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1  Einleitung

1.1 Eine gestörte Homöostase ist den seltenen Skelettdysplasien wie den häufigen Erkrankungen des Knochens gemein

Im wachsenden wie im ausgewachsenen Knochen erfolgt ein ständiger Umbau. Dieser gewährleistet eine funktionelle Anpassung an geänderte Verhältnisse und beruht auf einem komplexen Zusammenspiel genetischer und exogener Faktoren [Ducy et al., 2000; Mundlos und Olsen, 1997; Teitelbaum, 2000]. An dem dynamischen Prozess sind die knochenbildenden Osteoblasten und als deren Gegenspieler die knochenabbauenden Osteoklasten beteiligt. Unter physiologischen Bedingungen befinden sich Knochenaufbau und –abbau in einem Gleichgewicht (Homöostase), wodurch ein altersspezifisches Verhältnis von Volumen, Form und Struktur gewahrt wird. Ein Ungleichgewicht kann zu einem breiten Spektrum an Skeletterkrankungen führen. Eine der häufigsten Krankheiten überhaupt, die Osteoporose, ist durch eine multifaktoriell bedingte Störung der Knochenhomöostase mit einer Verschiebung des Gleichgewichtes zugunsten des Knochenabbaus charakterisiert. Ein Zusammenhang mit einem Mangel an Sexualsteroiden, einem Überschuss an Glucocorticoiden oder anderen endokrinen Imbalancen, wie Hyperparathyroidismus oder Hyperthyreose, ist gut bekannt [Rodan und Martin, 2000; Orcel und Beaudreuil, 2002]. Wie durch epidemiologische und Zwillingsuntersuchungen gezeigt werden konnte, ist die Variabilität des quantitativen Merkmales Knochendichte in der Bevölkerung zu etwa 80 % genetisch bedingt [Howard et al., 2000]. Die Identifizierung der zugrunde liegenden genetischen Faktoren steht aus und ist Gegenstand intensiver Forschungsbestrebungen [Deng et al., 2002].

Im Gegensatz zur multifaktoriell bedingten Osteoporose sind monogene Knochenerkrankungen, die mit einer gestörten Homöostase einhergehen, selten. Sie bilden eine Gruppe von etwa 50 Entitäten [Hall, 2002]. Die Aufklärung der genetischen Grundlagen und der Pathomechanismen dieser seltenen Erkrankungen können zum Verständnis des Einflusses einzelner genetischer Faktoren auf den Knochenstoffwechsel und die Homöostase beitragen [Van Hul et al., 2001; Janssens und Van Hul, 2002].

Gegenstand der hier vorgestellten Arbeiten sind Skelettdysplasien, bei denen das Gleichgewicht in Richtung einer vermehrten Ossifikation verschoben ist. Die Homöostasestörung findet dabei ihren Ausdruck in einer Hyperostose, einer Sklerose und einer gestörten Modellierung.


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1.2  Nomenklatur und Klassifikation von Skelettdysplasien mit den MerkmalenModellierungsstörung, Hyperostose und Sklerose

Demt Konzept der Gruppierung von Skeletterkrankungen nach morphologischen Gesichtspunkten liegt eine mutmaßliche pathogenetische Verwandtschaft morphologisch ähnlicher Veränderungen zugrunde. Skelettdysplasien, die sich durch eine veränderte Form der Röhrenknochen (Modellierungsstörung), ein vermehrtes Knochenvolumen (Hyperostose) und eine erhöhte Knochendichte (Sklerose) auszeichnen, werden unter dem Begriff „Sklerosierende Skelettdysplasien“ zusammengefasst [Greenspan, 1991; Beighton und Hamersma, 1980; Van Hul et al., 2001], obwohl die Sklerose nicht immer das dominierende Merkmal ist.

Ja nachdem, ob die Modellierungsstörung oder die Sklerose und Hyperostose im Vordergrund stehen, hatten Gorlin und Mitarbeiter [1969] eine Einteilung in Craniotubuläre Dysplasien und Craniotubuläre Hyperostosen vorgenommen.

Folgt man der „International Nosology and Classification of Constitutional Disorders of Bone (2001)“ [Hall, 2002], so bilden etwa 35 Skeletterkrankungen mit erhöhter Knochendichte folgende Gruppen: 1. Ohne Veränderung der Knochenform, 2. Mit diaphysärer Beteiligung, 3. Mit metaphysärer Beteiligung, 4. Neonatale schwere osteosklerotische Dysplasien. Einige Erkrankungen mit den genannten Charakteristika werden als „Craniotubular digital dysplasias“ klassifiziert.

Eine Einteilung der Sklerosierenden Skelettdysplasien in Störungen der endochondralen und der intramembranösen (desmalen) Ossifikation wird von Vanhoenacker et al. [2000] in Fortführung der von Greenspan [1991] vorgenommenen Klassifikation favorisiert. Sie basiert auf den radiologisch sichtbaren Veränderungen, die aufgrund ihrer Lokalisation entweder der desmalen, direkten Knochenbildung oder der endochondralen, über eine knorpelige Vorstufe verlaufenden Ossifikation zugeordnet werden.

Eine einheitliche und allgemein akzeptierte, verbindliche Klassifikation gibt es derzeit nicht.


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17.03.2004