Schneider, Martin Benno Erik : Implantation ballonexpandierbarer Stents zur Therapie von Gefäßstenosen im Kindesalter: Indikationen, Nachsorge und Limitationen

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Kapitel 8. Zusammenfassung

Ziel dieser Arbeit ist es, die kurzfristige und mittelfristige Effektivität von Stent-Implantationen im Kindesalter und deren Limitationen anhand des Patientenkollektives der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Kardiologie an der Humboldt Universität zu Berlin, Charité darzustellen.

Die in dieser Arbeit dargestellten Indikationen der Stent-Implantationen im Kindesalter sind vielschichtig. Neben den unterschiedlichen Läsionen, die zum Teil angeboren, also nativ, oder aber postoperativ entstanden sind, spielen unterschiedliche therapeutische Strategien eine hervorragende Rolle. Stent-Implantationen wurden sowohl als palliative Maßnahme mit der Notwendigkeit eines späteren operativen Eingriffs als auch als kurativer Eingriff mit der Intention eines lebenslangen Verbleibs im Körper der Patienten und einer lebenslangen Aufrechterhaltung ihrer Funktion als Gefäßstütze durchgeführt. Darüber hinaus wurde dargelegt, dass Stent-Implantationen im Kindesalter nicht allein operative Ergebnisse verbessern oder operative Eingriffe gänzlich ersetzen können. Vielmehr kann der Einsatz von Stents operative Maßnahmen vorbereiten oder sogar erst ermöglichen. Nicht zuletzt erfüllt die Stent-Implantation bei neuen, kombiniert chirurgisch/interventionellen Therapiekonzepten eine wichtige Funktion.

In einem Zeitraum von 7,5 Jahren wurden zwischen 1994 und 2001 in der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Kardiologie der Humboldt-Universität zu Berlin, Charité bei 103 Patienten mit angeborenen Herzfehlern im Alter von einem Tag bis 34 Jahren (ein erwachsener Patient), im Mittel 4 Jahre (Median 1,1 Jahre) und einem Körpergewicht von 1,75 kg bis 75 kg, im Mittel 14,4 kg (Median 7,5 kg) Stent-Implantationen durchgeführt. Hierbei wurden 146/149 Stents erfolgreich in 115 Gefäßstenosen oder Ductus arteriosi eingesetzt. Den meisten Stent-Implantationen war eine erfolglose Ballondilatation vorangegangen.

Anders als bei Stent-Implantationen im Erwachsenenalter, bei denen die zugrundeliegenden Gefäßstenosen zumeist erworben sind und in der Mehrzahl der Fälle mit Gefäßwandverkalkungen einher gehen, fand sich in dem fast ausschließlich pädiatrischem Patientengut eine große Vielfalt struktureller Gefäßwandveränderungen als Ursache für eine erfolglose Ballondilatation. Hierzu gehörten: elastisches Rückstellkräfte verengter Gefäße (48,3%), kontrahierendes Ductusgewebe (34,2%), chirurgisch durch ein „Banding“ angelegte


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Stenosen (6%), Stenosen aufgrund von Gefäß-„Kinking“ (4,7%), angeborene Gefäßhypoplasien (3,4%) und Stenosen verursacht durch Kompression von außen (3,4%).

Unabhängig von den zugrundeliegenden strukturellen Gefäßwandveränderungen wurden circa 50% der Stents (75/149) in native Gefäßstenosen, hierzu ist auch der Ductus arteriosus zu rechnen, implantiert, und eine annähernd gleiche Anzahl, 74/149 Stents wurde bei postoperativen Gefäßverengungen eingesetzt.

Die Anzahl und Schwere von Komplikationen bei diesem verhältnismäßig jungen Patienten ist bemerkenswert gering. Es kam bei 3/149 Stent-Implantationen zu einer akuten Stent-Dislokation, wovon 2 dieser Stents in einer Notfallsituation dislozierten, nachdem aufgrund der komplizierten anatomischen Verhältnissen ursprünglich von einer Stent-Implantation abgesehen worden war. Zwei weitere Stents dislozierten während der Nachbeobachtungszeit aufgrund einer fehlerhaften Positionierung während der Implantation.

Ein Stent, der in einen Ductus arteriosus implantiert wurde, mußte durch einen aorto-pulmonalen Shunt ersetzt werden, da er das Gefäß nicht vollständig überbrückte, und es dadurch zu einer akuten Restenose gekommen war, ein weiterer Stent verursachte ein kleines falsches Aneurysma am rechtsventrikulären Ausflußtrakt und mußte chirurgisch durch ein Homograft ersetzt werden.

Arterielle Gefäßverschlüsse wurden bei 6 Neugeborenen nach Stent-Implantation in Aortenisthmusstenosen oder Ductus arteriosi beobachtet.

Die Nachbeobachtungszeit betrug 1 Monat bis 7,5 Jahre, im Mittel 2,14 Jahre. Innerhalb dieses Zeitraumes verstarben 13 /103 Patienten, bei denen 22/149 Stents implantiert worden waren, unabhängig von der Stent-Implantation. Bei 11 Patienten wurden insgesamt 15 Stents operativ entfernt, wobei 13 dieser 15 Stents elektiv explantiert wurden.

Von den übrigen 112 Stents wurden 60 Stents insgesamt 79 Mal redilatiert, 15 Stents wurden zweimal und 4 Stents dreimal redilatiert. Der häufigste Grund für diese Redilatationen war in dem Körperwachstum der Patienten zu finden (58%). Weitere Gründe waren In-Stent Restenosen durch Intima Proliferation (25,5%) und Restenosen aufgrund von Kompressionen von außen (16,5%).

Drei weitere Stents wurden kurz nach ihrer Implantation in Aortenisthmusstenosen redilatiert, um die Gefahr einer Gefäßverletzung bei der initialen Implantation zu verringern.

Aufgrund der unterschiedlichen Indikationen und Lokalisationen der zugrundeliegenden Läsionen werden diese in der vorliegenden Arbeit getrennt behandelt. Es wurden Stents in


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Pulmonalarterienstenosen (39,5%), Aortenisthmusstenosen (17,5%), den Ductus arteriosus (28,5), Systemvenenstenosen (8,5%) und Pulmonalvenenstenosen (6%) implantiert. Zusätzlich wurde eine Einteilung in palliative Implantationen (40%) und kurative Implantationen (60%) vorgenommen. Diese Unterteilung ist notwendig, da es sich bei den Stents, die im Neugeborenen und Säuglingsalter implantiert wurden, in den meisten Fällen um Koronarstents handelt und diese dem Körperwachstum der Patienten nicht ausreichend angepaßt werden können.

Das häufigste Anwendungsgebiet von Stent-Implantationen im Kindesalter ist auch in dem hier vorliegenden Patientengut das pulmonalarterielle Gefäßsystem. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass diese Läsionen häufig schlecht oder gar nicht chirurgisch erreichbar sind, und die operativen Ergebnisse oft unbefriedigend sind.

Die Mehrheit der Stents (78%) wurden kurativ mit der Intention einer lebenslangen Verweildauer implantiert. Die meisten palliativ implantierten Stents wurden in den pulmonalarteriellen Hauptstamm nach interventioneller Eröffnung einer Pulmonalatresie oder in restenosierte Homografts im rechtsventrikulären Ausflußtrakt implantiert mit dem Ziel, einen operativen Homograftwechsel zu verzögern.

Von den 58 erfolgreich implantierten Stents wurden 10 während einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 2,1 Jahren chirurgisch entfernt. Neben drei palliativ implantierten Stents wurden 7 Stents im Rahmen eines Homograftwechsels explantiert. Die chirurgischen Entfernungen waren komplikationslos und erschwerten, nach Aussagen der Chirurgen, die operativen Eingriffe nicht.

Im Nachbeobachtungszeitraum wurden 31 Stents insgesamt 44 Mal redilatiert. Gründe für Redilatationen der verbliebenen Stents waren: Anpassung an das Körperwachstum der Patienten (52%), In-Stent Restenosen aufgrund von Intima Proliferation (18%) und Kompression von außen (30%). Die relativ große Anzahl von Stents mit In-Stent Stenosen aufgrund von Intima Proliferationen kann in diesem Patientenkollektiv in Zusammenhang mit turbulenten Flußverhältnissen in diesen Stents gebracht werden. Hier sind weitere Untersuchungen an größeren Patientengruppen notwendig, um die Ursache für diese Intima Proliferationen in „gestenteten“ Pulmonalarterien zu klären.

Zusammenfassend ist die Stent-Implantation in stenosierte Pulmonalarterien eine erfolgreiche Methode, die nicht nur eine Alternative zu chirurgischen Eingriffen in diesem Gebiet darstellt sondern aufgrund der Lokalisationen der Läsionen häufig als einzige therapeutische Option anzusehen ist.


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Der Gebrauch von Stents bei der Behandlung von Aortenisthmusstenosen im Kindesalter ist weniger verbreitet. Dies mag unter anderem daran liegen, dass insbesondere die Behandlung nativer Aortenisthmusstenosen eine Domäne der Chirurgie ist und damit die interventionelle Behandlung ein direkt konkurrierendes Verfahren zu operativen Standardtherapien darstellt.

Die hier vorliegende Studie besteht trotz der limitierten Zahl von nur 22 Patienten, bei denen insgesamt 26 Stents implantiert wurden, aus einem interessanten und heterogenen Patientenkollektiv, bei dem neue therapeutische Ansätze in der Behandlung dieses Krankheitsbildes aufgeführt werden.

Es wurden 8 Patienten mit postoperativen Isthmusstenosen und 9 Patienten mit nativen Isthmusstenosen durch die Implantation von insgesamt 18 Stents kurativ behandelt. Bemerkenswert in der Gruppe der nativen Isthmusstenosen ist das relativ geringe mittlere Alter der Patienten von 5,5 Jahren. Verglichen mit der Literatur scheint sich hier eine Tendenz abzuzeichnen, dass sich das Alter der behandelten Patienten vom Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den letzten Jahren weiter bis in das Kleinkindesalter vorverlagert.

Potentielle Komplikationen, die damit einher gehen, sind arterielle Gefäßverschlüsse aufgrund der relativ großen Einführungsschleusen. Diese wurden auch bei unseren Patienten in drei Fällen beobachtet, waren jedoch aufgrund einer modifizierten Implantationstechnik mit der es möglich war, die Einführungsbestecke zu miniaturisieren, verhältnismäßig selten.

Während der Nachbeobachtungszeit wurde ein Stent aufgrund einer späten Dislokation chirurgisch entfernt. Von den verbleibenden 17 Stents bei 16 Patienten wurden bei 9 Patienten 10 implantierte Stents insgesamt 14 mal redilatiert. Der Grund für diese Redilatationen war fast ausschließlich das Körperwachstum der Patienten. Allerdings wurden bei zwei Patienten frühzeitig Redilatationen durchgeführt, da die Stents bei der Implantation weit unter dem erwünschten Durchmesser eingesetzt wurden, um eine mögliche Aneurysma-Bildung zu verhindern. Diese Vorgehensweise entspricht eher einer „schrittweisen“ Implantation als einer frühen Redilatation.

Trotz der relativ geringen Patientenzahl sind die Ergebnisse dieser interventionellen Behandlung durch Stent-Implantation von nativen und postoperativen Isthmusstenosen einschließlich ihrer Nachbehandlung als sehr gut zu beurteilen. Ein qualitativer Unterschied zwischen postoperativ „gestenteten“ Läsionen und den nativen behandelten Stenosen ist in dem hier vorgestellten Patientengut nicht erkennbar.

In einer dritten Gruppe von Patienten mit Aortenisthmusstenosen wurden Koronarstents als Palliation bei Neugeborenen mit Aortenisthmusstenosen oder Aortenbogenhypoplasien eingesetzt. Stent-Implantationen in dieser Lokalisation und Altersgruppe wurden bisher


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lediglich in einer einzelnen Fallbeschreibung veröffentlicht. In unserem Patientenkollektiv werden fünf Neugeborene in kritischem klinischen Zustand beschrieben. Bei ihnen wurde eine Implantation von insgesamt 7 Stents entweder als palliative, operationsvorbereitende Maßnahme durchgeführt (n=3) oder als palliativer Notfalleingriff unmittelbar postoperativ, dass heißt 2 Stunden oder 2 Tage nach operativer Korrektur des Aortenisthmus (n=2). Die vorläufigen Ergebnisse dieser therapeutischen Strategien sind sehr ermutigend.

Während eines Nachbeoachtungszeitraumes von einem bis 13 Monaten wurden 3/7 Stents insgesamt viermal redilatiert. Bei 3/5 Patienten wurden die Stents innerhalb dieses Zeitaumes operativ im Rahmen einer Norwood 1 Operation und zwei Aortenisthmus-Rekonstruktionen explantiert. Die operative Entfernung war komplikationslos und führte zu keiner Verzögerung des operativen Eingriffes. Bei einem Patienten mit hypoplastischem Bogenanteil nach korrigierender Operation eines unterbrochenen Aortenbogens wurde der früh-postoperativ implantierte Stent während einer Nachbeobachtungszeit von 6 Monaten bereits zweimal redilatiert. Ein zweiter operativer Eingriff ist geplant, wenn der Stent zu seinem maximalen Durchmesser aufgedehnt ist. Der fünfte Patient verstarb nach operativem Verschluß eines großen Ventrikelseptumdefektes.

Mit diesem Therapiekonzept konnte gezeigt werden, dass die Implantation von Stents im Neugeborenen- und Säuglingsalter als Notfalleingriff in einzelnen Fällen sehr effektiv ist. Zudem scheint hier, gerade für Patienten mit komplexen Herzfehlern oder für Patienten mit akut lebensbedrohlichen postoperativen Stenosen, eine wenig belastende „Übergangstherapie“ in unmittelbarem Zusammenhang mit vorausgegangenen oder geplanten chirurgischen Eingriffen gefunden. Voraussetzung für die Planung und Durchführung dieser therapeutischen Strategien ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den Herzchirurgen und den interventionell arbeitenden Kinderkardiologen.

Die Stent-Implantation in den Ductus arteriosus bei Neugeborenen und Säuglingen mit ductus-abhängiger Zirkulation wurde 1994 als Routineverfahren an der Charité eingeführt. Seit 1994 wurden an der Charité bei 28 Patienten 40/42 Stents erfolgreich in den Ductus arteriosus implantiert. Das Alter der Patienten lag zwischen einem Tag und 126 Tagen, im Mittel 15 Tage und das Körpergewicht zwischen 1,8 kg und 4 kg, im Mittel 3,1 kg. Während den Interventionen kam es akut zu zwei Stent-Dislokationen bei einem Neugeborenen während eines Notfall-Herzkatheters. Späte Komplikationen betrafen arterielle Gefäßverschlüsse bei drei Kindern nach der Intervention und Restenosen bei vier Patienten. Die Restenosen traten an kurzen, nicht vom Stent bedeckten Abschnitten des Ductus auf und


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wurden entweder durch eine erneute Stent-Implantation (n=3) oder die chirurgische Anlage eines aorto-pulmonalen Shuntes behandelt.

Obwohl die zugrundeliegenden Herzfehler dieser Patienten sehr komplex und heterogen sind, wurden die Patienten anhand ihres Herzfehlers und gemessen an dem therapeutischen Konzept in zwei Gruppen unterteilt.

Zehn Kinder mit kritischer Pulmonalstenose oder Pulmonalatresie, intaktem Ventrikelseptum und hypoplastischen rechten Ventrikel wurden vorerst ausschließlich interventionell behandelt. Hierbei wurde die Pulmonalklappe eröffnet und/oder dilatiert und in einem zweiten Schritt der Ductus arteriosus durch Stent-Implantationen versorgt. Bei sechs dieser zehn Patienten verschlossen sich die „gestenteten“ Ductus nach 4-21 Monaten spontan aufgrund von Intima-Proliferationen, während sich die hypoplastische rechten Ventrikel in ihrer Größe entwickelten. Im weiteren Nachbeobachtungszeitraum von 2-5 Jahren waren keine weiteren Therapiemaßnahmen notwendig, und jegliche operativen Eingriffe, letztlich auf eine Fontan Zirkulation hinauslaufend, konnten bei diesen Patienten durch die initialen Interventionen ersetzt werden. Einer der zehn Patienten hatte eine zu ausgeprägte rechtsventrikuläre Hypoplasie, so dass bei ihm eine zusätzliche Glenn Operation geplant ist. Zwei Kinder kamen aus auswärtigen Zentren, ein Kind verstarb unabhängig von der Stent-Implantation.

Bei den übrigen 18 Kindern mit komplexen Herzfehlern wurden die Stents als Alternative zu einer aorto-pulmonalen Shunt Operation eingesetzt. Von diesen 18 Patienten verstarben 8 im weiteren Verlauf unabhängig von der initialen Stent-Implantation vor oder nach der geplanten korrigierenden oder palliativen Operation. Bei sechs der zehn überlebenden Kindern wurden 7 Redilatationen 3 bis 18 Monate nach Stent-Implantation durchgeführt. Sechsmal war die Redilatation aufgrund von Intima-Proliferation innerhalb der Stents notwendig, einmal war das Körperwachstum Ursache für eine erforderliche Erweiterung des Stents.

Im Vergleich zu den mehrfachen operativen Schritten, die notwendig sind, bei Patienten mit Pulmonalatresie, intaktem Ventrikelseptum und hypoplastischen rechten Ventrikel eine Fontan Zirkulation zu etablieren, stellt die interventionelle Eröffnung der Pulmonalklappe, gefolgt von einer Stent-Implantation in den Ductus arteriosus eine attraktive, minimal invasive Alternative dar. Die Intima Proliferationen im Bereich der Stents, die häufig zu einem Verschluß des Ductus führte, war bei diesen Patienten erwünscht, da hierdurch ein chirurgischer oder interventioneller Verschluß dieser Gefäße letztlich umgangen werden konnte.

Die Stent-Implantation in den Ductus arteriosus als Ersatz zu einer aorto-pulmonalen Shunt Operation ist durchführbar und erspart den Patienten in aller Regel eine von mehreren


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notwendigen Operationen. Hinzu kommt, dass komplexe chirurgische Eingriffe zu einem späteren Zeitpunkt an einem bis dahin unberührten Operationssitus vorgenommen werden können. In-Stent Restenosen aufgrund von Intima-Proliferationen müssen jedoch bei einer geplant längeren Shunt-Funktion der Stents ins Kalkül gezogen werden und können Redilatationen erforderlich machen.

Die auffällig hohe Zahl der Todesfälle in diesem Patientenkollektiv erklärt sich jedoch in erster Linie in den sehr komplexen Szugrundeliegenden Herzfehlern.

Stent-Implantationen in Systemvenenstenosen wurden bei 12 Patienten im Alter von 2,2 Jahren bis 14,4 Jahren, im Mittel 6,4 Jahren und einem Körpergewicht von 19 bis 35,3 kg, im Mittel 18,5 kg durchgeführt. Es kam zu einer späten Stent-Dislokation aufgrund einer Fehlpositionierung bei der Implantation. Ein zweiter Stent wurde in die venöse Stenose eingesetzt.

Während einer Nachbeobachtungszeit von 1 bis 4 Jahren wurden 7 Stents durch eine Redilatation dem Wachstum der Patienten angepaßt. Intima-Proliferationen wurden nicht beobachtet.

Bei 9/12 dieser Patienten handelte es sich weder um eine angeborene Stenose, noch um eine postoperative „Komplikation“. Hier wurde im Rahmen eines neuen chirurgisch/interventionellen Therapiekonzeptes ein chirurgisches „Banding“ an einer zuvor geschaffenen Anastomose zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Pulmonalarterie angelegt. Dabei wurde während einer modifizierten bidirektionalen Glenn Operation eine anatomische Bedingung geschaffen, die eine interventionelle Fontan-Komplettierung, unter anderem durch Stent-Implantation in das zuvor angelegte Banding, ermöglichten. Durch diese Methode konnte ein schonender Übergang zu einer Fontan Zirkulation, ohne Operation und ohne Intubationsnarkose geschaffen werden. Aufgrund der hohen Kosten dieser Interventionen - zusätzlich zu der Stent-Implantation wurden bei jedem der Patienten 3-5 Schirmokkluder implantiert - wird diese Methode jedoch in Zukunft wahrscheinlich nur bei Patienten mit einem hohen Risiko für eine Fontan-Operation eine realistische Alternative zu operativen Standardverfahren bieten.

Sechs Pulmonalvenenstenosen, 5 postoperative und eine native Stenose wurden bei drei Patienten im Alter von 5 Wochen bis 7 Monaten und einem mittleren Körpergewicht von 5,4 kg durch die Implantation von 9 Stents therapiert. Während einer Nachbeobachtungszeit von 1, 10 und 49 Monaten kam es zu einem Verschluß von zwei der sechs Gefäße und zu einer


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hochgradigen Restenose aufgrund von Intima-Proliferation bei drei weiteren Gefäßen. Zwei der neun Stents wurden während Redilatationen eingesetzt. Ein Patient, bei dem insgesamt sieben Stents in vier Pulmonalvenenstenosen implantiert wurden, verstarb letztlich zu Hause an einem erneuten akuten Lungenödem.

Die Zahl der Patienten mit Pulmonalvenenstenosen bei denen Stent implantiert wurden, ist außerordentlich gering, die Ergebnisse jedoch in Einklang mit der Literatur so unbefriedigend, dass derzeitig die Implantation von herkömmlichen Stents in native oder postoperative Pulmonalvenenstenosen als wenig effektiv angesehen werden muß.

Gefäßstenosen bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern haben in ihrer Ursache und strukturellen Beschaffenheit eine große Variationsbreite. Es können nahezu alle Gefäße betroffen sein. Bei der Behandlung dieser Gefäßstenosen sind interventionelle Methoden, gemessen an ihren Ergebnissen, oftmals den chirurgischen Verfahren gleichzusetzen oder ihnen in speziellen Fällen überlegen.

Der Vorteil von Stent-Implantationen gegenüber einfachen Ballondilatationen besteht in der effektiven, dauerhaften Beseitigung der Gefäßstenosen. Bei Patienten im Säuglings- und Kindesalter müssen implantierte Stents jedoch dem Körper- und Gefäßwachstum entsprechend regelmäßig redilatiert werden.In der vorliegenden Arbeit wurde gezeigt, dass Stent-Implantation in nahezu jeder Altersgruppe erfolgreich durchgeführt werden können. Insbesondere bei der Behandlung von Kindern mit komplexen angeborenen Herzfehlern können Stents einen großen therapeutischen Nutzen haben. Ein wesentlicher Benefit für die Patienten mit komplexen Vitien besteht darin, dass die Anzahl der für die Behandlung notwendigen operativen Eingriffe reduziert werden kann.

Bei den Verlaufsuntersuchungen, bei denen routinemäßig Redilatationen aufgrund des Körperwachstums der Patienten durchgeführt wurden, fanden sich häufig In-Stent Stenosen in „gestenteten“Pulmonalvenenstenosen, „gestenteten Ductus arteriosi aber auch vereinzelt in pulmonalarteriell implantierten Stents. Eine eindeutige Ursache für die Entwicklung von Intima-Hyperplasien an diesen Orten ist bislang noch nicht gefunden, so dass hier weitere Untersuchungen notwendig scheinen. Während ein spontaner Verschluß des Ductus in einzelnen Fällen sogar erwünscht ist, ist von einem Einsatz von Stents in Pulmonalvenenstenosen aufgrund der rapiden und ausgeprägten Bildung von Intima Proliferationen eher generell abzuraten. Eine Beurteilung bezüglich der klinischen Relevanz von Intima Proliferationen in pulmonalarteriellen Stents ist aufgrund der geringen Anzahl in


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dem vorgestellten Patientenkollektiv derzeit nicht möglich. Da bei diesen Stenosen jedoch relativ häufig Stent-Implantationen durchgeführt werden und zu erwarten ist, dass diese Anzahl zukünftig ansteigen wird, sollten weitergehende multizentrische Untersuchung von In-Stent Stenosen in diesem Bereich erfolgen.

Die wesentliche Limitation der Stent-Implantation im Kindesalter ist in den verwendeten Stents zu sehen. Die Tatsache, dass viele der Stent-Implantationen in diesem Patientenkollektiv „palliativ“ genannt sind, bedeutet in aller Regel nicht, dass diese Patienten lediglich eine passagere Gefäßerweiterung benötigten, sondern es bedeutet viel mehr, dass aufgrund der geringen Körpergröße der Kinder und der damit verbundenen kleinen Gefäßverhältnisse nur die Implantation von Koronarstents möglich war, und diese dem Größenwachstum nicht ausreichend angepaßt werden können. Mit anderen Worten liegt die Limitation darin, dass die verwendeten Stents nicht für die Bedürfnisse heranwachsender Patienten entwickelt wurden sondern für die Bedürfnisse erwachsener Patienten mit koronaren oder peripheren erworbenen Gefäßerkrankungen. Aus diesen vorhandenen Stents wählt der interventionell arbeitende Kinderkardiologie diejenigen aus, die den Erfordernissen der Stenosen seiner Patienten am nächsten kommen.

Wie in der vorliegenden Arbeit gezeigt wurde hat sich gerade in der Kinderkardiologie ein breites Anwendungsgebiet für den Einsatz von Stents entwickelt. Daher ergab sich die Notwendigkeit, an der Entwicklung neuer Stent-Technologien zu arbeiten, die speziell auf pädiatrische Patienten zugeschnitten sind. In den Zukunftsaussichten wird der derzeitige Stand dieser Entwicklungen dargestellt. Hier werden zwei völlig neuartige Stents vorgestellt, die sich in ihrem Design und ihrer Mechanik deutlich voneinander unterscheiden. Ihnen gemeinsam ist eine Philosophie, die es ermöglichen soll, diese Stents im Neugeborenenalter zu implantieren, wobei jedoch durch ihr hohes Potential an „Überdehnbarkeit“ ein lebenslanger Verbleib im Körper der Patienten erreicht werden soll. Ihre Funktion als Gefäßstütze sollen sie dabei nur so lange wahrnehmen, bis die Patienten in einem Alter sind, in dem man größere, derzeit gebräuchliche „periphere“ Stents zu ihrer Unterstützung in diese sogenannten „Baby- Stents“ implantieren kann, ohne dabei eine schwerwiegende Verletzung des zuführenden Gefäßes zu riskieren.

Eine folgerichtige Weiterentwicklung dieser „zerstörbaren Baby-Stents“ läge in der Entwicklung neuer Stent-Materialien wie zum Beispiel resorbierbarer Stoffe. Diese Entwicklung wird jedoch nach aller Wahrscheinlichkeit noch einen längeren Zeitraum in


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Anspruch nehmen, da diese Stoffe im Körper der Kleinkinder resorbiert werden und damit letztlich die Eigenschaften von Medikamenten besitzen werden.


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Wed Oct 23 14:51:24 2002