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2  Zielstellung der Arbeit

Mit der vorliegenden Arbeit sollen die Entwicklung und Anwendung der neuen Operationstechnik der tThx beschrieben werden. Durch die Gesamtheit der experimentellen und klinischen Untersuchungen soll die weitere Etablierung dieses Operationsverfahrens gefördert werden. Dadurch könnte ein entscheidender Beitrag zur Lösung der seit Jahrzehnten bestehenden Kontroverse über den am besten geeigneten operativen Zugang zur Thx geleistet werden. Für die Entwicklung neuer chirurgischer Techniken gelten die Richtlinien des Kodex der „Good clinical practice“ [83]. Danach sollte ein festgelegter Algorithmus zur Evaluation eines neuen chirurgischen Verfahrens eingehalten werden. Dieser Algorithmus besteht in einer schrittweisen Entwicklung von der Idee einer neuen Operationstechnik über den experimentellen Ansatz bis zu den klinischen Ergebnissen. Hier sollen die wesentlichen Schritte gezeigt und zusammengefasst werden, die an der Entwicklung eines minimal-invasiven und gleichzeitig radikalen Operationsverfahrens zur Thx beteiligt waren. Folgende Fragen sollten mit der vorliegenden Arbeit geklärt werden:

  1. Welche Ergebnisse sind derzeit mit der komplexen Therapie der MG erreichbar, wenn in einer zentrumsorientierten Kooperation zwischen Neurologie und Chirurgie durch die konventionelle Technik eine Thx vorgenommen wird? Eine retrospektive Analyse der Ergebnisse der Thx an der chirurgischen Klinik der Charité sollte einen internen Standard definieren. Die Technik einer Kohortenstudie ist dazu besonders geeignet.
  2. Grundvoraussetzung jeder Operationstechnik zur Thx muß die Gewährleistung einer vollständigen Thx sein. Die Überprüfung der Radikalität erfordert, ebenso wie die Klärung der Durchführbarkeit des Verfahrens überhaupt, eine experimentelle Untersuchung. Dazu sollte eine anatomische Studie am humanen Leichenmodell durchgeführt werden. Folgende Fragen sollten beantwortet werden: Kann eine radikale, d.h. vollständige Thx, thorakoskopisch durchgeführt werden? Wie sollte die optimale operative Technik zur tThx standardisiert werden? Gibt es Verfeinerungen der Operationstechnik? Welche Varianten der Operationstaktik gibt es? Trägt der experimentelle Ansatz Modellcharakter und ist zum Erlernen der tThx geeignet? Unterscheiden sich eine rechts- und linksseitige tThx voneinander? Ist eine der beiden Varianten zu bevorzugen?
  3. Es sollte eine detaillierte Operationstechnik zur Durchführung einer tThx entwickelt werden. Zielstellung war die vollständige Realisierung aller akzeptierten anatomischen Anforderungen an diese Operation. Dabei sollte die Anzahl der notwendigen Trokare möglichst gering sein und der Einsatz spezieller Instrumente eine minimale Invasivität ermöglichen.
  4. Eine prospektive Beobachtungsstudie sollte die klinischen Ergebnisse der tThx untersuchen. Die Zielkriterien waren Invasivität, Morbidität, Mortalität und kurz- bis mittelfristige
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  5. Ergebnisse der Besserung der MG nach tThx. Im nichtrandomisierten Vergleich sollten die Ergebnisse denen der sThx gegenübergestellt werden. Es sollte außerdem die prognostische Bedeutung verschiedener klinischer Parameter bestimmt werden. Der mögliche Wert des neuen Operationsverfahrens für die Therapie von Thymomen sollte in einer Pilotstudie ermittelt werden. Die Bewertung der Invasivität der neuen Operationstechnik sollte in einer Pilotstudie durch Bestimmung eines Panels immunologischer Parameter anhand eines standardisierten perioperativen Schemas der Blutentnahmen erfolgen.
  6. Der klinische Vorteil der tThx sollte prospektiv randomisiert erwiesen werden. Es sollte dazu die Hypothese getestet werden, daß die Lungenfunktion nach tThx weniger beeinträchtigt ist und sich schneller erholt gegenüber dem bisher am meisten etablierten konventionellen Operationsverfahren, der erweiterten sThx.
  7. Ein Vergleich der Ergebnisse hinsichtlich der Verbesserung der MG nach den verschiedenen Operationstechniken war zur Bewertung des neuen Operationsverfahrens unbedingt erforderlich. Die auf dem höchsten erreichbaren Evidenzniveau unter Einbeziehung aller an der Charité vorgenommenen Thx mögliche Untersuchung war eine retrospektive matched-pair-Studie. Die Vollremission der MG und die quantitative Bewertung der MG-Symptomatik sollten in dieser Studie untersucht werden.
  8. Es war die zusammenfassende Aufgabe dieser Arbeit, aus den erhaltenen Ergebnissen die zukünftige Perspektive der tThx abzuleiten.


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16.01.2004