Schröder, Ralf-Jürgen: Hochauflösende farbkodierte Duplexsonographie von Hauttumoren In-vitro-, tierexperimentelle und klinische Studien zur Signalverstärkung durch d-galaktosehaltige Ultraschallkontrastmittel

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Kapitel 8. Ausblick

Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist es nicht gelungen, mit Hilfe eines singulären bildgebenden Verfahrens zu einer zuverlässigen Aussage hinsichtlich der Dignität oder gar Differentialdiagnose einer Raumforderung der Haut oder ihrer Anhangsgebilde zu gelangen. Die klinische, allerdings von diversen subjektiven untersuchucherabhängigen Faktoren beeinflußte Inspektion führt in der Regel zur Entscheidung über das weitere Vorgehen: Verlaufskontrolle, Biopsie oder Exstirpation in toto. Insbesondere bei Rezidiven in voroperierten Gebieten ist die klinische Beurteilung sehr erschwert, wenn nicht unmöglich. Die B-Modus-Sonographie und die hochauflösende Magnetresonanztomographie liefern zwar mit einer teilweise ausreichenden Zuverlässigkeit Informationen über die Größenausdehnung und Infiltrationstiefe des raumfordernden Prozesses, können jedoch zur Differentialdiagnose und Dignitätseinschätzung nur bei Vorliegen eindeutiger Merkmale einen Beitrag leisten. Die Magnetresonanztomographie hat bei relativ hohen Untersuchungskosten und noch nicht ubiquitärer Verfügbarkeit nicht die in sie gesetzten Erwartungen hinsichtlich dermatologischer Raumforderungen erfüllt. Die hochauflösende Sonographie wird bei zunehmender Verfügbarkeit hochfrequenter Schallsonden zwischen 20 und 50 MHz zwar ein exakteres T-Staging ermöglichen; jedoch ist eine weitere Verbesserung hinsichtlich der Dignitätseinschätzung und Differentialdiagnose auch in Zukunft nur sehr eingeschränkt zu erwarten. Für das N- und M-Staging - also die Suche nach metastatisch befallenen Lymphknoten oder Organen - ist die Sonographie allerdings unter ökonomischen Aspekten und wegen der ubiquitären Verfügbarkeit und der geringen Belastung des Patienten anderen bildgebenden Verfahren hinsichtlich der Weichteildiagnostik in der Routineverlaufsbeobachtung überlegen.

Die farbkodierte Duplexsonographie wurde bereits in verschiedenen früheren Studien hinsichtlich ihrer Aussagekraft in der Diagnostik von Tumoren unterschiedlicher Lokalisation, Differenzierung und histologischer Zuordnung geprüft und konnte auch bereits wertvolle Beiträge zur Dignitätseinschätzung, jedoch weniger zur Differentialdiagnose liefern. Wie die vorliegende Studie belegt, ist eine weitere Steigerung der diagnostischen Treffsicherheit durch den Einsatz von ultraschallsignalvertärkenden Substanzen in der Farbdopplersonographie möglich und sinnvoll. Der Aufwand in zeitlicher, räumlicher, personeller und ökonomischer Hinsicht ist gering angesichts u.a. kosmetisch und ökonomisch nicht wünschenswerter operativer Eingriffe infolge falsch-positiver Diagnosen.

Allerdings stellt die relativ kurze Halbwertszeit des Signalverstärkers von wenigen Minuten ein Problem dar, so daß die dopplersonographische Untersuchung trotz teilweise schwieriger Ableitung eines Dopplerspektrums aus den relativ kleinen Gefäßen sehr schnell durchzuführen ist und eventuell eine erneute Levovistinjektion erfolgen muß, wodurch der ökonomische Aspekt der Untersuchung beeinträchtigt wird..

Desweiteren sind weitere Studien mit höherfrequenten Schallsonden empfehlenswert, um auch die B-Modus-Dignitätskriterien vollständig ausnutzen zu können, welche in der vorliegenden Studie nicht im Vordergrund standen. Eventuell ließen sich mit Hilfe höherfreqenter Schallsondenfrequenz die bei Tumoren anderer Lokalisation wie z.B. bei Mammatumoren oder bei vergrößerten Lymphknoten bekannten gefäßmorphologischen dignitätsspezifischen Aspekte - Tumorrandpenetration, serpinginöser Verlauf, AV-Shunts etc. - auch deutlicher bei Raumforderungen der Haut und ihrer Anhangsgebilde evaluieren. Dieses war derzeit wegen der geringen Größe der untersuchten Strukturen nur eingeschränkt möglich.

Unter Berücksichtigung dieser technischen Verbesserungen sollte die Erarbeitung neuer bzw. die exaktere Dokumentation von Tumoren anderer Lokalisation bekannten Dignitätskriterien möglich sein. Die diagnostische Treffsicherheit ließe sich bei Erarbeitung nicht nur dignitätsspezifischer,


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sondern auch differentialdiagnostischer Kriterien steigern, wenn die falsch-positiven oder falsch-negativen Ergebnisse der vorliegenden Studie bestimmten, eventuell mittels sonstiger einfacher Diagnoseverfahren weiter abzuklärenden histologischen Diagnosegruppen zuzuordnen wären. Die geringen Fallzahlen der einzelnen Diagnosegruppen in der vorliegenden Studie erlaubten dieses nicht.


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Mon Apr 10 17:16:34 2000