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1  Einleitung

Die ‚Messung der Lebensqualität bei chronischen Erkrankungen’ verfolgt letztlich kein anderes Ziel, als die Frage an den Patienten ‚Wie geht es Ihnen?’. Beides zielt darauf ab, Auskunft über das subjektive Wohlbefinden zu erhalten, dessen Beeinträchtigung den Patienten zum Arzt führte und dessen Wiederherstellung Ziel der Behandlung ist.

Dabei wird meist angenommen, dass eine organische Dysfunktion die subjektiven Beschwerden ausgelöst hat, die in der Folge zu einer Beeinträchtigung des psychischen Wohlbefindens und der sozialen Funktionsfähigkeit führten und so das Gesamtbild der Erkrankung prägen. Folglich zielt die medizinische Therapie vor allem auf die Korrektur dieser organischen Dysfunktion ab, in der Annahme, dass sich damit auch das subjektive Befinden bessere.

Denken wir an die Therapie akuter Infektionserkrankungen wie der Pneumonie, besteht kein Zweifel an der Richtigkeit dieser Annahme. Schwieriger gestaltet es sich jedoch bei chronischen Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, COPD oder Diabetes mellitus, bei denen Heilung oder kurzfristige Besserung der organischen Befunde nicht in Aussicht stehen. Hier kann durch die medizinische Therapie meist nur eine Stabilisierung der organischen Restfunktion erreicht werden, so dass verschiedene Therapieschemata in erster Linie hinsichtlich ihres unmittelbaren Effektes auf das subjektive Wohlbefinden beurteilt werden müssen. Unter dem geltenden Wissenschaftsparadigma, wie es besonders akzentuiert in Form der so genannten ‚Evidence based Medicine’ formuliert wird, ist es notwendig, dass das Erreichen dieses Ziels ebenso empirisch überprüfbar ist wie die Verbesserung somatischer Parameter. Die Aufgabe der ‚Lebensqualitätsforschung’ besteht also vor allem darin, ein ‚objektives’ Maß des ‚subjektiven’ Befindens zu entwerfen.

Mit der vorliegenden Arbeit sollen die aktuellen Anwendungsbereiche der Lebensqualitätsforschung innerhalb der klinischen Medizin dargestellt werden. Um eine Einordnung der hier zusammengefassten Arbeiten zu erleichtern, geben einleitende Teile eine kurze Einführung in die Grundlagen der Lebensqualitätsforschung und stellen die derzeit verbreiteten Konzepte, Messmethoden und einige typische Anwendungen dar. Der letzte Teil der Arbeit weist auf die bereits erkennbaren Grenzen dieser Forschungsrichtung hin.


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11.05.2005