Plöckinger, Ursula : Akromegalie: Eine Analyse der therapeutischen Optionen und Erfolge

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Kapitel 6. -Präoperative Octreotide Therapie

6.1 Einleitung und Fragestellung

Die initiale Höhe der STH Konzentration und die Größe des Hypophysentumors sind wichtige Determinanten des operativen Erfolges. Dieses Kapitel beschreibt den Versuch, durch das Somatostatin Analogon Octreotide die STH Konzentration präoperativ zu senken und das Tumorvolumen zu verkleinern. Weitere erwartete - aber hier nicht analysierte - Vorteile waren perioperative Risikoverminderung durch Besserung des Glukose-Stoffwechsels und Verringerung der Weichteilschwellungen im Larynx und Mundbereich mit erleichterter Intubation. Für die Analyse wurden folgende Erfolgskriterien definiert: 1) Reduktion der STH Konzentration um mindestens 50% und 2) Reduktion des Tumorvolumens um mehr als 20% (58). Das Ausmaß der STH Senkung durch Octreotide einerseits und Operation andererseits wurden verglichen, ebenso wie die jeweiligen Folgen für die HVL-Funktion und die Glukosetoleranz. Überprüft wurde auch der prädiktive Wert einer Somatostatinrezeptor Szintigraphie (Octreoscan®) für den Octreotide Effekt auf die STH Konzentration und das Tumorvolumen.

6.2 Patienten und Methodik

Eine präoperative Octreotide Therapie wurde bei 28 Patienten durchgeführt, von denen 25 ein Makroadenom hatten. Die individuellen Daten sind in Tab. 24 aufgelistet.

6.2.1 Therapie Schema:

Alle 28 Patienten injizierten selbst 3x100 µg s.c. Octreotide täglich über 3 Monate bis zum Tag der Operation. Vierzehn dieser Patienten injizierten 3x500 µg/d für weitere 3 Monate. Die Dosis-Erhöhung erfolgte unabhängig vom Ausmaß der erzielten STH Senkung. Zu Einzelheiten der Evaluation siehe "Methodik". Untersucht wurde vor Therapiebeginn, nach 1 Woche und 3 Monaten (ggf. nach 6 Monaten). Alle Werte „während Octreotide“ entsprechen den nach 3 Monaten erhobenen Daten, soweit nicht anders angegeben.


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Tab. 25: Patienten-Charakteristika

G, Geschlecht; 1 STH MW des Profils, 2 MW der 8, 9 u. 10 h Werte, 3 dieser exzessive Wert wurde mehrfach kontrolliert. 4 Prätherapeutisches MRT schlecht auswertbar, 5 Mikroadenom, 6 Eine primäre, ineffektive Dopamin Agonisten Therapie wurde 6 Wochen vor Oct-Tx abgesetzt


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6.3 Ergebnisse

6.3.1 STH und IGF-1 Konzentration

Abb. 24 gibt die individuellen Mittelwerte des STH-Profils wieder A) initial und während Octreotide Therapie, sowie B) initial und postoperativ. Die besseren Ergebnisse nach Operation sind erkennbar.

Abb. 24: Mittelwerte STH Profil vor / während Octreotide-Therapie, bzw. nach Operation

A) Während Octreotide Tx am Ende des 3.Monats, B) Werte 6 Wochen postoperativ. STH in logarithmischer Skala. Patienten sind in (A) und (B) in identischer Reihenfolge angeordnet.
* postoperative Werte fehlen

Der initiale mediane STH-Wert des Profils war 24,8 µg/L. Er wurde durch Octreotide auf 6,4 µg/L, durch die Operation aber auf 1,7 µg/L gesenkt (Tab. 26). Die Profilwerte der 14 Patienten, die 6 Monate Octreotide injizierten, sanken dabei von 7,1 µg/L weiter auf 5,1 µg/L (M3 vs M6, p<0,05; nicht in der Tabelle angegeben). Die STH-Werte des oGTT verhielten sich ähnlich. Die initiale mediane IGF-1 Konzentration war 990 µg/L. Sie wurde durch Octreotide auf 558 µg/L gesenkt, durch die Operation jedoch auf 256 µg/L. Der Anteil an Patienten mit einer Teilremission, einer Vollremission, bzw. einem normalen IGF-1 war immer postoperativ signifikant höher als unter Octreotide. Errechnet man aus den Zahlen der Tab. 26 die Wahrscheinlichkeit einer Teil- bzw. Vollremission, so ist diese nach Operation 4-fach bzw. 6,1-fach höher als während einer Therapie mit Octreotide (Odds ratio 4,0 [Chi2 4,0; p<0,05], bzw. 6,1 [Chi2 9,3; p<0,006], Fischers exakter Test, zweiseitig).


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Tab. 26: STH und IGF-1 vor, während Octreotide und postoperativ

1 N für Profil/oGTT, 2 Oct-Tx M3, 3 Oct-Tx vs Diagnose, 4 Post-op vs Diagnose, 5 Post-op vs Oct-Tx M3; jeweils Wilcoxon-Test für gepaarte Werte; 6 STH (µg/L Median der MW Profil); 7 IGF-1 (µg/L, Median der MW 8, 9 und 10 h); 8 AUC STH oGTT (µg/L/180 Min)

Abb. 25 stellt die STH bzw. IGF-1 Mediane während Octreotide, bzw. postoperativ dar als Prozent des jeweiligen Ausgangswertes. Durchweg ist die prozentuale STH-Senkung ausgeprägter, als die des IGF-1. Der Unterschied zwischen den Ergebnissen unter Octreotide und den besseren der Operation ist auch in dieser Darstellung hochsignifikant.

Abb. 25: STH und IGF-1 Konzentration unter Octreotide und postoperativ in Prozent des Ausgangswertes (Median der individuellen Mittelwerte)

* p<0.02, ** p< 0.001; *** p<0.0001 (Vergleich mit den Ausgangswerten bei Diagnose, bzw. Post-op vs M3; Wilcoxon-Test für gepaarte Werte); W1, M3, M6: Nach 1 Woche, 3 Monaten und 6 Monaten Octreotide. Post-op: 6 Wochen nach Operation

Da der Aussagewert einer alleinigen IGF-1 Bestimmung für die Beurteilung des Therapieerfolges bei der Akromegalie umstritten ist, wurde ermittelt, wie oft STH- und IGF-1 Wert identische Resultate für die Aussage "Teil-" oder "Vollremission" erbrachten. Von 17 Patienten mit Vollremission hatten drei erhöhte IGF-1 Werte. Andererseits hatten drei Patienten ohne Vollremission dennoch normale IGF-1 Werte. Es hatten sogar 7/31 Patienten


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ohne Teilremission während der Octreotide Therapie bzw. postoperativ einen normalen IGF-1 Wert. Danach ist die Sensitivität des IGF-1 Wertes für das STH-Kriterium „Vollremission“ 82,3% und die Spezifität 83,3%. Der IGF-1 Wert kann daher nicht die Ermittlung des STH-Nadirs im oGTT als Kriterium für die Vollremission ersetzen.

6.3.1 Tumorvolumen

Abb. 26 führt durch die Schritte, mit denen eine Volumenreduktion versucht, bzw. erzielt wurde. Eine Verkleinerung um mindestens 20% hatten nach 3 Monaten Octreotide Therapie 12/27 Patienten. Längere Behandlung und/oder höhere Octreotide Dosis führte bei fünf dieser Patienten zu einer weiteren Reduktion auf 24% ihres Ausgangswertes. Bei 1/7 Patienten ohne Effekt nach 3 Monaten, trat unter verlängerter Therapie mit erhöhter Dosis doch noch eine Volumenreduktion ein.

Abb. 26: Tumorvolumen-Reduktion während Octreotide-Therapie

AGW = Ausgangswert

Die prozentuale Volumenabnahme der „Responder“ nach 1 Woche, 3 und 6 Monaten ist in Abb. 27 dargestellt. Es ist ersichtlich, daß eine Therapie für nur eine Woche zur Erzielung eines optimalen Effektes unzureichend war.

Abb. 27: Tumorvolumenreduktion der "Responder"

W1, M3, M6 vs Diagnose (Wilcoxon-Test für gepaarte Werte)


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Eine Volumenreduktion war wahrscheinlicher, je höher die initiale STH Konzentration war (Odds ratio 2,9; Chi2 5,3; p<0,05). Hingegen hatten die IGF-1 Konzentration, das initiale Tumorvolumen, das Alter oder Geschlecht keine prospektive Bedeutung. Die Operationsergebnisse wurden durch die Octreotide-induzierte Volumenreduktion während der Vorbehandlung nicht erkennbar beeinflußt. Zwischen den Gruppen der Patienten mit und ohne Volumenreduktion bestand postoperativ kein signifikanter Unterschied der mittleren STH Konzentration des Profils, des STH Nadirs im oGTT, bzw. der IGF-1 Konzentration (Mann-Whitney U-Test für ungepaarte Werte). Allerdings war eine geringe Korrelation zwischen dem Ausmaß der Reduktion des Tumorvolumens einerseits und der operativ erreichten, prozentualen Senkung des STH andererseits als Trend erkennbar (Rangkorrelationskoeffizient nach Spearman nach Logarithmisierung der prozentualen STH-Änderung, R=0,4, p=0,06).

6.3.2 Prädiktive Parameter

6.3.2.1 Somatostatinrezeptor Szintigraphie

Bei 7 Patienten war vor Beginn der Octreotide Therapie eine Somatostatinrezeptor Szintigraphie (Octreoscan®, s.„Methodik“) durchgeführt worden. Das Szintigramm war - obwohl es sich um Makroadenome handelte - nur bei 4 dieser Patienten positiv und von diesen hatte nur einer eine Tumorverkleinerung (drei der vier Patienten reagierten auf Octreotide mit einer STH Senkung). Umgekehrt war bei zwei Patienten mit STH Senkung (>50%) und Volumenreduktion die Szintigraphie negativ. Das Octreoscan® Ergebnis hatte daher keinen prädiktiven Wert für die STH Senkung oder die Tumorverkleinerung durch Octreotide. (Eine detailliertere Darstellung der Ergebnisse bei einer grösseren Patientenzahl mit Hypophysentumoren ist in [52] enthalten).

6.3.2.2 Pathologische STH Stimulation im LHRH/TRH-Test

Die pathologische Stimulierbarkeit des STH durch LHRH und/oder TRH (definiert als ein Anstieg des STH um >50% (61,62) wurde in einem kombinierten LHRH/TRH-Test geprüft. Eine pathologische Stimulation war vor der Octreotide Therapie bei 10/28 Patienten vorhanden, während Octreotide bei 6/26 und postoperativ bei 4/24. Während der Octreotide Therapie entwickelten 3 Patienten neu eine pathologische Stimulation, während umgekehrt 7 Patienten jetzt ihre pathologische Stimulation verloren.

Die STH Stimulation korrelierte signifikant negativ mit der IGF-1 Konzentration (R=-0,43; p<0,02), sowie trendmäßig negativ mit der STH Konzentration (R=-0,34; p<0,07) und der Tumorgröße (R=-0,36; p<0,06) bei Diagnose (Rangkorrelationskoeffizient nach Spearman). Die pathologische Stimulation war ein positives prognostisches Kriterium für den Erfolg der


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Octreotide Therapie (Odds ratio 11,0; Chi2 4,9; p<0,05 und 17,0; Chi2 7,5; p<0,01 für die Voll- bzw. Teilremission), nicht dagegen für den Erfolg der Operation.

Zusammenfassung

Eine Octreotide Therapie senkte bei fast zwei Drittel der Patienten die STH Konzentration um mindestens 50%. Eine Tumorverkleinerung konnte bei mehr als 40% der Patienten erreicht werden. Eine Dosissteigerung über 300 µg/d u/o eine längere Behandlungsdauer hatte nur einen marginalen zusätzlichen Effekt. Die Operation war der Octreotide Therapie deutlich überlegen. Für die Beurteilung des Therapieerfolges ist die alleinige IGF-1 Bestimmung nicht ausreichend. Die pathologische Stimulierbarkeit des STH im LHRH/TRH-Test war ein positives prognostisches Kriterium für den Effekt einer Octreotide Therapie, nicht jedoch des Operationserfolges.

6.3.3 Hypophysenfunktion

Somatostatin und seine Analoga beeinflussen neben der Sekretion des STH auch andere Hypophysenhormone. Alle Hypophysenfunktionen wurden daher nicht nur initial und postoperativ, sondern auch während der Octreotide Therapie überprüft.

6.3.3.1 Hypophysen-Nebennieren Achse

Wie schon im vorhergehenden Kapitel, so mußte auch hier der Therapie-bedingte Wechsel in Methodik (IHG, bzw. Metoprirontest) und Auswertbarkeit (erreichter Glukose-Nadir im IHG) berücksichtigt werden. In Tab. 27 sind die Ergebnisse des IHG und des Metopirontestes dargestellt. Die Ergebnisse der Patienten mit einer Therapiedauer von 3 und 6 Monaten wurden gemeinsam analysiert, da die Untersuchung während der Octreotide Therapie nur unmittelbar präoperativ durchgeführt wurde. Die Zahl der substitutionspflichtigen Patienten veränderte sich während der Octreotide Therapie nicht, nahm aber postoperativ zu von 4 auf 9 Patienten (von 14% auf 37%).

Tab. 27: ACTH-Cortisol Achse bei Diagnose, während Octreotide und postoperativ

Analyse des IHG nur Patienten mit ausreichender Hypoglykämie; 1 in Klammer Anzahl der Teste, 2 in Klammern Prozent der jeweiligen Gruppe, 3 Octreotide Therapie bzw. Post-op vs Diagnose (Wilcoxon Test für gepaarte Werte)


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6.3.3.2 Hypophysen-Gonaden Achse

Aus der quantitativen Analyse der Gonadotropin Daten wurden 2 postmenopausale Frauen ausgeschlossen, die eine Hormon-Ersatztherapie durchführten. Die Octreotide Therapie bewirkte keine signifikante Veränderung der basalen und der LHRH-stimulierten LH- oder FSH-Werte (Tab. 28). Durch die Operation blieben zwar die basalen LH- und FSH-Werte ebenfalls unverändert, jedoch war die Stimulationsantwort signifikant reduziert und zwar für das LH auf etwa die Hälfte und für das FSH auf etwa zwei Drittel des Ausgangswertes.

Tab. 28: LH und FSH im LHRH/TRH-Test

LH, FSH jeweils (mE/L), AUC jeweils (mE/L/60 Min) 1 in Klammern Anzahl der Patienten, 2 Prozent der Konzentration bei Diagnose; 3 Vergleich mit dem Ausgangswert (Wilcoxon-Test für gepaarte Werte)

Für die qualitative Analyse wurden die Daten aller 5 postmenopausalen Frauen ausgeschlossen. Während der Octreotide Therapie sank die Zahl der Patienten mit normaler basaler und stimulierter LH-Sekretion von 13 auf 7 und postoperativ auf fünf, für FSH von 12 auf 8, bzw. postoperativ auf 4. Der Anteil an Patienten mit normaler, bzw. partiell oder komplett insuffizienter LH und FSH Sekretion an der jeweiligen Gruppe ist in Abb. 28 dargestellt. Die quantitativ nicht signifikanten Veränderungen der GnRH-stimulierten LH Sekretion während der Octreotide Therapie resultierten in einer qualitativ signifikanten Einschränkungen gegenüber dem Befund bei Diagnose. Eine Substitutionspflicht für Gonadenhormone entstand postoperativ bei fünf Patienten (vier Männer, eine prämenopausale Frau).

Abb. 28: Patienten mit normaler, partiell oder komplett insuffizienter LH / FSH Sekretion

Signifikanz der Änderung im Vergleich zum Ausgangsbefund (Wilcoxon-Test für gepaarte Werte), ohne postmenopausale Frauen


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6.3.3.3 Hypophysen-Schilddrüsen Achse

Aus der quantitativen Analyse wurden Patienten mit Schilddrüsenhormon (SD-Hormon) Therapie ausgeschlossen. Bei Diagnose hatten 2/27 (7,4%) der Patienten eine erniedrigte basale, 6 Patienten (6/27, 22%) eine erniedrigte stimulierte TSH Konzentration. Die Konzentration der peripheren Schilddrüsenhormone lagn im euthyreoten Bereich (Median: T3 2,1 nMol/L, T4 100 nMol/L).

Während der Octreotide Therapie veränderten sich die basalen TSH Werte nicht, der TRH-induzierte TSH Anstieg war jedoch signifkant auf 55% des Ausgangswertes reduziert (N=24, p<0,01). Die Konzentration der peripheren Schilddrüsenhormone blieb im euthyreoten Bereich (Median: T3 1,8 nMol/L, T4 92 nMol/L). Postoperativ waren die basalen TSH Werte nur geringfügig und nicht signifikant niedriger als bei Diagnose (91%, N=20). Die TRH stimulierte TSH Konzentration war auf 88% des Ausgangswertes (N=20, p<0,002) reduziert. Vier Patienten hatten jetzt eine partielle TSH Insuffizienz und drei der 23 operierten Patienten eine substitutionspflichtige, sekundäre Hypothyreose.

Tab. 29: Basale und TRH-stimulierte TSH Konzentration

TSH (mE/L, Median); 1 in Klammern Anzahl der Patienten, ohne Patienten mit sek. Hypothyreose und Substitutionstherapie bei Diagnose, 2 Zwei Patienten mit neu manifestierter sek. Hypothyreose waren zum Zeitpunkt der Untersuchung bereits mit Thyroxin substitutiert und wurden daher von der Berechnung der TSH Werte ausgeschlossen. p, Oct-Tx bzw. Post-op vs Diagnose (Wilcoxon-Test für gepaarte Werte). Prozentwerte: Änderung im Vergleich zum Ausgangswert, paarweiser Vergleich, d.h. nur Patienten mit Werten vor und während der Octreotide Therapie bzw. postoperativ

6.3.3.4 Prolaktin

Die individuellen basalen und TRH-stimulierten Prolaktin Werte vor und während Octreotide Therapie sind in Abb. 29 dargestellt. Die durch Octreotide verursachte Suppression bei vielen - aber nicht allen - Patienten ist ersichtlich.

Abb. 29: Individuelle basale und stimulierte PRL Konzentration vor und während Octreotide

PRL in logarithmischer Skala. Die horizontale Linie gibt die obere Normgrenze der basalen PRL Konzentration für Männer (15 µg/L) an. Die obere Normgrenze für Frauen liegt bei 25 µg/L und wurde hier, der Übersichtlichkeit wegen nicht getrennt aufgeführt


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Die quantitative Analyse ist in Tab. 30 wiedergegeben. Die basale PRL Konzentration war während Octreotide und postoperativ in etwa gleichem Maße gering, aber signifikant gesenkt. Alle Median-Werte lagen im Normalbereich. Die PRL Reaktion auf TRH war während Octreotide und postoperativ nur tendentiell, aber nicht signifikant niedriger, als vor der Therapie. Eine initiale Hyperprolaktinämie wurde durch die Octreotide Therapie bei 5/6 Patienten und durch die Operation bei 4/6 Patienten beseitigt. Vor Therapie korrelierte die basale PRL Konzentration weder mit der STH-Konzentration (MW Profil), noch mit der Tumorgröße.

Tab. 30: Basale und TRH-stimulierte PRL Konzentration

PRL (µg/L, Median) 1 in Klammern Zahl der Patienten, 2 In Klammern (Anzahl Basal/Anzahl Peak);
3 Prozent der Konzentration bei Diagnose, paarweiser Vergleich; 4 Oct-Tx bzw. Post-op vs Diagnose (Wilcoxon-Test für gepaarte Werte)

Zusammenfassung

Die ACTH/Cortisol Achse wurde durch Octreotide nicht beeinflußt. Octreotide bewirkte keine signifikante Veränderung der basalen LH/FSH oder TSH Konzentration, ihre Stimulierbarkeit wurde jedoch leicht supprimiert. Die basale Prolaktin-Konzentration wurde signifikant, die Reaktion auf TRH nur tendentiell gesenkt. Durch die Operation wurde die HVL-Funktion deutlich stärker beeinträchtigt. Postoperativ waren jeweils 5 Patienten substitutionspflichtig geworden für Hydrocortison bzw. Gonadenhormone und 3 Patienten für SD-Hormone.

6.3.4 Glukosetoleranz

Somatostatin-Analoga hemmen nicht nur die STH-Sekretion, sondern auch die des Insulins und des Inkretins Glukagon-like peptide-1 (GLP-1) (65). Die hierdurch eintretenden Veränderungen der Glukosekinetik während des oGTT werden in Kapitel 8 („Octreotide Langzeittherapie“) im Detail besprochen. Hier wird lediglich das Verhalten von Glukose und Insulin im oGTT bei Diagnose und während der Octreotide Therapie beschrieben und mit der postoperativen Situation verglichen.

Bei Diagnose hatten 13/28 Patienten einen Diabetes mellitus und 6 weitere Patienten eine gestörte Glukosetoleranz. Die mediane Nüchternglukose Konzentration aller 15 Patienten ohne Diabetes stieg während Octreotide Therapie (M3) geringfügig und nicht-signifikant von 5,1 mMol/L auf 5,5 mMol/L und sank postoperativ auf 4,5 mMol/L (Tab. 31). Zu keinem


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Zeitpunkt geriet ein individueller Nüchtern Glukose-Wert in den pathologischen Bereich. Während der Octreotide Therapie war der 2-h Glukosewert des oGTT deutlich, die AUC dagegen nur gering erhöht und der HbA1-Wert blieb bei allen primär nicht-diabetischen Patienten auch unter der höheren Octreotide Dosis im Normbereich (die Diskrepanz dieser Werte wird im Kapitel „Octreotide Langzeit-Therapie“ detaillierter analysiert). Die Insulin Antwort (AUC) war nach einer Woche auf 40% supprimiert (p<0,01), hatte sich aber nach 3 Monaten wieder leicht erholt auf 55% des Ausgangswertes (Abb. 30)

Tab. 31: Glukose, Insulin und Insulin/Glukose Quotient während des oGTT

Glukose (mMol/L), Glukose AUC (mMol/L/180 Min), Insulin AUC (mE/L/180 Min), I/G Qotient, Insulin/Glukose Quotient (mE/mMol) jeweils Median und Bereich, 1 in Klammern Anzahl der Patienten; * p<0,02; ** p<0,01 alle Vergleiche vs Ausgangswert bei Diagnose (Wilcoxon-Test für gepaarte Werte)

Abb. 30: oGTT: AUC Glukose und Insulin im oGTT in Prozent der Ausgangswerte

** p<0,01, jeweiliger Untersuchungszeitpunkt vs Diagnose (Wilcoxon-Test für gepaarte Werte). Nur Patienten ohne vorbestehenden Diabetes mellitus

Der Insulin/Glukose Quotient als Maß der Insulin-Sensitivität verbesserte sich während der Octreotide-induzierten STH Suppression von 10,5 auf 6,6 und war postoperativ 7,2. Die individuellen Veränderungen sind in Abb. 31 dargestellt. Bei der Untergruppe der Patienten, die eine Vollremission unter Octreotide erreichten (N=6), war der Quotient von 9,4 auf 3,9 gesunken und bei Patienten mit postoperativer Vollremission von 9,2 auf 6,7 (N=11). Bei Diagnose hatten 13/28 (46%) Patienten einen Diabetes mellitus. Von 10 dieser Patienten lagen postoperative Werte vor (2 Patienten waren noch nicht operiert, 1 Patientin konnte nicht nachuntersucht werden). Bei 6 von ihnen bestand postoperativ kein Diabetes mehr (4 behielten jedoch eine gestörte Glukosetoleranz).


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Abb. 31: Insulin/Glukose Quotient (mE/mMol)

* Patienten ohne Operation

6.4 Gastrointestinale Nebenwirkungen

Initial hatten alle Patienten in verschiedener Ausprägung leichte gastrointestinale Nebenwirkungen wie Meteorismus, Diarrhoe und Bauchschmerzen. Diese Beschwerden verschwanden nach maximal drei Tagen.

Zwei Patienten hatten bei Diagnose bereits asymptomatische Gallensteine. Nachdem ein Patient im dritten Monat der Therapie Gallenblasensludge entwickelt hatte, erhielten alle folgenden Patienten von der 6. Woche an eine - gut vertragene - prophylaktische Gallensäuretherapie (Chendeoxy- und Ursodeoxycholsäure). Neue Gallensteine traten nicht auf, jedoch entwickelte sich Gallenblasensludge bei 5 Patienten (davon 2 Patienten mit 6 Monaten Therapie, bei 3 Patienten trotz Gallensäuren-Prophylaxe). Sechs Wochen nach der Operation war bei keinem Patienten mehr Sludge nachweisbar.

6.5 Zusammenfassung und Schlußfolgerungen

Drei Monate einer Octreotide Behandlung führten bei 44% der Patienten zu einer signifikanten Reduktion des Tumorvolumens. Der zusätzliche Effekt einer Ausdehnung auf sechs Monate und/oder Dosiserhöhung war zu gering, um diese zu rechtfertigen. Octreotide führte bei 32% der Patienten zu einer Vollremission. Leichte Einschränkungen der gonadotropen Achse und der stimulierten TSH Sekretion - bei normal bleibenden peripheren Schilddrüsen-Hormonen - sind während der kurzen Behandlungszeit einer präoperativen Therapie ohne praktische Bedeutung. Die Operation war jedoch mit einer Vollremissionsrate von 65% der medikamentösen Therapie eindeutig überlegen. Allerdings wurde dies erkauft mit einer stärkeren Einschränkung der Hypophysenvorderlappen-Funktion, besonders auch der ACTH/Cortisol Achse. IGF-1 war weder während Octreotide Behandlung, noch postoperativ ein zuverlässiger Parameter zur Beurteilung des Therapieerfolges. Das Ergebnis der Somatostatinrezeptor-Szintigraphie hatte keinen prädiktiven Wert für den Effekt der Octreotide Therapie oder die postoperativen Ergebnisse. Da trotz der kurzen


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Behandlungsdauer Gallenblasen-Sludge während der Octreotide Therapie auftrat, sollte auch bei kurzer, präoperativer Octreotide Anwendung eine prophylaktische Gallensäuren-Therapie durchgeführt werden.

Der Anteil kurativ operierter Patienten (65%) war nach Octreotide Vorbehandlung deutlich höher als bei Patienten mit vergleichbarer Adenomgröße, die ohne Vorbehandlung operiert wurden (31%, Kapitel 5 „Operative Therapie“). Inwieweit dies auf die präoperative Octreotide Therapie zurückzuführen war, läßt sich jedoch aus der Analyse der hier dargestellten Daten alleine nicht ableiten, da keine Kontrollgruppe mitlief. Es wurde deshalb eine Fall-Kontroll-Studie durchgeführt, die im folgenden Kapitel geschildert wird.


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Thu Sep 19 17:23:40 2002