert (Photon 1), gestreut (Photon 4) oder beides wurde (Photon 3). Für die detektierten Photonen ist weiterhin am Detektor nicht ohne zusätzliche Information festzustellen, ob sie den direkten Weg (sogenanntes ‚ballistisches’ Photon 5), oder einen längeren Weg (Photon 2) über multiple Streuereignisse zurückgelegt haben. Das unterste Szenario entspricht biologischem Gewebe; die Modifikationen des Lambert-Beer‘schen Gesetzes, die notwendig sind, um dennoch Konzentrationsbestimmungen in einem solchen Medium vorzunehmen, werden im Text hergeleitet.
Abb. 3: Absorptionsspektren von oxy-Hb (offen), deoxy-Hb (gefüllt) und Cyt-ox (grau) im sichtbaren und im nahinfraroten Wellenlängenbereich. Im sichtbaren Bereich (linker Teil) ist die Absorption der Hämoglobine so hoch, daß Licht kaum ins Gewebe eindringt. Im Nahinfraroten ist die Gesamtabsorption um den Faktor 20 geringer (N.B.: andere Skalierung der Spektren ab 650 nm), so daß Gewebespektroskopie auch in der Tiefe möglich ist. Ab ~ 950 nm steigt die Absorption durch Wasser so deutlich an (nicht dargestellt), daß auch hier das Licht nicht ausreichend ins Gewebe eindringt. Die Stützwellenlängen für die genutzten kommerziellen Monitore (NIRO-500 und ISS-oxymeter) sowie das typischerweise genutzte Spektrum bei Nutzung des CCD-basierten Spektrometers sind dargestellt.
Abb. 4: Zweites Differential der Absorbtionsspektren von oxy-Hb (40 µM), deoxy-Hb (20 µM) und Wasser (100%). Wasser (H2O) und deoxy-Hb zeigen im NIR Bereich charakteristische Spitzen des zweiten Differentials, während das Spektrum des oxy-Hb flach ist. Aus dem Verhältnis der ‚peaks’ kann bei Kenntnis (bzw. Annahme) des Wassergehaltes des Gewebes die absolute Konzentration des deoxy-Hb ermittelt werden. Abbildung modifiziert nach Matcher et al. (Matcher et al. 1994) .
Abb. 5: (vorangehende Seite) Intensitätsmodulierter (a) und zeitaufgelöster Ansatz (b) zur Bestimmung der Verweildauer der Photonen im Gewebe. Für die Bestimmung der Phasenverschiebung (delta phi-gr), wird das eingestrahlte Licht mit einer bestimmten Frequenz intensitätsmoduliert. Das detektierte Licht zeigt dieselbe Modulation allerdings mit einer Phasenverschiebung (delta phi-gr), die der mittleren Laufzeit (<t>) proportional ist. Weitere Meßparameter sind die Abflachung der Modulationswelle (delta AC) und die Abschwächung der Gesamtintensität (delta DC). Beim zeitaufgelösten TCSPC wird ein ultrakurzer Lichtimpuls (wenige ps) ins Gewebe eingestrahlt, die gemessene Verteilung der Laufzeit läßt die mittlere Laufzeit aber auch eine genauere Differenzierung ‚später’ und ‚früher’ Photonen zu. (schwarz = eingestrahltes, grau = detektiertes Licht)
Abb. 6: (a) Skizze der Meßanordnung im Reflektionsmodus am Kopf des Erwachsenen. Das idealisierte Meßvolumen ist grau ‚bananenförmig’ dargestellt. Die Wahrscheinlichkeit, daß ein detektiertes Photon (Photon 1) einen Weg durch dieses Volumen zurückgelegt hat, ist größer als andere Photonenpfade (Photon 2 oder 3). Die Abbildung (b) skizziert, daß aufgrund unterschiedlicher Abstände zwischen Quelle und Detektor, eine grobe Zuordnung zu verschiedenen Meßvolumina möglich ist. Bei einem kleinen Abstand (0,5 cm) dominieren die Veränderungen der oberflächlichen Schichten die gemessenen Änderungen der optischen Dichte, während bei einem größeren Abstand (2,5 cm und mehr) auch die tieferen Schichten zu den gemessenen Änderungen beitragen. Abbildung (c) zeigt ein realistischeres Kopfmodell mit unterschiedlichen Kompartimenten (Kalotte, Liquorspalt, graue und weiße Substanz). In diesem Modell wurden mit Monte-Carlo-Simulationen die Sensitivitäten für Intensitäts- und zeitaufglöste Messungen ermittelt. Die Abbildung (d) zeigt die Änderungen der Parameter (Intensität links und <t> rechts) bei einem Anstieg von µa in verschiedenen Regionen des Meßvolumens. Schwarz bedeutet hohe, weiß geringe Sensitivität ((c) und (d) nach Firbank et al. (Firbank et al. 1998)).
Abb. 7: Vergleich zwischen einem ‚blob’ (weißer Balken) und ‚interblob’ (grauer Balken) Stimulus. Während [oxy-Hb] und [deoxy-Hb] keine klare Differenz zwischen den beiden Stimulusmodalitäten zeigen (links), ist die [Cyt-ox] bei Aktivierung durch den ‚blob’-Stimulus stärker oxidiert. Dies kann nicht einem spektroskopischen ‚cross talk’ entsprechen, der in der rechten Abbildung zum Vergleich dargestellt ist (gestrichelt). Skalierung für [Cyt-ox] und ‚cross-talk’ um Faktor 10 vergrößert.
Abb. 8: Die Abbildung zeigt den parallelen Verlauf der Änderungen im Streuverhalten (µs’) und den gleichzeitig gemessenen DC-Potentialänderungen während einer Cortical Spreading Depression (unten). Die oberen Spuren geben den Verlauf der ‚üblichen’ NIRS-Parameter wieder ([oxy-Hb], [deoxy-Hb] und [Cyt-ox]). Die Kalibrierung der Meßparameter erfolgt nach physiologischen Annahmen beim Tod des Versuchstiers. Ohne diese Kalibrierung lassen sich die Änderungen des Cyt-ox Redoxzustandes und den berechneten Änderungen von µs’ nicht sicher trennen. (Kraniales Fenster im Rattenmodell der cortical spreading depression (CSD) (Kohl et al. 1997))
Abb. 9: Abb. 9a: Rector und Ko-Autoren (Rector et al. 2001) demonstrieren in einem rezenten Papier eindrucksvoll die Lokalisation und Differenzierung unterschiedlicher früher Komponenten der optischen Änderungen in einem stimulierten Areal (Auflicht, 780nm, CCD-Kamera. Dargestellt ist der Tractus solitarius im Hirnstamm der Ratte bei N. vagus-Stimulation). Im Average (AVG) zeigen sich unterschiedliche Komponenten, die in einer Principal Component Analyse (PCA) in Komponenten der mutmaßlich neuronalen (C1=N80) und mutmaßlich vaskulär-metabolischen (C2=N300) Antwort auch räumlich getrennt werden konnten. Die späteste Deflektion im AVG (P800) entspricht dem Beginn der ‚klassischen’ vaskulären Hyperoxygenierung.
Abb.9b: Daß die frühen optischen Signale im eröffneten Cortex Änderungen der elektrophysiologischen Änderungen entsprechen, gründet sich auch auf die Untersuchungen am isolierten Neuron. Stepnoski und Ko-Autoren beschreiben solche Änderungen am isolierten Neuron der Meeresschnecke Aplysia (Stepnoski et al. 1991). (Dunkelfeldmikroskopie; DeltaV, Änderung des Potentials; DeltaS, Änderung der Streueigenschaften, Skizze oben zeigt die Messung der elektrophysiologischen und optischen Änderungen)
Abb.9c: Schnelles optisches Signal, nicht-invasiv beim Erwachsenen gemessen (Gratton et al. 1995b). Die gemessene Änderung der Phasenverschiebung wurde in die mittlere Laufzeit der Photonen in ps umgerechnet. Bei visueller Quadranten-Stimulation zeigen sich über dem contralateralen Occipitalpol Änderungen von <t>, die in der Latenz, denen des VEP entsprechen (P100-Komponente).
Abb. 10: Bildgebendes cw-System, das in unserer Arbeitsgruppe entwickelt wurde. Unten rechts: Abbildung der Sender und Detektor-Module sowie des Probenkopfes. Die Schaltung und Anordnung der 8 Quell- und 7 Detektor Proben ist flexibel. Eine Anordnung in einem 5*10 cm großen Pad ist oben rechts dargestellt; es ergeben sich 22 mögliche Quell-Detektor-Kombinationen, denen je ein Meßvolumen zugeordnet ist. Die farbige Darstellung zeigt die Änderungen des [deoxy-Hb] und [oxy-Hb] im Verlauf einer 30 s dauernden Fingeroppositionsaufgabe. Das Pad wurde über der contralateralen Zentralregion angebracht. Die [deoxy-Hb] Werte wurden mit -5 multipliziert, Rottöne zeigen somit einen Anstieg des [oxy-Hb] und einen Abfall des [deoxy-Hb], entsprechend der erwarteten Antwort über einem funktionell aktivierten cortikalen Areal.
Abb. 11: Darstellung der Orientierungspräferenz (A) und der okulären Dominanz (B) in einem Ausschnitt des visuellen Cortex der Katze (Maßstab=1mm). Gemessen wurde die Reflektion bei Beleuchtung mit rotem Licht (Maximum 707 nm). Die erhaltenen intrinsic optical signals lassen eine räumlich sehr hochaufgelöste Differenzierung funktionell-anatomisch unterschiedlicher Eigenschaften des visuellen Systems zu. Die Farbkodierung der oberen Darstellung entspricht der Orientierungspräferenz für die neben der Abbildung gleichfarbig kodierten Winkel. In der unteren Karte des gleichen cortikalen Areals zeigt schwarz präferenzielle Aktivierung durch das contralaterale, weiß durch das ipsilaterale Auge. (Abbildung aus (Hubener et al. 1997))
Abb. 12: Im Diagramm sind verschiedene ‚Achsen’ zu physiologischen Untersuchungen der Hirnfunktion dargestellt. Entlang der Horizontalen ergibt sich die psychophysische Betrachtungsweise, die einem definierten input einen gemessenen output (etwa die Reaktionszeit bei einem forced choice Paradigma) gegenüberstellt. Die aus solchen Ergebnissen hergeleiteten Modelle können nur sehr allgemeine Zuordnungen zu verschiedenen möglichen rezeptiven, exekutiven und vor allem auch cerebral verarbeitenden Schritten treffen. Entlang der vertikalen Achse der Darstellung sind apparative Zugriffe auf cerebrale Prozesse skizziert. Hier können zwar Aussagen zu Lokalisation und Dynamik der Verarbeitung getroffen werden, jedoch stellen die Meßergebnisse eine Faltung der physiologischen Prozesse mit einer neuronalen, vaskulären oder metabolischen Antwortfunktion dar. Weiterhin ist zu berücksichtigen, daß der jeweilige Meßparameter eine Transformation vom physiologischen zum physikalisch gemessenen Parameter erfährt. Die gleichzeitige Registrierung unterschiedlicher Antworten erlaubt eine Approximierung der Transformationen. Damit können Aussagen zur neuro-metabolisch-vaskulären Kopplung (Zentrum der Skizze) getroffen werden.
Abb. 13: In der Skizze sind die verschiedenen Einflußgrößen auf den ‚blood oxygenation level dependent’ Kontrast (BOLD) der fMRT dargestellt. Der Meßparameter wird am deutlichsten durch die lokale Konzentration des paramagnetischen deoxy-Hb beeinflußt. Diese Konzentration hängt wiederum von einer Reihe physiologischer Variablen, dem regionalen Blutfluß (rCBFv und rCBFv) und dem lokalen Sauerstoff Verbrauch (rCMRO2) ab.
Abb. 14: Die Abbildung leitet den fokalen Abfall der deoxy-Hb Konzentration in einem Meßvolumen (Voxel) aus den Größen Blutflußgeschwindigkeit (rCBFv) und Blutvolumen (rCBV) her. Angenommen wird ein konstanter O2 -Verbrauch (mit resultierender Entstehung von deoxy-Hb) im Voxel. Zur Erhöhung der Konzentration des [oxy-Hb] im Voxel, kann das Volumen (rCBV, im Beispiel durch Erhöhung des Kapillardurchmessers) erhöht werden. Dabei ändert sich im Modell die absolute Konzentration des deoxy-Hb jedoch nicht. Nur wenn die Flußgeschwindigkeit (rCBFv) des Blutes ansteigt (also das entstehende deoxy-Hb rascher aus dem Voxel ausgewaschen wird) fällt die lokale Konzentration des deoxy-Hb im Vergleich zur ‚baseline’ ab. Bei funktioneller Stimulation ist von einem Anstieg sowohl der Flußgeschwindigkeit als auch des Volumens auszugehen. Der - in der Darstellung nicht berücksichtigte - Anstieg des Sauerstoffverbrauches wird durch den Anstieg der Flußgeschwindigkeit überkompensiert. Für die NIRS leitet sich aus dem Szenario ein Anstieg des [tot-Hb] und [oxy-Hb] bei gleichzeitigem Abfall des lokalen [deoxy-Hb] im Meßvolumen (= Voxel) ab, der in einer Reihe von funktionellen Aktivierungsstudien bestätigt wurde. (modifiziert nach (Villringer and Dirnagl, 1995))
Abb. 15: Ergebnisse mit einem Zweikanalmonitor bei visueller Halbfeldstimulation (Colier et al. 2001). Es wurden alternierend das linke (oben) und rechte Halbfeld (unten) mit einem Schachbrettmuster stimuliert. Die typische NIRS Antwort, bestehend aus einem Anstieg des [oxy-Hb] und einem Abfall des [deoxy-Hb], zeigen sich jeweils unter dem Probenpaar, das über der contralateralen Occipitalregion angebracht ist. (nach Colier et al. (Colier et al. 2001))
Abb. 16: zeigt die Änderungen des [deoxy-Hb] während eines Schachbrettstimulus (links) und einem Stimulus, der V5 aktiviert (rechts). Das 10*5 cm große Imager-Pad wurde über der linken Occipitalregion angebracht. Der Abfall des [deoxy-Hb] ist blau dargestellt. Eine Verschiebung der Antwortmaxima von medial nach lateral ist zu erkennen.
Abb. 17: Single-trial Studie bei motorischer Stimulation (einfache Fingerextension und -flexion). Änderungen des BOLD-Kontrastes und Änderungen der Oxygenierung wurden mit fMRT und einem Zweikanal-NIRS Ansatz simultan registriert. Die NIRS Probenpaare waren über den beiden Zentralregionen im Bereich der motorischen Repräsentanz der Finger angebracht (C3’ und C4’ nach dem 10-20-System). (a) zeigt die dreidimensionale Rekonstruktion des Meßvolumens der NIRS. In (b) sind neben den sagittalen Schichten auch die tangentialen (rekonstruierten) Schichten bei Stimulation der linken und rechten Hand dargestellt. Damit lassen sich die NIRS-Proben (weiße Kreise) direkt auf die gemessenen BOLD-Kontrast Änderungen projizieren. (c) zeigt die Verläufe des [deoxy-Hb] bei Durchführung der Fingerbewegung in der ipsilateralen (dünne Spur) und contralateralen (dicke Spur) Hand und die entsprechenden Verläufe des BOLD-Kontrastes (invertiert dargestellt, zur besseren Vergleichbarkeit). In (d) sind die Ergebnisse des Vorexperimentes dargestellt. Hier zeigt sich, daß die Änderungen des systemischen Blutdrucks, gemessen mit einer nicht invasiven kontinuierlichen plethysmographischen Methode (Finapress, Ohmeda), im Zeitgang den gemessenen Änderungen der hämodynamischen Parameter ähneln. Die Lateralisierung der [deoxy-Hb] Antwort ist aber ein sicheres Indiz für den cortikalen Ursprung der gemessenen Antwort. Analog zu den Ergebnissen im Blockdesign (Kleinschmidt et al. 1996)* zeigte sich eine gute Korrelation zwischen den BOLD-Kontrast Änderungen und den Änderungen des [deoxy-Hb] bei Lokalisation der NIRS Proben über dem Maximum der BOLD-Änderung.
Abb. 18: Beispiel einer Messung der Boluslatenz (5mg ICG, Pulsion® i.v.) mit dem in unserer Gruppe entwickelten bildgebenden System. Das cCT zeigt einen großen Substanzdefekt nach Ischämie im Versorgungsgebiet der A. cerebri media links. Die Position des Imager-pads ist rot markiert. In der rechten Abbildung ist die Boluslatenz dargestellt. Die Farbkodierung entspricht der Latenz zwischen Bolusbeginn und dem Erreichen von 90% der maximalen Änderung der gemessenen Intensität (Farbmaßstab in Sekunden). Die beiden Spuren (linke untere Abbildung) zeigen Zeitverläufe der optischen Dichte (OD) in einem Areal über ‚gesundem’ Gewebe (blau) und im Randsaum des ischämischen Defektes (rot).
Abb. 19: Mittel über 3 konsekutive Absencen bei einem Epilepsie-Patienten. Der nach dem simultanen EEG definierte Beginn der Absencen ist durch einen Pfeil markiert. Gemessen wurde parieto-frontal mit dem einkanaligen NIRO-500 Monitor. Das Antwortmuster ([oxy-Hb]darr und [deoxy-Hb] uarr) ist invertiert gegenüber dem Muster bei erhöhter neuronaler Aktivität bei funktioneller Stimulation und entspricht dem unter B.3.2. beschriebenen Muster bei fokaler Deaktivierung bei sakkadischer Suppression des visuellen Cortex (Wenzel et al. 2000)*.

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Fri Jan 10 11:15:00 2003