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1  Allgemeine Einleitung

Mit dem konsequenten Einsatz von Chirurgie, Strahlentherapie und Chemotherapie kann derzeit bei der Mehrzahl aller Patienten mit Keimzelltumoren auch noch in den metastasierten Krankheitsstadien mit Heilungsraten von bis zu 80% gerechnet werden. Jedoch haben Patienten, die schlecht auf cisplatinhaltige Kombinationschemotherapie ansprechen und keine komplette Remission (CR) oder tumormarkernegative partielle Remission (PRm-) ihrer Erkrankung erreichen, sowie diejenigen Patienten, deren Erkrankung nach cisplatinhaltiger Chemotherapie rezidiviert oder progredient ist, eine deutlich schlechtere Prognose. In dieser Gruppe von Patienten kann mit einer herkömmlichen "Salvagechemotherapie" in Kombination mit chirurgischer Resektion verbliebener Tumormanifestationen zwar noch eine CR Rate von etwa 30-60% erzielt werden, jedoch sind diese Remissionen in der Regel nur kurz anhaltend. Gegenwärtig rezidivieren mehr als 50% der Patienten nach Salvagechemotherapie, weshalb bei diesen Patienten nur mit einer Heilungsrate von bestenfalls etwa 10-30% gerechnet werden kann.

Durch die Möglichkeit, hämatopoetische Vorläuferzellen aus dem Knochenmark oder dem peripherem Blut zu gewinnen, wurde eine Hochdosischemotherapie (HDCT) sowohl mit Einzelsubstanzen als auch in Kombination möglich. Nichols et al. berichteten 1989 erstmals von einer Kombination aus hochdosiertem Carboplatin und Etoposid. Dadurch konnte eine Ansprechrate von 44% und Langzeitremissionen von über 12 Monaten bei 4 von 32 Patienten mit progredienten Keimzelltumoren, die auf konventionell dosierte cisplatinhaltige Salvagechemotherapie nicht oder nur ungenügend angesprochen hatten erreicht werden. Die Ergebnisse mehrerer Folgestudien der interdisziplinären Arbeitsgruppe Hodentumoren in Deutschland und anderer Arbeitsgruppen bestätigten diese ersten Erfahrungen. Darüber hinaus konnten Prognosefaktoren ermittelt werden, die das Ansprechen auf die HDCT vorhersagen können. Eine kürzlich publizierte „matched-pair“ Analyse zeigte einen Vorteil zu Gunsten der HDCT und bildete somit eine wichtige Grundlage zur Durchführung weiterer randomisierter Studien. Neben der Optimierung der Wirksamkeit der HDCT trat in den letzten Jahren auch die Vermeidung bzw. Verringerung von Toxizitäten in den Vordergrund.

Die hier vorgelegte Habilitationsschrift beschäftigt sich intensiv mit der Salvagetherapie unter Einbeziehung der HDCT, der Residualtumorresektion nach HDCT und der adjuvanten Chemotherapie beim Nachweis von vitalem unreifem Tumor im Resektat. Darüber hinaus wurde versucht, durch die frühzeitige Verwendung von Paclitaxel im Rahmen der konventionellen Therapie und durch den Austausch von Ifosfamid durch Thiotepa in der HDCT die Ergebnisse der konventionellen Salvagechemotherapie zu verbessern und dosislimitierende Nebenwirkungen zu reduzieren. Aus dem letztgenannten Grund wurde in einer zweiten randomisierten prospektiven Studie das Thiol Amifostin in das Therapiekonzept integriert und der Stellenwert dieser Substanz in Bezug auf die Reduktion von Toxizitäten, Gewinnung von peripheren Blutstammzellen und Einfluss auf die Immunrekonstitution nach konventioneller Chemotherapie und HDCT untersucht.


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30.03.2004