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KardiovaskuläreErkrankungen,insbesondere die koronare Herzkrankheit (KHK), sind die häufigste Ursache von Gesundheitsbeschränkungen, Krankenhausaufenthalt sowie Tod in den industralisierten Ländern. Für Therapieentscheidungen und zur Einschätzung der Individualprognose ist die verläßliche Beurteilung des Koronararterienstatus sowie der myokardialen Funktionalität und Vitalität Voraussetzung. Die Herzkatheteruntersuchung ist derzeit die Methode der Wahl zur morphologischen Beurteilung der Koronararterien, die in einem ständig steigenden Maß kombiniert mit interventionell-therapeutischen Maßnahmen, wie z.B. der Ballonangioplastie und der Stentimplantation verwandt wird. Trotz einer fortschreitenden Verfeinerung der Kathetertechniken und einer zunehmenden Verträglichkeit der Röntgenkontrastmittel handelt es sich um eine invasive diagnostische Methode mit den damit verbundenen Risiken und Komplikationen. Seit Jahren wird deshalb intensiv nach nicht-invasiven und somit risikoarmen schichtbildgebenden diagnostischen Verfahren gesucht, welche die bisherige kardiale Bildgebung zumindest in Teilbereichen ersetzen oder ergänzen kann. Aus dem breiten Spektrum der heute zur Verfügung stehenden Modalitäten bieten sich die Magnetresonanztomographie (MRT), die Mehrschicht-Spiral-Computertomographie (MSCT) und die Elektronenstrahl-Computertomographie (EBCT) aufgrund ihrer technischen Möglichkeiten an. Die MRT gestattet diagnostische Aussagen für die morphologische, funktionelle und metabolische Beurteilung des Herzens. Bewegungsanalysen mit MR Tagging-Verfahren sind in der Diagnostik einzigartig, da diese nicht-invasive Methode eine zeitlich und räumlich hoch aufgelöste Darstellung myokardialer Kontraktionsbewegungen ermöglicht und die separate Beurteilung von subendo- und subepikardialen Myokardbewegungen zuläßt. Die bestehenden therapeutischen Verfahren CABG sowie Angioplastie mit und ohne Stentimplantation benötigen prinzipiell bildgebende Daten der Herzkranzgefäße. Erkenntnisse der letzten Jahre zur Pathophysiologie sowohl der Arteriosklerose wie auch der koronaren Herzkrankheit implizieren eine zunehmende Wichigkeit der Wandstrukturen der Koronararterien selbst. Intensive Forschungsbestrebungen richten sich derzeit auf die MSCT, welche im klinischen Einsatz derzeit 4 Schichten parallel akquirieren kann und in unmittelbarer Zukunft mit 8, 16 oder 32 simultanen Schichten ein vielfaches dieser Leistung aufbringen wird.
Die Zielsetzungen der vorliegenden Arbeit gliedern sich in zwei grundsätzliche Teilbereiche auf. Im ersten Abschnitt (I.) der Arbeit gilt es die Frage zu klären,
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ob mit quantitativen MRT-Techniken eine präzise Beurteilung der akuten und chronischen Form der Myokardischämie möglich ist. Hierfür wird die myokardiale Durchblutung mit MR-First-Pass (MRFP) Perfusionsmessungen bestimmt. Die kardiale Kontraktilität wird mit MR-Tagging Studien analysiert. Im zweiten Abschnitt (II.) der vorliegenden Arbeit werden die Abbildungsqualitäten der MSCT und der EBCT verglichen. Die Güte der koronarangiographischen Darstellung wird über die Konturschärfe der Herzkranzgefäße definiert, die insbesondere vom Signal-zu-Rausch Verhältnis und von Bewegungsartefakten beinflusst wird.
ad I.:Akute koronare Stenosen unterschiedlicher Ausprägung mit graduierter Minderdurchblutung des Myokards können nur am Tiermodell zuverlässig simuliert werden. Bei 18 Mischlingshunden wurde ein hydraulischer Okkluder proximal um die links anterior deszendierende Koronararterie (LAD) gewickelt und fixiert. Der Okkluder konnte stufenweise geschlossen werden und führte so zu einer graduellen Minderperfusion des Herzmuskels im zugehörigen Versorgungsgebiet. Die Graduierung der Stenosen erfolgte als gering-, mäßig- und hochgradig. Die MR-Perfusionsmessungen wurden mit Polylysin-Gd-DTPA als Kontrastmittel durchgeführt. Zum Vergleich wurde die myokardiale Perfusion mittels intraatrialer Applikation von radioaktiv-markierten Mikrosphären absolut quantifiziert. Der Vergleich der transmuralen Perfusionswerte zeigte eine exzellente lineare Korrelation (r=0,93, p<0,01) zwischen den Daten der MR-Bildgebung und den Messungen mit den radioaktiven Mikrosphären. Die separate Auswertung der MRFP Perfusionsmessungen für das subendokardiale und subepikardiale Myokard war in der Lage, auch geringe Blutflußreduktionen unter Ruhe von 34,7 ± 9,2% eindeutig nachweisen zu können. Entscheidend hierfür war die deutliche Reduktion der subendokardialen Perfusion bereits für geringe LAD-Stenosen. Im Gegensatz dazu konnten die mäßig- und hochgradigen Blutflußreduktionen auch bereits mit den transmuralen MR-Analysen eindeutig signifikant detektiert werden. Entsprechend den MR-Perfusionsuntersuchungen wurden auch MR-Taggingmessungen für die Kontrollgruppe und jede Tiergruppe mit experimenteller LAD-Stenose durchgeführt. In der Kontrollgruppe fand sich eine weitestgehend homogene Deformierung des gesamten linken Ventrikels. Mit zunehmender Okklusion der LAD und konsekutiver Minderperfusion im abhängigen Stromgebiet zeigte sich eine Abnahme der myokardialen Kontraktilität in der anterioren Herzwand. Je höher der Stenosegrad, desto stärker war die Abnahme der Funktionalität. Es wurde eine reziprok lineare Beziehung der beiden Größen mit einem signifikanten Korrelationskoeffizienten beobachtet. Faßte man die Ergebnisse der Einzeltiere in den vorher definierten experimentellen Gruppen zusammen, so konnten die unterschiedlichen LAD-Stenosengrade [Seite 101↓]mit Hilfe des Eigenvektors λ1 signifikant differenziert werden. Mit abfallender Funktionalität in der anterioren Herzwand fand sich eine ansteigende Kontraktilität in den posterioren Myokardanteilen.
Zur experimentellen Simulation der chronischen myokardialen Minderperfusion wurde bei 10 Minischweinen ein langsamer Verschluß der Arteria circumflexa mit einem Ameroid-Okkluder erzeugt, der progredient über Tage das Gefäßlumen zunehmend einengte und abschließend vollständig okkludierte. 10 weitere Tiere fungierten als Kontrollgruppe. Alle Versuchstiere erhielten eine Zeitspanne von 25 ± 3 Tagen, um koronare Kollateralen auszubilden. Unter Ruhebedingungen wurden MR-First-Pass Messungen der myokardialen Perfusion mit Polylysin-Gd-DTPA durchgeführt. Parallel erfolgte die absolute Blutflußquantifizierung mit radioaktiv markierten Mikrosphären und Funktionsanalysen mit MR-Tagging. Nach Abschluß der Ruheuntersuchungen wurde pharmakologischer Streß durch die Gabe von Dobutamin (4 μg/kg·min) induziert und die Untersuchungen wiederholt. Die chronische Okklusion der LCX hatte 25 ± 3 Tage nach der Instrumentierung keinen Einfluß auf die Ruhedurchblutung. Unter pharmakologisch induziertem Streß mit Dobutamin war der Perfusionindex für die Ameroidgruppe signifikant kleiner als für die Kontrolltiere, was sich durch eine inadäquate Perfusionssteigerung im LCX-Versorgungsgebiet erklären ließ. Die Perfusionsreserve der Tiere mit Okkluder war in der LCX-Strombahn signifikant vermindert. Die Funktionsanalyse mit MR-Tagging zeigte eine homogene Kontraktilität im LAD- und LCX-Versorgungsbezirk für alle Tiere in Ruhe. Der Eigenvekor λ1 wies für die Ruhefunktion keine relevanten Unterschiede auf. Nach Streßinduktion zeigte sich bei den Kontrolltieren eine signifikante Funktionssteigerung in allen Anteilen der linksventrikulären Herzwand. Da Dobutamin einen positiv inotropen Effekt am Myokard ausübt war diese Beobachtung unter pharmakologischen Überlegungen zu erwarten. Anders stellte sich die Situation für das okkludierte LCX-Versorgungsgebiet der Tiere mit dem Ameroid-Okkluder dar. Trotz Dobutamingabe kam es zu keinem signifikanten Anstieg der gemessenen λ1-Werte in diesem Areal. Die Kontraktilitätsreserve war deutlich reduziert.
Morphologische MRT-Parameter eignen sich nicht zur Differenzierung zwischen avitalem und vitalem Myokard in der Phase der akuten und subakuten Myokardinfarkte. Diese diagnostische Lücke kann durch MR-Perfusions- und MR-Funktionsuntersuchungen geschlossen werden, welche die direkten Parameter der myokardialen Vitalität regional erfassen. Die methodischen Qualitäten einer kontrastmittelunterstützten MRFP-Perfusionsmessung lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Der Bildkontrast ist von der Kontrastmittelkonzentration abhängig. [Seite 102↓]Die Signalintensitäten im Blut und im Herzmuskel dienen zur quantitativen Bestimmung der Myokardperfusion mittels pharmakinetischer Modelle. Die Ortsauflösung ermöglicht eine Differenzierung der subendo- und der subepikardialen Durchblutung. Die zeitliche Auflösung ist der Kinetik des Kontrastmittels angepaßt. Auch bei der Messung der myokardialen Perfusion bedient man sich zusätzlicher Streßuntersuchungen, um die Sensitivität des Verfahrens zu steigern. Aus diesem Grund wird die Perfusionsreserve des Myokards bestimmt, die anhand von Durchblutungsmessungen unter Ruhe und Streß ermittelt wird. In Situationen der verstärkten Myokardperfusion werden auch relativ geringgradige Koronarstenosen hämodynamisch relevant und lassen sich durch vornehmlich subendokardial lokalisierte Perfusionsdefekte nachweisen.
Die Fragen nach der Ausdehnung der vitalen, meist subepikardial gelegenen Wandanteile wird zu einer wichtigen, weil therapeutisch wegweisenden Frage, die zur Zeit weder durch die Echokardiographie, dieVentrikulographie, noch durch die Cine-MRT Funktionsanalysen beantwortet werden kann. Diese Verfahren können nicht zwischen endokardial lokalisiertem Narbengewebe und mehr epikardial liegendem vitalem Gewebe differenzieren. Diese diagnostische Lücke kann durch MR-Tagging Verfahren geschlossen werden. Durch das artifizielle Markierungsgitter, welches bei diesem Verfahren zur Anwendung kommt, können die subendokardialen und die subepikardialen Myokardanteile separat beurteilt werden. In die Analyse gehen nicht nur die groben Wandbewegungen ein, sondern auch die Dehnungen, die Stauchungen und die Rotationen des Myokardverbandes werden registriert und ausgewertet. Eine derart detailierte Auswertung ist möglich, weil Lokalisationsveränderungen der Markierungspunkte von bereits 0,1 mm Strecke erkannt und bewertet werden.
ad II.:Die Mehrschicht-Spiral-CT und die Elektronenstrahl-CT stehen heutzutage als Röntgenverfahren für die nicht-invasive Koronarangiographie zur Verfügung. Ein wichtiger Unterschied beider Verfahren liegt in der Entstehungs- und Applikationsweise der elektromagnetischen Strahlung. Die Auswirkungen auf die Bildqualität der Koronarangiographie wurden experimentell gemessen. Anhand eines Tiermodells wurden 75 Koronarsegmente mit der MSCT (Aquilion, Toshiba, Japan) und der EBCT (Evolution C-150 XP, Imatron, USA) in zufälliger Reihenfolge untersucht. Für die CT-Angiographie war die intravenöse Kontrastmittelapplikation unabdingbar. Nur auf diese Weise konnten die notwendigen Kontrastunterschiede erzeugt werden. Für die tierexperimentellen Studien wurde das nicht-ionische monomere Röntgenkontrastmittel Iopromid in einer Konzentration von 370 mg/ml verwandt (Ultravist®, Schering AG, Berlin, Deutschland). Der intraindividuelle Qualitätsvergleich der unterschiedlichen Modalitäten wurde qualitativ und quantitativ durchgeführt. Um [Seite 103↓]einen möglichst unabhängigen Vergleich gewährleisten zu können, wurde die Gefäßkonturschärfe als Meßgröße benutzt, wie diese bereits in einer vorausgegangenen Studie festgelegt worden war. Bei der Definition der Gefäßkonturschärfe über die Anstiegssteilheit der CT-Dichtewerte zeigte sich eine bessere Abbildungsqualität der MSCT gegenüber der EBCT. Faßte man die Messungen für alle Koronarsegmenten zusammen, fand sich ein signifikanter (p<0,0001) Unterschied im Gesamtergebnis. Bei der separaten Bestimmung der Konturschärfe für jede der Koronararterien zeigte sich, dass der Qualitätsunterschied alle Herzkranzgefäße gleichermaßen betraf. Sowohl mit der Mehrschicht-Spiral-CT als auch mit der Elektronenstrahl-CT konnte nachgewiesen werden, dass die proximalen Koronarsegmente eine signifikant höhere Konturschärfe aufwiesen, als die weiter distal gelegenen Abschnitte. Der qualitative Bildeindruck der unterschiedlichen Koronarangiogramme bestätigte die quantitativen Analysen. Die Bestimmung der Segmenterkennbarkeit in diagnostischer Qualität zeigte, dass mit der MSCT im Durchschnitt mehr erkannt werden konnte. Dieser Unterschied war im Rahmen der Tierstudie signifikant (p<0,005). Aufgrund des schmalen Kalibers waren insbesondere die distalen Segmente schwierig zu beurteilen.
Die einzelnen Abschnitte der Koronararterien weisen bekanntermaßen während der verschiedenen Phasen des Herzzyklus ein unterschiedliches Ausmaß an Bewegung auf. Aus diesem Grund ist es unmöglich einen einzigen Zeitpunkt im Herzzyklus zur optimalen Darstellung aller Koronararterienabschnitte festzulegen. Bei der MSCT wird ein dreidimensionaler Volumendatensatz des gesamten Herzens für unterschiedliche Phasen des Herzzyklus erhoben, was unter Berücksichtigung der zeitlichen Komponente einer vierdimensionalen Datenakquisition entspricht. Diese Form der Datenaufnahme mit der MSCT gestattet die jeweils beste, d.h. bewegungsärmste Phase für die Bildberechnung eines entsprechenden Koronararterienabschnittes sekundär auszuwählen. Auf diese Weise können aus einem einzigen MSCT Datensatz optimale angiographische Rekonstruktionen für alle Abschnitte der Koronarien erstellt werden. Im Gegensatz dazu kann die einzeitige EBCT-Untersuchung nur eine einzige Phase im kardialen Zyklus erfassen.
Die vorgestellten kardialen MR- und CT-Untersuchungen konnten aus Gründen der Ethik und der Reproduzierbarkeit sowie aufgrund des Strahlenschutzes nur tierexperimentell durchgeführt werden. Die Validität der unterschiedlichen Tiermodelle ist in vorausgegangenen Studien belegt worden. Die in der Literatur verfügbaren Ergebnisse am Menschen bestätigen in vieler Weise die vorgelegten Daten der tierexperimentellen Messungen.
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Die Computertomographie und die Magnetresonanztomographie bieten heutzutage ein breites Spektrum nicht-invasiver kardialer Diagnostik an mit teilweise überlappenden klinischen Indikationen. Insofern wird die methodische Weiterentwicklung beider Verfahren in den nächsten Jahren in einem motivierenden Wettbewerb stattfinden.
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