Schwella, Nimrod: Periphere Blutstammzellen: Mobilisation, Separation und hämatopoetische Rekonstitution nach Hochdosischemotherapie bei Patienten mit Keimzelltumoren

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Kapitel 5. Zusammenfassung

Wir untersuchten die Mobilisation und Separation peripherer Blutstammzellen nach einer "salvage" Chemotherapie bei 120 Patienten mit rezidivierten und/oder refraktären malignen Keimzelltumoren. Sechsundneunzig Patienten erhielten eine Hochdosis-chemotherapie mit Retransfusion autologer Blutstammzellen und waren für die Analyse der hämatopoetischen Rekonstitution und der Supportivtherapie auswertbar.

Im ersten Teil der Arbeit konnten wir durch die Multivarianzanalyse (multiple lineare Regression) das Alter, die chemoterapeutische Vorbehandlung und die Mobilisierungs-chemotherapie als unabhängige Faktoren definieren, die die Mobilisation und Separation von Blutstammzellen signifikant beeinflußten. So waren ein Patientenalter bis 30 Jahre, eine Chemotherapie mit bis zu 6 Zyklen und Mobilisierung mit PEI oder TI mit einer signifikant höheren Mobilisation und Separation peripherer Blutstammzellen assoziiert. Der beste prädiktive Parameter für das Ergebnis einer Leukapherese war die am Apheresetag gemessene Zahl der peripheren CD34+ Zellen/µl. Somit konnten oberhalb einer Zellzahl von 40 bzw. 100 CD34+ Zellen/µl Separationsergebnisse mit mehr als 2,5×106 oder 5,0×106 CD34+ Zellen/kg zuverlässig vorausgesagt werden.

Im zweiten Teil der vorliegenden Untersuchung ließ sich mit Hilfe der Multivarianz-analyse (Cox Regression) die transplantierte Dosis der CD34+ Zellen/kg als einziger unabhängiger Parameter definieren, der für die Regeneration der Granulo- und Thrombopoese von signifikantem Wert war. Anhand der transfundierten Zelldosis konnten drei Gruppen definiert werden: Patienten mit <2,5×106, ge2,5×106le5,0×106 und >5,0×106 CD34+ Zellen/kg. Bei einer Zelldosis <2,5×106 CD34+ Zellen/kg war das Tempo der hämatopoetischen Regeneration im Vergleich zu beiden anderen Gruppen signifikant verlangsamt. Die Transplantation von mehr als 5,0×106 CD34+ Zellen/kg erbrachte gegenüber Patienten mit ge2,5×106le5,0×106 CD34+ Zellen/kg eine weitere Beschleunigung der Thrombopoese um einen Tag.

Patienten, die weniger als 2,5×106 CD34+ Zellen/kg erhielten, hatten einen signifikant längeren Krankenhausaufenthalt und eine intensivere Supportivtherapie, ausgedrückt in Antibiotikatherapietagen und Transfusionen mit Erythrozyten- und Thrombozytenkonzen-traten, als Patienten mit einer höheren Zelldosis. Durch die Transplantation von mehr als 5,0×106 CD34+ Zellen/kg konnten gegenüber Patienten mit ge2,5×106le5,0×106 CD34+


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Zellen/kg lediglich die antibiotische Therapie und der Krankenhausaufenthalt geringfügig verkürzt werden.

Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchungen ermöglichen eine individuelle Beurteilung der Fähigkeit eines Patienten hämatopoetische Stammzellen aus dem Knochenmark ins periphere Blut zu mobilisieren. Die zuverlässige Voraussage des Aphereseertrages kann wesentlich dazu beitragen die Einleitung der ersten Leukapherese sicher zu bestimmen und mögliche ineffektive Separationen zu vermeiden. Die Übertragung eines hämatopoetisch suffizienten Transplantats mit schneller Regeneration der Blutbildung reduziert das transplantationsassoziierte Risiko für den Patienten in der Akutphase nach Hochdosischemotherapie, senkt die Kosten der Supportivtherapie und verkürzt den Krankenhausaufenthalt. Da jedoch oberhalb einer bestimmten Transplantatdosis weder eine wesentliche Beschleunigung der hämato-poetischen Rekonstitution noch eine deutliche Minderung der supportivtherapeutischen Maßnahmen zu erwarten sind, könnten überflüssige Apheresen und damit verbundene kostspielige G-CSF Applikationen eingespart werden.

Durch diese Erkenntnisse dürfte die Durchführung der Mobilisation, Separation und Transplantation von autologen Blutstammzellen bei Patienten mit rezidivierten und/oder refraktären Keimzelltumoren in einem ökonomisch vernünftigen Rahmen und einer für die Patienten sicheren Behandlungsstrategie gestaltet werden.


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Mon Sep 30 11:51:44 2002