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1  Einleitung

Die Behandlung entzündlicher, tumorbedingter, dysmorphischer oder posttraumatischer Defekte des menschlichen Skeletts besitzt eine lange und erfolgreiche Tradition. Besonders in den letzten drei Jahrzehnten haben sich neben dem Standard der Behandlung, der Übertragung von körpereigenen Hartgeweben und in konserviertem Zustand übertragenem Spendermaterial, auch Knochenersatzmittel in der Therapie etabliert und in Qualität und Quantität der Eingriffe an Bedeutung gewonnen. Literarische Aufzeichnungen über erfolgreiche Knochentransplantationen lassen sich bis 1670 zurück verfolgen (Lindqvist et al. 1985, Prolo et al. 1985).

Die kraniofaziale Rekonstruktion kann durch autogene Transplantation aus verschiedenen Spenderregionen des Körpers erfolgen, aber die Gewinnung von Knochen verlängert zum einen den chirurgischen Eingriff und ist für den Patienten zumeist mit einer erhöhten Morbidität verbunden. Das körpereigene Gewebe steht zum anderen nicht in unbegrenzter Menge zur Verfügung.

Die Diskussion über die Übertragbarkeit von Infektionskrankheiten durch Gewebe aus Knochenbanken hat den Einsatz von konserviertem Spenderknochen in den Hintergrund treten lassen. Aus diesem Grunde wird immer wieder nach geeigneten Knochenersatzmaterialien gesucht. Zahlreiche Implantate aus verschiedenen physikalisch und chemisch differenten Stoffgruppen wurden auf ihre Eignung zum Knochenersatz getestet. Ein ideales Material wurde bislang nicht gefunden.

Die Fortschritte in den chirurgischen und rekonstruktiven Techniken haben die Forderungen nach geeigneten Knochenersatzmaterialien und Knochenregenerationsverfahren in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, der Traumatologie, der Orthopädie sowie in der Parodontologie in den vergangenen Jahren nachdrücklicher werden lassen.

Dank der Erweiterung der Indikationen für den Einsatz von Knochenersatzmaterialien konnte die dentale Implantatchirurgie auf Gebiete ausgedehnt werden, in denen zuvor eine Implantatinsertion auf Grund eines unzureichenden Knochenlagers nicht geeignet erschien.

Neben autogenen Knochentransplantaten sowie allogenen und xenogenen Knochenimplantaten werden auch alloplastische Knochenersatzmaterialien voll- oder halbsynthetischen Ursprungs zur Defektrekonstruktion eingesetzt. Dabei können verschiedene physiologische Mechanismen unterschieden werden, durch die eine Knochenregeneration erzielt wird.

Die Osteointegration, die Osteokonduktion bzw. der schleichende Ersatz, die zellvermittelte Osteogenese, der osteostimulative Effekt und die Osteoinduktion unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich der verwendeten Knochenersatzsubstanz und der ausgelösten biologischen Antwort des Empfängers, sondern auch bezüglich ihrer Qualität des Knochenregenerates.

Verschiedene Knochenersatzmaterialien werden bei teilweise gleicher Indikationsstellung angewendet.

Ein ideales Knochensubstitut gibt es nicht. Autogener Knochen und dessen biologische Aktivität nach der Transplantation wird auch heute noch als der „golden standard“ im Vergleich zu anderen Verfahren der Defektrekonstruktion gewertet. Alle derartigen Implantate müssen sich an der Transplantation körpereigenen Knochens messen lassen.


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31.08.2004