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1  Sozialer Wandel und Transformationsprozesse auf dem Lande in den neuen Bundesländern und die Theorie der Moderne

Mit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten setzte vor allem im Ostteil Deutsch­lands ein umfassender gesellschaftlicher Wandlungsprozess ein, der - wie auch die gesell­schaftli­chen Umbruch- und Wandlungsprozesse in den ehemals realsozialistischen Län­dern Mittel- und Osteuropas - allgemein mit dem Begriff Transformation bezeichnet wird. Es soll damit zunächst einmal herausgestellt werden, dass diese Vorgänge sich ”von ‘normalen’ Wand­lun­gen und Reformen in modernen Gesellschaften” unterscheiden (vgl. Hanf 1996, S. 617). Gemeinhin wird darunter ein ”ganzheitliche(r) Vorgang gleichzeiti­ger, radikaler und um­fas­sender, d. h. alle gesellschaftlichen Bereiche einschließender Veränderungen” gefasst (ebenda).

Wenn sich - wie Reißig schreibt - der Transformationsprozess im Verhältnis zu den Be­grif­fen ”Evolution” und ”Wandel” auf ”Übergänge”, ”Umwälzungen” von ”Formatio­nen”, von ”Systemen” bezieht (Reißig 1994, S. 324), dann führen jene Pro­zesse in ihren Ergeb­nissen sowohl auf der Makro-, Meso- wie auf der Mikroebene zu ein­schneidenden Verän­derun­gen, die in sozialen Makro-Strukturen, Institutionen, Organisa­tionen und Handlungs­weisen der Individuen sichtbar werden. Folglich kann ­Transformation als ”spezifischer Typ sozia­len Wan­dels” aufgefasst werden, der ” durch eine Intentionalität von gesellschaftlichen Akteuren, durch einen Prozess mehr oder min­der bewusster Ände­rung wesentlicher Ord­nungsstruktu­ren, -muster und durch einen über verschiedene Me­dien gesteuerten Umwand­lungs-(Umwälzungs-)prozess von sozialen Sy­stemen gekenn­zeichnet” ist (ebenda). Trans­forma­tionsprozesse stellen somit eine spezi­elle Form sozia­len Wandels dar, die sich so­wohl vom revolutionären Geschehen wie von evolutionären Strömungen absetzen lässt.

Bezogen auf die Prozesse in den osteuropäischen Gesellschaften wird von Sund­haussen hervorgehoben, dass bei dem Begriff der Transformation im Unterschied zu den stetigen Veränderungen innerhalb einer jeden Gesellschaft Prozesse mit einem je bestimmbaren Ausgangs- und Zielpunkt zu fassen seien (Sundhaussen 1995, S. 77). Der Ausgangspunkt werde vielfach in einem System gesehen, das so instabil und funktions­unfähig geworden sei, dass es auch mittels systemimmanenter Korrekturen nicht mehr stabilisiert und gesteuert [Seite 8↓]werden könne. Der Zusammenbruch des Sy­stems wäre in dem Fall der Beginn der Systemtransformation (ebenda).

Während der Anfangspunkt noch relativ genau und einheitlich festzulegen ist, wird es mit der Angabe des Ziels des Umgestaltungsprozesses schon etwas diffiziler. Zapf be­schreibt als Ziel der Transformation: ”Die Anpassung an die Institution moderner Ge­sellschaften mit Konkurrenzdemokratie, Marktwirtschaft, Massenkonsum und Wohl­fahrtsstaat.” (Zapf 1994b, S.5). Damit scheint es - die bisherige Betrachtung re­sümie­rend - zweckmäßig zu sein, mit dem Begriff von Transformation in dieser Stu­die - im Unterschied zu Prozessen evolutionärer Modernisierung zum Beispiel - jene Modernisierungsprozesse zu bezeichnen, deren Ziele prinzipiell bekannt sind, oder wie Zapf schreibt, wo ”die Aufholprozesse ... eine klare Richtung (haben).” (Zapf 1994a, S. 7).

Ich möchte an dieser Stelle lediglich darauf verweisen, dass - wenngleich dieser Sam­melbegriff von einer Mehrheit der Sozialwissenschaftler verwendet wird - er nicht nur - wie Reißig feststellt - in der Literatur noch unentwickelt (Reißig 1994, S. 323), son­dern auch mehr oder wenig heftiger Kritik ausgesetzt ist. So verweisen zum Bei­spiel Autoren wie Kreckel und Pollack darauf, dass eben solche Anfangs- und End­zu­stände - insbe­sondere aber Endzustände - des sozialen Wandlungsprozesses in den Ländern Mittel- und Osteuropas im allgemeinen nicht genau angebbar seien und der Trans­for­mationsbe­griff insofern als problematisch anzusehen wäre. Beide Autoren sprechen sich daher eher für die Verwendung des neutraleren Begriffs ”sozialer Wandel” aus. Allein für Ostdeutschland - und das ist für mich indes ausschlaggebend - sei ihrer Meinung nach der intendierte Endzustand klar: die erweiterte Bundesre­pu­blik und von daher der Transformationsbegriff noch am ehesten anwendbar (Kreckel/ Pollack 1996, S. 211f.).

Die Transformation Ostdeutschlands stellt alles in allem innerhalb der postsozialisti­schen Umbruchprozesse einen Sonderfall dar, der hier nur knapp umrissen werden soll: Die ”Systemtransformation” in den neuen Bundesländern erfolgte und erfolgt im Vergleich zu anderen ehemals sozialistischen Ländern Mittel- und Osteuropas auf eine spezifisch deutsche/ostdeutsche Art und Weise insofern, als ein bereits funktio­nieren­des marktwirt­schaftliches und rechtsstaatliches System einfach ”übernommen” wurde, d. h. die Ver­hältnisse in Ostdeutschland wurden nicht eigentlich ”transfor­miert” - was beispielsweise bestimmte Übergangsformen einschlösse - sie wurden einfach beendet (vgl. Wiesenthal 1992, [Seite 9↓]1995; Lötsch 1993). Dies ist aus ei­ner kriti­schen Perspektive heraus auch als ”Anschluss” oder ”Einverleibung” be­zeichnet wor­den.

Die Übertragung neuer Verhältnisse vollzog sich dabei schlagartig. Mit dem gesell­schaftlichen Umbruch im Jahre 1990 kam es zu einer stürmischen Ausdehnung aller wesentlichen politischen und rechtlichen Institutionen aus der früheren Bundesre­pu­blik auf das Gebiet der ehemaligen DDR. Im Bereich von Technik, Wirtschaft, von Sozial­politik, Recht und Soziokultur wurden systematisch andere Strukturen einge­führt (in anderen osteuropäischen Ländern beispielsweise müssen diese sich erst all­mählich her­ausbilden). Die wirtschaftsbezogenen Strukturveränderungen erfolgten so zum Beispiel als Transformation der ostdeutschen Planwirtschaft im Sinne einer An­passung an die in Westdeutschland gültigen marktwirtschaftlichen Prinzipien und de­ren Rahmenbedin­gungen. Damit sind unbestritten vergleichsweise günstigere Be­din­gungen und Chancen gelingender Transformation vorhanden als in den anderen Trans­formationsgesellschaf­ten Osteuropas. Ostdeutschland stellt den einzigen Fall dar, wo der Ordnungswechsel und die Institutionenbildung faktisch ”abgeschlossen” sind (vgl. Reißig 1994, S. 326).

Allerdings läuft auch hier der soziale Wandel nicht richtungskonstant und nicht ohne Brüche ab. Lötsch bezeichnet die Gesamtheit der Vorgänge im Ostteil Deutschlands als ”umfassenden Strukturbruch”, nicht nur bezogen auf Makrostrukturen wie Eigen­tums- und Machtverhältnisse, sondern auf die Gesamtheit alltäglicher Lebensbedin­gungen (1993, S. 31). Der Transformationsprozess im Osten ist bekanntermaßen charakterisiert durch einen jähen und drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit ver­bun­den mit tiefgreifenden sozialen und individuellen Belastungen. Aber im Unter­schied zu den Ländern Mittel- und Osteuropas handelt es sich in Ostdeutschland pri­mär um einen ge­steuerten Prozess.

Bei den zahlreichen Versuchen, diese Prozesse zu beschreiben und zu erklären, wird vorwiegend auf das Modernisierungsmodell zurückgegriffen (Müller 1992, Offe 1993, Lüscher/Schultheis 1993, Hettlage/Lenz 1995a, Mänicke-Gyöngyösi 1995, Die­wald/Mayer 1996, Brauer/Willisch 1997, Hradil/Immerfall 1997a). Das Interesse und die Diskussion an dieser sozialwissenschaftlichen Perspektive wurde durch die sich voll­zie­henden umfassenden ostdeutschen wie auch osteuropäischen Wandlungs­prozesse er­neut entfacht und besaß in der Anfangsphase der Transformationsfor­schung eine er­kennbare Dominanz.

Bevor ich versuchen werde, die Transformationsverläufe auf dem Lande in Ost­deutsch­land vor dem Hintergrund modernisierungstheoretischer Modelle zu diskutie­ren, soll nachfol­gend [Seite 10↓]zu­nächst die Situation im ländlichen Raum Ostdeutschlands vor und nach der Wende knapp be­schrieben werden.

1.1 Transformationsprozesse auf dem Lande - Veränderungen auf der Ebene von gesellschaftlichen Makrostrukturen

1.1.1 Ausgangslage der Transformation: Landwirtschaft und ländliche Sozialstruk­tur im Ostteil Deutschlands vor der Wende

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat die Landwirtschaft im Ostteil Deutsch­lands tiefgreifende Wandlungen durchgemacht. Enteignungen von Großgrundbesitz, Bodenre­form und Kollektivierung der Landwirtschaft schufen radikal veränderte Ei­gentums­verhältnisse und lösten gewaltige soziale Umschichtungen aus.

Im ganzen gesehen lassen sich diese Entwicklungen in drei Etappen beschreiben:

Eine erste Etappe der Landwirtschaftsentwicklung im östlichen Teil Deutschlands wurde durch die Bodenreform 1946 eingeleitet, in deren Ergebnis der gesamte Groß­grundbe­sitz über 100 ha mit den dazugehörigen Gebäuden und dem entsprechenden Inventar sowie der Grundbesitz von Nazis und Kriegsverbrechern entschädigungslos enteignet wurden. Mit der Bodenreform wurde erstmals massiv in die bestehende Be­sitzstruktur eingegriffen und folglich die soziale Struktur auf dem Lande grundle­gend geändert. Die Bodenreform fungierte faktisch ”als Katalysator” des sozioöko­nomi­schen Wandels in Ostdeutschland (vgl. Bauerkämper 1994, S. 121).

Bis zum Jahre 1950 wurden insgesamt 14 089 landwirtschaftliche Betriebe mit annä­hernd 3,3 Millionen ha Land beschlagnahmt, das entsprach etwa 35 Prozent der land­wirtschaftlichen Nutzfläche (vgl. ebenda, S. 122). Im Zuge dieser Enteignungen wur­den rund 200 000 Neubauernstellen mit einer Durchschnittsgröße von 8,1 ha Land ge­schaf­fen, die von landlosen Bauern, Landarbeitern und Umsiedlern (Vertriebenen) - den Neu­bauern - bewirtschaftet wurden.

Daneben entstand nach 1945 durch die Bildung von MAS (Maschinenausleihstatio­nen), MTS (Maschinen-Traktoren-Stationen) und VEG (volkseigene Gütern) auch das erste staatliche Eigentum auf dem Lande.


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Im Zuge all dessen war ein Anwachsen der Beschäftigtenzahlen in der Landwirt­schaft zu verzeichnen, besonders auch unter den Frauen. Weibliche Arbeitskräfte wurden wie in der Industrie so auch in der Landwirtschaft aufgrund der demographi­schen Entwick­lung des zweiten Weltkrieges und der anhaltenden Westwanderung vieler junger Menschen zu einer ganz entscheidenden Reserve auf dem Arbeitsmarkt. Bereits in den fünfziger Jahren begann man daher, ein breites Netz kommunaler und betrieblicher So­zialeinrichtungen auch auf dem Lande vor allem für die Kinder­be­treuung (Kinderkrippen und -gärten) zu schaffen (vgl. dazu Häder 1997).

1952 - nach der 2. Parteikonferenz der SED - wurde in einer zweiten Etappe die Grün­dung von Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) eingeleitet, die im Jahre 1960 praktisch beendet war. Diese Phase - für die auch die Zuschrei­bung ”totalitär” anzuwenden ist - war gekennzeichnet von einer politisch erzwunge­nen, zum Teil gewaltsamen Umgestaltung der Landwirtschaft unter sozialistisch-kommunisti­schem Vorzeichen nach im wesentlichen sowjetischem Vorbild. Der Zusammenschluss zu Produktionsgemein­schaften ging vor allem mit verschärften Sank­tionen gegen Groß­bauern einher. Bis 1953 waren allein schon 5 074 LPGs mit

146 900 Mitgliedern ge­gründet worden, deren Zahl bis 1960 auf mehr als 19 000 mit über 945 000 Mitglie­dern anstieg, die 84,4 Pro­zent der landwirtschaftlichen Nutzflä­che im Ostteil Deutschlands bewirtschafteten (vgl. Bauerkämper 1994, S. 136).

Es schloss sich eine weitere Etappe in der Landwirtschaftsentwicklung an, die vor al­lem durch die Einführung industriemäßiger Produktionsmethoden gekenn­zeichnet war. In den 70er Jahren begannen sich LPGs zu industriemäßig produzieren­den Großbe­trie­ben zusammenzuschließen, die auch zunehmend mit der Verarbeitungs­in­dustrie ver­bunden waren. Ein wesentliches Merkmal bestand in der Spezialisierung der landwirtschaftlichen Hauptproduktion, d. h. die Tier- und Pflanzenproduktion wurde getrennt, was seinerzeit von der Mehrheit der Bauern nicht befürwortet wurde. Diese Entwicklung machte die Gründung von Spezialbetrieben, die von mehreren LPGs und VEGs gemeinsam unterhalten wurden, erforderlich. Diese Betriebe der landwirtschaft­li­chen Nebenproduktion wurden als Zwischenbetriebliche Einrichtun­gen (ZBE) und Or­ganisa­tionen (ZBO) gebildet. Im Ergebnis [Seite 12↓]all dessen entstanden auch solche Be­triebs­formen wie KfL (Kreisbetrieb für Landtechnik), ACZ (Agro­chemisches Zen­trum), KAP (kooperative Abteilung Pflanzen­produktion).

Die Landwirtschaft der DDR bestand vor dem gesellschaftlichen Umbruch aus etwa 500 Volkseigenen Betriebe und annähernd 4 500 Landwirtschaftlichen Produktions­ge­nossenschaften (vgl. Statistisches Jahrbuch 1990).

Die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) waren der Grundtyp der genossenschaftlichen Produktionsweise in der DDR. Sie besa­ßen ein eigenes Statut, eine Betriebsordnung und eigene Arbeitsnormen und Vergü­tungssysteme. Eine spezialisierte LPG-Pflanzenproduktion umfasste ein Kol­lektiv von etwa 350 bis 400 Beschäftigten, das im Durchschnitt 5 000 ha LN (landwirtschaftliche Nutzfläche) bearbeitete. Die Landwirtschaftlichen Produk­tionsgenossenschaften in der DDR hatten insgesamt einen Anteil von 90 Pro­zent an der durch die Landwirt­schaft bewirtschafteten Nutzfläche.

Volkseigene Güter (VEG) waren staatliche Landwirtschaftsbetriebe, die in der DDR 10 Prozent der durch die Landwirtschaft bewirtschafteten landwirt­schaft­li­chen Nutzfläche ausmachten. Sie entstanden im Ergebnis der Boden­reform als sogenannte ”Stützpunkte der Arbeiterklasse” auf dem Lande und als Beispiel­be­triebe vor allem für die Saatgut­vermehrung und Tierzucht.

In den späten Jahren der DDR wurden sie auch verstärkt genutzt als Ausbil­dungszentren für die Heranbildung eines qualifizierten Nachwuchses für die Landwirtschaft. Es waren zunehmend Betriebe, die nach industriemäßigen Pro­duktionsverfahren arbeiteten.

Die kooperative Abteilung Pflanzenproduktion (KAP), die aus mehreren LPGs und/oder VEG bestand, war eine Kooperationsform in der Landwirt­schaft, mit deren Hilfe der Übergang zu einer industriemäßigen Pflanzenpro­duktion voll­zo­gen werden sollte.

Zwischengenossenschaftliche Einrichtungen (ZGE) und Zwischenbetriebli­che Einrich­tungen (ZBE) waren spezialisierte kooperative Betriebsformen der Pflan­zen- und Tierproduktion mit industriemäßigem Charakter. Bei der ZGE handelte es sich um das ständige Zusammenwirken mehrerer LPGs zur ge­mein­samen Er­richtung großer moderner Tieranlagen oder anderer Objekte, während in der ZBE sowohl LPG als auch VEG in der Tierproduktion zu­sammenarbeite­ten.

Es gab diese Einrichtungen auch in der Form Zwischenbetrieblicher Bauor­gani­sationen (ZBO), die auch bei der gemeinsamen Errichtung von Trocken­werken, Kartoffellagerhäu­sern u. ä. fungierten. In Mecklenburg/Vorpommern waren 1989 in den ZBOs 8 345 und in Meliorationsgenossenschaften 4 232 Personen tätig. Das waren insgesamt mehr Menschen als die Beschäftigten im gesamten Bauhandwerk (9 434). Die juristische Selbständigkeit aller mit­ein­ander koope­rierenden Betriebe wurde dabei gewahrt (vgl. Statistisches Jahr­buch 1991 für Mecklenburg/Vorpommern, S. 113).

Kreisbetriebe für Landtechnik (KfL) waren staatliche Einrichtungen, die für die LPG, VEG sowie die KAP die Generalreparaturen und Instandsetzungen der Maschinen und Geräte besorgten. In ihnen waren etwa 44 000 Arbeiter be­schäf­tigt.


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Agrochemische Zentren (ACZ) waren kooperative Einrichtungen von LPG und VEG mit etwa 22 000 Beschäftigten. Sie waren nicht nur für chemische Dün­gung und Schädlingsbekämpfung zuständig, sondern beförderten außer­dem für die LPG, KAP und VEG im Jahr immerhin an die 50 Millionen Ton­nen landwirtschaft­li­che Güter.

Im Jahre 1979/80 - also zum Zeitpunkt der in dieser Arbeit einbezogenen ersten Da­tenerhebung - gab es folgende Betriebsformen 1 in der Landwirtschaft der DDR:

Tabelle 1: Betriebsformen in der Landwirtschaft der DDR Anfang 1980

Pflanzenproduktion

Tierproduktion

239 LPG Pflanzenproduktion

2 887 LPG Tierproduktion

23 LPG Gartenbau, Obst-, Gemüseproduktion

333 VEG Tierproduktion

62 VEG Pflanzenproduktion

30 VEB KIM 2

62 VEG Obst-, Gemüse-, Zierpflanzenproduktion

318 ZBE/ZGE

144 KAP/ZBE/ZGE

 

218 GPG 3

 

durchschnittliche Größe:

durchschnittlicher Tierbestand:

 

5 000 ha LN

1 500 GV4

 

Daneben entstanden in den 70er und 80er Jahren auch eine Reihe neuer Betriebsfor­men wie:

Festzuhalten bleibt, dass im Zuge der Entwicklung nach 1945 die landwirtschaftliche Produktion bis 1990 (einschließlich der Dienstleistungen für die Landwirtschaft und der Verar­bei­tung landwirtschaftlicher Erzeugnisse) den bestimmenden Faktor der Wirt­schaftsstruktur und des Beschäftigungssystems in den ländlichen Regionen Ost­deutsch­lands bildete. In den vergangenen Jahrzehnten hatte sich außerdem in den mei­sten Dör­fern eine stabile Grundversorgung entwickelt, die z. B. Dorfkonsum, Post­stelle, Gast­hof, Kinder­garten umfasste. In größeren ländlichen Zentren waren auch Kinderkrippen, zehnklassige Ober­schulen, Kulturhäuser, Jugendklubs und Sportein­richtungen vorhan­den. Darüber hinaus gab es einen flächendeckenden Perso­nennahver­kehr.

Die traditionelle Bauernschaft, wie sie vergleichsweise weitestgehend in der Bundes­re­publik vorzufinden ist, gab es bereits in den 80er Jahren der DDR kaum noch. Durch die Bodenreform in den Nachkriegsjahren bekamen auch ehemalige Arbeiter aus Indu­strie und Landwirtschaft Boden zugeteilt, was bereits zu einer Durch­mi­schung dieser sozialen Schicht führte. Für 1960 werden nur noch 71 Prozent der Mitglieder von landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften als ehemalige Klein-, Mittel- und Großbauern vermerkt (Geißler 1992, S. 209). Diese Entwicklung verstärkte sich im Zuge der weiteren Kollektivierung der Landwirtschaft und hatte zur Konsequenz, dass 1977 nur noch jeder zweite Genossenschaftsbauer aus einer Bauernfamilie stammte und schließlich in den 80er Jahren die Rekrutierung zum großen Teil aus der nichtbäu­erli­chen Bevölkerung erfolgte (ebenda). Neben der un­terschiedlichen sozialen Her­kunft nahm infolge wachsender Differenzierung und Spezialisierung auch die Fachar­beiterzahl unter den Genossenschaftsbauern zu. Bei­spielsweise wurden zunehmend Facharbeiter für Agrotechnik, Mechanisatoren oder Zootechniker ausgebildet.

Neben diesen qualitativen Unterschieden zur Bauernschaft der Bundesrepublik Deutsch­land ist quantitativ zu vermerken, dass 1989 noch 889 000 Personen - also etwa jeder zehnte Erwerbstätige - in der Landwirtschaft arbeiteten, womit der bäuer­[Seite 15↓]liche Anteil im Vergleich zur Bundesrepublik etwa dreimal so hoch war (ebenda, S.112).

Die Entwicklung der ländlichen Struktur war indessen in den letzten Jahren der DDR gleichfalls durch eine ständige Abnahme der Zahl der in der Landwirtschaft Beschäf­tigten gekenn­zeichnet, so dass sich die Relationen zwischen den auf dem Lande woh­nenden An­gehörigen der verschiedenen sozialen Schichten veränderten. Im Zeitraum von 1975 bis 1977 beispielsweise ging die Zahl der in der Land- und Forstwirtschaft Beschäftigten um 0,5 Prozent und bis 1979 um weitere 0,1 Prozent zurück. Im Jahr 1979/80 - zum Zeitpunkt der ersten Datenerhebung - lag der Anteil der in diesen Wirt­schaftsbereichen Beschäftigten im Vergleich zur Gesamtzahl der Berufstätigen der DDR bei 10, 7 Prozent, wobei der Anteil der Genossenschaftsbauern 6,5 Prozent aus­machte (vgl. Statistisches Jahrbuch 1980).

Eine Besonderheit in der sozialen Zusammensetzung der Gruppe der Genossen­schafts­bauern bestand darin, dass eine keineswegs geringe Zahl nicht direkt in der landwirt­schaftlichen Produktion eingesetzt war. Die LPG und VEG beschäftigten auch Arbeits­kräfte, die zum Beispiel in den Werkstätten als Maurer, Landmaschinen­schlosser o. ä. tätig waren oder als Erzieherinnen im Kindergarten, als Küchenperso­nal oder in der Verwaltung arbeiteten.

Trotz dieses in sich nicht einheitlichen Bildes lassen sich nach Adler/ Kretschmar den­noch Krite­rien bestimmen, die es zulassen, die Genossenschaftsbauern als eine spezifi­sche soziale Gruppierung anzusehen. Die als Genossenschaftsbauern bezeich­neten Er­werbstätigen sind Mitglieder oder aber auch Beschäftigte Landwirtschaftli­cher Pro­duk­tionsgenossenschaf­ten. Von den Autoren wird hervorgehoben, dass die ”Spezifika der genossenschaftlichen Eigentumsform ... gewiss nicht zu klassenkonsti­tuierenden Merkmalen hochstilisiert wer­den (können)...”, da eben in der Regel auch Handwerker und Verwaltungskräfte - wie bereits oben erwähnt - zu den Ge­nossen­schafts­bauern ge­rechnet wurden (Adler/Kretschmar 1993, S. 109). Zu unterscheiden wären bei den Genossenschafts­bauern demnach:

Wenngleich sich Genossenschaftsbauern in ihrer Position im Ungleich­heits­gefüge des DDR-Systems kaum von den Arbeitern unterschieden, treten bei ihnen vornehmlich Besonderheiten agrarischer Arbeits- und dörflicher Lebensweise hervor. Solche Eigen­heiten bestanden vor allem in einem gegen­über der Stadt größeren An­teil privaten Haus-, Grund- und Gartenbesitzes und einer etwas größeren Wohnfläche pro Kopf der Dorfbevölkerung (vgl. Adler/Kretschmar 1993, S. 109).

Zum anderen waren Differenzierungen in den Lebensbedingungen zuungunsten der Landbevölkerung hinsichtlich der Ausstattungsdichte mit und der Erreichbarkeit von Einrichtungen zur Versorgung mit Konsumgütern, kulturellen und medizinischen Dienstleistungen und der Chancen, konsumtive und geistige Bedürfnisse befriedigen zu können, auszumachen (ebenda).

Bauern waren in der DDR - wie im übrigen auch Arbeiter - sozial vergleichsweise gut gestellt. Eine ganze Reihe von bildungs- und sozialpolitischen Maßnahmen in der Ge­schichte der DDR zielten insbesondere darauf ab, Einkommensunterschiede zwischen diesen beiden sozialen Gruppen und anderen einzuebnen, Aufstiegsmög­lichkeiten zu eröffnen und soziale Sicherheit zu schaffen. Das führte zu einer weit­gehenden Nivellierung der vertikalen Ungleichheiten in der DDR-Gesellschaft ver­bunden mit einer Privilegie­rung der Ar­bei­ter- und Bauernschaft. Im Vergleich zur Bundesrepublik war die DDR-Sozial­struk­tur insgesamt durch eine stärkere Eineb­nung der sozialen Unter­schiede - wie Ein­kom­mens- und Ver­mögensunterschiede - gekennzeichnet (vgl. Geißler 1991, S. 48). Zu­treffend erscheint daher für die DDR-Gesellschaft die Be­zeichnung ”nach unten nivel­lierte Arbeiter- und Bauerngesell­schaft” (Geißler 1993a, S. 14), in der gleichwohl Me­chanismen sozialer Ungleichheit - wenn auch DDR-spe­zifisch - wirksam waren (vgl. Geißler 1992, Lötsch 1988).


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Einer Untersuchung von Adler/Kretschmar aus dem Jahre 1989 zu den Sozialla­gen Erwerbstätiger in der DDR ist zu entnehmen, dass männliche Genossenschafts­bauern hinsichtlich ihres monatlichen Pro-Kopf-Netto-Einkommens bereits über demDurch­schnittsverdienst der Erwerbstätigen der DDR insgesamt lagen (Frauen etwas darun­ter). Zählt man die Zusatzeinkommen aus einem Nebenerwerb (wie z. B. Ne­benbe­schäfti­gungen, individuelle Hauswirtschaft, aber auch Honorare und Zinsen aus Spar­einlagen u. a.) hinzu, so ist diese Berufsgruppe mit Abstand führend. Diese in finan­zieller Hin­sicht privilegierte Stellung schlug sich auch im Besitz und Woh­­nen nieder (vgl. Adler/Kretschmar 1993, S. 114 f.). Generell könnte die Situation der LPG-Bauern mit Blick auf die objektiven Lebensbedingungen als durchschnittlich bis gehoben bezeichnet werden. Im Zeitraum von 1970 bis 1989 konnten sie ihre Ein­kommenssituation absolut betrachtet gegenüber Arbeiter- und Angestelltenhaus­halten verbessern und diese sogar überholen.

Im Vergleich dazu befanden sich die Pro-Kopf-Haushaltseinkommen der Vergleichs­gruppe in der Bundesrepublik deutlich unter dem Durchschnitt. So wurde für das Wirt­schaftsjahr 1996/97 errechnet, dass die Einkom­men der Landwirte mit 36 600 DM (im Durchschnitt pro Arbeitskraft) weiter um rund ein Drittel unter den ge­werb­lichen Vergleichslöhnen liegen. 5

Nach einer Studie von Krambach/Schmidt aus dem Jahre 1973 fühlten sich über 80 Prozent der Genossenschaftler mit ihrer LPG persönlich verbunden, d. h. es kann da­von ausgegangen werden, dass eine insgesamt hohe Identifikation mit dem genossen­schaftli­chen Betrieb bestand. Zur Förderung dieses “Selbstwertgefühls” der Genos­sen­schaftsbau­ern trug sicher auch bei, dass sie in der DDR offiziell zu den “beiden Hauptklassen des Sozialismus” gezählt wurden.

Andererseits kommt Geißler in einer vergleichenden Analyse zur Bundesrepublik ge­ne­rell zum Schluss: “Die sozioökonomische Struktur der DDR des Jahres 1990 gleicht in etwa der­jenigen der Bundesrepublik aus dem Jahr 1965.” (Geißler 1991, S. 53). Zu viele Arbeitskräfte seien in der Landwirtschaft und der Industrie gebunden gewesen. Und Meier deckt unter qualitativem Gesichtspunkt auf, dass - wenn die [Seite 18↓]Landwirtschaft auch traditionale Eigen­tumsformen und Produktionsverhältnisse überwunden hatte - sie dennoch ebenso Züge “einer sozialistischen Ständegesell­schaft” (Meier 1990) aufwies, “von Merkmalen tradi­tionaler gesellschaftlicher Be­ziehungen, die zu DDR-Zeiten des öfteren zwar anerken­nend beschrieben wurden, in Wirklichkeit jedoch so­wohl politisch als auch erst recht ökonomisch einen erhebli­chen Modernisierungs­rückstand darstell­ten.” (Meier 1993, S. 685). Alles in allem muss die Landwirtschaft in der DDR folglich als ein Bereich im Spannungsfeld zwi­schen Tradition und Moderne angesehen werden.

1.1.2 Die Umbruchsituation in der Landwirtschaft und im ländlichen Leben in Ostdeutschland

Die mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten verbundenen markt­wirt­schaftlichen Strukturveränderungen auf dem Lande trugen alles in allem dazu bei, dass der Agrarsektor erheblich geschrumpft ist. Dies war eine Folge der ausge­lö­sten Kapita­lisierungs- und Privatisierungsprozesse, die zu einer bedeutenden Verrin­gerung der Pro­duktionskapazitäten (durch Flächenstillegung, Reduzierung des An­baus von Kultu­ren und Reduzierung der Viehbestände), zu einer grundlegenden Ver­änderung der Besitz­verhältnisse - verbunden mit der Entstehung bäuerlichen Eigen­tums in den Dör­fern - sowie zur Entstehung einer neuen Sozialstruktur führten. Die Umstrukturierun­gen zogen unmittelbare und massenhafte Freisetzungen von Ar­beitskräf­ten nach sich, was eine ins­gesamt durchaus prekäre Situation für eine ge­samte Berufs­gruppe in den ländlichen Regionen Ostdeutschlands auslöste.

Dazu trugen und tragen mehrere Faktoren bei: Zum einen die Auflösung der Land­wirt­schaftlichen Produktionsgenossenschaften vor dem Hintergrund der allgemein schwieri­gen Lage der EG-Landwirtschaft (anhaltendes “Höfesterben”). Dadurch wur­den insbe­sondere Wiederein­richter abgeschreckt. Der Prozess der Umstrukturie­rung er­folgte zu­dem in einer rasant kurzen Zeit. Geißler spricht in diesem Zusam­menhang auch vom “Zeitraffertempo” (1991, S.67), was durch einige Zahlen belegt werden soll:

Von ca. 850 000 in der Landwirtschaft Beschäftigten der DDR im Dezember 1989 wa­ren zu Beginn des Jahres 1992 noch ca. 250 000 - und davon unge­fähr 150 000 Kurz­arbeiter - beschäftigt. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 120 000 in andere Be­[Seite 19↓]rufe wechselten und 90 000 in den Vorruhestand gegan­gen sind. 45 000 bezogen Altersübergangsgeld und 40 000 erhielten eine Rente. Weitere 10 500 wurden durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Fortbil­dung und Umschulung aufgefangen (vgl. Meyer/Uttitz 1993, S. 221f.).

Nach dem Agrarbericht 1992 gab es trotz dieser Maßnahmen 150 000 Ar­beits­lose in der Landwirtschaft. Nach Schätzungen der Bundesanstalt für Ar­beit hatte nur ca. jeder vierte Beschäftigte in der Landwirtschaft Aussicht auf Wei­terbe­schäftigung. Aufgrund der unterschiedlichen Organisationsformen der Landwirt­schaft in Ost und West (LPG vs. bäuerlicher Familienbetrieb) gab es nur einen verschwindend geringen Bedarf an angestellten Professions­angehöri­gen. So fan­den zum Beispiel Agraringenieure im vereinten Deutschland keinen Arbeitsmarkt mehr. Samt und sonders verloren rund drei Viertel aller ehemals in der Land­wirt­schaft Be­schäftigten innerhalb kürzester Frist ihren Arbeits­platz (vgl. Statisti­sches Bundesamt 1994). Wie in Un­ter­su­chun­gen festgestellt wer­den konnte (Meyer/Uttitz 1993, Geißler 1995, Chassé 1996, Schramm 1996), ging der Ab­bau landwirtschaftlicher Ar­beitsplätze in sehr hohem Maße mit dem Verlust quali­fizierter Frauenarbeits­plätze einher und führte in einer Reihe von Gemein­den sogar zu einem Total­ver­lust solcher Arbeitsplätze. Frauen wurden im allge­mei­nen überproportional im Verhältnis zu den Männern freige­setzt. Ihre Situa­tion ist auf dem Lande in­sofern beson­ders schwierig, als Kin­derbetreu­ungsein­rich­tungen zunehmend fehlen und ein berufli­cher Neuanfang damit zu­mindest er­schwert bzw. verun­möglicht wird.

Es konnte des weiteren ermittelt werden, dass haupt­sächlich qualifizierte und teils hochqualifi­zierte Menschen betroffen waren (vgl. Bandelin et al. 1996, S. 107). Der Arbeits­kräftebe­satz pro 100 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche ver­ringerte sich von 14,5 im Jahre 1989 auf 3,6 im Jahre 1992 und fällt damit be­reits ge­rin­ger aus als in den alten Bundesländern mit 5,0 (vgl. Brinkmann et al. 1993). Damit hatte sich in ca. zwei Jahren in den ländlichen Regionen Ost­deutsch­lands ein Prozess vollzogen, der in den alten Bundesländern etwa drei Jahr­zehnte be­nötigte. Der Abbau der Ar­beitsplätze setzt sich seitdem weiter fort.

Zusammenfassend ist hervorzuheben, dass der Anpassungsprozeß in der ostdeutschen Landwirtschaft an marktwirtschaftliche Strukturen innerhalb kürzester Zeit zu er­hebli­chen Beschäftigungsrückständen in den ländlichen Regionen geführt hat. Vor allem die unmittelbar in der Landwirt­schaft Tätigen waren und sind von den rigoro­sen Ver­ände­rungen betroffen. Nach Schätzungen von Geißler werde sich deren An­teil im Ver­hältnis zur Gesamtbeschäftigtenzahl sogar hal­bieren. Durch die Einfüh­rung der Marktwirtschaft im Ostteil Deutschlands werde vor allem der Rückstand im tertiären Bereich und damit auch das vormals anzutreffende Missverhältnis zwischen primärem und tertiärem Wirt­schaftsbereich sukzessive abge­baut 6 . Im Zuge dessen werde es [Seite 20↓]zwangsläufig zu weiteren Verschiebungen auch in der Be­rufsstruktur auf dem Lande kommen (vgl. Geißler 1991, S. 54).

Die grundlegenden Strukturveränderungen in der ostdeutschen Landwirtschaft wur­den durch Auflösung und Umwandlung der zuvor in der Regel ausschließlich auf Pflanzen- oder Tierproduktion spezialisierten großen landwirtschaftlichen Produkti­onsgenossen­schaften und die Bildung einer Vielzahl neuer Unternehmen auf markt­wirtschaftlicher Grundlage erreicht. Durch die so vonstatten gehende Neuord­nung der Besitz- und Nut­zungsverhältnisse an Grund und Boden sowie Gebäuden entstan­den bis 1992 14 633 Betriebe in der Rechtsform “Natürliche Personen”, die 24,5 % der landwirt­schaft­lichen Nutzfläche im Osten bewirtschafteten. Dazu zählen 5 507 Einzelunter­neh­men im Haupterwerb mit 14,6 % der LN und einer durch­schnittlichen Betriebs­größe von 136 ha LN und 9126 Personengesellschaften mit 7,2 % der LN und einer durch­schnittli­chen Betriebsgröße von 401 ha LN (vgl. Agrarbe­richt 1993).

Die bevor­zugte Struktur der ostdeut­schen Land­wirtschaft ist jedoch weiterhin der Grup­penbetrieb, denn ca. 75 % der LN wurden 1992 von 3 035 Betrie­ben in der Rechtsform “Juristische Personen” mit einer durch­schnittlichen Betriebs­größe von 1 268 ha bewirt­schaftet (vgl. ebenda). Diese neu ge­bil­deten eingetrage­nen Genossen­schaften haben sich seither rela­tiv stabil entwickelt. Diese Rechtsform hatte bis 1992 fast ein Viertel aller Erwerbstä­tigen der Landwirt­schaft auf­genommen. In einer Stu­die von Hubatsch et al. konnte ge­zeigt wer­den, dass - wenn­gleich 73 Prozent aller Be­frag­ten genossen­schaftliche wie familienwirt­schaft­liche Be­triebsformen in den neuen Bun­desländern gleichermaßen gefördert se­hen möchten - die eindeutige Mehrheit auch für die Zukunft eine genos­sen­schaftliche Pro­duktionsform be­vorzugt (1991, S.43). Diese Resultate weisen insge­samt auf eine durchaus ge­ringe Handlungsbereit­schaft für fami­lienwirtschaftliche Be­triebs­formen in der Land­wirtschaft in den neuen Bundesländern hin. Darauf nimmt je­doch die offizi­elle Agrar­politik kaum Bezug, denn Wiedereinrich­ter werden im Ver­gleich zu Genos­senschaften bevorzugt (vgl. ebenda; Jarothe 1992). Nach Geißler beste­hen derzeit die größten Probleme in der Landwirt­schaft darin, die Kol­lektivierung der Pro­duktions­weise zurück­zudrehen. Es sei nur eine verschwindend kleine Zahl von ehe­maligen An­gehörigen der LPG und VEG, die den Sprung in die Selbständigkeit wag­ten. Unter den bis Juni 1991 neu entstandenen 3 500 einzelbäuerli­chen Betriebe - die lediglich 3% der landwirt­schaft­lichen Nutzfläche [Seite 21↓]be­stellten - be­fan­den sich überdies neue westdeutsche und hol­län­dische Pächter; Groß­agrarier, die über 1000 ha Pachtland von fremden Ar­beitskräf­ten bewirtschaften ließen (vgl. Geiß­ler 1993b, S. 82).

In Untersuchungen zu ostdeutschen Landarbeitern (Brauer et al. 1996, Jarothe 1992, Meyer/Uttitz 1993, Schmitt 1991) werden im großen und gan­zen zwei Probleme für das Zurückscheuen vor einer neuen Selbständigkeit angeführt: Zum einen die übli­chen Pro­bleme beim Selbständigwerden und zum anderen die Konfrontation mit der allge­meinen Strukturkrise der Landwirtschaft in Deutschland und in der EG, die bei vielen westdeut­schen Landwirten zu einer schwie­rigen sozioökonomischen Lage ge­führt hat. Die Frage, inwiefern die LPGs unter marktwirtschaftlichen Bedingungen überhaupt wettbewerbs­fähig sein können, beurteilt Schmitt (1991) als gering und auch Meyer und Uttitz (1993) rechnen ihnen wenig Chancen aus.

Nach Meier lassen sich vor dem Hintergrund des drastischen gesellschaftlichen Um­bruchs auf dem Lande die grundlegenden Veränderungen in der Sozialstruktur wie folgt zusammenfassen (Meier 1993, S. 690f.):

  1. Die ehemals soziale Klasse der Genossenschaftsbauern existiert nicht mehr. Nur etwa ein Fünftel der ehemaligen berufstätigen LPG-Mitgliedern arbeitet in neuen Agrargemeinschaften.
  2. Eine relativ kleine soziale Gruppe von ca. 12 000 Einzelunternehmern führt
    - bäuerliche Familienbetriebe
    - kapitalistische Großbetriebe mit Arbeitnehmern (Landarbeiter)
    - frühere Gutsbetriebe ( Nachfolger)
  3. Die größte Gruppe der ehemaligen Genossenschaftsbauern gehörte 1992 zu den Arbeitslosen. Hinzugerechnet werden müssen die im Vorruhestand bzw. Altersübergang befindlichen Bauern, so dass die Zahl der arbeitslosen Bau­ern im Jahre 1992 größer als die der berufstätigen Bauern war.
  4. Eine weitere Gruppe umfasst jene Personen, die früher im Bau-, Werkstatt- und Sozialbereich beschäftigt waren und durch Abtrennung ihrer Bereiche zunächst ihren Arbeitsplatz behalten konnten oder in das frühere Bundes­ge­biet pendelten.


[Seite 22↓]

Die Stillegung landwirtschaftlicher Betriebe bedeutet für die Landbevölkerung nicht nur einen Verlust des Arbeitsplatzes. Die Schließung von Betrieben geht viel­fach einher mit der Zerstörung von Lebenszusammenhängen. Das erklärt sich daraus, dass es bis 1989 in den ländlichen Regionen insgesamt eine rela­tiv gute Ausstat­tung mit techni­scher und sozialer Infrastruktur gab. Mit der Einführung marktwirt­schaftli­cher Prinzi­pien ist diese Infrastruktur zusammengebrochen, da sie aus Mitteln der Kom­munen, der Landwirtschaftsbetriebe sowie des Konsums subventio­niert und be­trie­ben wurde. Landwirtschaftsbetriebe konnten beispielsweise Klubhäu­ser, Gaststät­ten, Sozialeinrich­tungen, Betriebsküchen usw. nicht mehr finanzieren. Hinzu kommt, dass die Betriebe in der DDR durch die ihnen angegliederte Infrastruktur eine größere so­zial integrierende Wirkung als in Westdeutschland hatten. Für die DDR-Ge­sell­schaft war beispielsweise typisch, dass das Arbeitskollektiv bzw. die Be­ziehungen zwischen Arbeits­kollegen und deren Familien ein wichtiger Faktor der Kommunika­tion zwi­schen den Menschen war. Ergebnisse soziologischer Forschungen machen darauf auf­merksam, dass durch ihren weitgehenden Wegfall die familiären Beziehun­gen für viele nunmehr noch wichtiger geworden sind (Krambach, Müller et al. 1992). Spe­ziell für die soziale Gruppe der Ju­gendlichen stellt Feldmann in einer Untersu­chung fest, dass sie “schlagartig im ge­samten (untersuchten) kleinräumi­gen Sied­lungs­gebiet alle bishe­ri­gen Treffpunkte verlor. Insbe­sondere für die heran­wachsende Schulju­gend wird damit die Identifikation in und für die Dörfer maß­geblich beein­trächtigt” (Feldmann et al. 1992, S. 30).

Erschwerend kommt für die ehemals in der Landwirtschaft Beschäftigten noch hinzu, dass sie in der DDR - wie bereits weiter oben ausgeführt - in ökonomischer Hinsicht eine bevorzugte Stellung hatten. Die Einkommensstruktur nähert sich nun im Zuge des statt­findenden Transformations­prozesses an westliche Verhältnisse an, womit “die bis­herige Nivellierungstendenz ... sich in eine Differenzierungstendenz umkehren (wird).” (Geißler 1991, S. 49). Insbesondere ist zu erwarten, dass sich durch die Reprivatisie­rung der Landwirtschaft die Vermögensstruktur vor allem auch auf dem Lande wieder diffe­renzieren und konzentrieren wird. Als Folge dieser Um­brüche wird die soziale Un­gleichheit zwischen den Familien in ländlichen Regionen rasch zunehmen.


[Seite 23↓]

Insgesamt kann festgestellt werden : Eine Betrachtung der Transformations­prozesse auf dem Lande im Kontext der deutschen Vereinigung zeigt einen fast voll­ständigen Zu­sammenbruch der landwirtschaftlichen Arbeits- und Lebensstruktur in den LPGs sowie damit einhergehenden Infrastrukturverluste (Meyer/Uttitz 1993).

Der Strukturwandel auf dem Lande ist für viele Menschen mit einer Reihe von sozia­len Fol­gen verbunden: Verunsicherun­gen, Heraus­rei­ßen aus Gewohntem, Entwer­tung be­rufli­cher Qualifikation, Verlust des Ar­beits­platzes, sozialer Abstieg, Identi­tätskrisen, aber auch sozialer und beruflicher Auf­stieg. Hinzu kommt - wie Geißler anführt - dass dieser beispiellose und risikorei­che Wandel auf eine Bevölkerung trifft, die nicht dar­auf vorbe­reitet ist: Soziale Si­cherheit und Be­treuung waren bisher Be­standteile ihrer sozialen Si­tuation (Geißler 1991, S. 68).

1.2 Transformationsprozesse auf dem Lande in Ostdeutschland - ein Weg der Moderne?

Soziologen - vornehmlich aus der DDR - hegten noch 1990 die Hoffnung, dass die Transferprozesse zu keiner Kopie der westlichen Gesellschaft führen, sondern lang­wie­rige Transformationsprozesse einleiten würden, die Übergangsgesell­schaften mit einer eigenen sozialstrukturell begründeten Dynamik entstehen ließen. Das entbehrte allein mit Blick auf die ländlichen Regionen insofern nicht einer gewissen Logik, als - wie der hi­storische Exkurs auf die Landwirtschaftsentwicklung in der DDR ver­deut­licht - die ge­sellschaftliche Umgestaltung der Landwirtschaft beispielsweise eine völ­lig an­dere Bau­ernschaft hervorgebracht hatte, die der der BRD in keiner Weise ent­sprach, ein Um­stand, von dem anzunehmen wäre, dass er wiederum andere Ver­hal­tensweisen nach sich ziehen und bewirken würde. Der weitere Verlauf der realen Transformationsprozesse in Ostdeutschland ließ jedoch sehr rasch erken­nen, dass die Idee der ”Übergangsgesellschaft” unabänderlich ad acta zu le­gen ist.

Gleichwohl versuchen Sozialwissenschaftler, in den zahlreichen Verände­rungspro­zes­sen in Ostdeutschland nicht nur eine bestimmte Ordnung festzustellen, son­dern in ih­nen auch eine bestimmte Richtung auszumachen. In diesem Bestreben wird vielfach [Seite 24↓]auf den Modernisierungs­begriff zurückgegriffen, der allgemein die neuzeitliche Gesell­schafts­entwicklung in Richtung auf Modernität bezeichnet (vgl. Fuchs-Hein­ritz et al. 1994, S. 447). Modernisierung verweist nach van der Loo und van Reijen ”auf einen Komplex miteinander zusammenhän­gender struktureller, kultureller, psy­chischer und physischer Veränderungen, der ... die Welt, in der wir augenblicklich leben, geformt hat und noch immer in eine bestimmte Richtung lenkt.” (van der Loo/ van Reijen 1992, S. 11). Die Autoren arbeiten insbesondere heraus, dass Modernisie­rung nicht allein auf Industriali­sierung, also auf das Wachstum industrieller Kom­plexe, hindeu­tet. Vielmehr wird mit diesem Begriff auch ”auf zunehmende Urbani­sierung, ..., auf die fortschreitende Ratio­nalisie­rung unseres Denkens und Handelns, auf wachsende Demokratisierung und ab­neh­mende soziale Unterschiede, auf die fortschreitende In­dividualisierung und auf eine Reihe weiterer wirtschaftlicher, so­zi­aler, politischer und kultureller Veränderungen” verwiesen (ebenda, S. 12). Mo­derni­sierung bezeichnet für die Autoren also nicht eine spezifische Verände­rung, ”sondern ein ganzes Knäuel miteinander verwo­be­ner Um­wandlungs­prozesse.” (ebenda), die insgesamt den sozialen Wandel in der Ge­genwart kenn­zeich­nen.

Das sozialwissenschaftliche Denken über Modernisierung hat nun eine beträchtliche Anzahl von Theorien hervorgebracht, die seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhun­derts formuliert wurden. Nach Zapf könnte man die Modernisierungstheorie auch als angewandte Theorie bezeichnen, ”die Theoriestücke aus verschiedenen Paradigmen in raumzeitlichen Zusammenhang bringt...” (Zapf 1994a, S. 137).

Es gibt nicht die sozialwissenschaftliche Modernisierungstheorie. Wer sich mit die­sem Phänomen beschäftigt, sieht sich vielmehr mit Konzepten, Modellen und Theo­rien der verschiedenartigsten Couleur konfrontiert (zu nennen wären beispielsweise: Beck 1991, Bendix 1969, Berger 1988, Collins/Waller 1993, Dubiel 1993, Klein 1992, 1994, Kollmorgen 1994, Lau/Weiß 1993, van Loo/van Reijen 1992, Müller, K. 1991, Smelser 1995, Zapf 1969, 1991).

Die sich nach der Wende vollziehenden Wandlungsprozesse in Ostdeutschland ha­ben insgesamt das Interesse und die Diskussion an Modernisierungsperspektiven er­neut ent­facht. Besonders in den ersten Jahren der Transformationsforschung nahmen Mo­der­nisierungstheorien ohne Frage eine Schlüsselstellung ein. So stellte Zapf sei­nerzeit [Seite 25↓]fest, dass ”Modernisierung und Modernisierungstheorie ... wieder zu den wichtig­sten sozio­logischen Ansätzen gehört...” (Zapf 1991, S. 23). Inzwischen hat eine ge­wisse Distan­zierung stattgefunden. So plädieren Joas & Kohli zwar einerseits für eine ”Renaissance der Modernisierungstheo­rien” (1993, S. 24), an­derer­seits ver­weist Kohli aber zugleich darauf, dass der moderni­sierungstheo­reti­sche Inter­preta­ti­onsrahmen die Gefahr einer vor­schnellen Schließung mit sich bringe, indem für ost- und mitteleuropäische Gesell­schaften der gleiche Ent­wick­lungspfad hin zum voll­en­deten Modell der Moderne wie für die westli­chen Ge­sell­schaften in den 60er Jahren unterstellt wird (Kohli 1994, S. 33). Selbst Zapf als ihr klassischer Ver­treter konsta­tiert, dass ”die Wahrscheinlichkeit von Regression, von Modernisierungs­bloc­ka­den, von wi­dersprüchlichen und kontra­produktiven Prozes­sen” in dieser Theo­rie unter­schätzt wird (Zapf 1994b, S. 6). Und Karl Ulrich Mayer beklagt ebenfalls, dass in vie­len gegenwär­tigen Analysen zur DDR-Ge­sellschaft ein zu statisches und ge­schlosse­nes Bild gekenn­zeichnet wird (vgl. Mayer 1993).

Wenngleich also die Modernisierungstheorie zur Zeit durchaus attackiert wird, ihre Fähig­keit, ostdeutsche Umbrüche zu deuten, mitunter sogar in Frage gestellt wird (Lepsius 1991, Mayer 1996, Mayntz 1994, 1996; Pollack 1996), ändert das jedoch nichts an dem Umstand, dass eine zum Mo­dernisierungsansatz konkur­rierende Theo­rie mit ähnli­chem Deutungspotential derzeit nicht zu erkennen ist.

Bei allen sicher gerechtfertigten Vorbehalten gegen Modernisierungstheorien, will ich bei den folgenden Betrachtungen dennoch darauf zurückgreifen. Es soll der Frage nachgegangen werden, wie modernisierungstheoretische Konzepte die höchst wider­sprüchlichen Transformationsverläufe auf dem Lande in Ost­deutsch­land zu erfas­sen vermögen. Meine Darstellung ist ein Versuch in dop­pel­ter Hinsicht. Zum ei­nen ist es bei den vielfachen Modernisierungsansätzen, die vor­lie­gen, angeraten, im Rah­men die­ser Arbeit selektiv zu verfahren. Zum anderen zielt meine Betrachtung auf Pro­zesse, die sich in einem Teilbereich der ostdeutschen Trans­formationsgesellschaft - und zwar im Bereich der Landwirtschaft - vollziehen.

Die Kerngedanken der Modernisierungstheorien bestehen - im großen und ganzen - darin, dass versucht wird, auf einer mittleren Abstraktionsebene die Entwicklung von Gesellschaften seit den großen Revolutionen der letzten drei Jahrhunderte (der ame­ri­[Seite 26↓]kanischen, der industriellen und der französischen Revolution) zu beschreiben und streckenweise zu erklären. Zapf stellt in diesem Zusammenhang deutlich heraus, dass dabei zunächst der Vorsprung einzelner Gesellschaften und sodann die Versuche an­de­rer Gesellschaften, diesen Vorsprung aufzuholen, erklärt werde (vgl. Zapf 1994a, S. 136). Die Transformation in Richtung Modernisierung wird folglich als ein konti­nu­ier­li­cher Prozess bzw. in moderneren Fassungen als Abfolge von Stadien verstan­den (vgl. Kretzschmar 1994). Diese darin enthaltene Vorstellung von Moderne im gesell­schaftli­chen Selbstverständnis lässt erkennen, dass sie nicht als etwas ganz An­de­res begriffen wird (wie noch bei den soziologischen Klassikern Durkheim, Sim­mel, We­ber und Marx), sondern es wird herausgestellt, dass in bestimmten wichtigen Hinsich­ten vorher ent­standene gesellschaftliche Strukturen fortgeführt werden, also die Mo­derne keines­wegs gänzlich neu ist (vgl. Schimank 1996, S. 125f.).

Die realen Modernisierungsentwicklungen in Industriegesellschaften beziehen sich zu­dem - wie auch die darauf basierenden Modernisierungstheorien - auf ”eine be­stimmte Ebene gesell­schaftlicher Gegebenheiten...: auf Institutionen, Organisationen und mate­rielle Gege­benheiten”, also auf ”Objektives” und soziologisch Messbares, worin auch der eigentliche Kern und das Dynamische der Modernisierung gesehen wird. Die Ebene des Kul­turellen und Subjektiven erscheint demgegenüber als träge, dem Modernisierungsprozess hin­terherhinkend (vgl. Hradil/Immer­fall 1997, S. 14). Während also dem institutionellen Wandel ein rasches Tempo zugesprochen wird, unterstellt man den Individuen eine notorische ”Langsamkeit” (Schmidt 1995, S. 323).

Diese oben erwähnten geläufigen Modernisierungskerne (Institutionen, Organisatio­nen, materielle Gegebenheiten) sollen im folgenden auch die Grundlage meiner Be­trach­tungen bilden. Vor dem Hintergrund der Analyse der Ausgangsbedingungen für die Trans­formationsprozesse der Landwirtschaft in Ostdeutschland (vgl. Punkt 1.1.1. dieser Ar­beit) stellt sich die nicht zu umgehende Frage nach dem Modernisierungs­grad der DDR-Land­wirtschaft und ihrer Fähigkeit, sich auf Erfordernisse der moder­nen Indu­striege­sell­schaft einzustellen.

Eine schon klassisch zu nennende modernisierungstheoretische Erklärung des gegen­wärtigen Transformationsprozesses besteht vereinfacht darin, die ehemals ostdeut­sche [Seite 27↓]Gesellschaft in den westlichen Hauptstrom der Modernisierung zurückzuholen. Das wird entsprechend mit ”nachholender Modernisierung” bezeichnet und schien mir - zumindest in den ersten Jahren nach dem gesellschaftlichen Umbruch in den Ländern Ost- und Mitteleuropas - eine vorherrschende Version zu sein. Von daher ist es im üb­rigen nicht weiter verwunderlich, dass Ha­bermas die Ereignisse nach 1989 in Ost­deutschland auch als ”nachholende Revolu­tion” bezeichnete (vgl. Habermas 1990).

Diese Modernisierungstheorie, die ganz in der Tradition Parsons steht, führt die ”evolutionären Universalien” als gemeinsames Kennzeichen der Modernisierung an, wie z. B. ein durch Leistungsgerechtigkeit legitimiertes Schichtsystem, Bürokratie, Geld und Marktwirtschaft, universell gültige Normen und demokratische Assoziatio­nen. Vor diesem Hintergrund werden die strukturellen Selbstblockaden der staatsso­zia­listischen Gesellschaften her­ausgestellt (gemeint ist vor allem die politische Über­steue­rung aller gesellschaftlichen Teilsy­steme), die denk­bare Modernisierungspro­zesse auf­halten wür­den (Parsons 1969, S. 58). Die Reformversuche unter Gorba­t­schow werden demzu­folge als Vorbo­ten gesehen, Hindernisse zu beseitigen und da­mit den Anschluss an die Moderne zu schaffen.

Bei dem Konzept der ”nachholenden Modernisierung” wird also impliziert von ei­nem Mo­dernisierungsrückstand im Vergleich zum Modernisierungsniveau Westeu­ropas ausge­gangen, der in ökonomischer, staatlich-institutioneller als auch demokra­tischer Hinsicht bestehe und entsprechend aufzuholen sei. Es liegt folglich auf der Hand, dass die Ziel­setzung des sozialen Wandels als ein Modell-Transfer festgelegt und damit der Um­bruch in den ehemals realsozialistischen Ländern Osteuropas als Bestätigung der west­europäischen Moderne erfahren wird (vgl. Stojanov 1996, S. 229).

Der grundlegende Mangel dieses Konzepts ist offenkundig. Modernisierungsrück­stände werden bedenkenlos unterstellt, ohne zu hinterfragen, ob sich nicht doch Indi­ka­toren finden lassen, die möglicherweise auf eine spezifi­sche, wenn auch geschei­terte Modernisierungsvariante in den ehemals realso­zialisti­schen Ländern hinweisen. Wür­de man nämlich die von Hradil und Immerfall für west­europäi­sche Industriege­sell­schaften angeführten übereinstimmenden Merkmale 7 der Mo­derni­sierung auch zur [Seite 28↓]Analyse der ostdeutschen Industriegesellschaft heranziehen, dann ließe sich zum Bei­spiel im Hin­blick auf Lebenserwartung, Kindersterblichkeit, Hochschul­bildung, Gleichberechtigung von Mann und Frau u. a. diese Gesellschaft ebenfalls als durch­aus modern bezeich­nen (vgl. 1997, S. 12).

Anders gesagt: Die Aus­gangssituation für den Transformationsprozess wird bei die­sem Ansatz nur unzurei­chend analysiert und in Rech­nung ge­stellt. Die DDR-Ge­sell­schaft sollte - wie Reißig konstatiert - nicht als Vergangenheit ab­ge­tan, sondern als reale Be­dingung der Trans­formation ernst ge­nommen werden (Reißig 1994, S. 327). Lepsius weist in diesem Zu­sammen­hang darauf hin: ”Wenn wir den Status quo nicht festhalten, kön­nen wir auch nicht wis­sen, von welchem Aus­gangspunkt aus die Trans­formation zu beschrei­ben ist” (Lepsius 1991).

Eine Heran­ge­hensweise, in der die alte Bundesrepublik schlechthin mit der Mo­der­nen gleichgesetzt wird und alle Abwei­chun­gen in den neuen Bundesländern ledig­lich un­ter Mo­dernisie­rungsrückstand zu verbu­chen sind, scheint demgemäss auch nicht ge­eignet zur Erklä­rung der höchst komplexen und schwierigen Trans­formationspro­zesse auf dem Lande. Bei der Umstrukturierung der Landwirtschaft im Ostteil Deutsch­lands handelt es sich ­offen­kun­dig um eine Modernisierung, die eben nicht mit der üblichen Vorstellung einer ledig­li­chen Anpassung an die Erfordernisse des Industrie­zeitalters zu fassen ist. Das käme einer Moder­ni­sierung nach vorgefertigten Schnitt­mustern gleich (Klein 1992). Immerhin war die Land­wirt­schaft in der DDR - also schon vor 1989 - modern insofern, als sie bereits einen be­stimmten Grad an ”In­dustrialisierung” erreicht hatte. Wie aus dem knapp dargestell­ten hi­stori­schen Ex­kurs in dieser Arbeit erkennbar, hatte der Landwirtschaftssektor traditio­nelle Ei­gen­tums­for­men und Produktionsver­hältnisse überwunden und moderne, durchaus lei­stungs­fähige landwirtschaftliche Spe­zialbetriebe der Pflanzen- und Tierproduktion hervor­gebracht. Außer­dem kann der ge­genwärtige Umgestaltungsprozess auf dem Lande in nur gerin­gem Maße als Struktur­wandel figurieren, wenn er mit einem derar­tigen Ab­schrumpfen der Er­werbstä­tigen in der Landwirtschaft verbunden ist. Es fin­det wohl eher eine Ge­nerati­onsab­folge auf dem Lande statt oder vielleicht sogar der Un­ter­gang einer ganzen [Seite 29↓]Generation, wie bei Meier und Müller (1997) nachzulesen. An­haltspunkte gibt es auch dafür, dass die in der DDR-Gesellschaft vorgenommenen Umstrukturierungs­maßnahmen bezüglich der Angleichung Stadt-Land obsolet ge­worden sind und damit die regionalen Disparitäten wieder schärfere Konturen an­nehmen werden (vgl. Geißler 1993a, S. 25).

Es bleibt somit festzuhalten, dass das Konzept der ”nachholenden Mo­derni­sie­rung” ganz sicher zu kurzschlüssig angelegt ist, um die komplexen und kon­fliktrei­chen Pro­zesse auf dem Lande zu erfassen. Es zeigt sich vor allem, dass das vorausgesetzte Mo­dell von der DDR-Landwirt­schaft auf die Wahrnehmung der Schwierigkeiten und der Art der Transformation auf dem Lande einen unmittelbaren Einfluss ausübt. Zu fragen wäre vor allem auch, ob alles nachge­holt werden kann und soll, was unter an­deren hi­storischen Voraussetzun­gen entstand und sich heute z. T. auch als Fehl­ent­wicklung of­fenbart.

Der Sozialwissenschaftler Wolfgang Zapf, der als prominentester deutscher Mo­der­ni­sie­rungstheoretiker gilt, hat als sozialtheoretischen Erklärungsansatz sein Kon­zept der ”weitergehenden Modernisierung” vorgelegt. Damit rückt in stärkerem Maße eine Mo­dernisierungstheorie in den Vordergrund, in der bereits eine erfolgte Mo­der­nisie­rung - d. h. ein gewisser Modernisierungsgrad - zugrunde gelegt wird. Dem Haupt­kritikpunkt der ”nachholenden Modernisierung” wird insofern grundsätz­lich Rech­nung ge­tra­gen.

Aufge­griffen wird auch für dieses Konzept die Grund­aus­sage bei Parsons, dass es zu den modernen (westlichen) Gesellschaften mit den Grundinstitutionen der Konkur­renzde­mokratie, der Marktwirtschaft und der Wohl­standsgesellschaft mit Massen­kon­sum und Wohlfahrtsstaat keine ernsthafte Alterna­tive gibt (Zapf 1991, S. 34). Sind diese Insti­tu­tionen - als Basisinstitutionen bezeich­net - entwickelt, dann seien die Ge­sellschaften ”erfolgreicher, anpassungsfähiger, d. h. mo­derner ... als solche, die das nicht tun” (ebenda, S. 34). Die modernen Gesell­schaften entwickeln sich weiter im Sinne von Richtungskonstanz und Strukturverbes­serung, angetrieben durch Konkur­renz und ge­sell­schaftliche Konflikte (ebenda, S. 23ff.). Dahinter steckt - wie Für­sten­berg feststellt - letztlich die Überzeugung, dass das westdeutsche Wirt­schafts- und Ge­sellschaftsmo­dell prinzipiell übertragbar bzw. er­weiterungsfähig ist und seine ge­gen­[Seite 30↓]wärtige Ausprä­gung als zukunftsweisend angese­hen werden kann (Fürstenberg 1995, S. 116).

Zapf sieht also sozialen Wandel in Richtung weiterer Modernität durch die Mecha­nis­men mo­derner Gesellschaften gewährleistet. Im Kern zielt die ”weitergehende Mo­der­ni­sierung” auf Verbesserungen innerhalb der ge­gebenen Basisinstitutionen. Diese wer­den von ihm als Kombina­tion von Inklusion (der Eingliederung oder sozia­len In­te­gra­tion von immer mehr Be­völkerungs­gruppen in die Grundinstitutionen ei­ner Ge­sell­schaft), Werte­generalisie­rung (als eine hohe Flexibilität verschiedener kulturel­ler Aus­deutungen inner­halb ge­meinsamer Grundwerte), Differenzierung (im Sinne insti­tutio­neller Innovationen) und Statusanhe­bung (als Wachstum des mate­riellen Wohl­stands und der sozialen Kom­pe­tenzen für möglichst viele Bürger) ver­standen (Zapf 1991, S.33/34). Nun lassen die Prozesse der so­zialen Um­wand­lung auf dem Lande in Ost­deutschland in mancher Hinsicht aber auch gegenteilige Wirkun­gen er­kennen, wie zum Beispiel statt Inklusion ebenso Prozesse der Ex­klusion (nämlich steigende so­ziale Un­gleichheit), statt einer Wertegeneralisierung eben­falls eine länger anhaltende Phase von Orientierungssuche, neben Statusverbes­se­rung von sozia­len Gruppen eben auch Sta­tusverschlechterung. Das zeigt, dass der ostdeutsche Transformationsprozess begleitet wird von dramatischen Einbrüchen - worauf Zapf selbst aus­führlich hinweist (Zapf 1996, S.318ff.) - und zugleich ein Prozess ist, der sich über einen wesentlich längeren Zeitraum als die bisher zurückgelegten 8 Jahre erstreckt.

Neben solchen Einbrüchen und auch vereinzelten Rückwärtsentwicklungen (wie z. B. die Aufteilung moderner, effektiver Großbetriebe in Gruppeneigentum und damit die staatlich geför­derte Rückkehr zum privaten Einzelbauerntum) lassen sich außer­dem ra­sante Nachholpro­zesse vor allem in den Bereichen Wohlfahrtsstaat, Infra­struktur und Mas­senkonsum beobachten. So fand und findet in den ländlichen Re­gi­onen Ost­deutsch­lands eine umfängliche Modernisierung der Versorgungs-, Ver­kehrs- und Kommuni­kationsin­fra­struktur durch die Übernahme der fortgeschrit­ten­sten Technik statt.

Al­lem Anschein nach wird zudem auch in Ost­deutsch­land ein allgemeiner Trend sicht­bar, dass näm­lich in modernen Indu­strieländern eine fundamentale Transforma­tion der [Seite 31↓]Be­rufsstrukturen hin zu ”Dienstleistungsgesellschaften” erfolgt - und das vor allem auf Ko­sten der Landwirt­schaft.

Es scheint mit Blick auf die ostdeutschen Transformationsverläufe auf dem Lande alles in allem je­doch angeraten, sich mit den Gedanken vertraut zu ma­chen, dass sich der weitere ge­meinsame Modernisierungsprozess im ver­einten Deutsch­land auch in ei­ner zu­nehmenden Vielfalt von organisatorischen Er­scheinungs­formen rea­lisiert. Beide deut­sche Gesellschaften haben ein Stück auf dem Weg in eine mo­derne Ge­sell­schaft zu­rückgelegt und damit auch einen systemüber­greifenden Modernisierungsprozess durchlaufen, der u. a. zur Bildungsexpansion, zum Anstieg der Le­bens­er­war­tung, zu Geburten­rückgang und Verringerung geschlechtsspezifi­scher Un­gleichhei­ten führte. Das er­forderliche Modernisierungsniveau im ostdeutschen Ag­rarbe­reich lässt sich nicht einfach aus der Geschichte der bis­he­rigen Bundesre­pu­blik her­aus be­stim­men und ex­tra­polieren, um daraus mögliche Ent­wicklungsper­spektiven für die Landwirtschaft ab­zu­leiten. Vielmehr ist der ”Ungleichartigkeit der Moderni­sie­rung” - um eine For­mulie­rung von Weiß (1994, S. 294) aufzugreifen - im Bereich der Land­wirt­schaft im nun­mehr verein­ten Deutsch­land stärker Rechnung zu tragen. Das setzt voraus, diesen Be­reich als einen differenzierten mit durchaus er­kenn­baren Wi­der­sprüchen und auch Pa­radoxien versehenen Be­reich der DDR-Ge­sellschaft wahrzu­nehmen, in dem bereits eine selek­tive Mo­dernisierung mittels zen­traler In­stanzen und auch knapperen Ressour­cen statt­fand.

Wenn die ”Basisinstitutionen” der Mo­dernisierung - wie z. B. Einrichtun­gen der Mas­senbil­dung und Massenmedien, die Or­ganisationen des Wohlfahrtsstaates u. a. - auch not­wendige Errungenschaften blei­ben, hinter die kein Weg zurückführt, so schließt das eben nicht aus, dass sich auch ei­nige ostdeutsche Struktur­beson­derheiten entwickeln - wie zum Beispiel eine spezifische Bauernschaft in den neuen Ländern - die eben vom westdeut­schen Muster abweichen (vgl. Geißler 1996, S. 290f.). Es zeichnet sich inzwi­schen ab, dass Beson­derheiten der ländlichen Sozial­struk­tur im Osten den sozialen Umbruch - wenn auch in modifizierter Form - überdau­ern wer­den. Dafür spricht zum Beispiel, dass ost­deut­sche Landwirte nicht nur eigene Fami­li­enbe­triebe bewirtschaften - die häu­fig eine größere Nutzfläche aufweisen als in den alten Ländern - sondern sich auch vielfach in sog. ”Personengesellschaften” zu­sam­men­schließen. Die überwiegende Mehrheit der land­wirtschaftlich Tätigen arbeitet je­doch [Seite 32↓]weiterhin in den LPG-Nachfol­gegesell­schaf­ten. Insgesamt erwirtschaften ost­deut­sche Landwirte durchschnittlich hö­here Gewinne pro Arbeitskraft als die west­deut­schen Bauern. Geißler vertritt die Auf­fassung, dass die ostdeut­schen Landwirte, die den Umbruch überlebt ha­ben, aufgrund ihres aus DDR-Zeiten erhalten gebliebe­nen Gemeinschaftsgefühls nicht in dem Aus­maß von sozialer Rand­stän­digkeit be­droht sind wie viele westdeutsche Bauern (ebenda, S. 297f.).

Der ostdeutsche Transformationsprozess auf dem Lande veranschaulicht also, dass der im großen und ganzen umfassende und abgeschlossene Prozess des Institutio­nen­trans­fers dennoch die Entstehung vom Westen nach Betriebsgröße und Betriebsform un­ter­schiedlicher Agrarorganisationen zulässt. Daran wird bereits deutlich, dass mit dem Blick auf die Basisinstitutionen zwar notwendige, aber durch­aus keine hinrei­chenden Krite­rien der Moderne erfasst werden können. Of­fenbar scheinen die Ba­sis­insti­tutio­nen auch in ihren Entwicklungs­möglichkeiten ausgereizt zu sein.

Während Hradil und Immerfall vorschlagen, in die Theorie verstärkt auch Kriterien der individuellen Autono­mie und der persönlichen Mündigkeit aufzu­nehmen (1997, S. 25) - also Kriterien der subjektiven Dimension - ist es m. E. ebenso erfor­der­lich, vor­han­dene Krite­rien auf der objektiven Ebene zu erweitern und/oder zu spezi­fizie­ren. Denn Kriterien wie beispielsweise Marktwirtschaft, plu­ralistische Demo­kratie und Rechts­staatlichkeit machen ja gerade die Differenz zwischen den beiden ehe­ma­ligen deut­schen Gesell­schafts­syste­men aus und sind so zur Erfassung des Moderni­sie­rungsgrades der DDR-Gesellschaft theoretisch nicht unproblematisch. Allein mit dem empiri­schen Aufzeigen der Differenz kann es wohl bei der Beantwortung dieser Frage nicht getan sein.

Als Resümee der Diskussion ist festzuhalten:

Wir haben es bei dem gegenwärtig stattfindenden Transformationsprozess auf dem Lande in Ostdeutschland mit einer ”sekundären”, der Epoche der Kollektivierung und Agrarindustrialisierung der ost­deutschen Landwirt­schaft nachfolgenden Moder­nisie­rung zu tun. Wiedereinrichter von bäuerlichen Betrieben oder auch die Nachfol­geein­rich­tungen der alten LPG haben dabei die ”widersprüchliche Einheit zwischen Tradi­tion und Mo­derne” (Hildebrand et al. 1992) zu meistern.


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Herkömmliche Modernisie­rungstheorien (eingeschlossen die Auffassungen von einer reflexiven, paradoxen oder auch doppelten Modernisierung) vermögen über den Wan­del auf dem Lande in Ostdeutsch­land zwar et­was Wesentliches auszusagen, d. h. aber nicht, dass sie schon alles We­sentliche sagen. Die Sicht auf die weiterführende Moder­nisierung mit ihren Kriterien bleibt somit ein Blickwinkel, der mit anderen Kriterien kombiniert werden sollte. Mit einer weiteren Annäherung der theoretischen Konzepte an die praktischen, wider­sprüchlichen Trans­formationsverläufe auf dem Lande in Ost­deutschland könnte der wissenschaftliche Transformations-Diskurs ins­gesamt weiter belebt wer­den.


Fußnoten und Endnoten

1 Vgl. Stompe, A. : Der landwirtschaftliche Betrieb und die produktive Arbeit im Leben älterer Schüler auf dem Lande. a.A.o.. S. 59.

2 KIM = Kombinat Industrielle Mast.

3 GPG ist die Abkürzung für Gärtnerische Produktionsgenossenschaft.

4 GV ist die Abkürzung für Großvieheinheit.

5 Nach Berechnungen des deutschen Bauernverbandes (DBV). In: Berliner Zeitung vom 22. 12. 1997.

6 Der Umfang des primären Bereichs in der DDR-Wirtschaft war vergleichsweise doppelt so hoch wie in den alten Bundesländern.

7 Als übereinstimmende Kennzeichen moderner Industriegesellschaften werden z. B. ange­führt: Industrialisierung, Markt und Geldwirtschaft, zunehmende Arbeitsteilung, Urbanisie­rung, Massenbildungssystem, Kleinfamilie, Dominanz unselbständiger Erwerbsarbeit, räum­liche Trennung von Familie und Erwerbsarbeit, Standardisierung des Lebenslaufs in vier Phasen, wohlfahrtsstaatliche Absicherungen, Durchsetzung von Rechtsgleichheit, Meh­rung von Wohlstand, Bildung und Gesundheit, Ausdehnung von Bürokratie, weitgehende Durch­setzung geschlechtsspezifischer Rollenteilung (vgl. Hradil/Immerfall 1997, S. 12).



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21.09.2004