|
| [Seite 6↓] |
Der Koronarkreislauf des Herzens ist ein Teil des großen Kreislaufs, der jedoch spezielle Eigenarten aufweist, die eng mit der Funktionsweise des Herzens verknüpft sind. Im menschlichen Herzen finden sich in der Regel zwei Koronararterien, die beide aus der Aortenwurzel entspringen. Im Tierversuch kann die Durchblutung des Herzens mittels elektromagnetischer Strömungsmessung direkt bestimmt werden. Beim Menschen ist man auf indirekte Meßmethoden angewiesen, bei denen u.a. die Aufnahme und Auswaschung von Fremdgasen (Argon, Xenon) im Herzen bestimmt wird, deren Löslichkeit im Gewebe bekannt ist. Derartige Messungen ergeben beim menschlichen Herzen in Ruhe eine Durchblutung von ca. 0,8 - 0,9 ml/g·min. Bezogen auf das Herzminutenvolumen beträgt der Anteil der Koronardurchblutung ca. 5%.
Im Unterschied zu anderen Organkreisläufen zeigt der Koronarkreislauf starke Schwankungen seines Blutstromes im Rhythmus von Systole und Diastole. Für diese phasischen Schwankungen sind einerseits die rhythmischen Pulsationen des Aortendrucks, andererseits aber vor allem Veränderungen des interstitiellen Myokarddrucks verantwortlich. Dieser wirkt von außen auf die in den mittleren und inneren Wandschichten des Herzens verlaufenden Gefäße ein. Dadurch wird der Einstrom in die linke Koronararterie im Beginn der Systole völlig unterdrückt. Erst in der Diastole, wenn der intramurale Druck absinkt, steigt der Einstrom an.
Schon bei normaler Ruhetätigkeit ist im Herzen die Sauerstoffentnahme aus dem Blut weit größer als in anderen Organen. Von 20 Volumen-Prozent (ml/dl) Sauerstoff des arteriellen Blutes extrahiert das Herz ca. 14 ml/dl. Bei erhöhtem Sauerstoffverbrauch infolge Mehrbelastung ist kaum eine weitere Ausschöpfung möglich. Das Herz muß daher Vergrößerungen seines Sauerstoffbedarfs vor allem über eine erhöhte Durchblutung decken. Dies geschieht durch Weitstellung der Gefäße und damit Reduktion des Strömungswiderstandes. Der stärkste Dilatationsreiz für die Koronargefäße ist der Sauerstoffmangel. Maßzahl für die Steigerungsfähigkeit der koronaren Durchblutung ist die koronare Perfusionsreserve. Man versteht darunter das Verhältnis zwischen der maximalen Durchblutung unter Belastung und der Ruheperfusion. Für ein voll anpassungsfähiges Koronarsystem errechnet sich ein Wert zwischen 4 - 5 (Trautwein et. al. 1972).
|
| [Seite 7↓] |
Die ungleiche Ausbildung der Muskulatur beider Herzkammern ist ein Ausdruck der Anpassung des Herzens an die unterschiedliche Belastung der Ventrikel. Aber nicht nur hinsichtlich der Muskelmasse, sondern auch in ihrer funktionellen Struktur bestehen charakteristische Unterschiede. So verfügt der linke Ventrikel über eine kräftige Ringmuskulatur, die den Hauptanteil der Ventrikelwand ausmacht. An diesem Hohlzylinder aus zirkulär verlaufenden Fasern ist außen und innen eine Schicht aus sog. Spiralmuskeln angelagert, die von der Basis zur Spitze ziehen. Die kräftige Ringmuskulatur des linken Ventrikels ist sehr gut geeignet, den hohen Druck zu erzeugen, der für den Auswurf des Schlagvolumens in den großen Kreilauf benötigt wird. Bei normaler diastolischer Füllung erfolgt die Austreibung hauptsächlich durch die Verkürzung dieses Muskelanteils. Nimmt jedoch die Füllung der Herzkammer ab, so vermindert sich zwangsläufig der Ventrikelradius und somit auch der Verkürzungsspielraum der Ringmuskulatur. Die mehr in Längsrichtung verlaufenden Spiralmuskeln werden dagegen prozentual weniger entdehnt und können daher einen wachsenden Anteil der Austreibungsarbeit des linken Ventrikels übernehmen (Reindell und Roskamm 1977).
Benannt sind die beiden Koronararterien nach der Lage ihrer Hauptstämme in der Kranzfurche (Sulcus coronarius) des Herzens. Die linke Koronararterie (left coronary artery, LCA) entspringt als linker Hauptstamm (left main coronary artery, LM) im oberen Anteil des linken aortalen Sinus, kreuzt hinter dem Truncus pulmonalis nach links und teilt sich in den Ramus interventricularis anterior (RIVA oder left anterior descending coronary artery, LAD) und in den Ramus circumflexus (left circumflex coronary artery, LCX). Die LAD verläuft im Sulcus interventricularis und gibt dabei Septal- und Diagonaläste ab, die das Kammerseptum und die anterolaterale Wand des linken Ventrikels versorgen. Die LCX zieht nach dorsal und perfundiert über 1 - 3 Marginaläste die laterale freie Wand des linken Ventrikels. Die rechte Koronararterie (right coronary artery, RCA) entspringt aus dem rechten aortalen Sinus und versorgt mit ihren Seitenästen das Myokard des rechten Ventrikels, das posteriore Kammerseptum und diaphragmale Anteile des linken Ventrikels. In ca. 75% liegt ein ausgeglichener Versorgungstyp vor, wobei die Hauptstämme beider Koronararterien von ähnlichem Kaliber sind. In ca. 12% der Fälle liegt eine Rechtsdominanz vor. Dabei hat sich die RCA auf Kosten der LCX stärker entwickelt und versorgt nahezu die [Seite 8↓]gesamte Hinterwand des linken Ventrikels. Bei der Linksdominanz, die ebenfalls in ca. 12% vorkommt, ist die proximale LCA kaliberstärker als die RCA und der gesamte linke Ventrikel einschliesslich des posterioren Septums wird über die LCA versorgt.
Länge und Durchmesser der Koronararterien variieren mit Herzgröße und Versorgungstyp. Insgesamt besteht eine enge Korrelation des Lumens der Koronararterien mit der Körperoberfläche. Bei gesunden Männern beträgt der Innendurchmesser des linken Hauptstammes 4,5 ± 0,5 mm. Die LAD ist in ihrem Anfangsteil durchschnittlich 3,8 ± 0,3 mm dick und verjüngt sich bis zur Herzspitze auf 1,7 ± 0,4 mm.Die Maße von LCX und RCA variieren an ihrem Ursprung um bis zu mehr als 1 mm in Abhängigkeit von dem Versorgungstyp (Dodge et. al. 1992). Durch einen geschlängelten Verlauf können sich die Herzkranzgefäße an die funktionsbedingten Form- und Größenvariationen des Herzmuskels anpassen. Die einzelnen Abschnitte der Koronararterien weisen während der verschiedenen Phasen des Herzzyklus ein unterschiedliches Ausmaß an Bewegung auf, welches zusätzlich großen interindividuellen Schwankungen unterworfen ist. Die Koronararterien sind funktionelle Endarterien. Der Verschluß einer Endarterie führt zur Nekrose des nachgeschalteten Organgebietes, obwohl in ihrer Endstrombahn, allerdings insuffiziente, Anastomosen zu anderen Arterien bestehen.
| © Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme. | ||
| XDiML DTD Version 4.0 | Zertifizierter Dokumentenserver der Humboldt-Universität zu Berlin | HTML-Version erstellt am: 03.06.2005 |