[Seite 43↓]

5  Zusammenfassung und Perspektive

Beim Tissue Engineering werden sogenannte Polymergerüste als dreidimensionale Matrix für autologe Zellen verwendet, um einen individuellen und funktionellen Gewebeersatz zu erreichen. Dabei besteht das Hauptziel darin, daß es sich um einen vitalen Gewebeersatz handeln sollte, der sich in das umgebende Gewebe integriert und „normale“ biologische Fähigkeiten besitzt wie z.B. mitzuwachsen und sich zu regenerieren. Dieser Gewebeersatz wird außerhalb des menschlichen Körpers (in-vitro) hergestellt und sollte zu einem späteren Zeitpunkt beim gleichen Patienten implantiert werden, von dem ursprünglich die Zellen entnommen wurden.

Heutzutage werden weltweit hauptsächlich künstliche Prothesen implantiert, um geschädigte Herzklappen und Gefäße zu ersetzen. Wie bereits erwähnt, haben all diese Prothesen gemeinsam, daß sie aus körperfremdem Material bestehen, welche nicht mitwachsen und nach einiger Zeit degenerieren und somit wiederum ausgetauscht werden müssen. Eine sogenannte tissue engineerte Prothese hätte theoretisch diesen Nachteil nicht und würde sich nach der Implantation in das umliegende Gewebe integrieren und dauerhaft erhalten bleiben. In Kooperation mit den Arbeitsgruppen von Joseph P.Vacanti MD (Massachusetts General Hospital, Harvard Medical School), John E. Mayer jr. MD (Children’s Hospital Boston, Harvard Medical School) und meiner Arbeitsgruppe für Tissue Engineering am Deutschen Herzzentrum Berlin haben wir uns daher intensiv mit dem Tissue Engineering von Herzklappen und Gefäßen beschäftigt. Im Mittelpunkt stand die Entwicklung, in-vitro-Herstellung und in-vivo-Testung einer dreisegligen, „tissue engineerten“ Herzklappe. Aufbauend auf diesen Ergebnissen habe ich mich mit dem optimierten Design von Herzklappengerüsten beschäftigt und weitgehend zuverlässige in-vitro–Methoden entwickelt, um reproduzierbar tissue engineerte Konstrukte (Herzklappen, klappentragende Konduits, Gefäße und Patches) herzustellen. Weiterhin haben wir damit begonnen, humane Zellquellen zu evaluieren und für das „Tissue Engineering“ von kardiovaskulären Geweben zu nutzen.


[Seite 44↓]

Das Hauptziel für die Zukunft besteht ganz klar darin, vitale, autologe Gewebekonstrukte für die menschliche Herzchirurgie herzustellen. In den letzten sieben Jahren wurden aufgrund der guten interdisziplinären Zusammenarbeit von Biologen, Chemikern, Physikern, Ingenieuren und Chirurgen enorme Fortschritte auf diesem Forschungsgebiet erreicht.

Um die zukünftige, routinemäßige Anwendung dieser „tissue engineerten“ Konstrukte in der Herzchirurgie wahrscheinlicher zu machen, liegt ein Schwerpunkt unserer Arbeit darin, in-vitro-Systeme für die Herstellung von kardiovaskulären Geweben weiterzuntwickeln und auf der Basis von humanen Zellquellen autologes Gewebe herzustellen. Trotz der ersten ermutigenden Ergebnissen muß diese Methode weiterhin modifiziert und perfektioniert werden, bevor ein solches Konstrukt zuverlässig in der Herzchirurgie angewendet werden kann.


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
DiML DTD Version 4.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
13.06.2005