[Seite 125↓]

10  Zusammenfassung

In der vorliegenden Arbeit werden 4 Studien vorgestellt, die konservative Behandlungsstrategien und Folgeerscheinungen an Kiefergelenken mit bestehender DV ohne Reposition evaluieren.

In Studie 1 wird die Pathogenese der Diskusverlagerung ohne Reposition eruiert und die Therapie mit Äquilibrierungsschienen in Form einer Anwendungsbeobachtung bewertet. Hierzu wurden Patienten mit MRT-gestützter Diagnose einer Diskusverlagerung ohne Reposition, limitierter Kieferöffnung und / oder bestehender Schmerzsymptomatik behandelt und subjektive wie objektive Parameter nach einem Beobachtungszeitraum von ca. 13 Monaten mit den Parametern zu Behandlungsbeginn verglichen. Die DV ohne Reposition scheint sich aus der DV mit Reposition zu entwickeln. Eine traumatische Einwirkung mit Überdehnung des Gelenkes ist häufig der Auslöser. DVen treten gehäuft bilateral auf. Unter der Anwendung konservativer Therapiemaßnahmen wird die Schmerzsymptomatik und die Kieferöffnungsweite bei Patienten mit DV ohne Reposition positiv beeinflusst, jedoch selten völlig beseitigt. Mit Abnahme der Schmerzsymptome und zunehmender Dehnung des retrodiskalen Gewebes nimmt die Kieferöffnungsweite zu. Schmerz-symptome beeinträchtigen die Lebensqualität stärker als die Limitation.

Die Studie 2 evaluiert eine alternative konservative Therapie, die in Form von pulsierender Signaltherapie (PST) regenerierenden Einfluss auf die Knorpelbildung ausübt. Da die DV ohne Reposition häufig mit arthrotischen Veränderungen einhergeht, wurden in dieser Studie neben Patienten mit MRT-verifizierter DV ohne Reposition auch solche mit bestehender aktivierter Arthrose aufgenommen. Weitere Einschlusskriterien waren Schmerzen und / oder Bewegungseinschränkungen. Um den Placeboeffekt ausschließen zu können, handelte es sich um eine randomisierte, kontrollierte Doppelblindstudie. Während eines Beobachtungszeitraums von 4 Monaten wurden regelmäßig subjektive und objektive Daten erhoben.


[Seite 126↓]

Bei den Patienten mit DV ohne Reposition und aktivierter Arthrose konnten signifikante Verbesserungen der Symptomatik beobachtet werden unabhängig davon, ob eine aktive oder eine Placebo Therapie mit PST erfolgte. Diese Verbesserungen der Symptomatik sind möglicherweise auf Adaptationsprozesse, veränderte Lebensgewohnheiten und auf einen ausgeprägten Placeboeffekt zurückzuführen. Da die PST keinen spezifischen therapeutischen Effekt erzielte, kann sie nicht zur Therapie der DV ohne Reposition oder der aktivierten Arthrose empfohlen werden.

Die Studie 3 beurteilt Folgeerscheinungen der DV ohne Reposition. Da die Schmerzsymptomatik insbesondere bei Belastung des Kiefergelenks auftritt, sollte die Auswirkung auf die Kaueffektivität ermittelt werden. Neben Patienten mit MRT-verifizierter DV ohne Reposition wurde eine alters- und geschlechtsspezifisch vergleichbare Kontrollgruppe in die Untersuchung mit aufgenommen. Das in 60 Kauzyklen zerkleinerte, künstliche Kaugut wurde mit einem Siebsystem nach Partikelgröße fraktioniert und die Gewichtsanteile der Fraktionen bestimmt. Mittels mathematischer Berechnungen war es möglich als Vergleichsmaß die mittlere Siebmaschengröße zu ermitteln, durch die etwa die Hälfte des Kauguts gefallen wäre. Der Vergleich zwischen Probanden und Patienten machte deutlich, dass eine signifikant reduzierte Kaueffektivität bei den Patienten vorlag. Während die Therapie nicht mit der Verbesserung der Kaueffektivität korrelierte, konnte die Dauer der Symptomatik als korrelierende Größe ermittelt werden. Die Kaueffektivität nahm dabei deutlich zu, erreichte jedoch nicht die Effizienz der gesunden Vergleichsgruppe.

Die Studie 4 untersuchte ebenfalls Folgeerscheinungen der DV mittels einer MRT-gestützten Nachuntersuchung von Patienten mit MRT-verifizierter DV ohne Reposition. Erneut zeigten die klinischen Parameter eine deutliche Verbesserung des Beschwerdebildes und der Kieferöffnungsweite, so dass auch der Helkimo-Index als Summenscore verschiedener klinischer Parameter eine signifikante Verbesserung erfuhr. Bildgebend ließen sich allerdings deutliche degenerative Veränderungen ausmachen, die insbesondere den Kondylus und den Diskus betrafen. Über [Seite 127↓]einen Beobachtungszeitraum von ca. 2 Jahren hinweg erfuhr der Kondylus eine Zunahme der Degeneration. Das Maß des Internal Derangements als Zusammenfassung morphologischer Strukturveränderungen veränderte sich nicht signifikant. Hinweise auf entzündliche Veränderungen bildeten sich zurück und die klinische Verbesserung der Kieferöffnungsweite spiegelte sich in der signifikanten Verbesserung der Translation des Kondylus wider. Somit sind die morphologischen Veränderungen als selbst limitierende Adaptationsmechanismen zu werten.

Die Zusammenfassung aller Studien erlaubt folgende Schlussfolgerungen.


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
DiML DTD Version 4.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
04.05.2005