Steinhoff, Ulrich Johannes: Von Toleranz zur Autoimmunität. In vivo Analysen über die Funktion und die Bedeutung autoreaktiver CD4+ und CD8+ T-Zellen

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Kapitel 1. Zusammenfassung der publizierten Forschungsergebnisse

1.1 Thematik

Autoimmunerkrankungen gehören zu den Leiden, deren Entstehung, Verlauf und Prognose in vielen Fällen heute noch ungeklärt sind und deren Inzidenzen in den letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen sind (). Die meist konservativen und eingeschränkten Therapiemöglichkeiten solcher Erkrankungen ist Ausdruck der noch weitgehend unverstandenen immunologischen Prozesse.

Zahlreiche Studien deuten darauf hin, daß Mikroorganismen das Vorkommen und den Verlauf von Autoimmunprozessen wesentlich beeinflussen. Dies ist epidemiologisch dadurch belegt, daß eine wandernde Bevölkerung eine Prävalenz für Erkrankungen aufweist, die dem jeweiligen geographischen Breitengrad entspricht (). Wie Mikroorganismen das Immunsystem beeinflussen, sei es durch Kreuzreaktivität zwischen Erreger- und Wirtsantigenen oder durch Störung immunregulatorischer Mechanismen, wird noch nicht verstanden.

Weitgehend unklar ist auch, warum Autoimmunphänomene oft in bestimmten Lebensabschnitten wie z.B. Pubertät, Schwangerschaft oder im fortgeschrittenen Alter auftreten und warum bestimmte Organe präferentiell vom Immunsystem angegriffen werden. Das Anliegen dieser Arbeit ist, verschiedene Mechanismen der Toleranzinduktion und Autoreaktivität bei CD4+ und CD8+ T-Lymphozyten zu untersuchen und somit zum Verständnis autoimmuner Vorgänge beizutragen. Die Untersuchungen wurden in viralen und bakteriellen Infektionsmodellen durchgeführt. Da die CD4+ T-Zellantwort gegen das Glykoprotein des Vesikulären Stomatitis Virus (VSV-G) und die mykobakterien-reaktiven CD8+ T-Zellantwort gegen Hitzeschock-


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protein 60 (Hsp60) nicht nur in-vitro sondern auch in-vivo untersucht werden konnten, eigneten sich beide Modelle für Toleranzstudien.

Zur Erleichterung der Lektüre werden in Abschnitt 2 grundlegende Fakten über verschiedene Toleranzmechanismen sowie über den themenrelevanten Kenntnisstand von Hitzeschockproteinen, Antigenpräsentation und Autoimmunität zusammengefaßt. Im Abschnitt 3 werden die neuentwickelten und experimentell überprüften Konzepte der organspezifischen Antigenprozessierung und diejenigen methodischen Grundlagen vorgestellt, die für das Verständnis wesentlich sind.

Im Abschnitt 4 werden die Ergebnisse beschrieben, die in VSV-G transgenen Tieren über allgemeine Toleranzmechanismen bei CD4+ T-Zellen gewonnen wurden. Neue Erkenntnisse über organspezifische Autoimmunität, die durch Hitzeschockprotein-kreuzreaktive CD8+ T-Zellen verursacht werden, sind im Abschnitt 5 dargestellt. Abschnitt 6 faßt die Ergebnisse zusammen und ordnet sie in die aktuelle Autoimmunitätsforschung ein.

Der Leser wird in den Überschriften der Abschnitte durch Nummernangaben auf die relevanten Originalarbeiten des Autors verwiesen, welche im Abschnitt 7 unter diesen Nummern verzeichnet und im Kapitel II angefügt wurden.


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Thu Feb 20 11:23:24 2003