Ergebnisse

↓98

5.1  Beschreibung der Stichprobe

5.1.1  Soziodemographische Daten

5.1.1.1  Soziodemographische Beschreibung der Stichprobe

Das mittlere Alter der befragten Schwangeren lag bei 26,4 ± 4,15 Jahren. Die jüngste Frau war 17 Jahre, die älteste 44 Jahre alt. Bei einer Aufteilung in altersspezifische Risikoklassen fanden sich 0,6% (n=3) der Befragten in der Gruppe der unter 18jährigen und 2,9% (n=15) in der Gruppe der über 35jährigen. Der größte Anteil von Probandinnen, nämlich 96,5% (n=501) gehörte zur Altergruppe 18 bis 35 Jahre. Für die weitere Auswertung wurde eine Altersvariable mit 3 Gruppen gebildet, die den genannten Risikoklassen entsprechen (junge Schwangere <18 Jahre, n=3 [0,6%], Schwangere mittleren Alters 18 –35 Jahre, n=501 [96,5%] und ältere Schwangere >35 Jahre, n=15 [2,9%]).

Von den 519 Schwangeren, die in die folgende Auswertung einbezogen wurden, gaben 509 (98,1%) an, in einer festen Partnerschaft zu leben. Von den Frauen mit einer Paarbeziehung lebten 91,1% in einem gemeinsamen Haushalt mit dem Kindesvater. 504 Frauen machten Angaben zur Dauer ihrer Beziehung. 10 Frauen (2,0%) hatten zum Vater ihres Kindes eine Beziehung von weniger als 6 Monaten, 41 Frauen (8,1%) von einem halben bis zu einem Jahr. Eine Beziehungsdauer von 1 bis 5 Jahren gab mit 54,0% die größte Gruppe von Frauen an. 31,0% der Schwangeren hatten eine Partnerschaft, die 5 bis 10 Jahre bestand und 5% waren mehr als 10 Jahre mit ihrem Partner zusammen. Für die weitere Auswertung wurde eine Variable Partnerschaftsdauer mit 5 Gruppen („bis 1 Jahr“, n=51 [10,1%]; „1 bis 3 Jahre“, n=135 [26,8], „3 bis 5 Jahre“, n=137 [27,2%] 5 bis 10 Jahre, n=156 [31,0%] und mehr als 10 Jahre, n=25 [5,0%] gebildet. Hinsichtlich des Fa milienstandes waren verheiratete und nichtverheiratete Frauen zu etwa gleichen Teilen in der Untersuchungspopulation vertreten; 50,4% waren verheiratet, 43,6 % ledig, 5,8% geschieden und 1 Frau (0,2%) verwitwet. Für 1 Frau fehlte die Angabe zum Familienstand. In Bezug auf den Familienstand wurde für die weitere Auswertung eine Familien standsvariable mit 2 Gruppen gebildet und diese als „eheliche“ Partnerschaft (verheiratete und wiederverheiratet Frauen, n=261 [50,4%]) und „nichteheliche“ Partnerschaft (ledige, geschiedene und verwitwete Frauen, n=257 [49,6%]) bezeichnet.

↓99

207 schwangere Frauen gaben an, dass in ihrem Haushalt bereits Kinder lebten. In 78,3% der Haushalte (n=162) lebte 1 Kind, in 16,4% (n=34) waren es 2 und in 5,4% (n=11) waren es 3 und mehr Kinder. Dies waren in der Mehrheit (68,3% der Fälle) gemeinsame Kinder mit dem Vater des jetzt erwarteten Babys. In 5,9 % der Familien lebte (auch)ein Kind des Partner aus einer früheren Beziehung und in 42,1% lebte (auch) ein Kind der Schwangeren aus einer anderen Beziehung. Je eine Familie hatte ein Adoptiv- und ein Pflegekind.

Tabelle 4: Schulabschluss

Variable

n

%

niedriger Schulabschluss

POS<8Kl.

7

1,4

POS/8Kl.

17

3,3

o.Abschl

5

1,0

Hauptschule

8

1,5

gesamt

37

7,2

mittlerer Schulabschluss

Realschule

24

4,6

POS/10Kl

305

58,9

gesamt

329

63,5

höherer Schulabschl.

FHS-Reife.

35

6,8

Abitur

112

21,6

gesamt

147

28,3

Missing

6

In Hinblick auf den schulischen Ab schluss (Tab. 4) der befragten Frauen wurden Abschlüsse aus beiden Teilen Deutschlands in die Auswertung einbezogen. Bei einer Aufteilung in 3 Gruppen finden sich in der Variable Schulabschluss folgende Anteile. 37 Schwangere (7,2%) gaben keinen Schulabschluss oder einen Hauptschulabschluss bzw. Abschluss der 8. Klasse einer polytechnischen Oberschule an und wurden der Gruppe „niedriger Schulabschluss“ zugeordnet. 329 Frauen (63,5%) verwiesen auf einen Realschulabschluss oder den Abschluss der 10. Klasse einer polytechnischen Oberschule und wurden der Gruppe „mittlerer Schulabschluss“ zugeordnet. In der Gruppe mit „höherem Schulabschluss“ fanden sich 147 (28,3%) Frauen, die entweder die Fachhoch-schulreife erworben oder die Schule mit dem Abitur abgeschlossen haben. Für eine Frau fehlte die entsprechende Angabe und für 5 (1,0%) Frauen ließen sich die Informationen nicht einer der 3 Gruppen zuordnen. Bei entsprechender Definition einer Variable Schulabschluss Partner (Tab. 5) ließen sich 9,5 % der prospektiven Väter (n=46) der Gruppe niedriger, 59,4% (n=287) der Gruppe mittlerer und 31,1% (n=150) der Gruppe höherer Schulanschluss zuordnen. Für 36 Männer waren die Angaben zum schulischen Abschluss keiner der 3 Gruppen zuzuordnen oder sie fehlten.

↓100

Zum beruflichen Abschluss (Tab. 5) fehlten die Angaben von 10 Frauen. Von den übrigen waren 40 (7,7 %) ungelernt, 180 (34,7%) waren Facharbeiterinnen, 178 (34,3%) hatten einen Fachschul- und 90 (17,3%) einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss. 21 Schwangere (4,0 %) befanden sich zum Zeitpunkt der Befragung noch in Ausbildung.

Für die weitere Auswertung wurden in der Variable Berufsabschluss 4 Gruppen gebildet („niedrig“, n=40 [7,9%]; „mittel“, n=358 [70,3%]; „höher“,n=90 [17,7%] und „in Ausbildung“,n=21 [4,1%]). Für die Partner der Schwangeren wurde entsprechend eine Variable Berufsabschluss Partner gebildet („niedrig“, n=20 [4,0%]; „mittel“, n=347 [70,2%]; „höher“,n=103 [20,9%] und „in Ausbildung“,n=24 [4,9%]).

Tabelle 5: Soziodemographische Daten

Variable

Ausprägung

n

%

Altersrisiko

nein (18-35 J.)

501

96,2

ja (<18 o.>35 J.)

18

3,5

Missing

15

Partnerschafts-

Dauer

bis 1 Jahr

51

10,1

>1 bis 3 Jahre

135

26,8

> 3 bis 5 Jahre

137

27,2

>5 bis 10 Jahre

156

31,0

>10 Jahre

25

5,0

Missing

15

Familienstand

„ehelich“

261

50,4

„nichtehelich“

257

49,6

Missing

1

Schulabschluss

niedrig

37

7,2

mittel

329

63,5

Hoch

147

28,3

Missing

6

Schulabschluss Partner

niedrig

46

9,5

mittel

287

59,4

hoch

150

31,1

Missing

36

Berufsabschluss

niedrig

40

7,9

mittel

358

70,3

hoch

90

17,7

in Ausbildung

21

4,1

Missing

10

Berufsabschluss Partner

niedrig

20

4,0

mittel

347

70,2

hoch

103

20,9

in Ausbildung

24

4,9

Missing

25

Erwerbssituation

vollerwerbstätig

295

59,5

teilerwerbstätig

53

10,7

in Ausbild./Stud.

36

7,3

arbeitslos

61

12,3

anderes

51

10,3

Missing

23

Nettohaushalts-einkommen

-1500 DM mtl.

83

16,3

>1500 – 4000 DM mtl.

324

63,8

> 4000 DM mtl.

101

19,9

Missing

11

↓101

Auch zur Erwerbssituation (Tab. 5) fehlten die Angaben von 10 Frauen. Mehr als die Hälfte der Schwangeren (n=295 [59,5%]) war vollzeiterwerbstätig, mehr als ein Viertel (n=142 [27,9%]) nicht erwerbstätig, 53 Schwangere (10,4%) waren teilzeiterwerbstätig und 19 (3,7%) gaben an, Lehrling zu sein. Von den 142 Nichterwerbstätigen waren 46 (32,4%) arbeitslos, 19 (13,4%) in Umschulung, 23 (16,2%) im Erziehungsurlaub, 20 (14,1%) Hausfrauen und 17 (12,0%) Studentinnen. Die übrigen 17 (12,0%) Erwerblosen ließen sich keiner dieser Gruppen zuordnen. Für die weitere Auswertung wurde die Variable Erwerbstätigkeit mit 5 Gruppen („vollerwerbstätig“, n= 295 [59,8%], „teilerwerbstätig“, n= 53 [10,7%], „in Ausbildung/ Studium“, n= 36 [7,3%], „arbeitslos“, n=61

[12,3%] und anderes n=51 [10,3% ] gebildet. Für 23 Frauen fehlten die Angaben oder ließen sich nicht zuordnen.

Die finanzielle Situation der Schwangeren wurde über das Nettohaushaltseinkommen (Tab. 5) „alle Einkünfte, die Sie nach Abzug der Steuern und Sozialversicherungsbeiträge übrig haben“ erfragt. 11 Frauen machten zum Haushaltseinkommen keine Angaben. Unter den übrigen fand sich ein größerer Anteil in den unteren Einkommensgruppen. So verfügten 36 Schwangere (7,1%) über weniger als 1000 DM monatlich, 47 ( 9,3%) über bis zu 1500 DM und 62 (12,2%) über bis zu 2000 DM monatlich. Ein Haushaltsnettoeinkommen von 2000 bis 3000 DM stand 111 Frauen (21,8%) zur Verfügung, ein solches von 3000 bis 4000 DM 151 Frauen (29,7%). Dementsprechend selten gab es bei den Schwangeren Haushalte mit höheren Einkommen. Immerhin noch 60 Frauen ( 11,8%) konnten über 4000 bis 5000 DM monatlich verfügen, 26 (5,1%) über 5000 bis 6000 DM, 11 (2,2%) über 6000 bis 7000 DM und 4 (0,8%) über mehr als 7000 DM. Für die weiteren Auswertungen wurde eine Einkommensvariable mit 3 Gruppen ( „bis 1500 DM monatlich“ , n=83 [16,3%]; „bis 4000 DM monatlich“, n=324 [63,8%]; „> 4000 DM monatlich“, n=101 [19,9%] gebildet. Erwartungsgemäß korrelierten die Einkommensgruppen signifikant (p<0,01) mit anderen soziodemographischen Daten. Beim Vergleich der unter medizinischen Gesichtspunkten gewählten Klassifizierung in 3 Altersgruppen wurde deutlich , dass das Haushaltseinkommen auch altersabhängig in dem Sinne verteilt war, dass die sehr jungen Frauen unter 18 Jahren zu zwei Dritteln in die niedrigste Einkommensgruppe, zu einem Drittel in die mittlere Einkommensgruppe und keine in die höchsten Einkommensgruppe fielen, während die über 35jährigen zu drei Viertel in der mittleren und zu einem Fünftel in der oberen Einkommensgruppe zu finden waren. Die Unterschiede waren wohl wegen der kleinen Fallzahlen statistisch nicht signifikant. Erwartbare Zusammenhänge gab es zwischen Schulausbildung (Spearman-Rho=0,24; p<0,01) bzw. beruflicher Qualifikation (Spearman-Rho=0,35; p<0,01) einerseits und dem Einkommen andererseits. Mehr als die Hälfte der Frauen mit niedrigem Schulabschluss verfügte über ein Haushaltseinkommen von bis zu 1500 DM, keine über eines von mehr als 4000 DM, während die Frauen mit höherem Abschluss zu etwa einem Drittel in der höchsten Einkommensgruppe und zu mehr als der Hälfte in der mittleren Einkommensgruppe zu finden waren. Ähnlich war es bei der Betrachtung der beruflichen Qualifikation, wobei hier die Gruppe der in Ausbildung bzw. Studium befindlichen (bis 1500 DM, 65%) gefolgt von den niedrig qualifizierten (bis 1500 DM, 47,2%) Schwangeren die niedrigsten Einkommen hatten. Das Haushaltsnettoeinkommen korrelierte weiterhin signifikant mit dem Familienstand

↓102

(Spearman-Rho=0,30; p<0,01). Ein Einkommen bis zu 1500 DM monatlich hatten 5,9% der verheirateten Schwangeren gegenüber 26,7% der nicht verheirateten. Andererseits konnten 27,3% der Verheirateten über mehr als 4000 DM monatlich verfügen, während dies bei den Unverheirateten nur 12,4% waren. Dabei ist zu beachten dass der Familienstand auch durch Lebensalter, Schulabschluss und berufliche Qualifikation beeinflusst wurde. Jüngere Schwangere und solche mit niedrigem Schul- und Berufsabschluss waren in der vorliegenden Stichprobe seltener verheiratet.

5.1.1.2 Soziale Repräsentativität

Für eine verlässliche Beurteilung der Repräsentativität der Stichprobe in bezug auf die zentralen sozialen Indikatoren 'Alter, Familienstand, Bildung, berufliche Qualifikation, Erwerbsstatus und Einkommen' hätten die Verteilungen der einzelnen Merkmale in unserer Stichprobe einerseits und in der Schwangerengesamtpopulation andererseits jeweils vergleichend analysiert werden müssen. Da entsprechende Daten allerdings nur für die strukturierenden Variablen 'Alter' und 'Familienstand' verfügbar waren (Datenbasis: Totalerfassung aller Ost-Berliner Schwangeren, 1992), wurden die Indikatoren der sozialen Lage (Bildung, Beruf, Einkommen, Erwerbsstatus) in Relation zu ihrer Bedeutung in der Gruppe der 15 bis 45jährigen Frauen in der Ost-Berliner Gesamtpopulation für 1993 vergleichend analysiert (Datenbasis: Mikrozensus 1993).

Alter

↓103

In Relation zur Altersverteilung in der Schwangerengesamtpopulation waren die beiden Risikoaltersgruppen der „Bis-18- und der Über-35jährigen“ in unserer Stichprobe insgesamt unterrepräsentiert, wobei die beobachtete Abweichung bei den bis 18jährigen deutlich (0,6% [Stichprobe] vs. 4,6 % [Gesamtpopulation] unter 18jährige), bei den über 35jährigen dagegen weniger deutlich ist (2,9% vs. 4,6 %).

Differenzierende Analysen bezüglich der mittleren Altersgruppe ergaben zudem, dass deren Überrepräsentanz vor allem auf eine überproportionale Erfassung der 25-29jährigen (47,3 vs. 38,4 %) sowie - in geringerem Umfang - der 30 - 34jährigen (15,4 vs. 13,4 %) zurückgeführt werden kann. Dagegen wurden die 20 - 24-jährigen in einem unterproportionalen Ausmaß von uns befragt (30,0 vs. 37,5 %).

Insgesamt haben sich also die älteren Schwangeren (≥ 25 Jahre) verstärkt an der Untersuchung beteiligt, während es nicht in adäquatem Umfang gelungen ist, die jüngeren Frauen (< 25 Jahre) - und hier insbesondere die ganz jungen (< 18 Jahre) - für eine Mitarbeit zu gewinnen.

↓104

Familienstand

Mit 49,6% entspricht der Anteil der nicht-verheirateten Frauen in unserer Stichprobe (Ledige, Verwitwete, Geschiedene) nahezu dem Anteil nicht-ehelich geborener Kinder im Ostteil Berlins (= 51,9 %). Vergleicht man den Verheiratungsgrad der unterschiedlichen Altersgruppen, so waren im Untersuchungskollektiv Frauen unter 30 Jahren deutlich seltener verheiratet als Frauen ≥ 30 Jahren. Die Daten reflektieren das für den Osten typische Familiengründungsmuster, welches - offensichtlich auch noch Jahre nach der Wende - dadurch gekennzeichnet ist, dass eine Eheschließung erst mit der Geburt des zweiten Kindes erfolgt. So sind in der Gruppe der Erstgebärenden 11,7% der Frauen (n= 36) 30 Jahre und älter, in der Gruppe der Zweitgebärenden sind es 23,4% (n= 36) und in der Gruppe der Dritt- und Mehrgebärenden 57,1% (n= 20). Dass es sich bei den Über-30jährigen überwiegend um Mehrfachgebärende handelt, erklärt also partiell den überproportionalen Anteil verheirateter Frauen in den höheren Altergruppen. Umgekehrt lässt sich die Überrepräsentanz nicht-verheirateter Frauen bei den Bis-zu-30jährigen als einen Hinweis darauf werten, dass sich Erstgebärende stärker als in Höhe ihres Anteils an der Schwangerengesamtpopulation an unserer Befragung beteiligt haben.

Schulische und berufliche Qualifikation

↓105

Um Aussagen zur Repräsentativität der Stichprobe in bezug auf die schulische Qualifikation treffen zu können, wurden die Anteile der einzelnen Bildungs- und Qualifikationsgruppen an der Gesamtpopulation der 15 - 45jährigen Frauen unter Ausschluss der 'noch in der Ausbildung befindlichen Frauen' bestimmt, da diese in unserer Stichprobe keine Rolle spielen. So ergab sich folgendes Bild: Frauen mit mittlerem Abschluss (Realschulabschluss, polytechnischer Abschluss 10. Klassen) sind in unserer Stichprobe in etwa in Höhe ihres Anteils an der Altersgruppe der 15 - 45jährigen Frauen der Gesamtpopulation repräsentiert (63,5 vs. 64,6 %). Das gleiche gilt auch für Frauen mit höherem Abschluss (Fachhochschulreife, Abitur) (28,3 vs. 30,1%). Bezüglich der Niedrigqualifizierten gestaltet sich die Analyse schwieriger, weil die zentralen Kategorien (Sonderschule, POS ≤ 8. Klasse, ohne Schulabschluss) in den Mikrozensus-Daten nicht gesondert ausgewiesen sind. In der vorliegenden Untersuchungspopulation ordneten sich 2,4 % der Schwangeren diesen Schulabschlussgruppen zu. Der deutlich geringere Anteil von Hauptschülerinnen (1,5 vs. 5,8 %) in unser Stichprobe ist vermutlich auf die Bildungssozialisation der Befragten im ehemaligen Ostteil von Berlin zurückzuführen. Es ist zu vermuten, dass sich Frauen ohne Abschluss bzw. mit Sonderschulabschluss in den Daten des Mikrozensus verstärkt in der Kategorie 'keine Angabe' (8,1 % aller Befragten) wiederfinden, so dass der Anteil von

Frauen mit niedrigem schulischen Abschluss in der Stichprobe des Mikrozensus größer als in unserer Stichprobe ( 7,2 %) sein dürfte.

Vergleichende Analysen zur Bedeutung der Qualifikationsgruppen lieferten folgendes Ergebnis: Frauen mit mittlerer beruflicher Qualifikation sind im Verhältnis zu ihrer Bedeutung in der Gesamtpopulation der 15 -45jährigen Frauen in unser Stichprobe repräsentativ vertreten (70,3 vs. 67,2 %), Frauen mit höherer Qualifikation (Fachhochschulabschluss, Hochschulabschluss) sind dagegen leicht unterrepräsentiert (17,7 vs. 20,6 %). Letzteres ist vor allem auf einen vergleichsweise geringeren Anteil von Hochschulabsolventinnen (14,9 vs. 17,6 %) zurückzuführen. Ebenso liegt der Anteil von Frauen ohne beruflichen Abschluss in unserer Stichprobe unter ihrem Anteil in der Stichprobe des Mikrozensus (7,9 vs. 12,2 %), wenngleich sich diese Differenz unter der Annahme erheblich verringert, dass sich in der Kategorie 'ohne beruflichen Abschluss' in den Daten des Mikrozensus auch jene Frauen finden, die noch in einer Ausbildung/im Studium stehen. Diese Gruppe stellt in unserer Stichprobe einen Anteil von immerhin 7,3 %. Bei Zusammenfassung der entsprechenden Kategorien unserer Stichprobe ergibt sich für die Frauen 'ohne Abschluss' eine Relation 12,5 vs. 12,2 %.

↓106

In bezug auf die Frage, inwieweit die verschiedenen Bildungs- bzw. Qualifikationsgruppen in Relation zur Schwangerengesamtpopulation Ost-Berlins adäquat in unserer Stichprobe repräsentiert sind, lässt sich unter Berücksichtung der Daten zur Altersverteilung in der Schwangerengesamtpopulation folgendes aussagen:

Wie oben dargestellt, haben wir 'ältere' Schwangere (≥ 25 Jahre) eher häufiger, jüngere Schwangere (< 25 Jahre) dagegen eher seltener befragt, als dies ihrem relativen Anteil an der Schwangerengesamtpopulation entsprochen hätte. Angesichts der hohen Korrelation von schulischer Bildung/ beruflicher Qualifikation und dem Alter der Schwangeren (Geringqualifizierte sind signifikant häufiger jünger, Höherqualifizierte signifikant häufiger älter) ist zu schlussfolgern, dass wir die Höherqualifizierten auch in Relation der Schwangerengesamtpopulation in überproportionalem, die Niedrigqualifizierten dagegen in unterproportionalem Maße erfasst haben.

Erwerbsstatus

↓107

In bezug auf die Bedeutung unterschiedlicher Erwerbslagen in unserer Stichprobe ist festzustellen, dass erwerbstätige, erwerbslose und nicht-erwerbstätige Personen in etwa jeweils in Höhe ihres Anteils an der Altersgruppe der 15 - 45jährigen Frauen der Gesamtpopulation (Datenbasis: Mikrozensus 1993) präsentiert sind: Erwerbstätige (Vollzeit-Teilzeiterwerbstätige und Auszubildende) stellen 74,4% der von uns Befragten gegenüber 72,6%

der im Mikrozensus erfassten Frauen. Für die Erwerbslosen (Arbeitslose, aus anderen Gründen Nicht-Erwerbstätige) sowie die nicht-erwerbstätigen Personen (Studentinnen, Schülerinnen, Hausfrauen, Erziehungsurlauberinnen) liegen die entsprechenden Relationen bei 12,3 vs. 12,5 % bzw. 13,3 vs. 14,9 %.

Dennoch ist davon auszugehen, dass die erwerbslosen Frauen nicht entsprechend ihrem Anteil an der Gesamtpopulation der Schwangeren erfasst wurden. Für diese Annahme spricht, dass nach den Daten des Mikrozensus der Anteil erwerbsloser Frauen in der Altersgruppe der 20 - 25jährigen eher höher (15,7%), in der Altersgruppe der 25 - 30jährigen dagegen eher niedriger ist (12,1 %). Die unterproportionale Beteiligung der 20 - 25jährigen an unserer Befragung weist damit auch auf eine unterproportionale Erfassung erwerbsloser Frauen hin.

↓108

Einkommen

In Relation zu der in den Daten des Mikrozensus für 'Haushalte mit Frauen' ausgewiesenen Einkommensverteilung (Bezugsjahr 1994) erscheinen in unserer Stichprobe die höheren Einkommen (> DM 4000) deutlich unter- , die niedrigeren Einkommen (< DM 4000) deutlich überrepräsentiert. Im Einzelnen ergibt sich folgendes Bild: EK < DM 1000: 7,1 % in der vorliegenden Stichprobe vs. 6,8 % in der Altersgruppe der 15 - 45jährigen Frauen, EK = DM 1000 - 2500: 32,5 vs. 25,5 %, EK = DM 2500 - 4000: 40,5 vs. 29,4 %, EK = DM 4000 - 5000: 11,8 vs. 19,6 %, EK > DM 5000: 8,1 vs. 16,8 %.

Die damit auf den ersten Blick aufscheinende Überrepräsentanz der niedrigeren und mittleren Einkommensgruppen in unserer Stichprobe erweist sich bei genauer Betrachtung allerdings als Irrtum - und zwar aus zwei Gründen: Zum einen sind die dargestellten Verteilungsdifferenzen ganz wesentlich auf die Tatsache zurückzuführen, dass die höheren Einkommen nach den Mikrozensusdaten zu über 60 % in der Altersgruppe der über 35jährigen erzielt werden, in einer Altersgruppe also, die an der Reproduktion nur noch in sehr geringem Maße beteiligt ist. Zum anderen zeigt ein altersgruppenspezifischer Vergleich der Einkommensverteilungen zwischen Mikrozensus- und den vorliegenden Daten, dass bei den 20 - 25jährigen vor allem Frauen mit einem sehr niedrigen Einkommen (< DM 1000), bei den 25 - 30jährigen zudem auch Frauen mit niedrigem Einkommen (EK = DM 1000 - 2500) unterrepräsentiert sind, d.h. dass gerade jene Altersgruppen, welche die Hauptreproduktionslast tragen, in unserer Stichprobe also 'relativ' eher besser verdienen als die Vergleichsaltersgruppen in der Gesamtpopulation. Unter Berücksichtigung unserer Ergebnisse zu den mit dem Einkommen hochkorrelierten Indikatoren der sozialen Lage

↓109

(schulische bzw. berufliche Qualifikation) ist also davon auszugehen, dass wir Haushalte mit niedrigen bzw. sehr niedrigen Einkommen eher in zu geringem Maße erfasst haben.

Zusammenfassend ist in Hinblick auf soziale Variable, die als wichtige Einflussfaktoren auf den Schwangerschaftsverlauf benannt werden (Alter, Familienstand, Bildung, berufliche Qualifikation, Erwerbsstatus und Einkommen) die vorliegende Studie als eine in den meisten Bereichen für den Ostteil Berlins repräsentative Erhebung einzuschätzen. Unterrepräsentiert sind sehr junge (< 18 Jahre) und ältere (> 35jährige) Schwangere.

5.1.2 Medizinisch anamnestische insbesondere schwangerschaftsbezogene Daten

5.1.2.1  Schwangerschaftsanamnestische Daten

Die an der Studie teilnehmenden Frauen befanden sich zum Zeitpunkt der Befragung zwischen der 13. und 24. Schwangerschaftswoche. Der Mittelwert lag bei 18,7 ± 2,12 SSW. Drei Viertel der Befragungen erfolgten zwischen der 16. und 20. SSW.

↓110

309 Schwangere (62,1%) waren als Erstparae einzuordnen, 154 (30,9%) als Zweitparae und 35 (7,0%) als Multiparae. Für 21 Frauen fehlten die entsprechenden Angaben. Für die weitere Auswertung wurden zwei verschiedene Variable gebildet. In der ersten Variablen (Parität in 3 Gruppen) erfolgte die Aufteilung in Erst-, Zweit- sowie Mehrgebärende.

Für 245 Frauen (47,2%) war die Schwangerschaft, in der die Befragung erfolgte, die erste. 274 Frauen (52,8%) hatten zuvor schon mindestens eine Gravidität, 95 Frauen (18,3%) mindestens 2, 35 Frauen (6,7%) mindestens 3, 13 Frauen (2,5%) mindestens 4, 5 Frauen (1%) mindestens 5 und 1 Frau (0,2%) 7 Schwangerschaften erlebt. Wie diese Schwangerschaften jeweils geendet hatten, ist in Tabelle 6 zusammengefasst.

Tabelle 6: Schwangerschaftsanamnese

Ssausgang

1.Gravidität

2.Gravidität

3.Gravidität

4.Gravidität

5.Gravidität

6.Gravidität

7.Gravidität

n

%

n

%

n

%

n

%

n

%

n

%

n

%

Geburt≥ 37. SSW

155

58,7

39

41,9

17

48,6

6

46,2

2

50,0

1

100

1

100

Termingeb <2500g

4

1,5

1

1,1

Geburt < 37. SSW

7

2,7

3

3,2

2

5,7

1

25,0

Totgeburt

3

1,1

2

2,2

Spätabort

5

1,9

4

4,3

1

2,9

1

25,0

Frühabort

50

18,9

22

23,7

7

20,0

5

38,5

Ssabbruch

40

15,2

22

23,7

8

22,9

2

15,4

Gesamt

264

100

93

100

35

100

13

100

4

100

1

100

1

100

↓111

Für die weitere Auswertung wurden aus den schwangerschaftsanamnestischen Daten Gruppen von „Risikokollektiven“ gebildet (Tab. 7).

Tabelle 7: schwangerschaftsanamnestische Belastungen

Komplikation

Anzahl

n

%

aR Frühgeburt

1

11

2,1

2

1

0,2

aR Frühabort

1

57

11,0

2

12

2,3

3

1

0,2

aR Spätabort

1

8

1,5

3

1

0,2

aR Schwangerschafts- abbruch

1

52

10,0

2

10

1,9

aR Totgeburt

1

5

1,0

belastete SSanamnese

nein

427

82,3

Bei 12 Frauen (2,3%) war die Vorgeschichte durch eine (n=11 [2,1%] bzw. zwei (n=1 [0,2%]) Frühgeburten („anamnestisches Risiko [aR] Frühgeburt“), bei 5 Frauen (1 %) durch eine Totgeburt („aR Totge burt“) und bei 9 Frauen (1,7%) durch einen (n=8 [1,5%]]) bzw. zwei (n=1[0,2%]) Spätaborte („aR Spätabort“) belastet. 70 Schwangere wiesen Frühaborte in der Anamnese auf, 57 (11,0%) einen, 12 (2,3%) zwei und 1 (0,2%) drei.

↓112

Zusammenfassend wurde eine Variable „belastete Schwangerschaftsanamnese“ gebildet, in der alle Schwangeren zusammengefasst wurden, die mindestens 1 Frühgeburt oder 1 Totgeburt oder 1 Schwangerschaftsabbruch oder mehr als 2 Frühaborte erlitten hatten. 92 Frauen (17,7 %) der Untersuchungspopulation waren nach dieser Definition als anamnestisch belastet einzustufen.

5.1.2.2 Vorerkrankungen und -behandlungen

Auf die Frage nach einer Sterilitätsbehandlung antworteten 30 Schwangere ( 6,0%) mit ja („Sterilitätsbehandlung“) und 469 (94,0%) mit nein, 20 machten keine Angaben. 22 fehlende Angaben fanden sich bei der Frage nach einer Infertilitätsbehandlung wegen rezidivierender Aborte, 7 Frauen (1,4% ) hatten eine solche Behandlung wahrgenommen („In fertilitätsbehandlung“).

Die Schwangeren wurden ebenfalls um Angaben zu gynäkologischen und anderen Erkrankungen in ihrer Vorgeschichte gebeten. Dabei wurden vorrangig Erkrankungen erfragt, die als anamnestische Risiken für eine Schwangerschaft insbesondere in Hinblick auf Frühgeburtlichkeit und intrauterine fetale Retardierung gelten (z.B. Hypertonie, Diabetes mellitus, Nierenerkrankungen) und/oder als psychosomatisch bedingt oder mitbedingt angesehen werden (z.B. Asthma, Ulcus ventriculi oder duodeni). Für die einzelnen Erkrankungen wurden Gruppen nach Auftreten bzw. Häufigkeit der Auftretens gebildet z.B. Kolpitis „nie“, ein bis dreimal“ und „mehr als dreimal oder chronisch“ oder z.B. Anorexie „nein“ und „ja“. Für die sekundäre Amenorrhoe, das Magen-Darm-Geschwür und den Durchfall mit Blut und Schleimabgang wurde davon abweichend unterteilt in

↓113

„nie“, „einmal“ und „mehr als einmal“. Die Häufigkeitsangaben für die verschiedenen Erkrankungen finden sich in den Tabellen 8-10.

Tabelle 8: Häufigkeiten anamnestischer nichtgynäkologischer Erkrankungen

Erkrankung

nie

1 – 3x

>3x oder chron.

Missing

n

%

n

%

n

%

n

Orthostase

417

82,0

38

7,5

53

10,5

11

Herzbeschwerden

489

96,1:

14

2,8

6

1,2

10

Herzrhythmusstör.

463

90,8

15

6,1

16

3,1

9

Nierenerkrankungen

478

94,1

17

3,3

13

2,6

11

Hypertonie

460

90,2

28

5,4

22

4,3

9

Tabelle 9: Häufigkeiten anamnestischer nichtgynäkologischer Erkrankungen

Erkrankung

nie

1 x

>1 oder chron.

Missing

N

%

n

%

n

%

n

MagenDarmGeschw.

489

96,3

8

1,6

11

2,2

11

Durchfall

507

99,6

1

0,2

1

0,2

10

↓114

Tabelle 10: Häufigkeiten anamnestischer nichtgynäkologischer Erkrankungen

Erkrankung

nein

ja

Missing

n

%

n

%

n

Hypertonie

460

90,2

50

9,8

9

Asthma

497

97,8

11

2,2

11

Rheuma

498

97,8

11

2,2

10

Diabetes mellitus

502

98,4

8

1,6

9

Anorexie

498

98,0

10

2,0

11

Bulimie

500

98,4

8

1,6

11

Essstörung

495

97,4

13

2,6

11

Zusammenfassend wurden für die nichtgynäkologischen Erkrankungen darüber hinaus 2 Variable gebildet (Tab. 11). Die Variable Medizinische Risiken 1 schloss all jene Frauen als belastet ein, die angegeben hatten, in ihrem bisherigen Leben mindestens einmal oder dauerhaft unter Herzrhythmusstörungen, Asthma, Diabetes mellitus oder mehr als 3x oder chronisch unter erhöhtem Blutdruck oder einer Nierenerkrankung gelitten zu haben bzw. zu leiden. Zu dieser Gruppe gehörten 59 Frauen (11,6 %) wobei 48 von Ihnen eine Erkrankung und 11 zwei Erkrankungen angegeben hatten. In der Variablen Medizinische Risiken 2 wurden all jene Frauen als belastet definiert, die mehr als dreimal oder chronisch unter anfallsweisen krampfartigen Herzbeschwerden, Orthostase, Herzrhythmusstörungen und Nierenerkrankungen, mehr als einmal oder chronisch unter Magen-Darmgeschwüren oder Durchfall mit Blut- und Schleimabgang, sowie mindestens einmal oder dauerhaft

unter Bluthochdruck, Asthma, Diabetes mellitus, einer rheumatischen Erkrankung oder einer Essstörung gelitten hatten bzw. litten. Eine solche Belastung betraf 140 Schwangere (27,6 %), von denen 101 eine Erkrankung, 32 zwei Erkrankungen, 5 drei Erkrankungen und 2 vier Erkrankungen angegeben hatten.

↓115

Tabelle 11: zusammengefasste Risiken

Risikogruppe

keine

1

>1

Missing

n

%

n

%

n

%

n

Med. Risiken 1

(3 Kategorien)

449

88,4

48

9,5

11

2,2

11

Med. Risiken 2

(3 Kategorien)

368

72,4

101

19,9

39

7,7

11

Chron. gyn. Erkr.

(3 Kategorien)

184

37,6

192

39,3

113

23,1

30

In Hinblick auf die erfragten gynäkologischen Erkrankungen wurden Schwangere in der Variable rezidivierende oder chronische gynäkologische Störungen als belastet eingestuft, wenn sie angegeben hatten, mehr als dreimal oder chronisch an Kolpitis, Dysmenorrhoe,

Tabelle 12: Häufigkeiten anamnestischer gynäkologischer Erkrankungen

Erkrankung

nie

1 – 3 x

>3 x oder chron.

Missing

n

%

n

(%)

n

(%)

n

Adnexitis

399

79,0

94

18,6

12

2,4

14

Kolpitis

336

66,3

126

24,9

45

8,9

12

Dysmenorrhoe

190

37,5

66

13,0

251

49,5

12

Unterbauchschmerz

429

87,7

27

5,5

33

6,7

30

Regelstörung

344

67,7

87

17,1

77

15,2

11

Mastodynie

382

75,5

69

13,6

55

10,9

13

↓116

Unterbauchschmerzen unabhängig von der Menstruation, Regelstörungen (Störungen in der Dauer, Stärke oder Abstand der Regelblutung oder Zwischenblutungen) gelitten zu haben oder zu leiden. 184 Frauen (37,6%) waren nach dieser Definition gynäkologisch nicht belastet, 192 (39,3%) wiesen mindestens eine Störung auf (dabei handelte es sich meist um Dysmenorrhoe), 69 zwei, 30 drei, 11 vier und 3 fünf Erkrankungen (Tab.12).

Die Häufigkeit der anamnestischen Belastung durch die einzelnen gynäkologischen Erkrankungen finden sich in Tabelle 12 und 13.

Tabelle 13: Häufigkeiten anamnestischer gynäkologischer Erkrankungen

Erkrankung

nie

1 x

>1x oder chron.

Missing

n

%

n

%

n

%

n

Amenorrhoe

468

91,9

22

4,3

19

3,7

10

↓117

5.1.2.3  Repräsentativität der anamnestischen medizinischen Daten

Die Beschreibung der Repräsentativität der anamnestischen medizinischen Daten stützt sich im Wesentlichen auf Literaturangaben, da keine einheitlichen Vergleichsdaten für Berliner Schwangere zum Untersuchungszeitpunkt vorlagen. Diese Literaturangaben sowie einige 94er Daten aus verschiedenen Ostberliner Krankenhäusern und aus dem Statistischen Landesamt Berlin sind im Anhang in der Tabelle A3 zusammengefasst.

5.1.3 Lebensgeschichtliche Daten

97 (18,8) Schwangere waren als Einzelkinder aufgewachsen, 418 (81,2%) hatten mindestens ein Geschwisterkind, für 4 fehlten die entsprechenden Angaben. Die Mehrheit der in Familien mit mehr als einem Kind Aufgewachsenen lebte in Zweikindfamilien (n=221 [52,9%]), 102 (24,4%) in Dreikindfamilien, 53 (12,7 %) in Familien mit 4 Kindern und 51 (12,2%) in Familien mit 5 und mehr Kindern. Knapp drei Viertel der Schwangeren (n=368 [71,5%]) waren in einer Familie mit den leiblichen Eltern aufgewachsen, 85 (16,5%) bei der Mutter bzw. beim Vater z.T. allein, z.T. mit deren neuen Lebensgefährten, 13 (2,5%) nicht bei den Eltern und für 49 (9,5%) wechselte die diesbezügliche Lebenssituation. 84 Schwangere (16,3%) berichteten über eine Scheidung oder Trennung der Eltern in ihren ersten 14 Lebensjahren, bei 15 (2,9%) war der Vater und bei 3 (0,6%) die Mutter in dieser Zeit verstorben. Bei der Frage nach der Art und Weise der Trennung vom Elternhaus gab die überwiegende Mehrheit (n=438 [87,3%]) eine einvernehmliche Ablösung an, während diese bei ca. 9,6 % (n= 48) im Streit erfolgte. 16 Schwangere (3,2%) lebten zum Befragungszeitpunkt noch bei den Eltern, für 17 fehlten die Angaben (Tab. 14).

↓118

Tabelle 14: Lebensgeschichtliche Daten

Variable

Ausprägung

n

%

Trennung vom Elternhaus

einvernehmlich

438

87,3

im Streit

48

9,6

noch bei Eltern

16

3,2

Missing

17

Erleben familiärer Atmosphäre

sehr positiv

115

23,7

eher positiv

301

61,9

eher negativ

70

14,4

Missing

33

autoritäres

Erziehungsverhalten

wenig autoritär

69

14,6

ausgewogen

338

71,6

ausgeprägt autoritär

65

13,8

Missing

47

Im Ergebnis faktor-analytischer Auswertungen der Items zu Kindheitserfahrungen waren 6 Items in die Variable Erleben der familiären Atmosphäre in der Kindheit eingegangen. Nach anschließender Scorebildung wurden die befragten Frauen im Hinblick auf ihr Beantwortungsverhalten drei Gruppen zugeordnet. Danach hatten 115 (23,7%) der Schwangeren sehr positive Erinnerungen an ihre Kindheit, 70 (14,4%) eher negative (siehe Tab. 14). Weiterhin wurde der Faktor Erleben autoritären Erziehungs

verhaltens in der Kindheit extrahiertund die anschließende Scorebildung führte zur Tabelle 14 zu entnehmenden Eingruppierungen der Schwangeren. 65 (13,8%) Schwangere erinnerten sich an einen ausgeprägt autoritären Erziehungsstil in ihrer Ursprungsfamilie. Für 47 Frauen fehlten die erforderlichen Angaben, so dass keine Eingruppierung erfolgen konnte.

5.1.4 Stressverarbeitung und Persönlichkeitsvariable

↓119

Aus den ursprünglich 9 Items zur Stressverarbeitung wurden nach Faktorenanalyse zwei Faktoren mit je 3 Items extrahiert.

Tabelle 15: Stressverarbeitungsvariable in je 3 Gruppen

Variable

Ausprägung

n

%

SV gedankliche Weiterbeschäftigung

wenig

73

14,3

mittel

331

65,0

hoch

105

20,6

Missing

10

SV Soziale Abkapselung

wenig

88

17,4

mittel

343

67,7

hoch

76

15,0

Missing

11

Für die Stressverarbeitungsform ge dankliche Weiter beschäftigung lag der Mittelwert für die Untersuchungspopulation bei 3,8 ± 1,2. 105 (20,6%) der Schwangeren wiesen auf dieser Skala einen hohen Wert auf (Tab.15). Für die Copingstrategie Soziale Ab kapselung lag der Mittelwert bei 2,4 ± 1,1. 76 (15,0%) Schwangere wiesen in dieser Skala einen hohen Wert auf (Tab.15) und neigten damit dazu, in Stresssituationen Kontakten aus dem Weg zu gehen, andere Menschen zu meiden und diese als lästig zu empfinden.

↓120

Tabelle 16: Persönlichkeitsvariable in je 3 Gruppen

Variable

Ausprägung

n

%

Nachhaltigkeit

gering

94

18,1

mittel

345

66,5

hoch

80

15,4

Missing

0

Erschöpfung

gering

86

16,9

mittel

355

69,9

hoch

67

13,2

Missing

11

allgemeine Ängstlichkeit

gering

82

15,8

mittel

372

71,7

hoch

65

12,5

Missing

0

Selbstwert

hoch

67

13,2

mittel

372

73,1

gering

70

13,7

Missing

10

Schlafstörungen

gering

94

18,4

mittel

308

60,3

hoch

109

21,3

Missing

8

In die 5 Persönlichkeitsfaktoren gingen 19 der ursprünglich 68 Items ein. Für den Faktor Nachhaltigkeit mit 5 Items ergab sich in der Studienpopulation ein Mittelwert von 3,3 ± 1,1. 80 (15,4%) Schwangere waren durch einen hohen Wert gekennzeichnet (Tab. 16). Als weiterer Faktor wurde Erschöpfung (α = 0,7952) extrahiert. Auf diesen Faktor luden 6 Items. Der Mittelwert für diesen Faktor lag bei den untersuchten Schwangeren bei 3,2 ± 0,9. 67 (13,2%) der Graviden wiesen einen hohen Grad von Erschöpfung auf (Tab. 16). Der Faktor allgemeine Ängstlichkeit umfasste 4 Items und der Mittelwert lag in der Studienpopulation bei 2,5 ± 1,0. 67 (13,2%) Schwangere waren durch eine hohe Angstausprägung gekennzeichnet (Tab. 16). Die zwei weiteren Faktoren Selbst wert und Schlafstörungen wurden durch je 2 Items gebildet. Die Mittelwerte für die untersuchten Schwangeren betrugen 2,9 ± 1,2 (Selbstwert) bzw. 2,6 ± 1,4 (Schlafstörungen). 70 (13,8%) Schwangere wiesen danach einen niedrigen, 67 (13,2%) einen hohen Selbstwert auf. 109 (21,3%) der Schwangeren hatten im Faktor Schlafstörung hohe Werte (Tab. 16).

5.1.5 Schwangerschaftsbezogene Einstellungen und Ängste

311 Frauen (60,4%) hatten ihre Schwangerschaft zum aktuellen Zeitpunkt, 105 (20,4%) eigentlich zu einem späteren Zeitpunkt geplant und für 99 (19,2%) war die Schwangerschaft ungeplant eingetreten. Für 4 Frauen fehlten die entsprechenden Angaben. (Tab.17; Variable Geplantheit SS in 3 Stufen) In der Variablen Geplantheit SS in 2 Stufen wurden die später geplanten und nicht geplanten Schwangerschaften als ungeplant (204 [39,6%]) zusammengefasst.

↓121

In Hinblick auf Erwünschtheit war die Schwangerschaft für drei Viertel der Frauen (n=396 [76,6%]) eher erwünscht, erwünscht oder sehr erwünscht, für ein Viertel (n=121 [23,4%]) weder erwünscht noch unerwünscht bis sehr unerwünscht. 2 Frauen machten hinsichtlich der Erwünschtheit der Schwangerschaft keine Angaben. (Tab.17; Variable Er

wünschtheit SS mit den Ausprägungen SS erwünscht / SS unerwünscht) Erwartungsgemäß korrelierten Geplantheit und Erwünschtheit der Schwangerschaft hochsignifikant. Fast 90% der geplanten Schwangerschaften waren auch erwünscht, bei den ungeplanten waren dies immerhin noch nahezu 60%.

Von den 9 Items zur Schwangerschaftseinstellung gingen nach Faktorenanalyse 7 in die Variable Einstellung zur Schwangerschaft ein. 91 Schwangere (17,6%) wurden der Gruppe negative Schwangerschaftseinstellung und 420 (82,4%) der Gruppe positive Schwangerschaftseinstellung zugeordnet (Tab.12). 8 Frauen (1,5%) ließen sich keiner Gruppe zuordnen. Bei einer Einteilung in 3 Gruppen hatten 90 (17,3%) Schwangere eine sehr positive, 330 (63,5%) eine mittlere und 91 (17,5%) eine negative Einstellung zur Gravidität. Der Mittelwert der Schwangerschaftseinstellung lag bei 1,7 ± 0,7. Die Einstellung zur Schwangerschaft korrelierte signifikant mit Erwünschtheit und Geplantheit derselben, wobei der ausgeprägtere Zusammenhang mit der Geplantheit bestand.

↓122

Tabelle 17: Schwangerschafts- und geburtsbezogene Ängste und Einstellungen

Variable

Ausprägung

n

%

Geplantheit SS

jetzt

311

60,4

später

105

20,4

ungeplant

99

19,2

Missing

4

Erwünschtheit SS

erwünscht

396

76,6

unerwünscht

121

23,4

Missing

2

Einstellung zur Schwangerschaft

positiv (<1,03)

90

17,6

mittel

330

64,6

negativ (>2,41)

91

17,8

Missing

8

Schwangerschafts-

Angst

gering (<2,40)

115

22,2

mittel

318

61,3

hoch (>5,00)

86

16,6

Missing

0

Geburtsangst

gering (<1,79)

102

19,7

mittel

329

63,4

hoch (>3,95)

88

17,0

Missing

0

Nach faktorenanalytischer Auswertung der ursprünglichen 5 Items zur Schwanger schafts angst lag der Mittelwert der 3 einbezogenen Items bei 3,7 ± 1,3. Bei der anschließenden Kategorisierung wurden 86 Schwangere (16,6%) der Gruppe viel (Mittelwert >5) und 433 (83,4%) der Gruppe normal bis wenig (Mittelwert ≤5) Schwangerschaftsangst zugeordnet. Wurde die größere Gruppe nochmals unterteilt, fanden sich 115 (22,2%) Frauen mit wenig (Mittelwert <2,4) und 318 (61,3%) mit mittlerer Schwangerschaftsangst. (Tab. 17) Hohe Schwangerschaftsangst ist gekennzeichnet durch Ängste dass das Kind bei einem Sturz oder Unfall geschädigt werden könnten oder das Blutungen auftreten könnten, die zum Verlust des Kindes führen würden und durch die Sorge dem Kind durch eine falsche Lebensweise zu schaden.

Geburtsängste traten in der Untersuchungspopulation, die sich zum Zeitpunkt der Befragung noch mehr als 4 Monate vor dem errechneten Geburtstermin befand, erwartungsgemäß in geringerer Ausprägung auf. Der Mittelwert der nach faktorenanalytischer Auswertung einbezogenen 4 (ursprünglich 5) Items lag bei 2,9 ± 1,1. Bei der anschließenden Kategorisierung wurden 88 Schwangere (16,9%) der Gruppe viel (Mittelwert ≥ 3,95) und 426 (83,1%) der Gruppe normal bis wenig (Mittelwert <3,95) Geburtsangst zugeordnet. Bei einer weiteren Unterteilung der letzteren Gruppe zeigten 102 (19,7%) Schwangere eine geringe (Mittelwert <1,79) und 318 (63,4%) eine mittlere Ausprägung der Geburtsangst. (Tab.17) Hohe Werte bedeuten eine ausgeprägtere Angst vor den körperlichen Schmerzen und vor Komplikationen unter der Geburt, aber auch davor, während der Geburt ausgeliefert und alleingelassen zu sein.

↓123

Frauen, die nicht erstmals schwanger waren, wurden nach dem Erleben der letzten Schwangerschaft bzw. Geburt gefragt. Von den 274 Frauen, die bereits ein- oder mehrmals schwanger gewesen waren, machten 257 Angaben zum Erleben der letzten Gravidität. 178 (69,3%) hatten diese eher positiv bis sehr positiv und 79 (30,7%) eher negativ bis sehr negativ erlebt. Von den 207 Frauen, die Angaben zur letzten Geburt machten, hatten diese 100 (48,3%) eher positiv bis sehr positiv und 107 (51,7%) eher negativ bis sehr negativ erlebt.

5.1.6 Soziale Netzwerke

Tabelle 18: allg. Verfügbarkeit unterstützender Beziehungen (Anzahl Personen)

Variable

Ausprägung

n

%

Soz. Unterstützung allg.

0-2 Personen

22

4,3

> 2 Personen

486

95,7

Missing

11

Soz. Unterstützung SS

0-2 Personen

92

18,1

> 2 Personen

417

81,9

Missing

10

Soz. Netzwerk

nein

34

6,6

ja

485

93,4

Missing

0

Die Auswertung der Angaben zur allgemeinen Verfügbarkeit unterstützender Beziehungen verwies auf ein gut ausgebildetes soziales Netzwerk für die überwiegende Mehrzahl der Schwangeren. So gaben nur 22 Frauen (4,3%) an, von keiner oder bis zu 2 Personen soziale Unterstützung allgemeiner Art zu erhalten. Für 11 Frauen fehlten die diesbezüglichen Angaben (Tab. 18; Soziale Un ter stützung allg./ Anzahl Perso nen).

↓124

Soziale Unterstützung im Zusammenhang mit der Schwangerschaft erfuhren 92 Frauen (18,1%) von keiner bis zu 2 Personen. Hierzu fehlten die Angaben von 10 Frauen. (Tab. 18; Soziale Unterstützung SS/ Anzahl Personen) Schwangere, die bei einer der 5 Fragen zu

emotionaler und instrumenteller Unterstützung in und außerhalb der Schwangerschaft angegeben hatten, von niemandem Unterstützung erhalten zu können, wurden als mit einem unzureichenden sozialen Netzwerk ausgestattet, eingestuft. Dies traf auf 34 Frauen (6,6%) zu. (Tab. 18; Soziales Netz werk) Dabei hatten 3 Frauen keinen Menschen, der ihnen auf jeden Fall helfen würde, 5 Frauen meinten, es gäbe keinen Menschen, der sie, so wie sind, akzeptieren würde, 6 fänden keinen Ansprechpartner wenn sie sich deprimiert oder unglücklich fühlen würden, 7 würden in der Schwangerschaft keine Unterstützung bei körperlich belastenden Tätigkeiten haben, 14 fänden kein Verständnis in Hinblick auf ihre Gedanken und Gefühle in Zusammenhang mit der Schwangerschaft und 11 wüssten nicht, an wen sie sich mit Fragen in Hinblick auf die Schwangerschaft wenden könnten.

Tabelle 19: Soziale Netze in Hinblick auf Schwangerschaft wichtigste Ansprechpartner
(Mehrfachnennungen möglich)

n

%

Ansprechpartner für SS

Arzt

443

85,4

Mutter

304

58,6

Freundin(nen)

211

40,7

Partner

142

27,4

Geschwister

% bezogen auf Pers. mit Geschwistern

93

17,9

22,3

Vater

32

6,2

Freund(e)

31

6,0

andere Verwandte

62

11,9

emotionales Verständnis für SS

Partner

387

74,6

Mutter

314

60,5

Freundin(nen)

288

55,5

Geschwister

% bezogen auf Pers. mit Geschwistern

113

21,8

27,0

Vater

96

18,5

andere Verwandte

69

13,3

Freund(e)

57

11,0

instrumentelle Hilfe für SS

Partner

493

95,0

Mutter

145

27,9

Freundin

144

27,7

Geschwister

% bezogen auf Pers. mit Geschwistern

87

16,8

20,8

Vater

75

14,5

↓125

Den wichtigsten Ansprechpartner für Fragen zur Schwangerschaft stellte mit Nennung durch 443 Frauen (85,4%) der Arzt/ die Ärztin (Ansprechpartner SS Arzt) dar. Die zweitwichtigste Person war in diesem Zusammenhang die eigene Mutter, die von 304 Schwangeren (58,6%) benannt wurde (Ansprechpartner SS Mutter), gefolgt von Freundinnen, an die sich 211 Frauen (40,7%) bei Fragen zur Schwangerschaft wenden könnten. In abnehmender Häufigkeit wurden der eigene Partner, Geschwister, der eigene Vater, Freunde und andere Verwandte benannt. (Tab.19) Verständnis für Gedanken und Gefühle im Zusammenhang mit der Schwangerschaft und die Möglichkeit, diese mitzuteilen, fanden die Schwangeren vor allem bei ihrem Partner (emotionales Verständnis SS Partner, n=387 [74,6%]), ihrer Mutter (emotionales Verständnis SS Mutter, n=314 [60,5%]) und Freundinnen (emotio

nales Verständnis SS Freundin, n=288 [55,5%]). Seltener wurden Geschwister, der eigene Vater, andere Verwandte und Freunde genannt. (Tab.19)

Tabelle 20: Soziale Netze allgemein wichtigste Ansprechpartner(Mehrfachnennungen möglich)

n

%

Hilfe in jedem Fall

Partner

475

91,5

Mutter

425

81,9

Vater

320

61,7

Freundin(nen)

291

56,1

Geschwister

% bezogen auf Pers. mit Geschwistern

265

51,1

63,4

Unterstützung wenn deprimiert

Partner

445

85,7

Mutter

326

62,8

Freundin(nen)

314

60,5

Geschwister

% bezogen auf Pers. mit Geschwistern

177

34,1

42,4

Vater

138

26,6

Akzeptiert wie ich bin

Partner

473

91,1

Mutter

409

78,8

Freundin(nen)

349

67,2

Vater

337

64,9

Geschwister

% bezogen auf Pers. mit Geschwistern

317

61,1

75,8

↓126

Die Paarbeziehung stellt gerade in der Schwangerschaft einen wesentlichen, emotional bedeutungsvollen Teil des sozialen Netzwerkes dar. So wurde, außer in Hinblick auf Fragen und Informationen zur Schwangerschaft, der Partner als wichtigste unterstützende Person benannt. Hilfe bei körperlich belastenden Tätigkeiten in der Schwangerschaft (kör perliche Hilfe SS Partner) konnten 493 (95%) Unterstützung in scheinbar ausweglosen Lebenssituationen (Hilfe in jedem Fall Partner) 475 (91,5%) der Frauen vom Vater ihres zukünftigen Kindes erwarten. Als zweitwichtigste Ansprechpartnerin wurde für beide Bereiche die eigene Mutter mit 27,9% (körperliche Hilfe SS Mutter) bzw. 81,9% (Hilfe in jedem Fall Mutter) erwähnt. Für die instrumentelle Hilfe in der Schwangerschaft waren Freundinnen (körperliche Hilfe SS Freundin, 27,7%) die drittwichtigste Gruppe. Schwangere mit Geschwistern nannten diese auf Rangplatz 3 als diejenigen, die ihnen in schwierigen Lebenslagen auf jeden Fall helfen würden (Hilfe in jedem Fall Geschwister, 62,9%). 473 (91,1%) Schwangere fühlten sich von ihrem Partner so akzeptiert wie sie sind (Akzeptanz Partner), 445 (85,7%) konnten mit seiner Unterstützung rechnen, wenn sie deprimiert waren (Unterstützung wenn deprimiert Partner). Auf Rangplatz 2 und 3 sind für diese beiden Bereiche Mutter und falls vorhanden Geschwister zu finden. (Einzelheiten zum sozialen Netzwerk siehe Tabelle 20)

5.1.7  Partnerschaft

Tabelle 21: Subjektives Erleben der Partnerschaft

Variable

Ausprägung

n

%

sehr unglückliche Partnerschaft

nicht unglücklich

489

94,8

unglücklich

27

5,2

Missing

3

Zufriedenheit in Partnerschaft

zufrieden

438

88,7

unzufrieden

56

11,3

Missing

25

Zufriedenheit m. Verteilung Hausarbeit

zufrieden

419

84,5

unzufrieden

77

15,5

Missing

23

Zufriedenheit m.

Verwaltung fam.

Finanzen

zufrieden

425

93,8

unzufrieden

28

6,2

Missing

66

an Trennung gedacht

nie

315

69,4

ja, nicht ernsthaft

104

20,6

ja, ernsthaft

51

9,8

Missing

13

belastende Probleme

nein

391

77,6

ja

113

22,4

Missing

15

belastenden Verhaltensweisen d. Partn.

nie

175

35,8

mind.1x selt. o manchm.

274

56,0

mind. 1x ≥ häufig

40

8,2

Missing

30

„ideale“ Partnerschaft

„ideal“

115

23,7

nicht „ideal“

371

76,3

Missing

33

PFB Streitverh.

ungestört

327

66,1

fraglich gestört

140

28,3

gestört

28

5,7

Missing

24

PFB Zärtlichkeit

ungestört

406

81,4

fraglich gestört

58

11,6

gestört

35

7,0

Missing

20

PFB Kommunikation

ungestört

407

81,2

fraglich gestört

56

11,2

gestört

38

7,6

Missing

PFB Gesamtwert

ungestört

442

89,3

fraglich gestört

25

5,1

gestört

28

5,7

Missing

24

Neben den unter Punkt 4.1.1.1 beschriebenen formalen Daten zur Partnerschaft und deren Anteile im sozialen Netzwerk wurden weitere qualitative Aspekte der Paarbeziehung untersucht. Die Schwangeren sahen ihre Paarbeziehung in einem sehr positiven Licht. 447 (86,6%) meinten die Beziehung zum Vater ihres Kindes sei glücklich oder sehr glücklich, 39 (7,6%) sie sei eher glücklich und nur 19 (3,7%) schätzen ihre Beziehung als eher unglücklich bis sehr unglücklich ein. Eher unzufrieden bis sehr unzufrieden mit ihrer Partnerschaftssituation waren 15 (2,9%) der Frauen und mit der Partnerschaft allgemein 14 (2,7%). Aus diesen 3 Variablen wurde ein neues Item gebildet, das Frauen, die ihre Beziehung entweder als eher unglücklich bis sehr unglücklich eingestuft hatten oder mit ihrer Partnerschaftssituation oder der Partnerschaft allgemein eher unzufrieden bis sehr unzufrieden waren als sehr unglücklich einstufte. Dies traf auf 27 (5,2%) der Schwangeren zu (sehr un glückliche Partnerschaft). (Tab.21)

↓127

Zufriedenheiten mit verschiedenen Bereichen der Partnerschaft wurden mit 11 weiteren Items abgefragt. Auch hier bekundeten die Befragten eine hohe Zufriedenheit. Der Mittel

wert über alle 11 Items lag bei 5,1 ± 0,6. Daher wurden zunächst alle Antworten, die zwischen sehr unzufrieden (1) und eher zufrieden (4) lagen, dem Bereich Unzufriedenheit und die Angaben zufrieden und sehr zufrieden dem Bereich Zufriedenheit zugeordnet. Nach dieser Klassifizierung bestand die größte Unzufriedenheit mit der Verteilung der Aufgaben im Haushalt (145 [27,9%]), gefolgt von der Unzufriedenheit mit dem Anteil des Partners an der Hausarbeit (167 [32,2%]). Deutlich weniger Frauen waren nach dieser Definition unzufrieden mit den Gemeinsamkeiten bei der Freizeitgestaltung (89[17,1%]), der Möglichkeit zum Äußern von Gefühlen (88[17,0%]), dem Verständnis für ihre Sorgen (85[16,4%]), den Freiräumen für die eigene individuelle Freizeitgestaltung (83[160%]), der Verwaltung der familiären Finanzen (77[14,8%]) und der Sexualität (76[14,6%]). Die geringsten Unzufriedenheiten gab es mit der Art und Weise miteinander umzugehen (47 [9,1%]), der Stabilität und Sicherheit in der Beziehung (34 [6,6%]) und der Partnerschaft allgemein (31[6,0%]). Aus diesen Variablen wurde ein Partnerschaftszufriedenheitsscore gebildet. 444 (85,5%) Schwangere waren mit einem Gesamtwert > 16 als zufrieden mit ihrer Partnerschaft einzustufen.

Durch Faktorenanalyse wurden dann aus den 11 ursprünglichen Items 2 Faktoren extrahiert. Für den Faktor Zufriedenheit mit der Verteilung der Hausarbeit (αCr = 0,92) ergab sich in der Untersuchungspopulation ein Mittelwert von 4,7 ± 1,2. 77 (15,5%) der Schwangeren waren mit der Verteilung der Aufgaben im Haushalt unzufrieden.(Tab.21)

↓128

Auf den Faktor Zufriedenheit mit der Partnerschaft (αCr = 0,86) luden Zufriedenheiten mit sehr verschiedenen Bereichen (Gemeinsamkeiten in der Freizeitgestaltung und Freiräume für eigene diesbezügliche Aktivitäten, der Sexualität, der Möglichkeit, Gefühle zu äußern, dem Verständnis für eigene Sorgen, den Umgangsformen miteinander und der Stabilität und Sicherheit der Beziehung). Der Mittelwert dieser Zufriedenheitsskala lag bei 5,2 ± 0,7. 56 (11,3%) der Schwangeren waren als eher unzufrieden einzustufen. Mit der Ver waltung der familiären Finanzen waren 28 (6,2%) Schwangere eher unzufrieden bis sehr unzufrieden. (Tab.21)

Die Schwangeren wurde darüber hinaus nach sie belastenden Verhaltensweisen des Partners in Hinblick auf Alkoholkonsum, Tätlichkeiten ihr selbst gegenüber, Untreue, Geldverschwendung und Unzuverlässigkeit und deren Häufigkeit befragt. Am häufigsten fühlten sich die Schwangeren durch Geldverschwendung (nie n=310), Unzuverlässigkeit (nie n=316) und Alkoholkonsum (nie n=340) des Partners belastet. Tätlichkeiten gegen die Frau selbst (nie n=467) oder Untreue (nie n=478) hatten nur wenige Frauen erlebt. Von den 207 Schwangeren in deren Haushalt ein Kind lebte machten 204 (98,6%) Angaben zu

Tätlichkeiten ihres Partners den Kindern gegenüber. 185 (89,4%) berichteten, dass es noch nie zu Tätlichkeiten gekommen wäre, 15 (7,3%) selten, 2 (1%) manchmal und je 1 (0,5%) das dies oft oder sehr oft geschehen wäre. 175 (35,8 %) der Schwangeren waren nie durch eine der angeführten Verhaltensweisen belastet worden, 40 (8,2,%) durch mindestens eine häufig, oft oder sehr oft. (Tab.21) 113 (21,8%) der Frauen gaben die Partnerschaft be lastende Probleme an. Nahezu die Hälfte der Probleme waren sozialer Art, in absteigender Reihenfolge handelte es sich weiter um Probleme, die mit der Persönlichkeit des Mannes oder der Frau zu tun hatten gefolgt von sexuellen Problemen und Schwierigkeiten mit den Eltern oder eventuell vorhandenen Kindern. (Tab.21) Noch nie an Trennung gedacht hatten in ihrer Beziehung 351 (67,6%) der Frauen, 104 (20%) hatten dies getan, allerdings nicht ernsthaft. Für 51 (9,8%) Schwangeren war der Gedanke an eine Trennung ihrer jetzigen Beziehung schon einmal ernsthaft aufgetaucht. (Tab.21)

↓129

Hinsichtlich der Qualität der Beziehung wurde eine Variable „ideale“ Partnerschaft gebildet. Eine „ideale“ Partnerschaft wurde definiert als eine Beziehung, in der die Frau mit dem Kindesvater in einem gemeinsamen Haushalt lebte und noch nie an eine Trennung gedacht hatte, glücklich oder sehr glücklich in der Partnerschaft war, in der es keine die Frau belastenden Verhaltensweisen des Mannes und keine die Partnerschaft belastenden Probleme gab, und die Frau in allen Bereichen der Partnerschaft zufrieden war. Dies traf auf 115 Schwangere (23,7%) zu. (Tab.21)

Als validierter Fragebogen war der Partnerschaftsfragebogen (PFB) von HAHLWEG (1996) mit den Skalen Streitverhalten, Zärtlichkeit und Gemeinsamkeit und Kommunikation verwendet worden. Die 3 Faktoren erwiesen sich auch im vorliegenden Datenmaterial als gut reliabel. Die Werte für die einzelnen Skalen des standardisierten Fragebogens verwiesen ebenfalls auf eine hohe Glücklichkeit bzw. Zufriedenheit der schwangeren Frauen. Der Mittelwert für die Skala Streitverhalten lag in der Untersuchungspopulation bei 4,6 ± 3,7, für die Skala Zärtlichkeit bei 22,4 ± 5,3 und für die Skala Gemeinsamkeit und Kommunikation bei 21,8 ± 5,0. In der Skala Streitverhalten verweisen niedrige Werte auf eine glückliche Beziehung in den Skalen Gemeinsamkeit und Kommunikation, Zärtlichkeit sowie in der Gesamtskala tun dies hohe Werte. Unter Zugrundlegung der Normwerte des PFB waren in der Skala Streitverhalten 327 (66,1%) Schwangere als ungestört, 140 (28,3%) als fraglich gestört und 28 (5,7%) als gestört, in der Skala Zärtlichkeit 406 (81,4%) als ungestört, 58 (11,6%) als fraglich gestört und 35 (7,0%) als gestört und in der Skala Gemeinsamkeit und Kommunikation 407 (81,2%) als ungestört, 56 (11,2%) als fraglich gestört und 38 (7,6%) als gestört einzustufen. Im Ge

samtwert konnten 442 (89,3%) Schwangere als ungestört, 25 (5,1%) als fraglich gestört und 28 (5,7%) als gestört eingestuft werden. (Tab.21)

5.1.8 Gesundheitsverhalten

↓130

Zum Gesundheitsverhalten der Schwangeren und ihrem sozialen Umfeld wurden eine Vielzahl von Informationen u.a. zu Ernährung, Nikotin-, Alkohol-, Drogen- und Medikamentenkonsum und zu sportlicher Betätigung erfragt. Erhoben wurden auch Größe und Gewicht am Beginn und am Ende der Schwangerschaft, woraus dann der Bodymaßindex (BMI) am Beginn und die Gewichtszunahme in der Gravidität errechnet wurden. In der weiteren Auswertung erfolgt eine Fokussierung auf Informationen zu Gewicht, BMI und Gewichtszunahme so wie auf das Rauchverhalten. (Tab. 22)

Tabelle 22: Ausgewählte Aspekte des Gesundheitsverhaltens

Variable

Ausprägung

n

%

BMI vor SS

<19

55

11,5

19-24

303

63,4

25-30

102

21,3

>30

18

3,8

Missing

41

Rauchverhalten

schon immer NR

286

55,9

vor SS NR

47

9,2

in SS NR

90

17,6

in SS R reduziert

68

13,3

in SS unverändert R

21

4,1

Missing

7

SSraucherinnen

nein (NR, vor SS aufgehört)

333

65,0

ja (in SS aufgeh. o. weiterger)

179

35,0

Missing

7

starke SSraucherinnen

nein (NR, vor/in SS aufgeh.)

423

82,6

ja (in SS weitergeraucht)

89

17,4

Missing

7

Zig.konsum Raucherinnen

1-5 /d

42

47,2

5-10 /d

34

38,2

>10 /d

13

14,6

Rauchen n. Klinikunterlag.

kein Konsum

287

58,0

keine Angabe

146

29,5

Konsum (1-5 Zigaretten /Tag)

51

10,3

Abusus ( > 5 Zigaretten/Tag)

11

2,2

Missing

24

Informationen zum Gewicht waren den Klinik- bzw. Ambulanzunterlagen entnommen worden. Die Spannbreite des Ausgangsgewichtes der Schwangeren lag zwischen 39 kg und 115 kg bei einem mittleren Gewicht von 61,9 kg. Das Gewicht am Ende der Gravidität lag zwischen 51 und 125 kg bei einem Mittelwert von 75,6 kg. Die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft variierte zwischen 0 und 34 kg bei einer mittleren Gewichtszunahme von 13,7 kg. Die kleinste Schwangere maß 147 cm, die größte 186 cm die mittlere Größe lag bei 166,4 cm. Der Bodymaßindex vor der Schwangerschaft variierte zwischen 15,6 und 44,9 bei einem Mittelwert von 22,4 (BMI vor SS). Für 41 Frauen fehlten Angaben, so dass der BMI nicht berechnet werden konnte. Bei einer Einteilung des BMI in drei Gruppen (BMI <19 = untergewichtig, BMI 19-24 = normalgewichtig und BMI >24 = übergewichtig) waren 55 Frauen (11,5%) als untergewichtig, 303 (63,4%) als

↓131

normalgewichtig und 120 (25,1%) als übergewichtig einzustufen (BMI 3). Wurde die Gruppe der Übergewichtigen nochmals unterteilt so waren 102 Frauen (21,3%) als leicht übergewichtig (BMI 25-30) und 18 (3,8%) als stark übergewichtig (BMI>30) einzustufen (BMI 4).(BMI = Körpergewicht : Quadrat der Köperlänge [kg/m#SYMBOL#])

Die Angaben zum Rauchverhalten waren einerseits von den Frauen selbst im Fragebogen gemacht worden, zum anderen wurden entsprechende Informationen den Klinikunterlagen entnommen. 286 Frauen (55,9%) hatten angegeben, noch nie in ihrem Leben geraucht zu haben, 47 (9,1%) hatten den Nikotinkonsum vor der Schwangerschaft und 90 (17,6%) in den ersten Wochen der Schwangerschaft (2. – 16. SSW, Mittelwert 6,8 SSW) aufgegeben. Von den in der Schwangerschaft weiter rauchenden Frauen taten dies 21 (4,1%) unverändert wie vor der Gravidität, 68 (13,3%) hatten ihren Zigarettenkonsum zwischen der 2. und 18. SSW (Mittelwert 8,3 SSW) reduziert. 7 Frauen machten keine Angaben zum Rauchen (Variable Rauchverhalten). In einer Variablen Schwangerschaftsraucherinnen wurden Frauen, die nie geraucht bzw. das Rauchen vor der Schwangerschaft aufgegeben hatten, als Nichtraucherinnen (n = 333 [64,2%]) eingestuft, alle Frauen, die am Beginn der Schwangerschaft geraucht hatten, wurde unabhängig davon ob sie das Rauchen im weiteren Verlauf der Gravidität aufgegeben oder reduziert oder unverändert weiter geraucht hatten, als Raucherinnen (n = 179 [34,5%]) klassifiziert. In der Variablen starke Schwangerschafts raucherinnen wurden zur Gruppe der Nichtraucherinnen zusätzlich die Frauen gezählt, die das Rauchen in den ersten Wochen der Schwangerschaft aufgegeben hatten (n= 423 [81,5%]) und diese den starken Raucherinnen (in Schwangerschaft Rauchen reduziert oder unverändert weitergeraucht, n = 89 [17,1%]) gegenübergestellt. (Tab. 22)

In der Variablen Rauchergruppen wurden neben den bereits definierten Nichtraucherinnen (n=333) als zwei weitere Gruppen Frauen, die in der Schwangerschaft das Rauchen aufgegeben hatten (n = 90) und die in der Schwangerschaft weiterrauchten (n = 89), zusammengefasst (Tab. 18). Die letzte Gruppe machte auch Angaben zum Zigarettenkonsum. 42 Schwangere, das sind 47,2% der Raucherinnen gaben an, 1 bis 5, 34 (38,2%), 5 bis 10 und 13 (14,6%) mehr als 10 Zigaretten pro Tag zu rauchen. (Tab. 22)

↓132

Aus den Klinikunterlagen, bei denen die Angaben zum Rauchen in der Regel zum Zeitpunkt der Geburt erhoben worden waren, ergab sich ein Anteil von 62 Raucherinnen (11,9%). 287 Frauen (58,0%) hatten angegeben, Nichtraucherinnen zu sein, für 146 (29,5%) fehlten in den eingesehenen Unterlagen Angaben zum Rauchverhalten. Für 24

Schwangere waren keine Unterlagen einsehbar, aus denen Informationen zum Rauchverhalten zu erheben gewesen wären. (Tab. 22)

Tabelle 23: Raucherumfeld

Variable

Ausprägung

n

%

Umfeld nur Nichtraucher

ja

53

10,5

nein

453

89,5

Missing

13

FreundInnen Raucher

nein

209

41,3

ja

297

58,7

Missing

13

Partner Raucher

nein

281

55,5

ja

225

44,5

Missing

13

KollegInnen Raucher

nein

303

59,9

ja

203

40,1

Missing

13

Vater Raucher

nein

342

67,9

ja

164

32,4

Missing

13

Mutter Raucherin

nein

370

73,1

ja

136

26,9

Missing

13

↓133

Die Schwangeren waren auch zu RaucherInnen in Ihrer Umgebung befragt worden. 13 machten dazu keine Angaben. Nur 56 Schwangere (10,5%) hatten in ihrem Verwandten- oder Bekanntenkreis keine Raucher (Nicht raucherumfeld), 297 (58,7%) meinten, dass viele ihrer Freunde und Bekannten RaucherInnen seien (FreundInnen Rau cher). Mit 44,5 % (n=225) rangierte der Partner bzw. Ehemann auf dem zweiten Platz in der Häufigkeitsangabe für Raucher im sozialen Umfeld der Frauen. Am seltensten wurden die eigenen Mütter als Raucherinnen (Mütter Raucherinnen) benannt. Dennoch traf dies noch auf 136 (26,9%) der prospektiven Großmütter zu. (Tab.23)

5.1.9 Berufliche Situation

In Hinblick auf die berufliche Situation wurden neben den unter Punkt 4.1.1. beschriebenen Daten u.a. nach Veränderungen in den letzten 12 Monaten und deren Bewertung gefragt. Hier soll nur auf die subjektive Bewertung durch die Schwangere eingegangen werden. 271 Schwangere (52,2 %) hatten keine beruflichen Veränderungen angegeben, die übrigen hatten eine oder mehrere berufliche Veränderungen in den letzten 12 Monaten erlebt, die von 109 Frauen (21,0%) positiv oder sehr positiv und von 139 Frauen (26,8%) negativ oder sehr negativ bewertet wurden (Bewertung berufliche Veränderung). 358 Schwangere machten Angaben zu ihrem Wunsch nach der Geburt des Kindes wieder in ihren Beruf zurückkehren zu wollen, 318 (63,9%) wollten dies tun, 38 (7,6%) nicht. Für 142 Frauen (28,5%) war die Frage nicht zutreffend und 21 beantworteten die Frage nicht (Berufsrückkehrwunsch). 325 Schwangere machten Angaben darüber, wie sicher sie zum damaligen Zeitpunkt waren, wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren zu können, 223 (47,8%) waren sich sicher oder ziemlich sicher, dass dies möglich sein würde, 102 (21,8%) eher unsicher oder es war sogar klar, das eine Rückkehr nicht möglich sein würde,

für 142 (30,4%) war die Frage nicht zutreffend und 52 machten keine Angaben (Berufs rückkehrsicherheit). (Tab 24)

↓134

Tabelle 24: Berufliche Situation

Variable

Ausprägung

n

%

Bewert. berufl. Veränderung

letzte 12 Monate

keine Veränderung

271

52,2

Veränderung positiv

109

21,0

Veränderung negativ

139

26,8

Missing

0

Berufsrückkehrwunsch

ja

318

63,9

nein

38

7,6

nicht zutreffend

142

28,5

Missing

21

Berufsrückkehrsicherheit

sicher

223

47,8

unsicher bis nicht mögl.

102

21,8

nicht zutreffend

142

30,4

Missing

52

körperliche Belastung durch Hauptbeschäftigung

eher nicht / nicht zutreff.

379

75,5

eher zutreffend / zutreff.

123

24,5

Missing

17

psychische Belastung durch Hauptbeschäftigung

eher nicht / nicht zutreff.

380

77,4

eher zutreffend / zutreff.

111

22,6

Missing

28

gesundheitsschädig. Arbeitsbedingungen

eher nicht / nicht zutreff.

456

94,4

eher zutreffend / zutreff.

27

5,6

Missing

36

Berufsstress

nein

294

60,9

1 Belastung

129

26,7

2 Belastungen

48

9,9

3 Belastungen

12

2,5

Missing

36

Die Schwangeren wurden in Hinblick auf Belastungen durch ihre Hauptbeschäftigung (Beruf oder Haushalt) befragt. 123 (24,5%) übten eine körperlich schwere, sehr anstrengende Arbeit wie z.B. schweres Heben, vorwiegendes Stehen, viel Laufen aus, für 379 (75,5%) traf dies nicht oder eher nicht zu und 17 beantworteten die diesbezügliche Frage nicht (körperlicher Berufsstress). Einer psychischen Arbeitsbelastung z.B. durch Hektik, Konkurrenzdruck, schlechtes Arbeitsklima, häufige Störungen oder zuviel Verantwortung waren 111 Frauen (22,6%) ausgesetzt, während dies auf 380 (77,4%) nicht oder eher nicht zutraf und 28 diese Frage nicht beantworteten (psychischer Berufsstress). Eine Arbeit, die von ihnen selbst als gesundheitsschädigend (Umgang mit Giften, Arbeit in Nässe, Schmutz, Hitze, Strahlungen o.ä.) eingestuft wurde, waren 27 Frauen (5,6%) ausgesetzt (gesund heitsschädigende Arbeits bedingungen). Wurden die beruflichen Belastungen zusammengefasst, so waren insgesamt 189 (36,4%) Schwangere davon betroffen, 129 (26,7% waren einer, 48 (9,9%) zwei und 12 (2,5%) drei Belastungen ausgesetzt (Berufsstress). (Tab.24)

5.1.10  Schwangerschaftsverlauf und –ausgang

Zum Befragungszeitpunkt, zu dem sich die Frauen zwischen der 13. und 24. Schwangerschaftswoche befanden, wurden die bislang in der bestehenden Gravidität erlebten Beschwerden / Symptome erfragt. Es bestand die Möglichkeit, bis zu 3 Beschwerden zu benennen. Nur 210 ( 40,5%) Frauen hatten bis zum Befragungszeitraum unter keiner Beschwerde gelitten. Als häufigstes Symptom wurde von insgesamt 208 (40,1%) Schwangeren Übelkeit benannt (Emesis). Erbrechen war bei 123 (23,7%) der Frauen aufgetreten, 95 (18,3%) Schwangere hatten nach ihrer subjektiven Wahrnehmung Zeichen eines drohenden Abortes in Form von Blutungen oder stärkeren Unterbauchschmerzen erlebt (Ab. im minens subj. Sy). Als vierthäufigstes Symptom wurde von 26 (5,0%) Frauen Müdigkeit angegeben.

↓135

Die weiteren Informationen zum Schwangerschafts- und Geburtsverlauf wurden den Ambulanz- und/oder Klinikunterlagen entnommen. Bei der Erhebung und Dokumentation der Erkrankungen in der Schwangerschaft wurde zwischen schwangerschafts-spezifischen und –unspezifischen Erkrankungen unterschieden.

Tabelle 25: Schwangerschaftsspezifische Erkrankun gen

Variable

Ausprägung

n

%

Hyperemesis gravidarum

nein

472

94,6

ja

27

5,4

Missing

20

Abortus imminens

nein

423

84,8

ja

76

15,2

Missing

20

Anaemie

nein

453

90,8

ja

46

9,2

Missing

20

Glucosurie

nein

496

99,4

ja

3

0,6

Missing

20

Gestationsdiabetes

nein

492

98,6

ja

7

1,4

Missing

20

Cholestase/

Hepatose

nein

497

99,6

ja

2

0,4

Missing

20

SIH

nein

436

87,4

ja

63

12,6

Missing

20

VD Retardierung

nein

465

93,2

ja

34

6,8

Missing

20

Placenta praevia

nein

497

99,6

ja

2

0,4

Missing

20

Cervixinsuffizienz

nein

427

85,6

ja

72

14,4

Missing

20

vorzeitige Wehen

nein

418

83,8

ja

81

16,2

Missing

20

vorzeitiger Blasensprung

nein

478

95,8

ja

21

4,2

Missing

20

drohende FG 1 (vorz. Wehen, vorz. BS, Cervixinsuffizienz

nein

361

72,3

ja

138

27,7

Missing

20

drohende FG (Ab.im. vorz. Wehen, vorz. BS, Cervixinsuff.

nein

318

63,7

ja

181

36,3

Missing

20

schwangerschafts-spez. Erkr.

nein

212

42,5

ja

287

57,5

Missing

20

Eine oder mehrere schwangerschafts-spezifische Er krankungen waren bei 287 (57,5%) der Frauen aufgetreten (Tab. 25). Die häufigsten Erkrankungen waren vor zeitige Wehen (n=81 [16,2%]), Abortus imminens (n=76 [15,2%]), Cervixinsuffizienz (n=72 [14,4%]) und schwangerschaftsinduzierte Hy pertonie (SIH) (n=63 [12,6%]. Für 20 Frauen ließen sich keine Informationen zu schwangerschaftsspezifischen Erkrankungen erheben. Angaben zu diesen und weiteren Erkrankungen finden sich in Tabelle 25.

↓136

Schwangere, bei denen vorzeitige Wehen und /oder Cervixinsuffizienz und/oder vorzeitiger Blasensprung vor der vollendeten 37. SSW aufgetreten waren, wurden der Gruppe drohende Frühgeburt 1 zugeordnet. Nach dieser Definition zeigten 138 (26,6%) der Schwangeren Symptome einer drohenden Frühgeburt. In einer weiteren Gruppe drohende Frühgeburt 2 wurden dazu noch die Frauen mit Abortus imminens Symptomatik aufgenommen. Somit zeigten nach dieser Definition 181 (34,9%) Schwangere Symptome einer drohenden Frühgeburt.

Tabelle 26: schwangerschaftsunspezifische Erkran kungen

Variable

Ausprägung

n

%

Kolpitis

nein

403

81,6

ja

91

18,4

Missing

25

Harnwegsinfekt

nein

453

91,9

ja

40

8,1

Missing

26

Herz-Kreislaufstörungen

nein

456

92,3

ja

38

7,7

Missing

25

Ischialgie

nein

479

97,0

ja

15

3,0

Missing

25

Konisation

nein

491

99,4

ja

3

0,6

Missing

25

psychische Komplikation

nein

489

99,0

ja

5

1,0

Missing

25

sonstige Komplikationen

nein

428

86,6

ja

66

13,4

Missing

25

SSunspezifische Erkrankungen

nein

266

53,8

ja

228

46,2

Missing

25

An schwangerschaftsunspezifi schen Erkrankungen (Tab. 26) hatten 228 (46,2%) Frauen gelitten, für 25 Frauen fehlten die entsprechenden Angaben (Tab.26). Als häufigste unspezifische Erkrankung war bei 91 (18,4%) Schwangeren eine Kolpitis aufgetreten. In abnehmender Häufigkeit waren Harnwegsinfekte (n=40 [8,1%]), Herz kreislaufstörungen (n=38 [7,7%]) und Ischialgien (n=15 [3,0%]) zu verzeichnen. Bei 5 Frauen trat in der Schwangerschaft eine psy chische Komplikation auf und in 66 (13,4%) Fällen waren sehr unterschiedliche Erkrankungen zu beobachten gewesen, die unter dem Begriff sonstige Erkran kungen zusammengefasst wurden. (Tab. 26)

↓137

Eine Arbeitsunfähigkeit wegen einer spezifischen Erkrankung war bei 195 (42,2%) der Frauen und wegen einer unspezifischen Erkrankung bei 75 (16,3%) Frauen eingetreten, 41 (8,9%) Schwangeren war wegen bekannter Risikofaktoren Arbeitsunfähigkeit verordnet worden (Tab. 27). Bei einer Reihe von Schwangeren gab es mehrere Ursachen für die Arbeitsunfähigkeit so dass zusammenfassend festzustellen war, dass 193 Schwangeren (41,8%) keine Arbeitsunfähigkeit verordnet worden war. Die Häufigkeit der Konsultationen beim betreuenden Frauenarzt schwankte stark und lag bei einer Spannbreite von 2 bis 32 Arztbesuchen, im Mittel bei 14,1. Für 46 (9,1%) der Frauen ließen sich die Angaben hierzu nicht ermitteln. Die Angaben wurden in der Variablen Arztbesuche in 4 Gruppen entsprechend eingeteilt. 44 (9,4%) Schwangere hatten 1 bis 9, 236 (51,0%) 10 bis 14, 156 (33,4%) 15 bis 20 und 29 (6,2%) mehr als 20 Arztbesuche in der Gravidität gehabt (Tab. 27.)

171 (33,0%) Frauen waren in der Schwangerschaft stationär behandelt worden.

Tabelle 27: Arbeitsunfähigkeit, Arztbesuche und Krankenhaustage in der Schwangerschaft

Variable

Ausprägung

n

%

AUF wegen SSpezif. Erkr.

nein

267

57,8

ja

195

42,2

Missing

57

AUF wegen SSunspezif. Erkr.

nein

385

83,7

ja

75

16,3

Missing

59

AUF wegen Risiko

nein

421

91,1

ja

41

8,9

Missing

57

AUF während SS

nein

193

41,8

ja

296

58,2

Missing

57

Anzahl Frauenarztbesuche in SS

1-9

44

9,4

10-14

236

51,0

15-20

156

33,4

>20

29

6,2

Missing

52

Krankenhaustage

keine

348

67,1

1-7

70

13,5

>7

101

19,5

Missing

0

↓138

Die Krankenhausaufent halts dauer schwankte bei einem Mittelwert von 14,3 zwischen einem und 117 Tagen. 343 (67,1%) Frauen waren nicht stationär behandelt worden, 68 (13,5%) für 1 bis 7 Tage und 97 (19,5%) für mehr als 7 Tage (Tab. 27; Krankenhaustage in 3 Gruppen).

508 Frauen hatten eine Einlings-, 7 eine Zwillings- und 1 eine Drillingsschwangerschaft, bei Geburten gab es keine Information zur Anzahl der Kinder. Das Ge burtsgewicht lag zwischen 830g und 4600g bei einem mittleren Gewicht von 3371,7 g (Missing 4). 25 (4,9%) Kinder wogen bei der Geburt unter 2500g, 3 (0,6%) von diesen unter 1500g (Tab. 28).

Tabelle 28: Perinatal outcome 1

Variable

Ausprägung

Gesamtkollektiv

Einlinge

n

%

n

%

FG < 37. SSW

nein

472

93,1

470

94,0

ja

35

6,9

29

5,8

SSabbruch

1

0,2

1

0,2

Missing

11

9

Gebgew. <2500g

nein

485

94,2

482

95,1

ja

30

5,8

25

4,9

Missing

4

1

FG WHO

nein

458

90,7

458

91,8

ja

47

9,3

41

8,2

Missing

14

9

Gebgew. <10.Percentile

nein

450

89,6

451

90,0

ja

52

10,4

50

10,0

Missing

17

7

1,4

kindl. Reifezeichen

normal

464

94,9

461

95,6

unreif

18

3,7

14

2,9

übertragen

7

1,4

7

1,5

Missing

30

26

↓139

Wurden nur die Einlinge in die Auswertung einbezogen, war die Spannbreite der Geburtsgewichte die gleiche, das mittlere Gewicht lag dann bei 3388,8 g (Missing 1), 21 (4,1%) der Kinder wogen unter 2500g, 3 (0,6%) dabei unter 1500g. Die mittlere Körperlänge der Neugeborenen betrug 51,0 cm, wobei das kleinste Kind 36 cm und das größte 58 cm maß (Missing 6). Für Einlinge waren die Ergebnisse nicht anders (Missing 3).

Hinsichtlich des Geburtstermines hatten 463 (91,1 %) Schwangerschaften zwischen der vollendeten 37. und 42. SSW, 35 (6,9%) vor der 37. SSW und 9 (1,8%) jenseits der 42. SSW geendet. 1 (0,2%) Gravidität war aus medizinischer Indikation nach dem Befra

gungszeitpunkt durch Schwangerschaftsabbruch beendet worden, für 11 fehlten die diesbezüglichen Angaben. Von den 8 Mehrlingsschwangerschaften endeten 5 Geminigraviditäten und die Drillingsschwangerschaft vor der vollendeten 37. SSW und 2 Geminigraviditäten zwischen der 37. und 42. SSW. Wurden nur die Einlinge in die Auswertung einbezogen, lag die Rate der Geburten vor der vollendeten 37. SSW bei 5,7%. (Tab. 28) Die neonatologische Beurteilung der kindlichen Reife erbrachte für 7 (1,4%) Kinder Zeichen einer Übertragung, 18 (3,7%) wurden als unreif eingestuft, bei 464 (94,9%) wurde keine entsprechende Auffälligkeit gefunden und für 30 Kinder fehlten die entsprechenden Angaben. Von den Einlingen waren 7 (1,5%) mit Übertragungs- und 14 (2,9%) mit Unreifezeichen geboren worden. (Tab. 28) Für 52 Kinder (10,3%) lag das Geburtsgewicht unter der 10. Percentile, für 451 (89,7%) darüber. Bezogen auf Einlinge sank die Zahl der als retardiert einzustufenden Kinder auf 50. Somit lagen 10,0% der Einlinge mit ihrem Geburtsgewicht unter der 10. Percentile. (Tab. 28)

↓140

Tabelle 29: Geburtsmodus

Gesamtkollektiv

Einlinge

n

%

n

%

spontan aus SL

381

73,8

378

74,7

spontan aus BEL

6

1,2

5

1,0

vaginal operativ

63

12,2

63

12,5

primäre Sectio

26

5,0

22

4,4

sekundäre Sectio

38

7,4

37

7,3

Abort /SSabbruch

2

0,4

0

Missing

3

2

gesamt

519

100

508

100

Der Geburtsmodus für alle Geburten und für die Einlingsgeburten ist Tabelle 29 zu entnehmen. Rund drei Viertel der Geburten erfolgten spontan, 63 (12,2%) wurden vaginal operativ beendet (Einlinge n=63 [12,4%]) und bei 64 (12,3%) wurde ein Kaiserschnitt durchgeführt (Einlinge n=59 [11,6%]). Es handelte sich dabei in etwa einem Drittel um eine primäre Sectio und in zwei Drittel der Fälle um eine sekundäre Sectio. 2 (0,4%) Schwangerschaften endeten nach der Befragung noch als Spätabort bzw. medizinisch indizierter Schwangerschaftsabbruch.

Bei den meisten Frauen waren der Verlauf der Geburts- und Nachgeburtsperiode unauffällig. Die überwiegende Mehrheit der Kinder wurde nach der Geburt mit einem APGAR-Wert zwischen 8 und 10 beurteilt, 17 (3,3%) mit einem solchen unter 8 (Einlinge n=15 [3,0%]). (Tab 30)

↓141

Tabelle 30: Perinatal outcome 2

Variable

Ausprägung

Gesamtkollektiv

Einlinge

N

%

n

%

Apgar

8-10

492

96,7

486

97,0

<8

17

3,3

15

3,0

Missing

10

7

NS-pH

≥7,2

444

89,7

436

89,5

<7,2

51

10,3

51

10,5

Missing

24

21

Verl.Kikl.

Nein

460

90,6

457

91,4

Ja

44

8,7

39

7,8

pn. verst.

4

0,8

4

0,8

Missing

11

8

Geburtergebn.

Gut

399

80,6

396

81,3

schlecht

96

19,4

91

18,7

Missing

24

21

Der postnatal gemessene ph-Wert lag bei den meisten Kindern im normalen Bereich und bei 51 (9,8%) unter 7,20 (Einlinge n= 51 [10,0%]. (Tab 30) 44 (8,5%) Kinder mussten postnatal in die Kinderklinik verlegt werden überlebten aber (Einlinge n=39 [7,7%), 4 (0,8%) Kinder verstarben postnatal (Einlinge n=4 [0,8%]). (Tab. 30) Als geburtsbelastet wurden jene Kinder definiert, die entweder einen APGAR-Wert <8 und/oder eine Nabelschnur-ph-Wert <7,20 und/oder in die Kinderklinik verlegt werden mussten/postnatal verstorben waren. Dies traf auf 96 (19,4%) der Kinder zu (Einlinge n=91 [18,7%]). Für 399 (80,6%) der Kinder traf keine der vorgenannten Faktoren zu und sie waren dementsprechend als geburtsunbelastet einzustufen (Einlinge n= 396 [81,3%]). (Tab. 30 Variable Geburtsergebnis)

Tabelle 31: Outcome-Variable für weitere Auswertung

Variable

ja

nein

Missing

n

%

n

%

drohende Frühgeburt

129

26,4

359

73,6

20

SSinduzierte Hypertonie SIH)

59

12,1

436

87,9

20

VD fetale intraut. Retardierung

34

7,0

454

93,0

20

FG < vollendete 37. SSW

29

5,8

470

94,2

9

Geburtsgewicht < 2500g

25

4,9

482

95,1

1

FG nach (alter) WHO-Definition

41

8,2

458

91,8

9

Geburtsgewicht <10. Percentile

50

10,0

450

90,0

8

↓142

In die weitere Auswertung wurden nur die 508 Einlingsschwangerschaften einbezogen und als schwangerschafts- und geburtsbezogene Parameter die in Tabelle 31

zusammengestellten Outcome-Variablen gewählt. Für diese 7 Outcomes wurde jeweils die univariate logistische Regression durchgeführt.

Wie zu erwarten, fanden sich bei den 4 definierten geburtsbezogenen Outcome-Variablen Überschneidungen (Tab. 32). Von den Kindern mit einem Geburtsgewicht unter 2500g, waren 52 % vor der vollendeten 37. SSW geboren worden, für 62,5% lag das Geburtsgewicht unter der 10. Percentile und definitionsgemäß waren alle als Frühgeburt nach (alter) WHO-Definition klassifiziert worden. 70,7 % der nach (alter) WHO-Definition als Frühgeburten klassifizierten Kinder waren vor der vollendeten 37. SSW geboren worden,

↓143

61% hatten ein Geburtgewicht unter 2500g und 37,5 % eines unter der 10. Percentile. 44,8% der vor der vollendeten 37. SSW geborenen Kinder wogen unter 2500g, für 20,7% lag das Gewicht unter der 10. Percentile und definitionsgemäß waren alle als Frühgeburten nach (alter) WHO-Definition eingruppiert worden. 30% der Kinder mit einem Geburtsgewicht unter der 10. Percentile wogen unter 2500g, 12,2% von ihnen waren vor der 37. SSW geboren worden und 30,6% waren als Frühgeburten nach (alter) WHO-Definition einzuordnen.

Tabelle 32: Überschneidungen in den 4 Outcome-Variablen

FG < 37.SSW

Gebgew.< 2500g

FG WHO

Geb.gew. <10.Perc.

FG < 37. SSW

29 (100%)

13 (52,0%)

29 (70,7%)

6 (12,2%)

Gebgew.< 2500g

13 (44,8%)

25 (100%)

25 (61,0%)

15 (30,0%)

FG WHO

29 (100%)

25 (100%)

41 (100%)

15 (30,6%)

Geb.gew. <10.Perc.

6 (20,7%)

15 (62,5%)

15 (37,5%)

49 (100%)

29 (100%)

25 (100 %)

41 (100%)

49 (100%)

5.2  Ergebnisse der univariaten logistische Regression

Um aus der Vielzahl der untersuchten beschriebenen Faktoren diejenigen auszuwählen, die in der Untersuchungspopulationen Einfluss auf den Schwangerschafts- und Geburtsverlauf zu haben scheinen, wurde zunächst explorativ eine univariate logistische Regression gerechnet.

↓144

Dabei interessierte welche Parameter einen deutlichen und/oder signifikanten Zusammenhang zu 3 Schwangerschaftskomplikationen drohende Frühgeburt (=drohende FG [vorzeitige Wehen u/o vorzeitiger Blasensprung u/o Cervixinsuffizienz]), hypertensive Erkrankung in der Schwangerschaft (=HES) und Verdachtsdiagnose intrauterine fetale Retardierung (VD Retardierung) und zu einer Geburt vor der vollendeten 37. SSW (=FG SSW), der Geburt eines Kindes unter 2500g (=FG Geburtsgewicht), einer Frühgeburt definiert als Geburt vor der vollendeten SSW und/oder eines Kindes unter 2500g (=FG WHO) sowie der Geburt eines Kindes mit einem Geburtsgewicht unter der 10. Percentile (Percentile) aufwiesen.

Für die 3 schwangerschaftsbezogenen Outcomes drohende Frühgeburt, hypertensive Erkrankung in der Schwangerschaft und Verdachtsdiagnose intrauterine fetale Retardierung wurden zweiseitige Zusammenhänge zwischen im Fragebogen in der ersten Schwangerschaftshälfte erhobenen Daten und dem Auftreten der 3 Schwangerschaftskomplikationen untersucht. Für die 4 geburtsbezogenen Outcomes (FG SSW, FG Geburtsgewicht, FG WHO sowie Percentile) wurden daneben noch Zusammenhänge zu Daten des Schwangerschafts- und Geburtsverlaufes berechnet. Die zugehörigen Tabellen befinden sich im Anhang der Arbeit.

5.2.1  drohende Frühgeburt

Im Gesamtkollektiv der 508 Einlingsschwangerschaften zeigten 129 (27,7%) Frauen Zeichen einer drohenden Frühgeburt (vorzeitige Wehen und/oder Cervixinsuffizienz und/oder vorzeitiger Blasensprung). Unter den 488 in die univariate logistische Regression eingehenden Fällen wurde bei 26,4% eine drohende Frühgeburt diagnostiziert.

5.2.1.1  Soziodemographische Daten (Tab. A4)

↓145

Von den unter Punkt 1.1. beschriebenen soziodemographischen Daten hatten nur das Alter und das Haushaltseinkommen eine signifikante Beziehung. Während bei 24,5% der Schwangeren zwischen 18 und 35 Jahren eine drohende Frühgeburt auftrat, war dies bei den über 35jährigen in 53,3% (p=0,017) und bei den unter 18jährigen in 33,3% der Fall.

Bei Schwangeren mit einem Nettohaushaltseinkommen unter 1500 DM monatlich trat mit 35,4% etwa doppelt so häufig eine drohende Frühgeburt auf wie bei solchen mit einem Einkommen über 4000 DM monatlich (p=0,009).

5.2.1.2 Medizinisch anamnestische, insbesondere schwangerschaftsbezogene Daten (Tab. A5)

Die Parität zeigte keinen signifikanten Zusammenhang zur drohenden Frühgeburt. Erstparae hatten mit 23,9% zwar die niedrigste Rate drohender Frühgeburt, während bei Dritt- und Mehrgebärenden eine solche in 42,9% auftrat. Die Unterschiede waren statistisch jedoch nicht signifikant.

↓146

Dagegen erhöhte die Tatsache, in einer vorangegangenen Schwangerschaft eine oder mehrere Frühgeburten (p=0,014) oder Frühaborte (p=0,031) erlitten zu haben, das Risiko für das Auftreten von Zeichen einer drohenden Frühgeburt signifikant. Bereits ein Frühabort in der Anamnese erhöhte die Häufigkeit einer drohenden Frühgeburt signifikant, das Risiko stieg mit der Anzahl der Aborte weiter und alle Frauen, die anamnestisch durch 3 Frühaborte belastet waren, entwickelten Symptome einer drohenden Frühgeburt. Eine belastete Schwangerschaftsanamnese nach der unter 5.1.2.1 beschriebenen Definition ging ebenfalls mit einer größeren Häufigkeit von drohender Frühgeburt (droh. FG 32,6%) in der aktuellen Schwangerschaft einher, ohne dass die Unterschiede zu nichtbelasteten Frauen (drohende FG (25,3%) statistisch signifikant war. Entsprechend trat bei Frauen, die sich wegen wiederholter Schwangerschaftsverluste in einer Infertilitätsbehandlung befunden hatten, mit 57,5% mehr als doppelt so häufig wie bei den übrigen in der Indexschwangerschaft eine drohende Frühgeburt auf, wohingegen nach einer Sterilitätsbehandlung keine signifikant höhere Häufigkeit zu beobachten war. Frauen die in ihrer Anamnese Adnexitis, Kolpitis oder Mastodynie aufwiesen, zeigten signifikant häufiger Symptome einer drohenden Frühgeburt. Dabei erhöhte sich diese Rate mit der Häufigkeit der anamnestischen Erkrankungen. Schwangere, die rezidivierend oder chronisch unter einer der erfragten gynäkologischen Erkrankungen gelitten hatten (Variable chronisch gynäkologische Störungen), zeigten in der aktuellen Schwangerschaft mit 36,3% deutlich häufiger Zeichen einer drohenden Frühgeburt.

Eine anamnestische Belastung durch nichtgynäkologische Erkrankungen führte nur bei rezidivierenden oder chronischen Herzrhythmusstörungen zu einer signifikant höheren Rate (56,3 %) drohender Frühgeburt (p=0,017).

5.2.1.3  Lebensgeschichtliche Daten (Tab. A6)

Frauen, die ihre Kindheit als sehr glücklich erinnerten, hatten signifikant seltener eine drohende Frühgeburt als diejenigen, die wenig gute Erinnerungen an diese Zeit hatten (p=0,034). Hinsichtlich des Erziehungsstiles der Eltern gab es keine signifikanten Unterschiede. Hier zeigten zwar die Schwangeren, die weder eine sehr autoritäre noch eine sehr wenig reglementierende Erziehung genossen hatten, die geringste Rate drohender Frühgeburt, der p-Wert lag jedoch bei 0,606. Die Tatsache eine Scheidung oder Trennung der Eltern erlebt zu haben und das Lebensalter der Schwangeren zu diesem Zeitpunkt, scheint in den vorliegenden Daten in einem Zusammenhang zur in einer in der Indexschwangerschaft auftretenden drohenden Frühgeburt zu stehen. Dabei gab es interessanterweise bei den Frauen, die zum Zeitpunkt der Trennung jünger als 7 Jahre waren, eine niedrigere Rate drohender Frühgeburt als bei denjenigen, die keine Trennung erlebt hatten, während Frauen, die bei diesem Ereignis älter als 7 Jahre waren, eine solche Störung deutlich häufiger zu beobachten war. Die Unterschiede lagen knapp über der Signifikanzgrenze (p=0,067).

5.2.1.4 Stressverarbeitung und Persönlichkeitsvariable (Tab. A6)

↓147

Die Symptomatik einer drohenden Frühgeburt stand zu einer ganzen Reihe der erhobenen Persönlichkeitsmerkmale in Beziehung. Frauen, die einen hohen Wert auf der Skala Nachhaltigkeit aufwiesen, hatten deutlich seltener eine drohende Frühgeburt als diejenigen, die einen niedrigen Wert gezeigt hatten (p=0,050). Einen gleichgerichteten Zusammenhang gab es bei der Skala Schlafstörungen. Allerdings war der Unterschied nicht signifikant (p=0,067). Einen signifikanten Zusammenhang gab es zwischen Selbstwertgefühl und drohender Frühgeburt, wobei die Frauen mit einem mittleren Wert auf dieser Skala die geringste Rate an drohender Frühgeburt zeigten und diejenigen mit einem niedrigen Wert die höchste (p=0,009). Auch die allgemeine Ängstlichkeit korrelierte signifikant mit der Häufigkeit einer drohenden Frühgeburt. Schwangere mit wenig allgemeiner Ängstlichkeit hatten dabei signifikant häufiger eine drohende Frühgeburt als diejenigen mit mittleren Werten und auch als jene mit hohen Werten (p=0,026).

Einen ähnlich gerichteten Zusammenhang gab es auch bei der Stressverarbeitungsform „Soziale Abkapselung“. Frauen, die in Belastungssituationen wenig dazu neigten Kontakten aus dem Weg zu gehen, andere Menschen zu meiden und diese als lästig zu empfinden, hatten signifikant häufiger unter einer drohenden Frühgeburt zu leiden als diejenigen, die auf dieser Skala einen mittleren Wert aufwiesen (p=0,019).

5.2.1.5  Schwangerschaftsbezogene Einstellungen und Ängste (Tab. A6)

Die Tatsache, an einer drohenden Frühgeburt zu leiden, stand in keinem signifikanten Zusammenhang zu Geplantheit und Erwünschtheit der Schwangerschaft sowie zu Schwangerschafts- und Geburtsangst und Schwangerschaftseinstellung.

5.2.1.6 Soziale Netzwerke (Tab. A7)

↓148

In Hinblick auf das soziale Netzwerk der Schwangeren bestand der signifikanteste Zusammenhang zur Tatsache, von einer oder mehreren Freundinnen instrumentelle Hilfe in der Schwangerschaft zu erhalten. Frauen mit einer solchen Hilfe zeigten in 17,1% Symptome einer drohenden Frühgeburt, während dies bei denjenigen ohne in 28,5% der Fall war (p=0,009). Gleiches traf darauf zu, eine solche Hilfe von der eigenen Mutter zu erhalten (p=0,023).

Schwangere, die sich in Hinblick auf die Schwangerschaft von ihrem Partner emotional nicht verstanden fühlten, hatten mit 32,0% signifikant häufiger eine drohende Frühgeburt als solche die sich verstanden fühlten (p=0,047).

Ein ebenfalls signifikanter Zusammenhang bestand zur Unterstützung durch Freundinnen, wenn die Schwangere sich deprimiert fühlte. Gab es eine solche Unterstützung nicht, zeigten 30,3% der Schwangeren Symptome einer drohenden Frühgeburt (p=0,049).

5.2.1.7 Partnerschaft (Tab. A7)

↓149

Unter Punkt 5.2.1.6. wurde bereits die fehlende emotionale Unterstützung durch den Vater des Kindes als ein wichtiger Belastungsfaktor in Hinblick auf eine drohende Frühgeburt beschrieben. Von den übrigen partnerschaftsbezogenen Parametern hatte nur die Unzufriedenheit mit der Verwaltung der familiären Finanzen einen signifikanten Einfluss auf die Häufigkeit des Auftretens einer drohende Frühgeburt (p=0,010). Zwar litten auch in ihrer Beziehung sehr unglückliche Frauen sowie solche die bereits ernsthaft an Trennung gedacht in einem deutlich höheren Prozentsatz an Zeichen einer drohenden Frühgeburt, die Unterschiede waren aber statistisch nicht signifikant. Auch in einem oder mehreren Skalen des PFB unglückliche Frauen zeigten mit 33,3% deutlich häufiger Symptome einer drohenden Frühgeburt als jene mit normalen Werten (p=0,097). Dagegen hatten Frauen in einer „idealen“ Partnerschaft gegenüber denen in einer nicht „idealen“ Beziehung sogar eine leicht erhöhte Rate drohender Frühgeburt. Doch auch dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant.

5.2.1.8 Gesundheitsverhalten (Tab. A8)

Bei der Betrachtung des Gesundheitsverhaltens wurden von den erhobenen Parametern nur Gewichtsparameter und Rauchgewohnheiten in die Auswertung einbezogen. Frauen, die

vor der Gravidität einen leicht erhöhten Bodymaßindex (24-30) hatten, zeigten im Verlauf der Schwangerschaft am seltensten Symptome einer drohenden Frühgeburt (12,2%); Frauen mit einem normalen, einem zu niedrigen und einem stark erhöhten BMI litten später in etwa gleichen Prozentsätzen an einer drohenden Frühgeburt (p = 0,013).

↓150

Wurden hinsichtlich des Rauchverhaltens die in der ersten Hälfte der Schwangerschaft durch den Fragebogen erhobenen Daten ausgewertet, so lag die Häufigkeit einer drohenden Frühgeburt bei Schwangeren, die angaben, noch nie in ihrem Leben geraucht zu haben (23,7%) und denjenigen, die das Rauchen in der Schwangerschaft beendet hatten (22,5%), am niedrigsten, gefolgt von denjenigen, die vor der Schwangerschaft aufgehört hatten zu rauchen (30,4%) oder das Rauchen in der Schwangerschaft reduziert hatten (29,7%). Schwangere mit in der Gravidität unverändertem Rauchverhalten litten mit 40,0% am häufigsten unter Symptomen einer drohenden Frühgeburt. Die Unterschiede waren statistisch jedoch nicht signifikant. Ein signifikanter Zusammenhang fand sich zwischen den Angaben zum Nikotinkonsum in den Geburtsunterlagen und der Häufigkeit des Auftretens einer drohenden Frühgeburt (p=0,005). Die Angabe, kein Nikotinkonsum, war mit der niedrigsten Rate drohender Frühgeburt assoziiert (20,0%), die höchste fand sich bei Frauen, in deren Unterlagen Informationen zum Nikotinkonsum fehlten (35,7%). Schwangere mit Konsum (bis 5 Zigaretten/d) oder Abusus (>5 Zigaretten/d) wiesen in 32,0 % bzw. 30,0% Symptome einer drohende Frühgeburt auf. In einer Nichtraucherumgebung zu leben, stellte in der untersuchten Stichprobe einen signifikanten Schutzfaktor in Hinblick auf eine drohende Frühgeburt dar (p=0,008). Mit rauchenden Kollegen zusammenzuarbeiten, ging mit einer erhöhten Rate drohender Frühgeburt einher. Der Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant (p=0,063).

5.2.1.9 Berufliche Situation (Tab. A8)

Berufliche Belastungen korrelierten signifikant mit der Häufigkeit des Auftretens einer drohenden Frühgeburt. Jede zweite Schwangere, die ihre Arbeit selbst als gesundheitsschädigend einschätzte, entwickelte eine drohende Frühgeburt, während dies bei einer nicht oder teilweise belastenden Arbeit nur jede vierte bzw. fünfte war (p=0,013). Auch eine psychisch belastende Arbeit erhöhte gegenüber einer nicht belastenden das Risiko für eine drohende Frühgeburt signifikant (p=0,024). Wurden körperliche und/oder psychisch belastende sowie gesundheitsschädigende Arbeitsbedingungen unter dem Begriff Berufsstress zusammengefasst, hatten Schwangere mit einem solchen Stress deutlich häufiger Zeichen einer drohenden Frühgeburt als solche ohne. Der Unterschied war aber gerade nicht mehr signifikant (p=0,057).

5.2.2  Schwangerschaftsinduzierte Hypertonie (einschließlich Präeklampsie) =SIH

Im Gesamtkollektiv der 508 Einlingsschwangerschaften wurde bei 59 (12,6 %) Frauen eine SIH diagnostiziert, unter den 488 in die univariate logistische Regression eingehenden Fällen waren es ebenfalls 12,6%.

5.2.2.1  Soziodemographische Daten (Tab. A9)

↓151

Auch für die hypertensiven Erkrankungen in der Schwangerschaft bestand ein signifikanter Zusammenhang zum Altersrisiko. Von den sehr jungen und den älteren Schwangeren entwickelt jede Dritte eine SIH, während dies auf nur 11,3% der Frauen zwischen 18 und 35 Jahren zutraf (p=0,032).

Hinsichtlich der schulischen und beruflichen Abschlüsse fanden sich ausgeprägtere Zusammenhänge zu denen des Partners der Schwangeren als zu deren eigenen. Erwartungsgemäß waren niedrige Abschlüsse mit den höchsten höhere mit den niedrigsten Raten von SIH assoziiert. Die Unterschiede waren statistisch jedoch nicht signifikant.

5.2.2.2 Medizinisch anamnestische insbesondere schwangerschaftsbezogene Daten (Tab. A10)

Eine SIH trat mit 9,3% bei Zweitgebärenden am seltensten auf. Die Differenz zur Häufigkeit bei Erst- (13,7%) und Mehrgebärenden (14,3%) war statistisch jedoch nicht signifikant.

↓152

Auch zu den schwangerschaftsanamnestischen Belastungen bestand weder für die einzelnen Risiken noch für den Risikofaktor „belastete Anamnese“ ein signifikanter Zusammenhang zum Auftreten einer SIH.

Die Tatsache, jemals im Leben eine Hypertonie gezeigt zu haben, korrelierte dagegen signifikant mit der Häufigkeit einer SIH in der Schwangerschaft. Frauen, die noch nie eine hypertensive Krise hatten, erkrankten in 9,7% in der Indexschwangerschaft an einer SIH, während diejenigen, die dies ein- bis dreimal getan hatten, in 14,3% und diejenigen, die mehr als drei solche Krisen angaben oder an chronischer Hypertonie litten, in 61,9% eine SIH entwickelten (p = 0,000). Auch die beiden medizinischen Risikofaktoren zeigten eine signifikante Beziehung zum Auftreten einer hypertensiven Erkrankung in der Schwangerschaft. Belastete Schwangere entwickelten signifikant häufiger eine SIH als unbelastete (Med. Risiken 1 p<0,001; Med. Risiken 2; p=0,007).

5.2.2.3 Lebensgeschichtliche Daten (Tab. A11)

Frauen, die den Erziehungsstil ihrer Eltern bzw. Erziehungspersonen rückblickend als autoritär einschätzten, entwickelten in der untersuchten Schwangerschaft häufiger eine hypertensive Störung. Die Unterschiede erreichten jedoch nicht das Signifikanzniveau.

5.2.2.4  Stressverarbeitung und Persönlichkeitsvariable (Tab. A11)

↓153

Die erhobenen Stressverarbeitungsformen zeigten keine signifikanten Zusammenhänge zur Entwicklung einer SIH.

Für die Persönlichkeitsvariablen fand sich ein solcher Zusammenhang nur bei der Schlafstörung. Frauen mit einem mittleren Ausprägungsniveau hatten mit 9,6% die niedrigste SIH-Rate, während Frauen, die stärker unter Schlafstörungen litten, mit 18,2% eine fast doppelt so hohe SIH-Häufigkeit zeigten. Die Unterschiede lagen jedoch knapp über dem Signifikanzniveau (p=0,072).

5.2.2.5 Schwangerschaftsbezogene Einstellungen und Ängste (Tab. A11)

Schwangerschafts- und Geburtsängste korrelierten mit der Häufigkeit des Auftretens einer SIH. Beim Vergleich der Mittelwerte von SIH betroffener und nicht betroffener Schwangerer lagen die p-Werte jedoch knapp über dem Signifikanzniveau (Schwangerschaftsangst p= 0,051, Geburtsangst p=0,077). Sowohl in Hinblick auf die schwangerschafts- wie auch die geburtsbezogenen Ängste entwickelten Frauen mit viel Ängstlichkeit deutlich häufiger eine SIH. Frauen mit mittleren Werten in der Skala Schwangerschaftseinstellung entwickelten mit 9,8 % am seltensten eine hypertensive Erkrankung in der Schwangerschaft, solchen mit hohen Werten, d.h. einer eher negativen Einstellung mit 19,3% am häufigsten. Gravide mit einer sehr positiven Einstellung wurden in 13,2% wegen einer SIH behandelt. Die Unterschiede lagen ebenfalls knapp über dem Signifikanzniveau (p=0,060.

5.2.2.6 Soziale Netzwerke (Tab. A12)

↓154

Aus den erfragten Bereichen des sozialen Netzwerkes zeigte nur das emotionale Verständnis für die Schwangerschaft durch eine oder mehrere Freundinnen einen signifikanten Zusammenhang zur Häufigkeit einer SIH. Frauen, die ein solches Verständnis nicht erfuhren, hatten signifikant häufiger unter einem erhöhten Blutdruck in der Schwangerschaft zu leiden (p=0,035).

Ein reziproker allerdings nicht signifikanter Zusammenhang fand sich hinsichtlich der Akzeptanz durch den Lebenspartner. Frauen, die sich nicht akzeptiert fühlten, hatten mit 2,3 % eine deutlich geringere Rate von SIH als solche die sich akzeptiert fühlten (p=0,072).

5.2.2.7 Partnerschaft (Tab. A12)

Bei den übrigen Partnerschaftsvariablen fanden sich ähnlich reziproke Zusammenhänge wie unter Punkt 2.2.6 gerade beschrieben. Schwangere in einer nicht „idealen“ Partnerschaft, solche, die die Beziehung belastende Probleme angaben oder nach dem PFB

↓155

unglücklicher waren, zeigten niedrigere Häufigkeiten einer SIH. Unter den Skalen des PFB war dies besonders deutlich für das Streitverhalten, in dem die Schwangeren mit SIH einen deutlich niedrigeren Mittelwert hatten und sich damit als glücklicher beschrieben als die übrigen. Nur diejenigen Schwangeren, die angaben, schon ernsthaft an Trennung gedacht zu haben, zeigten häufiger Symptome einer SIH als solche, die dies nicht oder nicht ernsthaft getan hatten. Alle Zusammenhänge waren statistisch jedoch nicht signifikant.

5.2.2.8 Gesundheitsverhalten (Tab. A13)

Hochsignifikante Zusammenhänge fanden sich zwischen dem BMI vor der Schwangerschaft und dem Auftreten einer SIH. Keine Schwangere mit einem prägraviden BMI unter 19 entwickelte eine SIH während es 38,9% derjenigen mit einem BMI über 30 taten (p=0,002).

Auch das Rauchverhalten stellte sich in einem signifikanten Zusammenhang zur Entwicklung einer SIH dar. Die niedrigste SIH-Rate wurde bei Schwangeren, die noch nie in ihrem Leben geraucht hatten, ermittelt. Schwangere, die im Fragebogen in der ersten Hälfte der Schwangerschaft angegeben hatten, lebenslang Nichtraucherinnen zu sein, entwickelten zu 9,6% eine SIH, während in der Gruppe der Raucherinnen, die alle Individuen zusammenfasste, die jemals geraucht hatten oder noch rauchten, die SIH-Häufigkeit bei 15,6% lag (p=0,050). Wurde die Gruppe der Raucherinnen differenzierter betrachtet, hatten die Frauen, die das Rauchen in der Schwangerschaft aufgegeben hatten, mit 18,8% die höchste SIH-Rate gefolgt von denjenigen, die das Rauchen vor der Schwangerschaft eingestellt hatten (15,9%), unverändert weiterrauchten (15,0%) und denjenigen, die das Rauchen in der Schwangerschaft reduziert hatten (11,1%). Die p-Werte sind der Tabelle... zu entnehmen. Fand sich zum Geburtstermin in den Unterlagen die Angabe „kein Nikotinkonsum“, lag die Rate bei 9,5%. Frauen, für die sich in den Klinikunterlagen kein Hinweis auf das Rauchverhalten fand, oder bei denen Nikotinkonsum angegeben war, entwickelten mit 16,2% bzw. 16,7% in gleichem Maße eine SIH, während unter den 10 Frauen mit Nikotinabusus bei keiner ein erhöhter Blutdruck in der Schwangerschaft zu verzeichnen war.

5.2.2.9 Berufliche Situation (Tab. A13)

↓156

Die ermittelten beruflichen Belastungsfaktoren zeigten keinen Zusammenhang zur Ausbildung einer SIH. In Hinblick auf die Sicherheit, in den Beruf zurückkehren zu können, hatten Schwangere, für die dies sicher war, gegenüber denen mit einer diesbezüglich unsicheren Perspektive bzw. denjenigen, für die diese Frage irrelevant war, eine erhöhte SIH-Rate, ohne dass die Unterschiede statistisch signifikant waren. Eine signifikant höhere

SIH-Rate fand sich für Schwangere, die in den letzten 12 Monaten negative berufliche Veränderungen erlebt hatten (p=0,044).

5.2.3 Verdachtsdiagnose intrauterine fetale Retardierung

Die Verdachtsdiagnose intrauterine fetale Retardierung wurde im Gesamtkollektiv der 508 Einlingsschwangerschaften bei 34 (7,0%) Schwangeren gestellt. In der Gruppe der 488 in die univariate logistische Regression eingehenden Fälle war dies ebenfalls bei 7,0% der Fall.

5.2.3.1  Soziodemographische Daten (Tab. A14)

↓157

Bei jeder fünften Schwangeren über 35 Jahre ergab sich der Verdacht auf eine intrauterine fetale Retardierung, während dies bei keiner der unter 18jährigen und bei 6,6% der 18 bis 35jährigen der Fall war. Die Unterschiede lagen jedoch knapp über der Signifikanzgrenze (p=0,060). Ein niedriger Schulabschluss der Schwangeren war im Vergleich zu einem höheren signifikant häufiger mit der Verdachtsdiagnose (VD) intrauterine fetale Retardierung assoziiert (p=0,025). Alle übrigen untersuchten soziodemographischen Faktoren standen in keinem signifikanten Zusammenhang zum Verdacht einer intrauterinen fetalen Retardierung.

5.2.3.2 Medizinisch anamnestische insbesondere schwangerschaftsbezogene Daten (Tab. A15)

Bei Zweitgebärenden wurde die VD intrauterine fetale Retardierung mit 4,7% am seltensten, bei Mehrgebärenden (>II.Para) mit 20,0 % am häufigsten gestellt. Die Unterschiede zwischen den Paritätsgruppen waren signifikant (p=0,006).

Keine signifikanten Zusammenhänge gab es zu den verschiedenen geburtshilflichanamnestischen Risikofaktoren, obwohl bei Frauen mit einer Totgeburt oder mit 2 Schwangerschaftsabbrüchen in der Vorgeschichte bei jeder fünften der Verdacht auf einen intrauterine fetale Retardierung geäußert wurde.

↓158

Schwangere, die bereits mehr als dreimal an einem Magen-Darmgeschwür gelitten hatten, wurden in 40,0 % unter der VD intrauterine fetale Retardierung behandelt. Der Unterschied zur Gruppe der Schwangeren mit weniger als 3 anamnestischen Geschwüren oder ohne eine solche Erkrankung in der Vorgeschichte, war statistisch signifikant (p=0,016). Die Tatsache, anamnestisch durch Durchfall mit Blut- und Schleimabgang oder Diabetes mellitus belastet zu sein, war ebenfalls mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit wegen des Verdachts einer intrauterinen fetalen Retardierung behandelt zu werden,

verbunden. Die Unterschiede lagen knapp über der Signifikanzgrenze (Durchfall p=0,065, D.m. p=0,063).

5.2.3.3 Lebensgeschichtliche Daten (Tab. A16)

Schwangere, die als Einzelkinder aufgewachsen waren, hatten gegenüber denjenigen mit Geschwistern ein deutlich erniedrigtes Risiko, unter der VD intrauterine fetale Retardierung behandelt zu werden (p=0,064). Im Streit das Elternhaus verlassen zu haben oder noch bei den Eltern zu wohnen, war mit einer größeren Häufigkeit des Verdachtes einer intrauterinen fetalen Retardierung assoziiert. Die Unterschiede waren statistisch jedoch nicht signifikant.

5.2.3.4 Stressverarbeitung und Persönlichkeitsvariable (Tab. A16)

↓159

Am seltensten wurde der Verdacht auf eine intrauterine fetale Retardierung mit 5,4% bei Schwangeren mit mittleren Werten im Bereich der Stressverarbeitungsstrategie Nachhaltigkeit gestellt. Der Unterschied zu denjenigen, die wenig dazu neigten, in Stresssituationen aus dem Gleichgewicht gebracht zu werden, sich noch lange mit der Situation zu beschäftigen, diese im nachhinein immer wieder durchzuspielen und die Gedanken daran nicht loszuwerden (bei SV Nachhaltigkeit wenig VD Retardierung 11,4%) lag knapp über der Signifikanzgrenze (p=0,071).

Aus dem Bereich der Persönlichkeitsvariablen zeigte sich nur für die Schlafstörungen ein signifikanter Zusammenhang. Auch hier lag die Häufigkeit der VD intrauterine fetale Retardierung für Schwangere mit mittlerer Ausprägung auf dieser Skala am niedrigsten (4,8%) und bei denjenigen niedriger Ausprägung am höchsten (VD intrauterine Retardierung 11,2%; p=0,033). Für alle übrigen Variablen fanden sich keine signifikanten Zusammenhänge.

5.2.3.5 Schwangerschaftsbezogene Einstellungen und Ängste (Tab. A16)

Bei Frauen, deren Schwangerschaft nicht geplant war, die eine negative Einstellung zu dieser hatten und denjenigen mit viel schwangerschafts- sowie geburtsbezogenen Ängsten, wurde die VD intrauterine fetale Retardierung am häufigsten gestellt. Alle Unterschiede waren statistisch jedoch nicht signifikant.

5.2.3.6 Soziale Netzwerke (Tab. A17)

↓160

In Hinblick auf die erfragten sozialen Netzwerke waren Beziehungen zum eigenen Vater signifikant mit der VD intrauterine fetale Retardierung assoziiert. Schwangere, die angegeben hatten, wenn sie nicht mehr weiterwüssten keine Hilfe von ihrem Vater erwarten zu können, wurden mit 10,8% signifikant häufiger unter der Verdachtsdiagnose intrauterine

fetale Retardierung behandelt als diejenigen, die eine solche Hilfe auf jeden Fall bekommen würden (VD Retardierung 4,6%; p=0,012). Ein gleichgerichteter Zusammenhang fand sich auch für das Gefühl vom Vater so akzeptiert zu sein wie man ist (p=0,023). Andererseits war die Tatsache, in der Schwangerschaft instrumentelle Hilfe (z.B. bei körperlich belastenden Arbeiten) durch die eigene Mutter zu erhalten, mit einer höheren Häufigkeit der VD intrauterine fetale Retardierung verknüpft. Der Unterschied lag jedoch jenseits der Signifikanzgrenze (p=0,075) .

Die unter dem Bereich soziales Netzwerk erfragten Beziehungen zum Partner zeigten keine signifikanten Beziehungen zur VD intrauterine fetale Retardierung.

5.2.3.7 Partnerschaft (Tab. A17)

↓161

Von allen Items zum subjektiven Erleben der Paarbeziehung fand sich nur für die Zufriedenheit mit dem Anteil des Partners an der Hausarbeit ein signifikanter Zusammenhang (p=0,030). Unzufriedene Schwangere wurden signifikant häufiger unter der VD intrauterine fetale Retardierung behandelt. Ein gleichgerichteter jedoch nicht signifikanter Zusammenhang fand sich zur Zufriedenheit mit den Umgangsformen der Partner miteinander (p=0,088).

Die im Partnerschaftsfragebogen unglücklichen Schwangeren hatten mit 2,9% eine niedrigere Rate der VD intrauterine fetale Retardierung, ohne dass der Zusammenhang statistisch signifikant war.

5.2.3.8 Gesundheitsverhalten (Tab. A18)

Der BMI vor der Schwangerschaft stand in keinem Zusammenhang zur Häufigkeit der VD intrauterine Retardierung.

↓162

Signifikante Zusammenhänge bestanden hingegen zum Rauchverhalten sowohl in Hinblick auf die aus den Klinikunterlagen zum Zeitpunkt der Geburt entnommenen Angaben zum Nikotinkonsum (p=0,022) als auch bezüglich der von den Schwangeren in der ersten Hälfte der Gravidität im Fragebogen gemachten Aussagen zum Rauchverhalten. Von den Schwangeren, die im Fragebogen angegeben hatten, in der Schwangerschaft unverändert weiter zu rauchen, wurde jede fünfte wegen des Verdachtes einer intrauterinen fetalen Retardierung behandelt, während es von den (schon immer) Nichtraucherinnen nur jeder zwanzigste war (p=0,015). Wurden Schwangere, die noch nie in ihrem Leben geraucht hatten, mit denjenigen verglichen, die jemals geraucht hatten oder noch rauchten, wurden die letzteren (R) mit 9,1% gegenüber 5,1% (NR) deutlich häufiger wegen des Verdachtes einer intrauterinen fetalen Retardierung behandelt. Der Unterschied lag jedoch knapp über der Signifikanzgrenze (p=0,075). Unter den Raucherinnen hatten die mehr als 5 Zigaretten

pro Tag rauchenden gegenüber denen mit geringerem Konsum eine deutlich aber nicht signifikant erhöhte Rate der VD Retardierung.

5.2.3.9 Berufliche Situation (Tab. A18)

Schwangere, die in den letzten 12 Monaten von ihnen selbst als positiv eingeschätzte berufliche Veränderungen erlebt hatten, wurden mit 2,9% deutlich seltener als diejenigen ohne oder mit negativen Veränderungen wegen des Verdachtes einer intrauterinen fetalen Retardierung behandelt, ohne das die Unterschiede jedoch statistisch signifikant waren. Für die drei beruflichen Belastungsfaktoren fanden sich keine deutlichen Zusammenhänge zur VD intrauterine fetale Retardierung. Für die 3 Faktoren zusammenfassende Variable Berufsstress fand sich eine größere Häufigkeit der VD intrauterine fetale Retardierung bei Schwangeren, die sich beruflich nicht belastet fühlten. Auch dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant (p=0,095).

5.2.4 Frühgeburt vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche

↓163

Eine Frühgeburt vor der vollendeten 37. SSW trat in der Gesamtpopulation der 508 Einlingsschwangerschaften bei 29 (5,8%) der Frauen auf. Unter den 499 Fällen die in die univariate logistische Regression einbezogen wurden war der prozentuale Anteil ebenso hoch.

5.2.4.1  Soziodemographische Daten (Tab. A19)

Die bekannten soziodemographischen Risikofaktoren zeigten in der untersuchten Stichprobe keine deutlichen oder gar signifikanten Zusammenhänge zur Häufigkeit einer Frühgeburt vor der 37. vollendeten SSW (FG <37. SSW).

Nur die Tatsache, dass im Haushalt der Schwangeren bereits Kinder lebten, war mit einem signifikant erniedrigten Risiko für eine Geburt vor der vollendeten 37. SSW verbunden (p=0,033).

5.2.4.2 Medizinisch anamnestische insbesondere schwangerschaftsbezogene Daten (Tab. A20)

↓164

Hinsichtlich der Parität fand sich die niedrigste Frühgeburtenrate (FG <37. SSW) bei den Zweitgebärenden (2,7%). Der Unterschied zu den Erstgebärenden (7,4%) lag knapp über der Signifikanzgrenze (p=0,057), der zu den Mehrgebärenden (6,1%) war ebenfalls deutlich jedoch nicht signifikant.

Von den schwangerschaftsanamnestischen Belastungen korrelierten die Tatsachen, bereits 1 oder 2 Frühgeburten oder 1 oder Schwangerschaftsabbrüche erlebt zu haben mit einer deutlich höheren Rate von Frühgeburten (FG <37. SSW). Anamnestisch durch Früh

geburten belastete Frauen hatten mit 18,2 % ein mehr als dreifach höheres Risiko für eine erneute Frühgeburt als unbelastete Frauen. Der Unterschied lag jedoch über der Signifikanzgrenze (p=0,098). Frauen mit einem Schwangerschaftsabbruch (FG <37. SSW =12,2%) hatten, gegenüber jenen ohne eine solche Vorgeschichte (FG < 37. SSW =5,0%), ein signifikant erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt in der Indexschwangerschaft (p=0,046). Knapp oberhalb der Signifikanzgrenze lag die erhöhte Frühgeburtenrate (FG<37.SSW) für Frauen mit belastetere Schwangerschaftsanamnese, die mit 10,2 % ein mehr als doppelt so hohes Frühgeburtenrisiko hatten wie unbelastete (p=0,057).

↓165

Während sich keine Zusammenhänge hinsichtlich anamnestischer Belastungen durch nichtgynäkologische Erkrankungen fanden, gab es signifikante Unterschiede in der Frühgeburtenrate in Abhängigkeit vom Auftreten von Kolpitis und Regelstörungen in der Anamnese (Kolpitis p=0,030, Regelstörung p= 0,009). Schwangere, die noch nie an einer solchen Störung gelitten hatten gebaren mit 3,7% bzw. 3,6% signifikant seltener vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche. Für die zusammenfassende Variable chronisch gynäkologischer Störungen zeigten sich hingegen keine Zusammenhänge zur Frühgeburtenrate.

5.2.4.3 Lebensgeschichtliche Daten (Tab. A21)

Schwangere mit einer sehr positiven Erinnerung an ihre Kindheit hatten mit 4,5% eine deutlich niedrigere Frühgeburtenrate als jene mit einer eher negativen (9,0%), ohne das die Unterschiede statistisch signifikant waren.

5.2.4.4 Stressverarbeitung und Persönlichkeitsvariable (Tab. A21)

Für die Stressverarbeitungs- und Persönlichkeitsvariablen fanden sich keine statistisch signifikanten Zusammenhänge zur Frühgeburtlichkeit vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche. Auffällig war jedoch, dass Schwangere mit einem hohen Selbstwertgefühl gegenüber denen mit mittleren und niedrigen Werten auf dieser Skala eine deutlich niedrigere Frühgeburtenrate zeigten. Gleiches traf auf die Skala allgemeine Ängstlichkeit zu. Schwangere mit hohen Werten in dieser Skala hatten ebenfalls eine deutlich niedrigere Frühgeburtenrate.

5.2.4.5 Schwangerschaftsbezogene Einstellungen und Ängste (Tab. A21)

↓166

Frauen, deren Schwangerschaft ungeplant eingetreten war und diejenigen, die ihre Gravidität als eher unerwünscht empfanden, hatten niedrigere Frühgeburtenraten als Frauen mit geplanten bzw. erwünschten Schwangerschaften. Die Unterschiede waren jedoch statistisch nicht signifikant. Frauen, die der Gruppe „viel Schwangerschaftsangst“ zuzuordnen waren, hatte mit 10,7% eine doppelt so hohe Frühgeburtenrate, wie diejenigen mit einer

mittleren oder niedrigen Ausprägung auf dieser Skala. Doch auch diese Unterschiede ließen sich in der univariaten logistischen Regression statistisch nicht sichern. Schwangerschaftseinstellung und Geburtsangst in der ersten Hälfte der Schwangerschaft korrelierten nicht mit einer Frühgeburt vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche.

5.2.4.6 Soziale Netzwerke (Tab. A22)

Der behandelnde Frauenarzt/-ärztin stellte mit Nennung durch 443 Frauen den wichtigsten Ansprechpartner für Fragen zur Schwangerschaft dar. Gravide, für die dies nicht zutraf, hatten mit 10,7% eine doppelt so hohe Frühgeburtenrate wie diejenigen, die sich mit schwangerschaftsbezogenen Fragen an den Arzt wenden konnten (p=0,057). Frauen, die sich in Hinblick auf ihre Schwangerschaft von ihrem Partner emotional nicht verstanden fühlten, hatten eine signifikant erhöhte Frühgeburtenrate (p=0,045). In einem ebenfalls deutlichen aber nicht signifikanten Zusammenhang zur Frühgeburtlichkeit vor der 37. Schwangerschaftswoche stand die Akzeptanz durch Freundin(nen), wobei Schwangere, die sich nicht akzeptiert fühlten, häufiger eine Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche erlebten.

5.2.4.7 Partnerschaft (Tab. A22)

↓167

Frauen, die in einer als „ideal“ definierten Partnerschaft lebten, hatten mit 1,8% eine sehr niedrige Frühgeburtenrate (FG < 37. SSW) gegenüber denen in einer nicht „idealen“ Beziehung (FG < 37. SSW =7,0%). Der Unterschied zwischen beiden Gruppen lag knapp über der Signifikanzgrenze (p=0,057). Vice versa hatten Schwangere, die in ihrer Beziehung sehr unglücklich waren oder schon ernsthaft an Trennung gedacht hatten, mit 12,0 bzw. 10,4 % eine erhöhte Frühgeburtenrate, ohne das die Unterschiede statistisch signifikant waren.

5.2.4.8 Gesundheitsverhalten (Tab. A23)

Es fanden sich keine signifikanten Zusammenhänge zwischen BMI und Frühgeburtlichkeit, obwohl Schwangere mit einem BMI >24 am seltensten vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche entbunden wurden.

Für das Rauchverhalten ließ sich keine eindeutige Beziehung zur Frühgeburtlichkeit vor der vollendeten 37. SSW ermitteln. Nach den im Fragebogen in der ersten Hälfte der Schwangerschaft erhobenen Daten hatten Frauen, die nach eigenen Angaben das Rauchen vor der Schwangerschaft aufgegeben hatten, mit 10,9 % die höchste Frühgeburtenrate, diejenigen, die dies in der Schwangerschaft bis zum Befragungszeitpunkt getan, hatten mit 2,3% die niedrigste, während die Raten derjenigen, die nie in ihrem Leben geraucht hatten (6,5%), das Rauchen in der Schwangerschaft reduziert (4,8%) oder unverändert weiter

↓168

geraucht hatten (5,0%), nur unwesentlich differierten. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen waren statistisch nicht signifikant. Bei Auswertung der Angaben zum Nikotinkonsum aus den Geburtsunterlagen fand sich die höchste Frühgeburtenrate bei denjenigen Schwangeren, für die Angaben zum Nikotinkonsum fehlten (FG < 37. SSW =12,9%). Eine sehr niedrige Frühgeburtenrate fand sich bei den Frauen, die keinen Nikotinkonsum angegeben hatten und erstaunlicherweise gebar keine der in der Schwangerschaft unverändert weiterrauchenden vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche (p=0,003).

5.2.4.9 berufliche Situation (Tab. A23)

Alle erhobenen beruflichen Faktoren zeigten keine Beziehung zur Frühgeburtlichkeit vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche.

5.2.4.10 Schwangerschaftsverlauf und –ausgang (Tab. A24)

Erwartungsgemäß fanden sich hochsignifikante Zusammenhänge zwischen dem Eintritt einer Frühgeburt vor der vollendeten 37. SSW und schwangerschaftsspezifischen Komplikationen (p=0,002) nicht jedoch zur Gruppe der schwangerschaftsunspezifischen Erkrankungen in der Gravidität. Bei Betrachtung der einzelnen Erkrankungen war bei den letzteren die Tatsache, dass in der Schwangerschaft eine Konisation durchgeführt werden musste, mit einem deutlich erhöhten Risiko für eine Geburt vor der vollendeten 37. SSW verbunden (33,3% vs. 5,7%; p=0,089). Bei den schwangerschaftsspezifischen Störungen gab es für eine Vielzahl von Erkrankungen deutliche Zusammenhänge zu einer erhöhten Frühgeburtenrate (Glucosurie, Gestationsdiabetes, SIH, VD Retardierung, Abortus imminens, Cervixinsuffizienz, vorzeitige Wehentätigkeit, vorzeitiger Blasensprung). Die Zusammenhänge stellten sich, auch in Abhängigkeit von der Fallzahl der Ereignisse, als signifikant dar (siehe Tab. 50). Der deutlichste Zusammenhang bestand zum vorzeitigen Blasensprung, nach dem 73,7% der Schwangeren vor der 37. SSW entbunden wurden (3,3% ohne vorzeitigen Blasensprung; p<0,001). Waren in der Schwangerschaft vorzeitige Wehen oder eine Cervixinsuffizienz aufgetreten, kam es bei etwa jeder fünften Schwangeren zu einer Frühgeburt.

↓169

Signifikante Zusammenhänge fanden sich auch zur Art der Behandlung in der Schwangerschaft (p=0,002), zur Dauer einer stationären Behandlung (p=0,001) und zum Geburtsmodus (p=0,004). Eine Frühgeburt war signifikant häufiger mit einer primären oder sekundären Sectio verbunden. Während sich die postnatal gemessenen Nabelschnur-pH-Werte Reif- und Frühgeborener nicht unterschieden, war jedes vierte Kind mit einem APGAR-Wert unter 8 ein Frühgeborenes (p=0,002) und sogar jedes dritte Kind, dass in die Kinder

klinik verlegt werden musste (p<0,001). Entsprechend gab es auch einen signifikanten Zusammenhang zur zusammenfassenden Variablen Geburtsergebnis (p<0,001). 21,9% der Störungen in der Nachgeburtsperiode waren mit einer Frühgeburt assoziiert (Reifgeburt 6,8%; p<0,001).

5.2.5 Geburtsgewicht unter 2500g

Im Gesamtkollektiv der 508 Einlingsschwangerschaften lag das Geburtsgewicht für 25 Kinder (4,9%) unter 2500g. Unter den in die univariate logistische Regression eingehenden Fällen waren es ebenfalls 4,9%.

5.2.5.1  Soziodemographische Daten (Tab. A25)

↓170

Aus dem Pool der soziodemographischen Daten zeigte nur das Altersrisiko einen signifikanten Zusammenhang zur Geburt eines Kindes mit einem Gewicht unter 2500g (p=0,049). Schwangere über 35 Jahre hatten ein vierfach höheres Risiko für eine solche Geburt.

5.2.5.2 Medizinisch anamnestische insbesondere schwangerschaftsbezogene Daten (Tab. A26)

In Hinblick auf die Geburt eines Kindes mit einem Gewicht unter 2500g hatten Zweitparae mit 2,6% das niedrigste, Multiparae mit 12,1% das höchste Risiko (p=0,027).

Eine anamnestische Belastung durch 1 oder 2 Frühgeburten war mit einem etwa vierfach erhöhten Risiko für die Geburt eines Kindes mit einem Geburtsgewicht unter 2500g verbunden (4,6% vs. 16,7%, p=0,079). Ein statistisch signifikanter Zusammenhang fand sich zwischen einer durch einen oder zwei Schwangerschaftsabbrüche belasteten Anamnese und der Geburt eines Kindes unter 2500g (p=0,000). Frauen ohne einen Schwangerschaftsabbruch gebaren in 3,3% ein Kind mit einem Gewicht unter 2500g, Frauen mit einem Abbruch in der Vorgeschichte in 18,4% solche mit 2 Abbrüchen in 10,0 %. Auch das Risiko „belastete SSanamnese“ war signifikant mit der Geburt eines Kindes unter 2500g assoziiert (unbelastete 3,6%, belastet 11,2%; p=0,004). Schwangere, die sich in einer Sterilitäts- oder Infertilitätsbehandlung befunden hatten, gebaren ebenfalls deutlich häufiger Kinder mit einem Gewicht unter 2500g, ohne das diese Zusammenhänge statistisch signifikant waren.

↓171

Während eine anamnestische Belastung durch chronische gynäkologische Erkrankungen nicht mit einer erhöhten Rate von Kindern mit einem Geburtsgewicht unter 2500g verbunden war, traf dies auf die Gruppe Medizinische Risiken 1 (Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Asthma, Diabetes mellitus, Nierenerkrankung) zu. Belastete Schwangere

hatten mit 10,5% Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 2500g eine mehr als doppelt so hohe Rate als unbelastete (p=0,039). Für Herzrhythmusstörungen (p=0,012) und Asthma (0,057) fanden sich solche Zusammenhänge auch bei der einzelnen Auswertung. Nur Frauen, die ein bis dreimal in ihrem Leben an einer Kolpitis erkrankt waren, gebaren signifikant häufiger ein Kind mit einem Geburtsgewicht unter 2500g als diejenigen, die noch nie bzw. mehr als dreimal oder chronisch darunter gelitten hatten bzw. noch litten.

5.2.5.3 Lebensgeschichtliche Daten (Tab. A27)

In einem Elternhaus mit wenig autoritärer Erziehung aufgewachsen zu sein war mit einer niedrigeren Häufigkeit der Geburt eines Kindes mit einem Gewicht unter 2500g verbunden (p=0,059). Andererseits hatten Schwangere, die im Streit aus ihrem Elterhaus ausgezogen waren, gegenüber jenen, die dies im Einvernehmen getan hatten, ein deutlich erhöhtes Risiko für die Geburt eines Kindes unter 2500g (p=0,090).

5.2.5.4 Stressverarbeitung und Persönlichkeitsvariable (Tab. A27)

↓172

Für die Stressverarbeitung – und Persönlichkeitsvariablen fanden sich keine signifikanten Zusammenhänge zur Geburt eines Kindes mit einem Gewicht unter 2500g. Schwangere mit einem hohen Wert im Faktor Nachhaltigkeit (1,3%), Selbstwert (1,5%) sowie allgemeine Ängstlichkeit (1,6%) zeigten gegenüber jenen mit mittleren oder niedrigen Werten jedoch ein deutlich erniedrigtes Risiko für die Geburt eines Kindes mit einem Gewicht unter 2500g.

5.2.5.5 Schwangerschaftsbezogene Einstellungen und Ängste (Tab. A27)

Andererseits gebaren Frauen mit wenig Schwangerschaftsangst signifikant seltener ein untergewichtiges Kind (1,8%) als solche mit viel Angst (8,2%; p=0,048). Hinsichtlich der Geplantheit der Gravidität hatten Schwangere, die diese für einen späteren Zeitpunkt geplant hatten, gegenüber jenen, die dies genau für den aktuellen Zeitpunkt getan hatten oder deren Schwangerschaft nicht geplant war, eine deutlich niedrigere Untergewichtigenrate. Ein gleichgerichteter Zusammenhang fand sich für die Schwangerschaftseinstellung, wo Frauen mit mittleren Werten die niedrigste Rate von Kindern mit einem Geburtsgesicht unter 2500g aufwiesen (p=0,072).

5.2.5.6 Soziale Netzwerke (Tab. A28)

Aus den erfragten Bereichen des sozialen Netzwerkes zeigte nur die Tatsache, eine oder mehrere Freundinnen als Ansprechpartnerinnen für die Schwangerschaft zu haben, einen signifikanten Zusammenhang zur Häufigkeit der Geburt eines Kindes unter 2500g. Frauen, auf die dies zutraf, gebaren häufiger ein untergewichtiges Kind (p=0,051).

5.2.5.7  Partnerschaft (Tab. A28)

↓173

Für die zum subjektiven Erleben der Paarbeziehung erhobenen Befunde zeigten sich keine signifikanten Korrelationen zur Geburt eines Kindes von weniger als 2500g. Bemerkenswert sind jedoch 2 Tatsachen. Erstens gebaren Frauen, die im Laufe ihrer Beziehung schon einmal allerdings nicht ernsthaft an Trennung gedacht hatten, mit einer Rate von 1,9% deutlich seltener untergewichtige Kinder als solche, die angegeben hatten, dies noch nie (5,5%) oder schon ernsthaft (6,1%) getan zu haben. Zweitens gab es einen Zusammenhang zwischen eher unglücklichen Werten in den Skalen Zärtlichkeit und Kommunikation und in der Gesamtskala des PFB und einer geringeren Häufigkeit der Geburt untergewichtiger Kinder.

5.2.5.8 Gesundheitsverhalten (Tab. A29)

Erwartungsgemäß gab es eine signifikante Beziehung zwischen dem BMI vor der Schwangerschaft und der Geburt eines Kindes mit einem Gewicht von weniger als 2500g (p=0,044). Während 10,9% der Schwangeren mit einem prägraviden BMI von weniger als 19 ein untergewichtiges Kind gebaren, nahm die Häufigkeit mit steigendem BMI bis auf 0 bei den mit einem BMI über 30 stark übergewichtigen ab.

Für das Rauchverhalten wurde nur in Hinblick auf die Angaben zum Nikotinkonsum in den Geburtsunterlagen ein signifikanter Zusammenhang gefunden (p=0,008). Die höchste Geburtenrate von Kindern unter 2500g hatten diejenigen Schwangeren, in deren Geburtsunterlagen sich keine Angaben zum Zigarettenkonsum fanden (10,0%). Frauen, deren Rauchverhalten als Konsum eingeschätzt worden war, hatten mit 6,0% ein mehr als dreifaches höheres Risiko für die Geburt eines unterwichtigen Kindes als Nichtraucherinnen (1,8%), während keine der 10 Schwangeren, für die ein Nikotinabusus (> 5 Zigaretten/ Tag) dokumentiert worden war, ein Kind unter 2500g gebar. Die von den Frauen in der ersten Hälfte der Schwangerschaft im Fragebogen selbst gemachten Angaben zum Rauchverhalten ergaben die größten Häufigkeiten der Geburt eines Kindes unter 2500g bei den 20 Frauen, die zum diesem Zeitpunkt angaben, unverändert weiterzurauchen (10,0%) und die das Rauchen vor der Schwangerschaft aufgegeben hatten (8,7%). Die Raten derjenigen, die nie in ihrem Leben geraucht hatten (4,6%), das Rauchen in der Schwangerschaft aufgegeben (4,5%) oder reduziert hatten (3,1%), differierten nur unwesentlich. Die Unterschiede waren statistisch jedoch nicht signifikant. Die 53 Schwangeren, die angegeben hatten, dass es in ihrer Umgebung nur Nichtraucher gab, gebaren mit 1,9% ebenfalls sehr selten ein untergewichtiges Kind, ohne das der

↓174

Unterschied zu den Frauen, die einen oder mehrere Raucher(innen) in ihrer Umgebung hatten (Geburtsgewicht <2500g 5,2%), statistisch signifikant war.

5.2.5.9 Berufliche Situation (Tab. A29)

Von den zum beruflichen Bereich erhobenen Variablen fand sich nur für die Angaben der Schwangeren, eine sie körperlich belastende (7,6%) oder eine gesundheitsschädigende Arbeit (8,0%) auszuüben, eine erhöhte Rate untergewichtiger Kinder, ohne dass die Zusammenhänge statistisch signifikant waren.

5.2.5.10 Schwangerschaftsverlauf und –ausgang (Tab. A30)

Wie auch für die Frühgeburt vor der vollendeten 37. SSW gab es für die Geburt eines Kindes mit einem Gewicht unter 2500g deutliche Zusammenhänge zu den schwangerschaftsspezifischen (p=0,074) und nicht zu den unspezifischen Erkrankungen (p=0,452). Für das Geburtsgewicht unter 2500g waren die Zusammenhänge zum Auftreten eines Gestationsdiabetes, vorzeitiger Wehentätigkeit oder Abortus imminens statistisch jedoch nicht signifikant. Dagegen fand sich ein signifikanter Zusammenhang zur Diagnose Plazenta praevia (p=0,036).

↓175

Ein signifikanter Zusammenhang fand sich auch zur Art der Behandlung (p=0,028). Außerdem waren Frauen, die später ein Kind mit einem Geburtsgewicht unter 2500g geboren hatten. signifikant häufiger mehr als 7 Tage stationär behandelt worden (p=0,035).

Für den Geburtsmodus, den postnatalen Zustand des Kindes und die Nachgeburtsperiode wurden gleichgerichtet Zusammenhänge wie für die Frühgeburt vor der 37. SSW gefunden.

5.2.6 Frühgeburt nach (alter) WHO-Definition (Geburt < vollendeter 37. SSW u/o Geburtsgewicht <2500g

Da die Frühgeburt nach alter WHO-Definition, die unter 2.4 und 2.5 beschriebenen Gruppen zusammenfasst, finden sich auch für die Zusammenhänge zu den 10 Auswertungsbereichen viele Überlappungen. Unter den 508 Einlingsschwangerschaften lag die Frühgeburtenrate nach (alter) WHO-Definition bei 8,2% (n=41), in der Gruppe der 499 in die univariate logistische Regression eingehenden Fälle ebenfalls bei 8,2%.

5.2.6.1  Soziodemographische Daten (Tab. A31)

↓176

Wie auch für die unter Punkt 2.4.1 beschriebene Geburt vor der vollendeten 37. SSW gab es für die Frühgeburt nach WHO-Definition keine deutlichen oder gar signifikanten Zusammenhänge zu den bekannten soziodemographischen Risikofaktoren.

Nur die Tatsache, dass im Haushalt der Schwangeren bereits Kinder lebten, war mit einem allerdings statistisch nicht signifikant erniedrigten Risiko für eine Frühgeburt (FG WHO) verbunden (p=0,071).

5.2.6.2 Medizinisch anamnestische insbesondere schwangerschaftsbezogene Daten (Tab. A32)

Die Frühgeburtenrate nach WHO-Definition war deutlich mit der Parität korreliert (p=0,096). Für Mehrgebärende lag diese mit 15,2% mehr als dreifach und signifikant höher als für Zweitgebärende (4,7%; p=0,039).

↓177

Aus dem Bereich der Schwangerschaftsanamnese waren die Tatsache, durch ein oder zwei Frühgeburten (p=0,033) bzw. Schwangerschaftsabbrüche (p=0,003) belastet zu sein, mit einem signifikant erhöhten Risiko für eine Frühgeburt nach WHO-Definition verbunden. Für das die verschiedenen Belastungen zusammenfassende Item „belastete Schwangerschaftsanamnese“ fand sich ebenfalls eine signifikante Beziehung. Belastete Schwangere hatten mit 15,9 % gegenüber unbelasteten (6,6%) eine fast dreifach höhere Frühgeburtenrate.

Unter den erfragten anamnestischen Erkrankungen fand sich für die Regelstörung (p= 0,016) ein signifikanter Zusammenhang zur Häufigkeit einer Frühgeburt nach WHO-Definition in der Indexschwangerschaft. Ein gleichgerichteter allerdings knapp über der Signifikanzgrenze liegender Zusammenhang ergab sich für die Kolpitis (p= 0,053). Schwangere, die durch mehr als eine der unter medizinischen Risiken subsummierten Erkrankungen belastetet waren, hatten mit 19,2 % ein signifikant erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt (p=0,048). Für die zusammenfassenden Variable chronisch gynäkologischer Störungen und Medizinische Risiken 2 zeigten sich ebenso wie für die einzelnen nichtgynäkologischen Erkrankungen keine Zusammenhänge zur Frühgeburtenrate (FG WHO).

5.2.6.3 Lebensgeschichtliche Daten (Tab. A33)

Eine sehr positive Erinnerung der eigenen Kindheit korrelierte ebenso wie ein wenig autoritäres Erziehungsverhalten mit einer niedrigeren Frühgeburtenrate, ohne dass sich diese Zusammenhänge statistisch sichern ließen.

5.2.6.4 Stressverarbeitung und Persönlichkeitsvariable (Tab. A33)

↓178

Die Stressverarbeitungs- und Persönlichkeitsvariablen zeigten keinen signifikanten Zusammenhang zur Häufigkeit einer Frühgeburt nach WHO-Definition. Auffällig war jedoch, wie auch bei der Geburt eines Kindes vor der 37. Schwangerschaftswoche, dass Frauen mit den höchsten Angstwerten die niedrigsten Frühgeburtenraten (FG WHO 3,2%) hatten.

5.2.6.5  Schwangerschaftsbezogene Einstellungen und Ängste (Tab. A34)

Die Ausprägung der Schwangerschaftsangst korrelierte gleichsinnig mit der Häufigkeit einer Frühgeburt nach (alter) WHO-Definition (p=0,050), d.h. hohe Angstwerte waren mit einer hohen Frühgeburtenrate assoziiert. Andererseits endeten stark erwünschte Graviditäten ebenfalls mit einer hohen Frühgeburtenrate (p=0,055).

5.2.6.6 Soziale Netzwerke (Tab. A34)

Keine der erhobenen Variablen zu sozialen Netzwerken zeigte eine signifikante Beziehung zur Häufigkeit des Auftretens einer Frühgeburt nach (alter) WHO-Definition.

5.2.6.7 Partnerschaft (Tab. A34)

↓179

Schwangere, die in einer als „ideal“ definierten Partnerschaft lebten, hatten im Vergleich zu den übrigen Schwangeren eine signifikant erniedrigte Frühgeburtenrate (p=0,045). Umgekehrt hatten in ihrer Beziehung sehr unglückliche Frauen (FG WHO 12,0%) und solche, die schon ernsthaft an Trennung gedacht hatten (FG WHO 12,5%), eine deutlich erhöhte Frühgeburtenrate, ohne dass die Unterschiede zu den übrigen Schwangeren signifikant waren.

Ein ebenfalls deutlicher aber nicht signifikanter Zusammenhang stellte sich zwischen eher unglücklichen Werten in der Skala Zärtlichkeit des PFB und einer geringeren Frühgeburtlichkeit nach (alter) WHO-Definition dar (p=0,097).

5.2.6.8 Gesundheitsverhalten (Tab. A35)

Auch für eine Frühgeburt nach (alter) WHO-Definition fanden sich wie für ein Geburtsgewicht unter 2500g signifikante Zusammenhänge zum BMI vor der Schwangerschaft (p=0,042). Die höchste Frühgeburtenrate fand sich ebenfalls bei Frauen mit einem BMI unter 19, die niedrigste bei denen mit einem BMI über 30 (FG WHO =0).

↓180

Für das Rauchverhalten sind gleichgerichtete Zusammenhänge wie für die Geburt eines Kindes mit einem Gewicht unter 2500g zu beschreiben. Ein signifikanter Zusammenhang fand sich danach für die aus den Geburtsunterlagen entnommenen Angaben zum Nikotinkonsum (0,002). Die höchste Frühgeburtenrate war wiederum bei denjenigen zu finden, aus deren Unterlagen keine Informationen zum Nikotinkonsum zu entnehmen waren (15,7%). In abnehmender Häufigkeit trat eine Frühgeburt nach WHO-Definition bei Schwangeren mit Nikotinkonsum (8,0%) und Nichtraucherinnen (4,2%) auf, während bei keiner der 10 Schwangeren mit Nikotinabusus eine Frühgeburt zu verzeichnen war. Auch die Angaben der Schwangeren im Fragebogen zeigten nahezu identische Zusammenhänge zur Frühgeburt nach (alter) WHO-Definition wie zur Geburt eines Kindes mit einem Gewicht unter 2500g, d.h. die höchsten Frühgeburtenraten fanden sich bei denjenigen

Frauen, die das Rauchen vor der Schwangerschaft aufgegeben hatten und denjenigen, die in der Schwangerschaft bis zum Befragungszeitpunkt unverändert weitergeraucht hatten.

5.2.6.9 Berufliche Situation (Tab. A35)

Von den zum beruflichen Bereich erhobenen Variablen fand sich nur für die Angaben der Schwangeren, eine gesundheitsschädigende Arbeit auszuüben, ein deutlicher jedoch statistisch nicht signifikanter Zusammenhang zu einer erhöhten Frühgeburtenrate (11,2%).

5.2.6.10 Schwangerschaftsverlauf und –ausgang (Tab. A36)

↓181

Auch für die Frühgeburt nach (alter) WHO-Definition erbrachte die univariate logistische Regression signifikante Zusammenhänge zu schwangerschaftsspezifischen (p=0,001), nicht jedoch zu schwangerschaftsunspezifischen Erkrankungen (p=0,432). Schwangere, die unter den Diagnosen Abortus imminens, Cervixinsuffizienz, vorzeitige Wehetätigkeit, vorzeitiger Blasensprung oder der Verdachtsdiagnose intrauterine fetale Retardierung behandelt worden waren, hatten signifikant häufiger, solche die unter den Diagnosen Glucosurie, Gestationsdiabetes, HES und Placenta praevia behandelt worden waren, deutlich aber nicht signifikant häufiger, später eine Frühgeburt nach alter WHO-Definition. Nach einer Konisation in der Schwangerschaft stieg das Risiko für eine Frühgeburt auf 33,3%. Die Differenz war wegen der kleinen Fallzahl statistisch nicht signifikant.

Signifikante Zusammenhänge fanden sich zwischen Geburtsmodus und FG-WHO (p<0,001). 31,8% der primären Kaiserschnitte und 18,9% der sekundären waren bei Frühgeburten durchgeführt worden Ebenso signifikante Zusammenhänge fanden sich zwischen APGAR-Wert (p=0,001), Verlegung in die Kinderklinik (p<0,001), Geburtsergebnis (p<0,001) und Störungen in der Nachgeburtsperiode (p=0,004) und einer Frühgeburt nach (alter) WHO-Definition.

5.2.7 Geburtsgewicht < 10. Percentile

50 (10,0%) der 508 Einlingsschwangerschaften endeten mit der Geburt eines Kindes mit einem Geburtsgewicht unter der 10. Percentile. In der Gruppe der 488 in die univariate logistische Regression eingehenden Fälle waren es ebenfalls 10,0%.

5.2.7.1  Soziodemographische Daten (Tab. A37)

↓182

Haushaltseinkommen und schulischer Abschluss der Schwangeren korrelierten mit der Geburt eines Kindes mit einem Gewicht unter der 10. Percentile. Frauen mit einem höheren Einkommen (6,1%) und solche mit einem höheren Abschluss (8,5%) gebaren weniger untergewichtige Kinder, solche mit niedrigem Einkommen (12,3%) bzw. Schulabschluss (13,9%) häufiger. Die Unterschiede waren statistisch jedoch nicht signifikant. Eine signifi

kante Beziehung fand sich zur Tatsache, ob im Haushalt der Schwangeren bereits Kinder lebten. War dies der Fall, lag die Untergewichtigenrate mit 6,5% um knapp die Hälfte niedriger als bei Frauen ohne Kinder im Haushalt (12,3%; p=0,035).

5.2.7.2 Medizinisch anamnestische insbesondere schwangerschaftsbezogene Daten (Tab. A38)

Ein deutlich erniedrigtes Risiko für die Geburt eines wachstumsretardierten Kindes fand sich mit 4,7% für Zweitgebärende, während die diesbezügliche Rate bei Erstgebärende bei 12,3% und bei Mehrgebärenden bei 12,1% lag. Die Unterschiede waren signifikant (p=0,046).

↓183

Jede vierte Schwangere, die sich in einer Sterilitätsbehandlung befunden hatte, gebar in der Indexschwangerschaft ein Kind mit einem Geburtsgewicht unter der 10. Percentile. Der Zusammenhang war signifikant (p=0,010).

Gleichgerichtete signifikante Zusammenhänge fanden sich für eine anamnestische Belastung durch Amenorrhoe oder Regelstörung. Schwangere, die mehr als einmal eine Amenorrhoe erlebt hatten, gebaren in 26,3% ein Kind mit einem Gewicht unter der 10. Percentile, diejenigen ohne anamnestisch bekannte Amenorrhoe in 9,1% (p=0,002), diejenigen in deren Vorgeschichte mehr als dreimal oder chronische Regelstörungen aufgetreten, waren in 21,1% und diejenigen ohne bekannte Regelstörung in 7,5% (p=0,001). Für die zusammenfassende Variable chronisch gynäkologischer Störungen zeigten sich hingegen keine Zusammenhänge zur Untergewichtigenrate.

Für die nichtgynäkologischen Vorerkrankungen stellte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen einer Belastung durch mehr als dreimal oder chronisch auftretende Herzrhythmusstörungen und der Geburt eines Kindes mit einem Geburtsgewicht unter der 10. Percentile dar (p==0,004).

5.2.7.3 Lebensgeschichtliche Daten (Tab. A39)

↓184

Im Streit aus dem Elternhaus ausgezogen zu sein, war mit einer deutlich erhöhten Häufigkeit der Geburt eines wachstumsretardierten Kindes verbunden. In der Kindheit einen wenig autoritären Erziehungsstil erlebt zu haben und sehr positive Erinnerung an die eigene Kindheit zu haben, war mit einer niedrigeren Rate und vice versa ein sehr autoritärer Erziehungsstil und eher negative Kindheitserinnerungen mit einer höheren Rate der Geburt eines Kindes mit einem Gewicht unter der 10 Percentile verbunden. Alle Unterschiede waren statistisch jedoch nicht signifikant.

5.2.7.4  Stressverarbeitung und Persönlichkeitsvariable (Tab. A39)

Für die beiden erhobenen Stressverarbeitungsvariablen zeigte sich kein Zusammenhang zur Geburt eines wachstumsretardierten Kindes.

Schwangere mit niedrigen Werten in der Skala Nachhaltigkeit gebaren mit 12,5% häufiger, solche mit hohen Werten mit 6,5% seltener Kinder mit einem Geburtsgewicht unter der 10. Percentile, ohne dass diese Unterschiede signifikant waren. Ein signifikanter Zusammenhang ergab sich für die Schlafstörungen (p=0,009). Die höchste Rate an small for gestational age Kindern fand sich mit 17,8% bei den Schwangeren, die sehr geringe Werte auf der Skala Schlafstörungen aufwiesen, d.h. die angegeben hatten selten stundenlang wach zuliegen, obwohl sie müde waren und selten unruhig zu schlafen. Schwangere mit mittleren Werten auf diese Skala gebaren mit 6,7% am seltensten ein Kind mit einem Geburtsgewicht unter der 10. Percentile. Auch die Angaben auf der Skala Erschöpfung korrelierten mit der Häufigkeit der Geburt eines wachstumsretardierten Kindes. Am häufigsten gebaren mit 17,8 % Schwangere mit niedrigen Werten, d.h. solche, die angegeben hatten, sich nicht schnell erschöpft, gestresst oder überlastet zu fühlen, nicht schwer in Schwung zu kommen und wechselnde Stimmungen zu haben und nicht unter Konzentrationsstörungen zu leiden, ein Kind mit einem Geburtsgewicht unter der 10. Percentile, am seltensten Frauen mit sehr hohen Werten auf der Skala Erschöpfung (0,082). Hingegen korrelierten hohe Werte auf der Skala Selbstwert mit einer niedrigen Untergewichtigenrate und vice versa. Die Unterschiede waren statistisch jedoch nicht signifikant.

5.2.7.5 Schwangerschaftsbezogene Einstellungen und Ängste (Tab. A39)

↓185

Gravide mit wenig Geburtsangst gebaren deutlich häufiger (16,2%) als solche mit mittlerer (8,6%) oder wenig Angst (0,0%) ein Kind mit einem Geburtsgewicht unter der 10. Percentile (p=0,078). Signifikante Zusammenhänge fanden sich für die Erwünschtheit der Schwangerschaft und die Schwangerschaftseinstellung. Erwünschte Graviditäten endeten mit 11,7% signifikant häufiger mit der Geburt eines Kindes mit einem Gewicht unter der 10. Percentile als (eher) unerwünschte (4,4%; p=0,029), und eine sehr positive Schwangerschaftseinstellung fand sich mit 17,4% signifikant häufiger bei Schwangeren, die später ein untergewichtiges Kind gebaren (p=0,041). In Hinblick auf die Geplantheit der Schwangerschaft endeten Graviditäten, die zum aktuellen Zeitpunkt geplant und solche die ungeplant waren, mit 11,0% bzw. 11,5% mehr als doppelt so häufig mit der Geburt eines Kindes mit einem Gewicht unter der 10. Percentile als solche, die für einen späteren Zeitpunkt geplant waren (5,0%). Die Unterschiede waren jedoch statistisch nicht signifikant.

5.2.7.6  Soziale Netzwerke (Tab. A40)

Aus den erfragten Bereichen des sozialen Netzwerkes zeigte nur die Anzahl von Personen, die als unterstützend für die Schwangerschaft erlebt wurden, eine signifikante Beziehung zur Häufigkeit der Geburt eines Kindes mit einem Geburtsgewicht unter der 10. Percentile. Schwangere, die mehr als 2 Personen als unterstützend benannt hatten, (10,9%) gebaren signifikant häufiger als solche die 0 bis 2 Personen benannt hatten (3,4%) ein untergewichtiges Kind (p=0,044).

5.2.7.7 Partnerschaft (Tab. A40)

Frauen, die in ihrer Beziehung schon ernsthaft an eine Trennung gedacht hatten, gebaren mit 16,7% deutlich häufiger ein Kind mit einem Geburtsgewicht unter der 10. Percentile als diejenigen, die dies noch nie (10,3%) oder noch nicht ernsthaft (6,9%) getan hatten, ohne das diese Unterschiede statistisch signifikant waren. Nach dem Partnerschaftsfragebogen unglückliche Schwangere hatten mit 14,5% ebenfalls ein nicht signifikant erhöhtes Risiko für die Geburt eines mangelentwickelten Kindes. Schwangere, die mit den Umgangsformen zwischen sich und ihrem Partner in der Beziehung unzufrieden waren, hatten mit 2,1% ein deutlich niedrigeres Risiko als die zufriedenen (11,0%; p=0,089).

5.2.7.8 Gesundheitsverhalten (Tab. A41)

↓186

Schwangere mit einem prägraviden BMI unter 19 hatten ein deutlich erhöhtes (16,4%), solche mit einem BMI zwischen 25 und 30 ein deutlich erniedrigtes (4,1%) Risiko für die Geburt eines Kindes mit einem Geburtsgewicht unter der 10. Percentile gegenüber „normgewichtigen“ Schwangeren mit einem BMI zwischen 25 und 30 (10,5%). Die Unterschiede waren jedoch statistisch nicht signifikant.

Sowohl hinsichtlich der Angaben zum Nikotinkonsum in den Geburtsunterlagen wie auch der von den Frauen im Fragebogen in der ersten Hälfte der Schwangerschaft gemachten Angaben, fanden sich deutliche aber keine signifikanten Zusammenhänge zur Geburt eines mangelentwickelten Kindes. Frauen, die im Fragebogen angegeben hatten, bis zu diesem Zeitpunkt der Schwangerschaft unverändert weiterzurauchen, gebaren mit 20,0 % mehr als doppelt so häufig Kinder mit einem Geburtsgewicht unter der 10. Percentile als Frauen, die das Rauchen vor der Gravidität aufgegeben (6,5%) oder noch nie in ihrem Leben geraucht hatten (9,4%).

5.2.7.9 berufliche Situation (Tab. A41)

Schwangere, die ihre Hauptbeschäftigung (Haushalt oder Beruf) als körperlich belastend einschätzten, hatten gegenüber denjenigen, die ihre Arbeit als nicht belastend beschrieben,

↓187

ein erhöhtes Risiko für die Geburt eines mangelentwickelten Kindes, ohne dass die Unterschiede statistisch signifikant waren.

5.2.7.10 Schwangerschaftsverlauf und –ausgang (Tab. A42)

Schwangere, die unter der VD intrauterine fetale Retardierung behandelt worden waren, gebaren in 38,2% später auch ein mangelentwickeltes Kind. In der Gruppe ohne eine solche Verdachtsdiagnose waren es 7,8%. Der Unterschied war statistisch höchst signifikant (p<0,001). Alle übrigen schwangerschaftsspezifischen und –unspezifischen Erkrankungen zeigten keine signifikanten Beziehungen zur Geburt eines Kindes mit einem Geburtsgewicht unter der 10. Percentile. Schwangere mit einer Glucosurie oder einem Gestationsdiabetes und Frauen mit Hyperemesis oder HES in der Gravidität gebaren zwar deutlich häufiger als durch solche Störungen nicht belastet ein mangelentwickeltes Kind. Die Unterschiede waren jedoch in keinem Fall signifikant.

Signifikante Zusammenhänge fanden sich zwischen Geburtsmodus und Geburtsgewicht unter der 10. Percentile (p<0,001). Jeweils mehr als ein Viertel der primären und sekundären Kaiserschnitte wurde bei der Geburt eines mangelentwickelten Kindes durchgeführt. Signifikante Zusammenhänge fanden sich auch zur Verlegung in die Kinderklinik (p=0,002) und zu Störungen in der Nachgeburtsperiode (p=0,024).

5.3  Prädiktion von Frühgeburt < 37. SSW und Geburtsgewicht < 10. Percentile anhand bekannter anamnestischer und befundeter Parameter

↓188

Betrachten wir nun die 3 hier näher untersuchten Schwangerschaftskomplikationen drohende Frühgeburt, schwangerschaftsinduzierte Hypertonie (einschließlich Präeklampsie) und Verdachtsdiagnose intrauterine fetale Retardierung in ihrer Beziehung zu den beiden im weiteren Auswertungsgang untersuchten Outcome-Variablen Frühgeburt vor der vollendeten 37. SSW und Geburt eines Kindes mit einem Gebwicht unter der 10. Percentile.

Waren in der Gravidität Symptome einer drohender Frühgeburt aufgetreten, kam es in 16,3% (n=21) der Fälle später tatsächlich zu einer Frühgeburt, während es in der Gruppe der Schwangeren ohne eine solche Symptomatik in 2,2% (n=8) der Fälle die Geburt vor der vollendeten 37. SSW eintrat. Wurde die Schwangere wegen SIH behandelt, lag die Frühgeburtenrate bei 10,3% (n=6) [vs. 5,5% ohne SIH], nach der Verdachtsdiagnose intrauterine fetale Retardierung bei 14,7% (n=5) [vs. 5,4% ohne VD intrauterine Retardierung].

Nach einer Behandlung unter der Verdachtsdiagnose intrauterine fetale Retardierung kam es signifikant häufiger tatsächlich zur Geburt eines mangelentwickelten Kindes (38,2%; n=13 vs. 7,8%; n=35). Die Diagnosen drohende Frühgeburt (11,7% vs. 9,4%) und schwangerschaftsinduzierte Hypertonie (13,8% vs. 9,4%) waren dagegen nicht mit signifikant erhöhten Raten von SGA-Babys assoziiert.

5.4  Ergebnisse der multivariaten logistischen Regression

↓189

Für die multivariate Auswertung wurden als geburtsbezogene Outcomes die Frühgeburt vor der vollendeten 37. SSW und die Geburt eines Kindes mit einem Gewicht unter der 10. Percentile als die 2 Gruppen, die am ehesten den oben (Pkt. 2.2) beschriebenen unterschiedlichen pathogenetischen Zusammenhängen entsprechen, ausgewählt.

Tabelle 33: Frühgeburt – Percentile Kreuztabelle

Percentile

Gesamt

>=10. Perc.

<10.Perc.

Frühgeburt

≥ 37. SSW

Anzahl

424

43

467

% von FG

90,8%

9,2%

100,0%

% von Perc.

94,9%

87,8%

94,2%

<37. SSW

Anzahl

23

6

29

% von FG

79,3%

20,7%

100,0%

% von Perc.

90,1%

12,2%

5,8%

Gesamt

Anzahl

447

49

496

% von FG

90,1%

9,9%

100,0%

% von Perc.

100,0%

100,0%

100,0%

Aus Tabelle 33 ist zu entnehmen, dass 6 der vor der 37. SSW geborenen Kinder ein Geburtsgewicht unter der 10. Percentile haben. Um die Gruppengrößen nicht noch weiter zu verkleinern, wurden diese 6 Fälle nicht aus der weiteren Auswertung ausgeschlossen.

↓190

Die multivariate logistische Regression wurde für die 3 Schwangerschaftskomplikationen drohende Frühgeburt (vorzeitige Wehen u/o vorzeitiger Blasensprung u/o Cervixinsuffizienz), hypertensive Erkrankung in der Schwangerschaft und Verdachtsdiagnose intrauterine fetale Retardierung und die Geburt vor der vollendeten 37. SSW sowie die Geburt eines Kindes mit einem Geburtsgewicht unter der 10. Percentile zunächst unter Einbeziehung der in der ersten Hälfte der Schwangerschaft erhobenen Daten (Auswertungsbereiche 1-9) gerechnet. Für die Outcome-Variable Frühgeburt vor der vollendeten 37. SSW wurden darüber hinaus Variable des Schwangerschaftsverlaufes in weitere Modelle einbezogen. Dabei ging es vor allen Dingen darum, zu prüfen, ob und wie sich die verschiedenen Modelle unterscheiden. Nach den Empfehlungen zur Variablenreduktion und Modellbildung von HOSMER und LEMESHOW (2000) wurden aus der Vielzahl der erhobenen Variablen für die Modellbildung, die in der univariaten logistischen Regression signifikanten bzw. relevanten unabhängigen Variablen ausgewählt. Da Berechnungen unmöglich werden oder unsinnige Ergebnisse liefern, wenn zwischen Einflussgrößen sehr hohe Korrelationen bestehen (Kolinearität), wurde vorab für jedes Modell die Rangkorre

lation nach Spearman (für ordinalskalierte oder nicht-normalverteilte intervallskalierte Variable) berechnet. Diese sind den entsprechenden Tabellen im Anhang zu entnehmen.

5.4.1  drohende Frühgeburt

In die univariate logistische Regression waren die Daten von 508 Schwangeren eingegangen. Aufgrund der Variablenselektion wurden in die multivariate Auswertung für die drohende Frühgeburt 319 Probandinnen einbezogen. Eine drohende Frühgeburt, die in dieser Population bei 79 Schwangeren diagnostiziert worden war, umfasste hier als behandlungsbedürftig eingestufte, registrierte und dokumentierte vorzeitige Wehentätigkeit, Cervixinsuffizienz und vorzeitigen Blasensprung.

↓191

In das Modell zur Ermittlung von potentiellen Prädiktoren für die Symptomatik einer drohenden Frühgeburt gingen insgesamt 27 Variable ein. Je 2 davon stammten aus den Bereichen soziodemographische Variable, lebensgeschichtliche Daten, Partnerschaft und berufliche Situation, aus dem sozialen Netzwerk waren es 4 und aus den Bereichen medizinisch-anamnestische Daten, Stressverarbeitung/Persönlichkeit und Gesundheitsverhalten je 5 Variable. Aus dem Bereich schwangerschaftsbezogene Einstellungen und Ängste hatte sich in der univariaten Auswertung keine Variable als signifikant oder relevant erwiesen. (Abb. 5)

Die Korrelationsprüfung erbrachte für die überwiegende Mehrheit der in das Modell eingehenden Variablen eine sehr geringe Korrelation. Für die Persönlichkeits- und Stressverarbeitungsvariablen (Spearman-Rho 0,27-0,44) sowie partnerschaftsbezogenen (Spearman-Rho 0,26) und berufsbezogenen (Spearman-Rho 0,27) Daten ließen sich geringe Korrelationen nachweisen. Gleiches traf auf einige Aspekte des sozialen Netzwerkes (Spearman-Rho 0,22-0,50) sowie die Nichtraucherumgebung zu (Spearman-Rho 0,28). Psychisch belastende Arbeit war gering mit gesundheitsschädigender Arbeit (Spearman-Rho 0,27) und rauchenden KollegInnen (Spearman-Rho 0,27) korreliert. (Tab. A43)

Das Auftreten einer drohenden Frühgeburt war signifikant assoziiert mit dem Haushaltseinkommen, der Parität, einer Infertilitätsbehandlung oder chronisch gynäkologischen Störungen in der Vorgeschichte (= mehr als dreimal oder chronisch an Kolpitis, Dysmenorrhoe, Unterbauchschmerzen unabhängig von der Menstruation und/oder Regelstörungen gelitten zu haben oder zu leiden). Als weitere signifikante Prädiktoren gingen in das Modell die Stressverarbeitungsvariable Soziale Abkapselung und aus dem sozialen Netzwerk die instrumentelle Hilfe durch Freundinnen sowie emotionales Verständnis für die Schwangerschaft durch den Partner ein. Außerdem war das Auftreten einer drohenden Frühgeburt mit dem BMI vor Gravidität, den Angaben zum Nikotinkonsum in den Klinik

↓192

unterlagen und der Tatsache, ob die Schwangere von rauchenden oder nichtrauchenden Kolleginnen umgeben war, verbunden. (Abb. 5)

Schwangere mit einem Haushaltseinkommen unter 1500 DM (OR 4,34; 95%CI 1,49-12,65), Frauen die das dritte oder ein weiteres Kind erwarteten( OR 2,56; 95%CI 0,79-8,24), sich schon einmal in einer Infertilitätsbehandlung befunden hatten (OR 11,75; 95%CI 0,98-140,54) und oder die an mehr als eine chronisch gynäkologische Störungen gelitten hatten bzw. litten (OR 2,43; 95%CI 1,15-5,12), mussten am häufigsten wegen einer drohenden Frühgeburt behandelt werden. Gleiches traf auf Schwangere zu, die wenig dazu neigten, in Stresssituationen Kontakten aus dem Weg zu gehen, andere Menschen zu meiden und diese als lästig zu empfinden (SV Soziale Abkapselung), keine instrumentelle Hilfe durch Freundinnen erhielten (OR 5,01; 95%CI und die sich von ihrem Partner hinsichtlich ihrer Gedanken und Gefühle betreffs der Schwangerschaft nicht sehr gut verstanden fühlten (OR 2,28; 95%CI 1,13-4,61). Normal- (BMI 19-24; OR 1,00) und untergewichtige (BMI<19; OR 1,18; 95%CI 0,49-2,85)) Schwangere zeigten gegenüber leicht übergewichtigen (BMI>24-30; OR 0,32; 95%CI 0,13-0,79) und stärker übergewichtigen (BMI>30; OR 0,74; 95%CI 0,15-3,57) ebenso häufiger behandlungsbedürftige Symptome einer drohenden Frühgeburt wie solche, deren KollegInnen rauchten (OR 1,92; 95% CI1,03-3,56) und in deren Klinikunterlagen keine Angaben zum Nikotinkonsum verzeichnet waren (OR 3,92; 95%CI 2,02-7,61) oder die als Raucherinnen von bis zu 5 Zigaretten pro Tag registriert waren (OR 1,36;95%CI 0,46-3,99). Die Güte des Modell war mit der Log-Likelihood-Funktion und den Chi-Quadrat-Werten als positiv zu bewerten. (Tab. 34)

Abbildung 5: Variable, die in die multivariate logistische Regression für die drohende Frühgeburt eingingen, nach Auswertungsbereichen gruppiert (im Endmodell signifikante Variable fett markiert)

↓193

Tabelle 34: Ergebnisse der multivariaten logistischen Regression für die drohende Frühgeburt (bio-psycho-soziales Endmodell; Variable mit signifikantem Einfluss)

Variable

n

Ausprägung

OR

95% CI

p1

P2

HH-Einkommen

69

>4000 DM

1,00

0,023

204

1500-4000 DM

1,67

0,72- 3,86

0,205

46

<1500 DM

4,34

1,49-12,65

0,007

Parität

108

II.Para

1,00

0,038

190

I.Para

0,65

0,34- 1,28

0,213

21

> II.Para

2,56

0,79- 8,24

0,115

Infertilitätsbehand.

315

nein

1,00

0,046

4

ja

11,75

0,98- 140,54

chron. gynäkolog. Störungen

127

keine

1,00

0,001

123

1

0,54

0,27-1,10

0,089

69

>1

2,42

1,15-5,12

0,021

SV Soziale Abkapselung

58

wenig (<1,3)

1,00

0,038

214

mittel

0,51

0,23-1,15

0,104

47

viel (>3,5)

0,22

0,07-0,70

0,011

instrumentelle Hilfe f. SS d. Freundin

88

ja

1,00

0,000

231

nein

5,01

1,98-10,17

emot. Verstehen f. SS durch Partner

245

ja

1,00

0,021

74

Nein

2,28

1,13-4,61

BMI vor SS

199

19-24

1,00

0,079

38

<19

1,18

0,49-2,85

0,720

71

>24-30

0,32

0,13-0,79

0,013

11

>30

0,74

0,15-3,57

0,710

Nikotinkonsum nach Klinikangabe

198

kein Konsum

1,00

0,001

86

keine Angabe

3,92

2,02-7,61

< 0,001

33

Konsum

1,36

0,46-3,99

0,574

2

Abusus

nicht berechenbar

0,678

Raucher/Kollegen

181

nein

1,00

0,030

138

ja

1,92

1,03-3,56

P1 = statistische Signifikanz für die Unterschiede in der OR der verschiedenen Ausprägungen einer Variable
P2 = statistische Signifikanz der Beziehung zwischen Variabler und drohender Frühgeburt

5.4.2  Schwangerschaftsinduzierte Hypertonie (einschließlich Präeklampsie) = SIH

In die multivariate logistische Regression für die SIH konnten entsprechend der Variablenselektion 331 Frauen einbezogen werden von denen 28 unter dieser Diagnose behandelt worden waren. Als SIH wurden hier die Gestationshypertonie (Synonym Schwangerschaftsinduzierte Hypertonie), d.h. eine Hypertonie, die nicht vor der 20. SSW bestand, und die Präeklampsie, d.h. eine Hypertonie und eine Proteinurie mit/ ohne Ödem nach der 20. SSW zusammengefasst (FARIDI 2000).

Basierend auf den Ergebnissen der univariaten Auswertung gingen 18 Variable in die Modellbildung ein. Die meisten, nämlich 4, kamen aus dem Bereich Soziodemographie, je 3 aus dem Gesundheitsverhalten und den schwangerschaftsbezogenen Ängsten und Einstellungen, je 2 aus dem sozialen Netzwerk und der beruflichen Situation und aus den medizinisch anamnestischen und lebensgeschichtlichen Daten, dem sozialen Netzwerk und dem Bereich Partnerschaft je 1 Variable. (Abb. 6)

↓194

Zwischen den meisten Variablen gab es nur eine sehr geringe Korrelation. Eine geringe Korrelation bestand zwischen dem Berufabschluss der Schwangeren und Schul- (Spearman-Rho 0,28) bzw. Berufsabschluss (Spearman-Rho 0,33) des Partners, dem Rauchverhalten der Schwangeren einerseits und dem Schulabschluss des Partner (Spearman-Rho 0,27, der Berufsrückkehrsicherheit (Spearman-Rho 0,25) und den Angaben zum Nikotinkonsum in den Klinikunterlagen (Spearman-Rho 0,46) andererseits. Die Schwangerschaftseinstellung korrelierte gering mit Schlafstörungen (Spearman-Rho 0,24) und Geburtsangst (Spearman-Rho 0,34). (Tab. A44)

Das Auftreten einer SIH wurde in der untersuchten Population signifikant durch eine anamnestische Belastung durch nichtgynäkologische Erkrankungen (Medizinische Risiken 1 = Herzrhythmusstörungen, Asthma, Diabetes mellitus, erhöhter Blutdruck, Nierenerkrankung), autoritäres Erziehungsverhalten in der Ursprungsfamilie, Schlafstörungen, Geburtsangst, das emotionale Verständnis für die Schwangerschaft durch Freundinnen, das im PFB erfasste Streitverhalten sowie den BMI vor der Schwangerschaft, das Rauchverhalten der Schwangeren und die Angaben zum Nikotinkonsum in den Krankenunterlagen prädiktiert.

Eine anamnestische Belastung mit nicht-gynäkologischen Erkrankungen (Medizinische Risiken 1) war sowohl für eine (OR 5,62; 95%CI 1,31-17,74) und noch deutlicher für mehrere anamnestisch bekannte Erkrankungen (OR 17,32; 95%CI 19,09-3633,6) mit einem gehäuften Auftreten einer HES assoziiert. Schwangere, die im Faktor Schlafstörung niedrige (OR 1,00) und mittlere (OR 1,35; 95%CI Werte aufwiesen, d.h. nicht häufiger

↓195

unruhig schliefen und nicht stundenlang wach lagen, obwohl sie müde waren, zeigten im Schwangerschaftsverlauf häufiger eine SIH als solche mit hohen Werten. Weiterhin waren ein höherer prägravider BMI (OR 1,28; 95%CI 1,12-1,45), ein eher autoritäres Erziehungsverhalten in der Ursprungfamilie (OR 1,32; 95%CI 1,04-1,68), vermehrte geburtsbezogene Ängste (OR 2,86; 95%CI 1,70-4,80), ein weniger gestörtes Streitverhalten (OR 0,19; 95%CI 0,05-0,71) sowie das Fehlen emotionaler Unterstützung für die Schwangerschaft durch Freundinnen (OR 2,63; 95%CI 0,91-7,61) mit einem vermehrten Auftreten von SIH verbunden. Nach den von den Frauen in der ersten Hälfte der Gravidität gemachten Angaben zum Rauchverhalten hatten jene die vor (OR 2,17; 95%CI 0,43-10,93) oder in der Schwangerschaft (OR 6,50; 95%CI 1,70-6,42) das Rauchen aufgegeben hatten, ein höheres Risiko für das Auftreten einer SIH als Nichtraucherinnen (OR 1,00) und Frauen, die in der Schwangerschaft das Rauchen reduziert aber nicht aufgegeben hatten (OR 0,64; 95%CI 0,06-6,42). Für Schwangere, in deren Klinikunterlagen keine Angaben zum Nikotinkonsum verzeichnet waren (OR 4,08; 95%CI 1,29-12,97) oder die als Raucherinnen von bis zu 5 Zigaretten pro Tag registriert waren (OR 4,71; 95%CI 0,64-34,49), war in der untersuchten Population ein erhöhtes SIH-Risiko zu verzeichnen. Die Güte des Modells war mit der Log-Likelihood-Funktion und den Chi-Quadrat-Werten als positiv zu bewerten. (Tab.35)

Abbildung 6: Variable, die in die multivariate logistische Regression für die schwangerschaftsinduzierte Hypertonie (SIH), eingingen nach Auswertungsbereichen gruppiert (im Endmodell signifikante Variable fett markiert)

Tabelle 35: Ergebnisse der multivariaten logistischen Regression für die SIH (bio-psycho-soziales Endmodell; Variable mit signifikantem Einfluss)

Variable

n

Ausprägung

B

OR

95% CI

p1

p2

medizinische

Risiken 1

294

kein Risiko

1,00

<0,001

31

1 Risiko

5,62

1,31-17,74

0,018

6

>1 Risiko

17,32

19,09-3633,6

<0,001

Schlafstörungen

56

wenig (<1,3)

1,00

0,119

215

mittel

1,35

0,33-5,64

0,678

60

hoch (>3,99)

0,26

0,04-1,50

0,130

autorit. Erz.verh.

331

0,28

1,32

1,04-1,68

0,021

Geburtsangst

331

1,05

2,86

1,70-4,80

<0,001

emot. Unterstütz. Für SS d. Freundin

186

ja

1,00

0,075

145

nein

2,63

0,91-7,61

PFB Streitverh.

331

-1,59

0,19

0,05-0,71

0,013

BMI vor SS

331

0,26

1,28

1,12-1,45

0,001

Nikotinkonsum

208

kein Konsum

1,00

0,088

86

keine Angabe

4,08

1,29-12,97

0,017

33

Konsum

4,71

0,64-34,49

0,127

4

Abusus

nicht berechenbar

0,900

Rauchverhalten

189

NR

1,00

0,047

32

vor SS NR

2,17

0,43-10,93

0,347

60

in SS NR

6,50

1,70-24,86

0,006

43

in SS R reduz.

0,64

0,06-6,42

0,707

7

in SS R

nicht berechenbar

0,855

P1 = statistische Signifikanz für die Unterschiede in der OR der verschiedenen Ausprägungen einer Variable
P2 = statistische Signifikanz der Beziehung zwischen Variabler und SIH

5.4.3  Verdachtsdiagnose intrauterine fetale Retardierung

↓196

In die multivariate logistische Berechnung für die Verdachtsdiagnose intrauterine fetale Retardierung gingen 398 Fälle ein. In dieser Gruppe waren 29 Schwangere unter dem Verdacht einer intrauterinen fetalen Retardierung behandelt worden.

Von den für die Modellberechnung ausgewählten 23 Variablen entstammten 6 den medizinisch anamnestischen Daten, 4 den schwangerschaftsbezogenen Einstellungen und Ängsten, 3 dem sozialen Netzwerk, je 2 den soziodemographischen und lebensgeschichtlichen Daten, der beruflichen Situation und dem Gesundheitsverhalten und je 1 den Bereichen Stressverarbeitung und Paarbeziehung. (Abb. 7)

Neben den vorwiegend sehr geringen Korrelationen zwischen den einzelnen Variablen fanden sich für die anamnestische Belastung durch Magen-Darm-Geschwüre und chronische Durchfallerkrankung (Spearman-Rho 0,31) und Geburts- und Schwangerschaftsangst (Spearman-Rho 0,29) geringe Korrelationen. Die Schwangerschaftsangst war gering mit Nachhaltigkeit (Spearman-Rho 0,21) und Schlafstörungen (Spearman-Rho 0,24), der Auszug aus dem Elternhaus negativ mit Hilfe (Spearman-Rho-,26) und Akzeptanz (Spearman-Rho-,26) durch den Vater, das Rauchverhalten mit dem Schulabschluss (Spearman-Rho0,28) und den Angaben zum Nikotinkonsum aus den Klinikunterlagen (Spearman-Rho 0,37) und Hilfe durch den Vater mit instrumenteller Unterstützung durch die Mutter (Spearman-Rho 0,22) korreliert. Eine mittlere Korrelation fand sich zwischen Hilfe auf jeden Fall und Akzeptanz durch den Vater (Spearman-Rho 0,77). (Tab. A45)

↓197

Als signifikante Prädiktoren für die Verdachtsdiagnose intrauterine fetale Retardierung erwiesen sich im multivariaten Endmodell eine vorausgegangene Schwangerschaft mit Totgeburt, Geschwister in der Ursprungsfamilie, eine anamnestische Belastung durch Magen-Darmgeschwüre und Hypertonie, die Tatsache ob die Schwangere in jedem Fall mit Hilfe durch ihren Vater bzw. mit instrumenteller Hilfe durch ihre Mutter rechnen konnte sowie Angaben zum Nikotinkonsum in den Klinikunterlagen und beruflicher Stress. (Abb.7)

Frauen mit einer durch Totgeburt belasteten Schwangerschaftsanamnese hatten ein deutlich erhöhtes Risiko, unter der Verdachtsdiagnose intrauterine fetale Retardierung behandelt zu werden (OR 92,94; 95%CI 4,75-1818,7). Gleiches traf auf eine anamnestische Belastung mit Magen-Darmgeschwüren (OR 22,76; 95CI 1,28-81,37) und Hypertonie (OR 4,27; 95% CI 1,01-18,12) zu. Schwangere, die mit Geschwistern aufgewachsen waren (OR 10,20; 95%CI 1,28-81,37) und die nicht in jedem Fall Hilfe von ihrem Vater erwarten

konnten (OR 2,45; 95%CI 1,03-5,85), hatten ein höheres Risiko, unter dem Verdacht einer fetalen Mangelentwicklung behandelt zu werden. Andererseits hatten Schwangere, die keine instrumentelle Hilfe von ihrer Mutter erwarten konnten, ein niedrigeres Risiko (OR 0,25; 95% CI 0,10-0,62). Die Dokumentation von Nikotinabusus in den Klinikunterlagen war ein signifikanter Prädiktor für die Behandlung unter der Verdachtsdiagnose intrauterine fetale Retardierung (OR 21,78; 95%CI 2,90-163,7). Beruflich unter körperlich und/oder psychisch belastenden und/oder gesundheitsschädigenden Bedingungen zu arbeiten, war mit einem niedrigeren Risiko für die Verdachtsdiagnose intrauterine fetale Retardierung verbunden. (Tab. 36)

↓198

Abbildung 7: Variable, die in die multivariate logistische Regression für die Verdachtsdiagnose intrauterine fetale Retardierung eingingen, nach Auswertungsbereichen gruppiert (im Endmodell signifikante Variable fett markiert)

Tabelle 36: Ergebnisse der multivariaten logistischen Regression für die VD intrauterine fe tale Retardierung (bio-psycho-soziales Endmodell; Variable mit signifikantem Einfluss)

Variable

n

Ausprägung

OR

95% CI

p1

p2

aR Totgeburt

404

kein

1,00

0,003

4

ja

92,94

4,75-1818,7

0,691

Magen- Darmgeschwür

405

nie bis 3x

1,00

0,027

3

> 3x bis chron.

22,76

1,28-81,37

Hypertonie

365

nein

1,00

0,041

24

1-3x

0,12

0,01-1,66

0,114

19

> 3x o. chronisch

4,27

1,01-18,12

0,049

Geschwister

77

nein

1,00

0,028

331

ja

10,20

1,28-81,37

Hilfe in jedem Fall durch Vater

259

ja

1,00

0,043

149

nein

2,45

1,03-5,85

instrumentelle Hilfe durch Mutter

117

ja

1,00

0,003

291

nein

0,25

0,10-0,62

Nikotinkonsum

235

kein Konsum

1,00

0,013

121

keine Angabe

2,01

0,79-5,14

0,146

43

Konsum

3,22

0,87-11,93

0,080

9

Abusus

21,78

2,90-163,67

0,003

Berufsstress

262

nein

1,00

0,51

146

ja

0,36

0,05-1,18

P1 = statistische Signifikanz für die Unterschiede in der OR der verschiedenen Ausprägungen einer Variable
P2 = statistische Signifikanz der Beziehung zwischen Variabler und VD Retardierung

5.4.4  Kindliches Geburtsgewicht unter der 10. Percentile

In Folge der Variablenselektion wurden die Daten von 357 Schwangeren in die multivariate logistische Regression für das Geburtsgewicht unter der 10. Percentile aufgenommen, 32 Kinder hatten ein Geburtsgewicht unter der 10. Percentile.

↓199

In die Berechnung gingen 24 Variable ein. 6 kamen aus dem Pool medizinisch-anamnestischer Daten, 4 aus dem der schwangerschaftsbezogenen Einstellungen und Ängste, je 3 aus dem der Stressverarbeitungs- und Persönlichkeitsvariablen und des Gesundheitsverhaltens, je 2 aus den soziodemographischen und lebensgeschichtlichen Daten und dem Bereich Partnerschaft und je eine Variable bezogen sich auf die berufliche Situation und das soziale Netzwerk. (Abb.8)

Auch in dieser Gruppe gab es zwischen den meisten Variablen nur eine sehr geringe Korrelation. Geringe Korrelationen fanden sich zwischen der Geplantheit der Schwangerschaft und dem Haushaltseinkommen (Spearman-Rho 0,21), zwischen Schwangerschaftseinstellung einerseits und Schlafstörungen, Erschöpfung und Geburtsangst andererseits (Spearman-Rho 0,24-0,34), zwischen Geburtsangst und Erschöpfung und Selbstwert (Spearman-Rho 0,25-0,34), zwischen Geplantheit und Erwünschtheit der Schwangerschaft (Spearman-Rho 0,35), unglücklicher Partnerschaft und Trennungsgedanken (Spearman-Rho 0,21), Rauchverhalten einerseits und Nikotinkonsum (Spearman-Rho 0,37) und Auszug aus dem Elternhaus (Spearman-Rho 0,23) andererseits. Eine mittlere Korrelation war zwischen Parität und im Haushalt lebenden Kindern (Spearman-Rho 0,56), Medizinischen Risiken und Herzrhythmusstörungen (Spearman-Rho 0,52) sowie zwischen Selbstwert und Schlafstörungen (Spearman-Rho 0,53). (Tab. A46)

Die Geburt eines Kindes mit einem Gewicht unter der 10. Percentile war signifikant assoziiert mit dem Hauhaltseinkommen, der Parität, der Anamnese in Hinblick auf Regel- und Herzrhythmusstörungen, dem BMI vor der Schwangerschaft, der Erschöpfung, der Schwangerschaftseinstellung und der Erwünschtheit der Gravidität, der Anzahl von Personen, die die Schwangere unterstützten, sowie einer körperlich belastenden Arbeit. (Abb.8)

↓200

Schwangere mit einem Haushaltseinkommen unter 1500 DM (OR 3,26; 95%CI 0,77-13,90) und Frauen, die ihr erstes (OR 3,48; 95%CI 1,03-11,80) oder ihr drittes oder ein weiteres Baby erwarteten (OR 4,22; 95%CI 0,58-30,50), gebaren häufiger ein Kind mit einem Geburtsgewicht unter der 10. Percentile. Eine anamnestische Belastung durch Regelstörungen die mehr als dreimal oder chronisch aufgetreten waren (OR 3,553; 95% CI 1,26-9,86) sowie durch ebenso häufig aufgetretene Herzrhythmusstörungen (OR 15,62; 95%CI 2,91-83,80) war signifikant mit einer höheren Rate von SGA-Kindern verbunden.

Erwünschte Schwangerschaften (OR 1,00) endeten signifikant häufiger als eher unerwünschte (OR 0,23; 95%CI 0,06-0,89) mit der Geburt eines für das Schwangerschaftsalter zu leichten Kindes. Darüber hinaus bestand ein signifikanter Zusammenhang zwischen niedrigeren Werten auf der Erschöpfungsskala (OR 0,48; 95%CI 0,27-0,84) und einem niedrigeren BMI vor der Schwangerschaft (OR 0,86; 95%CI 0,75-0,99) und einer erhöhten Rate von SGA-Kindern. Bei der Schwangerschaftseinstellung war eine mittlere Einstellung mit der niedrigsten (OR 0,44; 95%CI 0,15-1,25), eine eher negative mit der höchsten (OR 2,23; 95%CI 0,49-10,20) Untergewichtigenrate verbunden. Gleiches traf auf Arbeitsbedingungen zu, die von den Schwangeren als teilweise (OR 4,89; 95%CI 1,70-14,10) oder vollkommen körperlich belastend (OR 2,43; 95%CI 0,83-7,11) bezeichnet wurden sowie auf ein soziales Netz für Unterstützung in der Schwangerschaft, dass mehr als 2 Personen umfasste (OR 6,69; 95% CI 0,77-58,00). (Tab. 37)

Abbildung 8: Variable, die in die multivariate logistische Regression für das Geburtsgewicht <10. Percentileeingingen, nach Auswertungsbereichen gruppiert (im Endmodell signifikante Variable fett markiert)

↓201

Tabelle 37: Ergebnisse der multivariaten logistischen Regression für ein Geburtsgewicht <10. Percentile (bio-psycho-soziales Endmodell; Variable mit signifikantem Einfluss)

Variable

n

Ausprägung

B

OR

95% CI

p1

P2

Einkommen

76

>4000 DM

1,00

0,26-3,29

0,054

222

1500-4000 DM

0,92

0,26-3,29

0,896

58

<1500 DM

3,37

0,80-14,28

0,099

Kinder im HH

141

ja

1,00

0,082

215

nein

2,55

0,88-7,33

Regelstörung

247

nie

1,00

0,062

52

1-3x

0,95

0,24-3,81

0,947

57

>3x - chronisch

3,28

1,18-9,14

0,023

Herzrhythmusstör.

345

nie bis 3x

1,00

0,001

12

> 3x od. chron.

14,68

2,84-75,86

Erschöpfung MW

356

-0,60

0,58

0,31-0,98

0,044

Geburtsangst MW

356

-0,43

0,67

0,41-1,09

0,103

SS erwünscht

277

erwünscht

1,00

0,044

79

(eher) unerwünscht

0,24

0,06-0,96

SS-Einstellung

63

positiv < 1,03

1,00

0,009

233

mittel

0,48

0,17-1,40

0,199

60

(eher) negativ >2,41

3,52

0,73-17,01

0,117

soziale Unterstütz. f. SS, Anz. Pers.

62

0-2 Personen

1,00

0,082

294

> 2 Personen

6,56

0,79-54,47

BMI vor SS

356

-0,15

0,86

0,75-0,99

0,033

körperl. belast. Arbeit

200

nein

1,00

0,011

72

teilweise

5,13

1,75-15,03

0,003

84

ja

2,57

0,87-7,56

0,087

p1 = statistische Signifikanz für die Unterschiede in der OR der verschiedenen Ausprägungen einer Variable
p2 = statistische Signifikanz der Beziehung zwischen Variabler und Geburtsgewicht < 10. Percentile

5.4.5  Frühgeburt < 37. SSW

5.4.5.1  „Bio-psycho-soziales“ Modell

Von den ursprünglich ausgewerteten 508 Schwangeren mit kompletten Datensätzen und Einlingsschwangerschaft konnten infolge der Variablenselektion 387 in die multivariate logistische Regressionsanalyse eingehen. 26 dieser Graviditäten hatten mit einer Frühgeburt geendet.

In die multivariate Analyse zur Bestimmung von Prädiktoren für die Geburt eines Kindes vor der vollendeten 37. SSW gingen 21 Variable ein. Je eine stammte dabei aus den lebensgeschichtlichen Daten, den Persönlichkeitsvariablen und der beruflichen Situation, je 2 aus den Bereichen Soziodemographie, Partnerschaft und Gesundheitsverhalten, 3 aus den Bereichen soziales Netzwerk und schwangerschaftsbezogene Einstellungen und Ängste und 6 aus den medizinisch anamnestischen Daten. (Abb.9)

↓202

Auch für die meisten in dieses Modell eingehenden Variablen fanden sich Korrelationskoeffizienten unter 0,2, was einer sehr geringen Korrelation entspricht. Erwartungsgemäß war die Korrelation zwischen Parität und der Tatsache, dass im Haushalt der Schwangeren Kinder lebten, höher, mit einem Koeffizienten von 0,57, aber immer noch als mittelgradig zu bezeichnen. Die aus den Krankenakten entnommenen, zum Entbindungstermin dokumentierten Angaben zum Nikotinkonsum und die im Fragebogen in der ersten Hälfte der Schwangerschaft von den Frauen diesbezüglich selbst gemachten Angaben korrelierten ebenfalls nur gering (Spearman-Rho 0,36). Eine ebenfalls geringe reziproke Korrelation fand sich zwischen dem Faktor Zärtlichkeit (PFB) und dem emotionalen Verständnis des Partners für die Schwangerschaft (Spearman-Rho -0,28). (Tab. A47)

Das Ereignis Frühgeburt vor der vollendeten 37. SSW war signifikant assoziiert mit der Tatsache, ob im Haushalt der Schwangeren Kinder lebten, ob sie in der Vorgeschichte an einer Kolpitis gelitten hatte, ob sie sich durch eine oder mehrere Freundinnen akzeptiert fühlte, ob der Partner ihr emotionale Verständnis für die Schwangerschaft entgegen brachte, sie in einer „idealen Partnerschaft“ lebte (eine Beziehung, in der die Frau mit dem Kindesvater in einem gemeinsamen Haushalt lebte und noch nie an eine Trennung gedacht hatte, glücklich oder sehr glücklich in der Partnerschaft war, in der es keine die Frau belastenden Verhaltensweisen des Mannes und keine die Partnerschaft belastenden Probleme gab, und die Frau in allen Bereichen der Partnerschaft zufrieden war), welche Angaben zum Nikotinkonsum den Krankenakten zu entnehmen waren sowie der allgemeinen Ängstlichkeit und den schwangerschaftsbezogenen Ängsten. (Abb. 9)

Die beiden Variablen zur Angst waren als Rohwerte in das Modell eingeflossen. Je höher die allgemeine Ängstlichkeit war, desto niedriger war die Frühgeburtlichkeit (OR 0,53; 95%CI 0,31-0,90; B –0,64), während für die schwangerschaftsbezogene Angst eine gegensätzliche Beziehung bestand, d.h. hohe Ängste mit einer hohen Frühgeburtenhäufigkeit assoziiert waren (OR 1,44; 95%CI 1,02-,05; B 0,37). Die Tatsache, keine im Haushalt lebenden Kinder zu haben, war ebenso mit einem erhöhten Frühgeburtenrisiko verbunden (OR 4,74; 95CI 1,39-16,20) wie eine durch Kolpitiden außerhalb der Schwangerschaft belasteten Anamnese (Kolpitis 1-3x OR 3,23; 95%CI 1,17-8,95; Kolpitis >3x –chronisch OR 4,28; 95%CI 1,01-18,96). Aus dem Bereich des sozialen Netzwerkes waren das Fehlen des emotionalen Verstehens für die Schwangerschaft durch den Partner (OR 2,85; 95%CI 1,07-7,56), die Tatsache, sich nicht von Freundinnen akzeptiert zu fühlen (OR 3,22; 95%CI 1,23-8,40), besonders stark. aber das Bestehen einer „nichtidealen“ Partnerschaft (OR 8,37; 95% CI 1,40-50,27) mit einer erhöhten Frühgeburtlichkeit verbunden. Bei den aus den Klinikunterlagen zum Nikotinkonsum entnommenen Angaben war insbesondere das Fehlen solcher Informationen mit einer höheren Rate von Frühgeburten (OR 5,12; 95%CI 1,88-13,96) verbunden. Für den Nikotinabusus war wegen der geringen Fallzahl keine Berechnung möglich. (Tab. 38)

↓203

In einem nächsten Schritt wurden in das Modell befundete Parameter aus dem Schwangerschaftsverlauf aufgenommen. Entsprechend den Ergebnissen der univariaten logistischen Regression gingen 7 schwangerschaftsspezifische und 1 schwangerschafts-unspezifische Erkrankung zusätzlich ein (Abb. 10). Der vorzeitige Blasensprung wurde zunächst nicht miteinbezogen, da dieser eine sehr enge Beziehung zur Frühgeburt gezeigt hatte. Wie bereits beschrieben, wurden 73,7% der Schwangeren mit einem vorzeitigen Blasensprung vor der 37. SSW entbunden.

Abbildung 9: Variable, die in die multivariate logistische Regression für die Frühgeburt < 37. SSW eingingen, nach Auswertungsbereichen gruppiert (im Endmodell signifikante Variable fett markiert)

Tabelle 38: Ergebnisse der multivariaten logistischen Regression für die Frühgeburt < 37. SSW (bio-psycho-soziales Endmodell; Variable mit signifikantem Einfluss)

Variable

n

Ausprägung

B

OR

95% CI

P1

p2

Kinder im HH

145

ja

1,00

0,013

242

nein

4,74

1,39-16,20

Kolpitis

259

nie

1,00

0,032

92

1-3x

3,23

1,17- 8,95

0,024

36

>3x o. chronisch

4,28

1,01-18,06

0,047

allg. Ängstlichkeit MW

387

-0,64

0,53

0,31- 0,90

0,018

SSangst MW

387

0,37

1,44

1,02- 2,05

0,041

emot. Verstehen f. SS durch Partner

298

ja

1,00

0,038

89

nein

2,85

1,07- 7,56

Akzeptanz durch Freundin

272

ja

1,00

0,017

115

nein

3,22

1,23- 8,40

„ideale“ Partnerschaft

92

ja

1,00

0,020

295

nein

8,37

1,40-50,27

Nikotinkonsum nach Klinkangabe

226

kein Konsum

1,00

0,011

113

keine Angabe

5,12

1,88-13,96

0,001

419

Konsum

1,21

0,19- 7,48

0,841

7

Abusus.

nicht berechenbar

0,774

p1 = statistische Signifikanz für die Unterschiede in der OR der verschiedenen Ausprägungen einer Variable
p2 = statistische Signifikanz der Beziehung zwischen Variabler und drohender Frühgeburt

5.4.5.2  „Bio-psycho-soziales“ Modell + SS-Komplikationen

↓204

Auch nach Einbeziehung der Schwangerschaftskomplikationen zeigten sich zwischen den einzelnen Variablen überwiegend sehr geringe Korrelationen. Zusätzlich zu den beim bio-psycho-sozialen Modell beschriebenen über diesem Niveau liegenden Werten fanden sich erwartbare, geringe Korrelationen zwischen Glucosurie und Gestationsdiabetes (Spearman-Rho 0,21) und vorzeitigem Blasensprung einerseits und Cervixinsuffizienz (Spearman-Rho 0,23) bzw. Konisation in der Schwangerschaft (Spearman-Rho 0,26) andererseits. (Tab. A48)

Im Endmodell der logistischen Regression für das ursprüngliche „bio-psycho-soziale“ Modell, ergänzt um die in der Indexschwangerschaft aufgetretenen Komplikationen (ohne vorzeitigen Blasensprung), waren Glucosurie, VD Retardierung, vorzeitige Wehen und eine Konisation in der Schwangerschaft Prädiktoren für eine Frühgeburt. Im übrigen blieben die im ursprünglichen „bio-psycho-sozialen Modell“ enthaltenen Variablen auch nach Aufnahme von befundeten Risiken aus dem Schwangerschaftsverlauf signifikante Prädiktoren. Die Variable Kinder im Haushalt wurde in diesem Modell durch die Parität ersetzt und die Erwünschtheit der Schwangerschaft ging in das Modell ein, während die anamnestische Belastung durch Kolpitiden nicht mehr einbezogen wurde.

Wurde der vorzeitige Blasensprung zusätzlich in die Modellberechnung gegeben, waren im Modell allgemeine Ängstlichkeit, schwangerschaftsbezogene Angst, die „ideale“ Partnerschaft und die Akzeptanz durch Freundinnen wesentliche Prädiktoren. Zu den befundeten Risiken kam erwartungsgemäß als hochsignifikanter Faktor der vorzeitige Blasensprung hinzu. Neben der Parität wurden nun die anamnestische Belastung durch Frühgeburten, sowie Kolpitiden und Regelstörungen in der Vorgeschichte als Prädiktoren aufgenommen. (Abb. 11)

↓205

Abbildung 10: : Variable, die in die multivariate logistische Regression für die Frühgeburt < 37. SSW + SS-Komplikationen ohne vorzeitigen BS eingingen, nach Auswertungsbereichen gruppiert (im Endmodell signifikante Variable fett markiert)

Tabelle 39: Ergebnisse der multivariaten logistischen Regression für die Frühgeburt < 37. SSW + SS-Komplikationen ohne vorzeitigen BS
(bio-psycho-soziales Endmodell; Variable mit signifikantem Einfluss)

Variable

N

Ausprägung

B

OR

95% CI

P1

p2

Parität

117

II. Para

1,00

0,118

230

I. Para

4,39

1,07-18,01

0,041

22

> II. Para

nicht berechenbar

0,803

SS erwünscht

295

Erwünscht

1,00

0,098

74

(eher) unerwü.

0,22

0,04-1,33

allg. Ängstlichkeit MW

369

-0,72

0,49

0,25-0,94

0,031

SSangst MW

369

0,39

1,48

0,97-2,24

0,068

emot. Verstehen f. SS durch Partner

284

ja

1,00

0,030

85

nein

3,47

1,13-10,69

Akzeptanz durch Freundin

259

ja

1,00

0,009

110

nein

4,39

1,44-13,36

„ideale“ Partnerschaft

89

ja

1,00

0,006

280

nein

27,34

2,53-295,61

Nikotinkonsum nach Klinkangabe

216

kein Konsum

1,00

0,099

107

keine Angabe

4,14

1,28-13,36

0,018

39

Konsum

1,10

0,14-8,61

0,926

7

Abusus.

nicht berechenbar

0,851

Glucosurie

367

nein

1,00

0,032

2

ja

374,75

1,67-84236

VD Retardierung

343

nein

1,00

0,002

26

ja

19,16

3,07-119,41

vorz. Wehen

304

nein

1,00

<0,001

65

ja

11,39

3,43-37,82

Konisation in SS

366

nein

1,00

0,002

3

ja

332,55

8,37-13216

p1 = statistische Signifikanz für die Unterschiede in der OR der verschiedenen Ausprägungen einer Variable
p2 = statistische Signifikanz der Beziehung zwischen Variabler und drohender Frühgeburt

Abbildung 11: : Variable, die in die multivariate logistische Regression für die Frühgeburt < 37. SSW + SS-Komplikationen mit vorzeitigem BS eingingen, nach Auswertungsbereichen gruppiert (im Endmodell signifikante Variable fett markiert)

↓206

Tabelle 40: Ergebnisse der multivariate logistischen Regression für die Frühgeburt < 37. SSW + SS-Komplikationen mit vorzeitigem BS (bio-psycho-soziales Endmodell ; Variable mit signifikantem Einfluss)

Variable

n

Ausprägung

B

OR

95% CI

p1

p2

Parität

117

II.Para

1,00

0,224

230

I. Para

5,04

0,74-34,33

0,099

22

> II.Para

nicht berechenbar

0,795

aR FG

361

keine

1,00

0,008

8

≥ 1

0,00

Kolpitis

245

nie

1,00

0,114

90

1-3x

3,67

0,79-17,02

0,097

34

>3x od.chron.

6,29

0,82-48,10

0,076

Regelstörung

245

nie

1,00

0,098

62

1-3x

5,13

0,92-28,47

0,062

62

>3x od.chron.

5,18

0,93-28,96

0,061

all. Angst MW

369

-1,05

0,35

0,15-0,81

0,014

SSangst MW

369

0,41

1,51

0,95-2,38

0,072

Akzeptanz durch Freundin

259

ja

1,00

0,004

110

nein

8,20

1,95-34,39

„ideale“ Partnerschaft

89

ja

1,00

0,012

280

nein

21,68

1,97-238,34

Nikotinkonsum nach Klinikangabe

216

kein Konsum

1,00

0,056

107

keine Angabe

4,14

1,89-53,20

0,007

39

Konsum

1,10

0,28-39,88

0,346

7

Abusus

nicht berechenbar

0,894

Glucosurie

367

nein

1,00

0,007

2

ja

476,69

5,51-41207

Gestationsdiabetes

364

nein

1,00

0,091

5

ja

37,48

0,56-2499,1

VD Retardierung

343

nein

1,00

0,055

26

ja

10,46

0,95-114,84

Cervixinsuffizienz

315

nein

1,00

0,031

54

ja

5,56

1,17-26,31

vorz. Blasensprung

354

nein

1,00

<0,001

15

ja

575,05

41,50-7968,5

p1 = statistische Signifikanz für die Unterschiede in der OR der verschiedenen Ausprägungen einer Variable
p2 = statistische Signifikanz der Beziehung zwischen Variabler und drohender Frühgeburt


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06.11.2006